Christian Griesbeck

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Meine Kostümprojekte

Für den historischen Tanz und das Reenactment brauchte ich die passenden Kostüme. Da ich niemanden gefunden habe, der sie für mich auf dem Level macht, das ich erreichen möchte, habe ich selber damit begonnen mir Kostüme zu schneidern. Mein Verfahren ist allerdings sehr zeitaufwendig. Und ich lerne beim Anfertigen der einzelnen Stücke stetig hinzu.

Am Anfang meiner Kostümprojekte steht immer die Recherche. Was ist typisch für die Zeit? Gibt es erhaltene Originale? Was kann man auf Abbildungen erkennen? Welche Farben und Materialen wurden verwendet? Gibt es schon brauchbare Schnitte? Wie wurde die Kleidung getragen? Welche Kleidungsstücke wurden übereinander getragen?

Aufbau Schicht für Schicht

Ich möchte in meinen Kostümen das Gefühl der Zeit nachempfinden, dazu muss der Aufbau stimmen. Und der Aufbau beginnt immer mit der passenden Unterwäsche. Sicher kann man hier für ein Männerkostüm ein klein wenig mehr Kompromisse machen als für ein Frauenkostüm – so habe ich am Anfang z.B. die Kombination überknielange Strümpfe und zeitgemäße Unterhose erst einmal durch eine Strumpfhose ersetzt. Bei einer Frau ist über dem Hemd unbedingt das passende Mieder (Schnürbrust, Korsett etc.) der Zeit und der entsprechende Rockunterbau erforderlich. Ohne einen passenden Unterbau kann man bei einer Frau nie die zeitgemäße Silhouette erreichen, und auch das Tragegefühl ist ein völlig anderes. Aber auch beim Mann macht es einen Unterschied, ob man ein modernes Hemd (oder gar ein T-Shirt) drunter hat oder das meist knielange Hemd der jeweiligen Zeit, mit viel Stoff, der verstaut werden will. Am Anfang eines Kostümprojekts steht daher für mich immer das passende Hemd. Darüber wird dann Schicht für Schicht jedes Kleidungsstück aufgebaut und angepasst, das damals getragen wurde.

Schnittmusteranpassung und Prototyping

Meine Schnittmuster stammen entweder aus Büchern – dann vergrößere ich sie am Computer und passe sie dort an meine Maße an, oder sind kommerzielle Schnittmuster verschiedener Anbieter für historische Schnitte – dann passe ich die Schnitte ggf. auf dem Papier an meine Bedürfnisse an. Die allererste Anprobe erfolgt in der Regel mit einem Papierprototypen, dieser wird ggf. so lange angepasst, bis ich zufrieden bin. Danach mache ich einen Prototypen aus einlagigem Stoff, denn Stoff verhält sich noch einmal anders als das steife Papier. Bin ich auch hier zufrieden, mache ich einen fortgeschrittenen Prototypen, der vom Schichtaufbau her (Oberstoff, Einlage, Futter etc.) voll dem fertigen Kostüm entspricht, aber aus günstigerem Stoff besteht. Dies wiederholt sich für jede Schicht der Kleidung, bis ein fertiger, voll tragbarer Prototyp entstanden ist – dieser wird erst einmal als Ersatz für das künftige Kostüm im praktischen Einsatz getestet. So habe ich bisher sehr aufwendige Prototypen geschaffen, die für sich oft schon besser sind, als viele Kostüme die im Umlauf sind. Es irritiert manchmal Leute, wenn ich ihnen erzähle, dass das was ich trage nur ein Prototyp ist.

Kostüm mit Originalmethoden

Die letzte Stufe ist ein Kostüm, das mit historischen Nähtechniken und den richtigen Materialien basierend auf den Erfahrungen mit meinem Prototypen gefertigt wird. Im Idealfall entspricht es dann einer Reproduktion eines Originals, das perfekt auf meine Körpermaße angepasst ist. Ein Kostüm, das sich genauso anfühlt und verhält wie das Original vor vielen Jahren an seinem Träger.

Das große Problem bei diesem Verfahren ist natürlich der ernorme Zeitaufwand der notwendig ist, um ein Kostüm herzustellen. Die Suche nach guten Stoffen ist eine Sisyphusarbeit, bei der man leider Kompromisse machen muss. Man wird kaum einen Stoff finden, der nach den Verfahren der Zeit gefärbt und hergestellt wurde. Außerdem ist es schwierig, die notwendigen Accessoires wie Knöpfe, Schnallen, Schuhe, Hüte, Waffen etc. zu beschaffen.