Christian Griesbeck

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Kostümgeschichte - Überblick

Das Anfertigen von Kleidung ist sicherlich ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Menschen und den meisten Tieren. Kleidung erscheint schon auf Felsenzeichnungen aus der Steinzeit, spätestens mit der Sesshaftwerdung des Menschen wurde das Spinnen von Garn und das Weben von Stoffen erfunden. Ich spare mir hier allerdings viel über Länder und Zeiten zu schreiben, von denen ich zu wenig Ahnung habe, sondern werde mit dem 14ten Jahrhundert in Europa beginnen.

Burgund im Spätmittelalter

Im Frankreich und Burgund des 14ten und 15ten Jahrhunderts begann man damit, sich von der einfachen Kleidung des Mittelalters abzuwenden und eine neue Schneiderkunst zu entwickeln. Die Formen des Körpers wurden erforscht, abstrahiert und verstärkt. Die Männer zeigten wieder Bein, die Frauen bekamen eine Taille und ein Dekolleté.

Renaissance

Im Italien des 15ten Jahrhunderts zündete der Funken der Renaissance. Auch hier zeigten die Herren Bein und vor allem ihre prächtigen Stoffe. Zeitweilig wanderte hier die Taille der Damen nach oben wie später im Empire. Das enge schnüren wie im Burgund oder später in Deutschland und Spanien wurde ihnen aber erspart; statt dessen wurden die Gewänder mit Unmengen an Stoff aufgebauscht.

In der deutschen Renaissance des 16ten Jahrhunderts gab es nicht nur eine Moderevolution, auch ein gewisser Martin Luther sorgte für Unruhe. Die Männer fielen mit extravaganten Hosenformen auf, die Frauen hatten zunehmend eine Taille.

In der spanischen Mode wurde der Oberkörper der Frau dann kegelförmig geschnürt und auch der Unterleib mit einem kegelförmigen Reifrock versehen. Die Männer hingegen trugen kurze kugelförmige Hosen. Bei beiden wurde schließlich der Kopf durch eine immer ausladendere Halskrause vom Körper separiert. In England verwandelte der Reifrock später den Unterleib der Frau in eine Tonne.

Barock

Am Anfang des Barocks prägte der dreißigjährige Krieg die Kleidung. Die Männer trugen nach wie vor einen Wams, die Hosen waren aber nicht mehr aufgeplustert und wurden deutlich praktischer, auch die Halskrause verschwand zugunsten eines aufwendigen, mit Spitze besetzten Kragens. Die Halskrause hielt sich bei den Damen etwas länger, und sie hatten mit der Schneppentaille ihre eigene Variation des Entenbauchs, den die Herren einige Jahrzehnte früher trugen.

In der Mitte des 17ten Jahrhunderts wurde die Männermode bunt und verspielt. Der Rheingrafenlook mit einer Art voluminösen Hosenrock und unzähligen Schleifchen und Bändern prägte den französischen Hof Ludwigs XIV., der in Europa tonangebend wurde. Die Damen entdeckten das Dekolleté wieder, das breit eingefasst wurde.

Um 1670 begann man die zweckmäßige Soldatenkleidung am Hofe zu interpretieren. Der klassische dreiteilige Anzug mit Kniehose („Culotte“), Weste („Veste“) und Rock („Juste-au-corps“) wurde entwickelt, der die Männermode bis Ende des 18ten Jahrhunderts prägte. Der „Juste-au-corps“ wurde bis Ende des 17ten Jahrhunderts zunächst geschlossen getragen und die darunterliegende Weste hatte den gleichen Schnitt und Stoff. Bei den Frauen wurde das Mieder (die konische Schürbrust) langsam zur Unterkleidung und wurde stetig enger geschnürt, darüber trug man nun ein Mantelkleid („Manteau“), das die Frauenmode der nächsten Jahrzehnte prägen wird.

Im 18ten Jahrhundert variierte die Mode beim Herren fortan nur noch das Thema des dreiteiligen Anzugs. Der zunächst eng geschneiderte und geschlossen getragene Justeaucorps wurde nun hinten mit weiten Einsätzen versehen, so dass er bei jeder Bewegung rockähnlich schwang. Um 1720 wurde der Schoß des Justeaucorps sogar so versteift, dass er wie der Reifrock der Damen weit ausgestellt war. Er wurde nun offen getragen, damit die nun meist andersfarbige Weste sichtbar wurde. Die Damenmode entwickelte sich in der Zeit hingegen ständig. Neben dem Manteau, der bis in die 1720er Jahre noch auf einem kegelförmigen Reifrock ruhte und eng am geschnürten Körper anlag, entwickelte sich die Contouche. Die Contouche war zunächst ein recht formloses Sackkleid, das aber schon eine sehr charakteristische, in Falten gelegte Rückenpartie hatte.

