Christian Griesbeck

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Blog Tag: Ball

Tag: Ball

Christian
FSCDC 45th Frankfurt Spring Ball with Day School
20.04.2013 10:00:00

Der Spring Ball des Frankfurt Scottish Country Dance Club feiert ein halbrundes Jubiläum – er findet zum 45sten mal statt und der Club selber besteht nun sogar bereits seit stolzen fünfzig Jahren. Zum ersten mal wird der Ball mit einer Day School kombiniert, die Daphne abhält. Auch wenn die Day School für „intermediate and above“ ausgeschrieben ist, geht es hier vor allem um Basics – sauber, exakt und schön tanzen – Technik, Zeiteinteilung und „Partnering“ sind die Hauptthemen, die man immer verbessern kann. Am Nachmittag gibt es dann das von Dagmar angeleitete übliche Walk-Through durch einige ausgewählte Tänze des Abends. Und um 19 Uhr beginnt der Ball. Zum 40. Ball gab es noch eine Tombola und das inzwischen weltweit verbreitete FSCDC-T-Shirt, so wird der Club nun zu seinem 50sten mit einem Poloshirt gediegener: „50 years – and still reeling“ ist auf diesen dezent eingestickt. Für die Livemusik sorgen (wie eigentlich immer) Christine (fiddle) und Anselm (piano) nebst Gästen. Als MCs fungieren diesmal Dagmar und Johanna. Ich tanze fast alle Tänze des Abends, sogar die Jubiläums-Pausenzugabe, die ich ohne die notwendige Übung nicht unbedingt gebraucht hätte – aber das Set muss ja zustande kommen. Als einzigen Balltanz lasse ich „The Golden Snitch“ aus – hier braucht man wirklich einen Partner und ein Set das präsent ist und den Tanz beherrscht, um ihn mit echtem Vergnügen zu Tanzen – beides ist in dem Moment nicht in Sicht, so schaue ich halt mit Vergnügen zu. Es ist wieder mal ein schöner Ball, wenn auch ein langer Abend, denn die Day School ab dem frühen Morgen hat schon einiges an Kraft und Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.



Tags: Tanz | Ball | SCD | Workshop

Weiterlesen...


 
Christian
Tanzfest des HTK Bensheim
02.03.2013 17:00:00

Früher gab es wohl mehr von diesen kleinen spontanen internen Tanzfesten beim HTK, man kam im Gymnastikraum zusammen, jeder brachte etwas zu essen mit, die Musiker spielten und alle tanzten die bekanten Tänze. Mit der wachsenden Größe des Vereins ist das schon schwieriger geworden, durch die unterschiedlichen Gruppen und das breitere Repertoire beherrscht nicht mehr jeder alle Tänze, und auch die Musiker haben ihren spezifischen Schwerpunkt. Längst reicht der Platz im Gymnastikraum nicht mehr aus, so dass die mögliche Spontanität recht eingeschränkt ist und auch das Dorfgemeinschaftshaus ist beim Tanzfest nun recht gut gefüllt. Die Idee des Abends war – jeder zieht sein Lieblingskostüm an, und jede Stunde wechselt das Programm von der Bäuerlichen Renaissance, über die Höfische Renaissance, zum Barock und Rokoko und schließlich zur Biedermeierzeit, mit der der Verein vor vielen Jahren einmal gegründet wurde. Für uns ist es die Gelegenheit, in Bensheim einmal unsere „Jane Austen“ Kostüme zu tragen. Mein neuer Frack hängt schon längere Zeit fast fertig am Bügel, nun nähe ich in der Nacht zuvor schnell noch die fehlenden Knopflöcher und die Knöpfe an. Der Frack löst dann auch bei den ganz jungen Damen des HTK eine besondere Bewunderung aus. Dass der sture Wechsel des Programms in Stundentakt wohl nicht klappen wird, hatte ich mir schon zuvor gedacht und der Abend bleibt im wesentlichen in der Renaissance hängen, in der die einzelnen Gruppen die größte Schnittmenge haben und für die in nächster Zeit auch Auftritte anstehen. Erst im Endspurt kommt des Abends dann das 18te und 19te Jahrhundert noch mit einer Hand voll Tänzen zum Zuge. Aber es ist natürlich immer schön, wenn mal alle aus dem Tanzkreis zusammen kommen, und es gibt dann ja auch immer ein leckeres Büfett. Jeder sollte etwas mitbringen, und das sind dann so viele verschiedene Speisen, dass ich es beim besten Willen nicht schaffe, eine Kostprobe aller Köstlichkeiten auf meinem Teller unterzubringen.



