Christian Griesbeck

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Mac und Newton

Nachdem die Entwicklung von Calamus auf dem ST weit fortgeschritten war, wandte ich mich ab 1994 dem Mac zu. Mein Erstkontakt mit dem Mac war bereits einige Jahre früher. Es gab sehr früh Mac Emulatoren für den ST, mit denen man etwas herum spielen konnte. Sie waren sogar schneller, hatten mehr Speicher und eine größere Bildschirmfläche als der original Mac. Auch Mac Zeitschriften wie die MacUp und Macworld gehörten neben der Page jahrelang zu meiner Standardlektüre, um außerhalb des Calamus Universums auf dem Laufenden zu bleiben. Für die Entwicklung von EPS für OutlineArt 3 hatte ich leihweise von DMC einen kleinen Mac LC, und ein guter Freund von mir gestaltete die Anleitung des Handbuchs dafür auf einem Mac (was zu großer Empörung bei einigen Entwicklern bei DMC führte). Mein erster eigener Mac war ein Centris 660AV und die erste Erfahrung war die Suche nach einem Monitoradapter, denn Apple wollte ja seine eigenen überteuerten Monitore verkaufen.

Ich beschäftigte mich damals mit der Zukunft von Programmiersprachen und war unzufrieden, wie wenig visuell Programmierung vonstatten ging. Ich war der Meinung, in Zukunft würde man völlig anders arbeiten und vor allem schneller und effektiver zu einem Ergebnis kommen.  Eine C-Entwicklungsumgebung auf dem Mac erweckte meine Aufmerksamkeit: Vip-C. Dort wurden Programme in kleine Häppchen aufgeteilt und zumindest mit einem Flussdiagram visualisiert, Variablen wurden aufgelistet und waren während der Ausführung einsehbar. Ich experimentierte mit der Sprache und schrieb ein Programm, das eine Tarot Kartenauslage deutete. Aber für richtiges Arbeiten war die Umgebung dann leider doch nicht geeignet und weit entfernt von dem, was ich mir wünschte. So wechselte ich zu Code-Warrior, einer vitaleren Entwicklungsumgebung.

Computer Choreographie/Choreologie Projekt

Mein eigentliches Projekt auf dem Mac sollte mein Computer Choreographie/Choreologie Projekt werden: ein recht komplexes System zur Erfassung von Labanotation, dass die mobile handschriftliche Eingabe auf dem Newton ermöglichen sollte und die umfangreiche Bearbeitung und Visualisierung auf dem Mac. Ein wichtiges Thema in dieser Zeit war die Frage: Cross-Plattform Entwicklung auf Mac und Windows oder nicht? Wie kann man in ferner Zukunft die Lesbarkeit der erzeugten Dokumente sichern? Das ist eine der wichtigsten Fragen, denn Tanzschrift dient in erster Linie der Erhaltung von Kunstwerken. Das Projekt scheiterte schließlich am finanziellen Ressourcenmangel und den beschränkten Möglichkeiten der damaligen Technik, die Zeit war noch nicht reif. Und das Projekt scheiterte vor allem auch an der Krise von Apple und Steve Jobs, der den Newton killte.

Pocket Backgammon

Quasi ein Abfallprodukt meiner Beschäftigung mit dem Newton war mein Pocket Backgammon, das ich als Übungsprojekt durchführte, um mich mit der Umgebung vertraut zu machen. Es ist mein einziges aus dieser Zeit (1996) veröffentlichtes Programm, das wie viele meiner Programme ausgezeichnet wurde (den „Joy of Mac Award“ der Australian Macworld). Die seltsamste Auszeichnung des Programms und seiner effektiven Spiellogik sind allerdings einige anonyme Drohbriefe, die ich in der Zeit erhielt – da konnte einer offensichtlich nicht verlieren. Schade, denn das Programm spielte nur etwa genau so gut wie ich und nein, es mogelte dabei nicht. Klar, mogeln ist beim Backgammon für den Computer sehr einfach, hält er doch in der Regel die Würfel in der Hand. Aber ich machte alles, um dem Nutzer klar zu machen, dass das Programm nicht mogelte, führte Statistik über die gefallenen Würfelkombination für beide Seiten und ermöglichte es dem misstrauischen Spieler, echte Würfel zu verwenden und die Zahlen einzugeben.

Interessant an Pocket Backgammon war die Art, wie der Benutzer auf dem kleinen Bildschirm mit Fuzzi Logic unterstützt wurde. Und interessant war auch die iterative Bewertungsfunktion der Stellung, die nur den Unterschied der Bewertung für alle möglichen Züge berechnete und so mit der sehr wenigen Rechenleistung des Newtons auskam.

Internet

Meine Internetzeit begann damals auch auf dem Mac und auf den AIX Systemen, die wir in der Hochschule zur Verfügung hatten. So machte ich 1998 ein Internetkonzept für ein Online Medizin Portal, das aber schließlich doch nicht realisiert wurde. Für meinen neuen Arbeitgeber würde ich mich bald der Konsensplattform Windows zuwenden.