Christian Griesbeck

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Bücher mit Schnittmustern für historische Kostüme

Wenn man sich mit Originalschnitten von historischen Kostümen beschäftigt, wird man schnell auf die beiden großen Damen auf diesem Gebiet stoßen: Janet Arnold und Norah Waugh. Norah Waugh starb bereits 1966, ihre Bücher sind daher auf dem damaligen Forschungstand. Janet Arnold starb 1998, die Qualität ihrer Arbeit setzt immer noch einen Maßstab für Kostümhistoriker.

Bei Büchern mit Schnittmustern (wie bei Schnittmustern allgemein) muss man darauf achten, ob es sich um wirklich authentische, von originalen Stücken ausgemessene Schnitte handelt oder um Theaterkostüme. Auch das Vergrößern und Anpassen an die eigenen Maße erfordert oft einiges an Aufwand.

Norah Waugh: The Cut of Men's Clothes: 1600-1900
Das Buch ist von der behandelten Spannweite für Männer immer noch unentbehrlich. Leider gibt sie zu den Schnittmustern nur sporadisch Informationen zum genauen Aufbau der Kostüme. Skizzen wie das komplette Kleidungsstück aussieht fehlen, manchmal existiert ein Bildtafel mit dem erhalten Originalkleidungsstück. Interessant sind auch die Teile mit zeitgenössischen Zitaten und Schneiderbüchern.

Norah Waugh: The Cut of women's clothes 1600-1930
Dieses Buch ist das Gegenstück zum Männerbuch, es wurde erst posthum nach ihrem Tod von Margaret Woodward veröffentlicht. Hier gibt es nun Skizzen wie das zusammengesetzte Kleidungsstück aussieht und Schnitte für die einzelnen Schichten des Kleidungsstückes. Auch hier finden sich wieder zeitgenössische Zitate und Tafeln alter Schneiderbücher.

Norah Waugh: Corsets and Crinolines
Für historische Frauenkostüme ist der korrekte Unterbau absolut unentbehrlich. Hier beschäftigt sich Norah Waugh mit den formgebenden Unterteilen der Frauenkleidung vom 16then Jahrhundert bis 1925. Wie auch in den beiden anderen ihrer Bücher ist dieses angereichert mit zeitgenössischen Zitaten und Teilen von Schneiderbüchern.

Janet Arnold: Patterns of Fashion 1 - Englishwomen's dresses and their construction c. 1660-1860
Im ersten Buch von Janet Arnold geht es um erhaltene englische Frauenkostüme vom Barock bis vor der Einführung der Nähmaschine. Am Anfang führt sie in die Schnittmuster- und Kleiderherstellung mittels zeitgenössischer Quellen ein. Danach beschreibt sie ausführlich erhaltene Kleidungsstücke und mit archäologischer Genauigkeit die Schnitte, die sie aus diesen Originalen ausgemessen hat. Am Schluss geht sie auf die Kostümherstellung für den heutigen Gebrauch ein.

Janet Arnold: Patterns of Fashion 2 - Englishwomen's Dresses & Their Construction c. 1860-1930
Das zweite Buch von Janet Arnold behandelt erhaltene englische Frauenkostüme von der Einführung der Nähmaschine bis 1930. Zwischen den beiden Büchern liegt ein durchaus sinnvoller Schnitt, denn mit der Nähmaschine hat sich die Kleiderherstellung grundlegend geändert.

Janet Arnold: Patterns of Fashion 3 - The Cut and Construction of clothes for men and women c. 1560-1620
Dies ist leider das einzige Buch von Janet Arnold geblieben, das sich mit der Oberbekleidung sowohl von Männern als auch von Frauen beschäftigt. Der Bereich der Herrenkleidung wird ja leider in Kostümbüchern etwas vernachlässigt. Auch Janet Arnold hat sich in den ersten beiden Bänden der Reihe nur um englische Frauenkostüme gekümmert. Hier finden sich nun einige der wenigen erhaltenen Stücke aus dem Europa der Renaissance präzise beschrieben.

Janet Arnold: Patterns of Fashion 4 - The Cut and Construction of Linen Shirts, Smocks, Neckwear, Headwear and Accessories for Men and Women C. 1540 – 1660
In Janet Arnolds letztem Buch, das nach ihrem Tod von Jenny Tiramani fertiggestellt wurde, geht es um die unabdingbaren Leinenartikel, die von Näherinnen von der Renaissance bis zum Barock hergestellt wurden.

Nancy Bradfield: Costume in Details -  Women's Dress, 1730-1930
Das Buch von Nancy Bradfield enthält zwar keine Schnitte, dafür aber sehr gute Detailzeichnungen von erhaltenen Kostümen, die einen Blick auf die Konstruktion gestatten. Eine sehr gute Ergänzung zu den anderen Büchern, mal wieder leider nur für die Frau.

Linda Baumgarten: Costume Close-Up - Clothing Construction and Pattern, 1750-1790
Hier werden detailliert 25 Kleidungsstücke des Rokokos aus der Colonial Williamsburg Foundation beschrieben. Das Schöne an dem kleinen Buch von Linda Baumgarten ist, dass es nicht nur die Oberbekleidung behandelt, sondern jeweils die notwendige Komplettausstattung von Mann und Frau für die Zeit (mit Ausnahme von Schuhen und Kopfbedeckungen). Daneben sind immer wieder kleine Kästen mit Extrainformationen.

Sharon Ann Burnston: Fitting & Proper – 18th Century Clothing from the Collection of the Chester County Historical Society
In diesem (leider vergriffenen) Buch finden sich Beschreibungen und Schnittmuster von rund 40 erhaltenen Kleidungsstücken und Accessoires von Männern, Frauen und Kindern aus der Zeit ca. 1750-1800 die sich in der Sammlung der Chester County Historical Society befinden. Es ist eine gute Ergänzung zu dem Buch von Linda Baumgarten, hier ist der Fokus noch etwas mehr auf die Kleidung der Alltagsmenschen gerichtet. Allerdings stammt ein Teil der Stücke aus Quäkerfamilien die einen recht spezifischen Zeitgeschmack hatten.

Ninya Mikhaila, Jane Malcolm-Davies: The Tudor Tailor - Reconstructing 16th-Century Dress
Die beiden Autorinnen sind auf Forschungsreise in die Vergangenheit gegangen und legen ihr spannendes Ergebnis vor. Da es kaum erhaltene Stücke aus dem 16ten Jahrhundert gibt, mussten die beiden für ihre Schnitte viel mit der Interpretation von Bildnissen aus der Zeit arbeiten – das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Neben den neu kreierten Schnittmustern und Nähanleitungen gibt es viele Zusatzinformationen über die Kleidung der Zeit.

Katrin Kania: Kleidung im Mittelalter - Materialien - Konstruktion - Nähtechnik. Ein Handbuch
Basierend auf ihrer Dissertation bietet dieses Buch einen fundierten Überblick über die Entwicklung der Kleidung im Mittelalter von 500 bis 1500 sowie deren Schnitt- und Nähtechniken. Sie geht ausführlich auf die Fund- und Quellenlage ein.