Tags: Tanz | Ball | Renaissance | Barock | Empire | Biedermeier

Weiterlesen...


 
Christian
Ball Royal zum 350. Geburtstag des Grafen Wackerbarth im Gohliser Schlösschen
17.11.2012 15:00:00

Eigentlich sollte der Ball zum 350. Geburtstag des Grafen Wackerbarth wie die Winterbälle in den letzten Jahren im Dezember in Zabeltitz stattfinden. Nun meint scheinbar die lokale Politik, Hand in Hand mit „Beratern“, aus dem Zabeltitzer Palais eine „Premium Location“ machen zu können und hat, so weit ich das verstehe, als ersten Schritt schon mal die Mietpreise drastisch erhöht. Die Konsequenz ist natürlich, dass die gewachsenen kleinen Events passen müssen, aber auch die gewünschte „Premium Kundschaft“ bleibt aus – dafür ist der Ort nicht attraktiv genug. Als Resultat werden nicht nur Existenzen in der lokalen Wirtschaft (insbesondere Hotels und Gaststätten) vernichtet, sondern auch notwendige Einnahmen, die zum Erhalt beitragen können, verschwinden ebenso wie auch Gewerbesteuereinkünfte der Stadt. Etwas mehr Augenmaß was möglich ist und was nicht täte manchmal den Gemeinden gut. Das Schöne an Zabeltitz war, dass alle direkt nebenan im Hotel untergebracht waren, so dass man sich schon beim Frühstück kennenlernen konnte, und auch die Atmosphäre mit dem Kerzenlicht in dem sonst leider kahlen und modernen Palais hatte uns gefallen.

Aber nun zum Ball in Leipzig im Gohliser Schlösschen, das Uwe Müller aka Graf Wackerbarth als neuen Veranstaltungsort gefunden hat. Es hat natürlich viel viel schönere Räumlichkeiten – es ist dort ähnlich wie in Engers, mit Gemälden, bemalten Decken und Wänden. Dafür ist überall nur elektrisches Licht erlaubt, und man muss natürlich auf die Museumsgegenstände achtgeben. Wie im letzten Jahr ist Ilka Trotte die Tanzmeisterin, und es gibt bereits am Vorabend einen kleinen Tanzkurs, diesmal in einer lokalen Ballettschule, weil das Schloss dafür noch nicht zur Verfügung steht. Auf dem Programm stehen überwiegend einfache Playford-Klassiker wie Indian Queen (1701) und Gathering Peascods (1651), der von den Figuren vermutlich anspruchsvollste Tanz des Abends ist dabei Hunsdon House (1665). Am Samstagmorgen werden die Tänze noch einmal wiederholt, wobei es sich als hilfreich erweist, dass ich eine kleine Musiksammlung auf dem Handy habe – denn das dient bis zum Eintreffen der Musikanlage als Ersatztonquelle – leise, aber immerhin Musik. In der Umziehpause üben wir dann zu zweit noch kurz unseren als Gastgeschenk mitgebrachten Barocktanz – er ist nicht in Vergessenheit geraten. Nach einem kleinen Imbiss und einem Spaziergang ist dann bereits Umziehen angesagt – Carola hat sich für ihr neues Jäckchenkostüm entschieden, das etwas mehr „Bahnreisegeeignet“ ist.

Um 15 Uhr beginnt dann der Empfang, die Gäste werden von Zeremonienmeister Baron von Löwenthal peu à peu dem Grafen Wackerbarth und seiner Begleiterin vorgestellt. Bei der Gelegenheit werden gerne auch wertvolle Gastgeschenke überreicht, wie eine Ananas, die beim Grafen große Verwunderung ob der Gartenbaukünste auslöst. Im Anschluss geht es zur Kaffeetafel, hier werden die Gäste ihrem Rang nach vom Zeremonienmeister aufgerufen und an der langen Tafel platziert. Nach dem Aufheben der Kaffeetafel gibt es ein Konzert. Zu Gast ist Stefano Guardiano mit seinem Programm „La voce Celeste – eine himmlische Stimme“ und fasziniert alle Anwesenden – davon möchte man gerne noch mehr hören. Der nächste Programmpunkt ist bereits das 3-Gänge-Menü, wir nehmen wieder, wie vom Zeremonienmeister angewiesen, unsere Plätze an der Tafel ein. Zunächst gibt es eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses, danach eine Suppenkomposition, das Hauptgericht ist ein Braten, der förmlich auf der Zunge zergeht und zum Schluss werden verschiedene Mousse au Chocolat gereicht. Vor dem Ball gibt es dann noch ein kleines Geburtstagsfeuerwerk und die Schokoladentafel wird eröffnet – diesmal mit Rücksicht auf die Räumlichkeiten ohne Wunderkerzen. Auf dem Ball tanzen wir dann die Tänze, die zuvor geübt wurden, allerdings sind viele Leute dabei, die den Tanzkurs versäumt haben, so dass alle Tänze noch einmal erklärt werden müssen, bevor wir sie durchtanzen. In der ersten Pause zeigen wir dann unsere mitgebrachte „Bourée d’Achille“. Bis dann um Mitternacht der Ball endet, tanzen wir jeden Tanz mindestens zwei Mal. Schade nur, dass man sich bei Barock-/Rokokobällen oft auf gelaufene Playfordtänze beschränkt und der Tanz dadurch jegliche Spritzigkeit und Brillanz verliert. Leider sind die meisten Reenactors nicht in der Barocktanztechnik geschult, und die meisten Barocktänzer besuchen keine Reenactmentveranstaltungen – so bleibt der Tanz auf diesen Bällen nur ein Schatten seiner selbst.



