Christian Griesbeck

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Tanz Gesellschaftstanz

Gesellschaftstanz - Einführung

Geschichte und Funktion

Der Gesellschaftstanz dient heute in erster Linie der geselligen Unterhaltung. In der Tanzgeschichte hatte er aber auch die Funktion, den gesellschaftlichen Status dazustellen. Von einem Mann von Stellung wurde erwartet, dass er genau so in der Lage war eine Frau im Tanz zu führen, wie er eine scharfe Klinge oder sein Pferd führen konnte. Der Tanz bestand aus einer erlernten komplizierten Abfolge von Schritten im Raum, die es zur Musik auszuführen galt. Dabei führte man vor den anderen sein zeitaufwendwendig eintrainiertes Können als einzeln tanzendes Paar auf der Tanzfläche vor. Später tanzten auch mehrere Paare gleichzeitig in einer gemeinsamen Choreographie. Für das gemeine Volk war der Gesellschaftstanz hingegen gemeinschaftliche Unterhaltung, er war Erholung vom Alltagsleben und bot die gute Möglichkeit des Anbändelns.

Die Gegenwart – Einzelpaartanz mit Führen und Folgen

In der Gegenwart ist es typischerweise ein Einzelpaartanz, der entweder entlang der Wände des Saals in Tanzrichtung (Gegenuhrzeigersinn) oder lokal an einem Fleck im Raum getanzt wird. Normalerweise sind dabei mehrere Paare gleichzeitig auf der Tanzfläche, denen es auszuweichen gilt. Der Herr hat dabei klassischerweise die Rolle des Führens – des Anzeigens, wie getanzt werden soll und was als nächstes kommt. Er übermittelt dabei durch seinen Körper sowohl rhythmische Signale als auch Impulse, um die Frau auf bestimmte Bahnen innerhalb des Tanzes zu lenken. Eine erlernte Abfolge von Schritten und Raumwegen wird dabei Figur genannt, diese wird vom Mann durch Führungsimpulse geleitet. Diese Impulse vermitteln, welche Figur getanzt werden soll und leiten durch die Abfolge innerhalb der Figur. Die klassische Aufgabe der Frau ist es, dieser Führung zu folgen, sie nimmt dabei die Impulse auf und setzt sie für ihre Bewegung um. Dies erfordert ein hohes Maß an Einfühlen auf die Signale des Partners. Der selten erreichte Idealfall des Führen und Folgens ist ein Tanzen frei von eintrainierten Figuren – die folgende Person kann durch das Umsetzen der eindeutigen Signale der führenden Person eine ihr völlig unbekannte Choreographie tanzen, und der Führende kann diese ad hoc frei erfinden.

Gruppentanzformen

Weitere gegenwärtige Formen des Gesellschaftstanzes finden als gemeinschaftlich tanzende Gruppe statt. Beispielsweise in einer Gassenaufstellung in den wiederbelebten Formen der Country Dances. Auf einem Viereck beim Squaredance. Im modernen Folkloretanz in den Kreistanzformen oder Labyrinthtanzformen. Oder als Einzelperson am Platz die gleiche Choreographie ausführend wie alle Anderen in den Line Dances. Der Vorteil der meisten Gruppentänze ist, das keine ausgewogene Anzahl von Männern und Frauen erforderlich ist. Im Line Dance tanzt ohnehin jeder für sich, bei den durchgefassten Formen spielt es meist keine Rolle, wen man links und rechts gefasst hat, und bei den Formen die noch auf Paartanz basieren, übernehmen oft Frauen auch problemlos die Männerposition und umgekehrt.

Tanzsport

Eine Entwicklung, die Anfang des 20sten Jahrhunderts einsetzte, ist der Tanz als Leistungsschau in Form eines Wettbewerbs. Hier präsentieren Einzelpersonen, Paare oder Gruppen ihr Können in einer spezifischen Tanzform. Die Leistung wird bewertet und es werden Ranglisten geführt, um die Besten zu ermitteln. Gesammelte Preise dokumentieren dabei das Können. Grundsätzlich eigenen sich die meisten Tanzformen auch für einen Wettbewerb, angefangen hat der Tanzsport aber mit den Paartanzformen des Gesellschaftstanzes. Der Trainingsaufwand, der hier getrieben wird, reicht oft an den heran, der in früheren Zeiten getrieben wurde, als Tanz noch Ausdruck gesellschaftlicher Repräsentation war.