Rokoko

Ab 1730 wurde auch die Contouche auf Taille gearbeitet, nur noch die in Falten gelegte Rückenpartie floss sanft vom Körper herab. Der Reifrock hatte sich von der spanischen Kegelform zunächst zu einer Glockenform erhoben, um dann in den 1730ern die charakteristische seitlich ausladende ovale Form des Rokokos anzunehmen. Zeitweilig wurde er am Hof so ausladend, dass die Türen verbreitert werden mussten, es gab aber auch alltagstaugliche kleinere Formen. Die Kleider flossen über vor Dekoration – Schleifen, Bänder, Blumen, zudem wurden wertvolle Brokatstoffe verarbeitet. Die Herrenmode blieb beim Dreiteiler, die Weste wurde stetig kürzer, die Schöße des Justeaucorps schrumpften wieder zusammen, er bekam vorne eine abgerundete Form und war oft nur noch mit ein paar Haken und Ösen auf der Brust zu schließen. Aus England schwappte dann schließlich eine praktischere und schlichtere Damen- und Herrenmode auf den Kontinent.

Französische Revolution bis Empire

Die französische Revolution war auch eine Moderevolution, die Hofgesellschaft wurde interniert und die Revolutionsfarben blau-weiß-rot wurden unentbehrliches Attribut der Kleidung. Der schwarze Tuchrock sollte alle (Herren) gleich machen, was allerdings nicht allzu lange vorhielt. Die Hosenfrage ob „Pantalon“ – die langen Hosen der Matrosen, oder „Culotte“ – die übliche Kniehose war auch nur eine Oberflächliche, denn zu gehobenen Anlässen wurde die Kniehose nach wie vor bis weit ins 19te Jahrhundert getragen. Der Justeaucorps verlor seine Frontpartie unterhalb der Taille völlig und wurde in den Frack umgewandelt. Die Damenmode blieb von der Revolutionszeit zunächst unbeeindruckt, auch hier wurden die Revolutionsfarben getragen, aber auch der Caraco bleibt nach wie vor beliebt. Dann setzte eine Entwicklung über ein lose getragenes Hemdkleid hin zu den Musselinkleidern im Empire Stil ein. Die Taille wanderte direkt unter den Busen, und mit den durchscheinenden Stoffen imitierte man die Kleidung der Antike über einer imitierten Nacktheit. Einige für die Zeit ideal gebauten Frauen konnten sogar auf die übliche Schürbrust verzichten. Viele Frauen trugen aber eine veränderte Form dieses Mieders, nun mit eingesetzten Keilen, die für die Brüste ein Körbchen ausbildeten in einer verkürzten Form oder auch mit Keilen zur Verbreiterung über den Hüften.

Biedermeierzeit

In der Herrenmode der Biedermeierzeit tat sich wenig, die langen engen Hosen setzten sich nun durch, neben dem Frack entwickelte sich der Gehrock als bevorzugtes Oberkleidungsstück. In der Frauenmode sank die Taille zurück auf ihre natürliche Position und wurde zunehmend enger geschnürt. Die Röcke wurden weiter und Puffärmel verbreiterten die Schultern, so das die Taille noch schmaler wirkte. Wichtig wurde der Kopfputz. Ein sehr beliebter Hut der damaligen Zeit war die Schute, die das Gesicht einfasste, wie die Manschette des Biedermeiersträußchens, das die Damen mit sich trugen.

Zweite Hälfte des 19tes Jahrhundert

Die Herrenmode ab Mitte des 19ten Jahrhunderts versachlichte sich weiter. Frack und Gehrock wurden weiter getragen, büßten aber ihre Farbigkeit ein. Hinzu gesellte sich als weiteres Kleidungsstück das Sakko. In der Damenmode begann man damit, die Silhouette stetig umzumodulieren. Die ausladenden Röcke wurden von einem Federstahlkäfig – der Krinoline – getragen. Zeitweilig zollte man dem Rokoko Tribut, indem man es nachahmte. Der Rock wurde Anfang der 1870er Jahre vorne und an der Seite wieder schmaler, die Krinoline wurde von der Tournüre ersetzt, die den aufgeplusterten Po in den Blickfang setzte.