Christian Griesbeck

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2. Tanztag Rhein Main

Der Tanztag Rhein Main benötigt aufgrund der Vielzahl der Angebote etwas an Planung, wenn man davon ein möglichst breites Spektrum wahrnehmen möchte – ich hatte diesmal sogar verschiedene Szenarien durchgeplant: Soll ich „den Zauber des klassischen Tanzes“ als schönen „Starter“ in den Tag einplanen? Soll ich nur im Mousonturm bleiben, in dem vieles parallel angeboten wird? Oder durch die Gegend fahren und so Zeit verlieren, aber mehr neues kennen lernen? Ich habe mich dann für letzteres entscheiden. Los geht es als Auszug aus dem VHS-Programm mit etwas, was ich noch nicht selbst gemacht habe: dem „Bollywood-Tanz“. Es geht allerdings nicht sofort los, weil die Dozentin erst mal im Verkehr stecken geblieben ist. Als Showtanzform bedient sich der „Bollywood-Tanz“ aus einer bunten Mischung verschiedener Stile, wer mag kann hier z.B. Elemente des klassisch indischen Tanzes, des Bauchtanzes, oder des Jazztanzes entdecken. Das Eigenständige an dieser Tanzform sind vielleicht die verwendeten Bewegungsrepetitionen. Eine tiefe tradierte Bedeutung haben die Gesten hier nicht, es ist eher eine Form von einfacher Ausdrucksgestik: „Schau, habe ich nicht schöne Augen, und sieh meine schlanke Taille...“ Auf jeden Fall ist es eine witzige Tanzform und der Workshop macht Spaß. Weiter geht es im Mousonturm mit „Afrikanischer »moderner« und traditioneller Tanz“. Aha, die Schritte des ersten modernen afrikanischen Tanzes kommen mir bekannt vor – hierzulande nennt man das Diskofox, allerdings ist es eine Linedancevariante davon. Das tanzt man also heute in Afrikas Diskos, aber wir lernen ja noch andere moderne afrikanische Tänze und traditionellere Formen kennen. Der Dozent nutzt dabei auch afrikanische Trommeln, aber leider nicht die Gelegenheit, etwas tiefer in die Tanzgeschichtsvermittlung zu gehen – schade, mich hätte es jedenfalls interessiert. Nach einer kleinen Mittagspause geht es für mich bei OT pur mit „Bauchtanz für Einsteiger“ weiter. Hier sind ausnahmsweise auch mal Männer willkommen, die orientalischen Tanz ausprobieren wollen. Schon schlimm, dass an einigen Orten (z.B. beim „Orientalischen Tanz“ im Zentrum für Hochschulsport der Uni-Frankfurt oder beim „Ballett“ in der VHS-Frankfurt) die ohnehin wenigen Männer die Tanz betreiben möchten ausgeschlossen werden. Bei Frauen gäbe es im analogen Fall sofort einen Aufschrei – aber Männern wird erst mal unterstellt, dass sie eh nur zum Gaffen kommen wollen. So komme ich hier zu meiner ersten Bauchtanzstunde, etwas mehr Beweglichkeit in den Hüften kann ja auch Männern nicht schaden. Also übe ich mich im Isolieren, Kreisen und Verschieben von Becken und Schulterpartie. Für die Beckenbewegung hat die Dozentin sogar eine „Männermetapher“ – erst nimmt die Baggerschaufel den Sand auf, kippt nach hinten um ihn zu transportieren, fährt nach vorne und kippt nach vorne um ihn abzulanden. Gut, beim Bauchtanz geht es, wie ich erfahre auch um „Frauengespräche“, die braucht Mann natürlich nicht. Das erinnert mich nun an einen Spruch, den ich mal bei der Vorstellungsrunde in einem Ausdruckstanzworkshop gehört habe: „Ich habe nun Bauchtanz und Flamenco gemacht, und irgendwann habe ich mir gesagt – das kann doch noch nicht alles gewesen sein.“ – Ja die Welt ist voller toller verschiedener Tanzformen, man muss nur neugierig sein. Weiter geht es für mich (diesmal als Zuschauer, da ich leider nicht mit einem Schnippen der Finger durch Frankfurt komme) im Mousonturm mit „Dance Basics »Performance«“ – O.K. irgendwas wesentliches habe ich hier für die Aufführungspraxis nicht wirklich dazugelernt, dabei gibt es doch so viel, was man beachten und vermitteln könnte. Der Abschluss des Workshopprogramms bildet dann für mich am gleichen Ort „Modern Dance (Limón-Technik)“. Auch hier verspätet sich der Dozent, vermutlich ist er im Copyshop hängen geblieben, denn er verteilt an uns (gefühlt) Tausende von Flyern für sein Unterrichtsangebot in Frankfurt, die wir dann weiterverteilen sollen – aha. Über die Grundlagen der „Limón-Technik“ erfahren wir hier leider nichts, es ist einfach ein beliebiger Modern Dance Workshop mit einem Technikmix, und nach etwas Aufwärmen wird eine Sequenz eingeübt, die auch nicht zwingend etwas mit Limóns Tanzstil zu tun hat. Am Abend gibt es dann, wie im letzten Jahr, ein Tanzfest mit einer Mischung aus Disko und Mitmachtänzen aus den unterschiedlichen Tanzangeboten des Tages. Diesmal wurde der große Saal des Mousonturms zum Tanzpalast umfunktioniert. Dabei wird zum Mitmachen vergleichsweise exotisches wie Bolivianischer Tanz, Aufpuschendes wie Hip-Hop, aber auch Altbewährtes aus dem letzten Jahr wie SCD und Folklore angeboten. Und wie im letzten Jahr finden hier einige Dozenten nicht das rechte Maß, überziehen ihre 10 bis 15 Minuten gnadenlos um eine halbe Stunde und machen noch einen Tanz und noch einen Tanz und noch einen Tanz – für mich dann leider ein Grund, vorzeitig Feierabend zu machen.