Tags: Barock | Ball | Tanz | Playford

Weiterlesen...


 
Christian
3. Rothenfelser Tanzsymposion „all’ungaresca – al español“
06.06.2012 18:30:00

Bereits auf dem Weg, der letzten Etappe mit dem Bus, treffe ich einen Teilnehmer – Rothenfels, das ist so etwas wie ein Familientreffen der historischen Tanzszene, meint er. Und tatsächlich, obwohl es nun 2012 es erst zum dritten Mal stattfindet, ist das Rothenfelser Tanzsymposion bereits eine international bedeutende Institution im Bereich historischer Tanz geworden. Die Teilnehmer kommen aus einer Vielzahl von Ländern, der Schwerpunkt ist Europa, aber sogar aus Australien und den USA sind jeweils zwei Personen angereist. Neben Deutsch ist die Hauptsprache des Symposiums Englisch, auf das meist sofort umgeschaltet wird, wenn jemand dabei ist, der kein Deutsch spricht; auch die Zusammenfassung (in der jeweils anderen Sprache) im zum Symposium bereits erhältlichen Tagungsband ist sicher sehr hilfreich. Nach den Deutschen kommt die zweitgrößte Gruppe diesmal aus Russland, wo sich zur Zeit eine sehr aktive Szene für historischen Tanz bildet. Ein wichtiges Zeichen ist sicherlich auch, dass diesmal einige Franzosen mit dabei sind; aber auch die Österreicher dürfen nicht vergessen werden. Insgesamt sind es rund einhundert Dozenten, Musiker, Organisatoren und einfache Teilnehmer, die sich in der kleinsten Stadt Frankens auf der abgegrenzten Burg Rothenfels zum Symposion zusammengefunden haben. Es ist eine bunte Mischung von interessierten Laien bis zu den alten Hasen aus dem „who’s who“ der historischen Tanzszene. Etwas ganz Besonderes ist hier sicherlich die sehr ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis.

Am Mittwoch ist, nachdem ich den Berg mit meinem schweren Gepäck erklommen habe, erst mal Check in. Ich habe viel Glück, ich hatte ein Bett im Mehrbettzimmer gebucht und nun bin ich alleine in einem Doppelzimmer. Die Burg Rothenfels ist eine Jugendherberge und ein Tagungshaus. Als, wenn auch größtenteils frisch renovierte, Jugendherberge ist alles natürlich entsprechend spartanisch – mit Duschen und WC auf dem Gang. Nachdem ich meine Tagungsunterlagen, und schon eine paar bekante Gesichter, gefunden habe gibt es erst einmal Abendessen. Das Essen ist typisches Jugendherbergs-Großküchenessen ohne jede Ambitionen. Aber die Burg hat ein besonderes Flair – hier sitzen alle auf den Bänken beim Essen (oder zum Abschluss des Abends im Burgkeller) zusammen und kommen miteinander ins Gespräch.

Los geht es am Mittwochabend, zunächst mit einem Kurzauftritt von Barbara Segal und William Tuck: „Courtly Dance meets Country Capers: speculations on the influence of traditional hornpipe on english noble dance“ – bei dem sich die noble Tänzerin und der wilde Hornpipe Tänzer vom Lande gegenseitig domestizieren. Im Anschluss teilen sich die Teilnehmer in zwei Gruppen für einen zweistündigen „Tanzabend“ – eigentlich ein Abendworkshop. Das Programm ist so organisiert, dass durch die Gruppeneinteilung jeder an allem teilnehmen kann. Für mich steht als erster Tanzabend im Rittersaal Alan Jones mit „Spanish Minuet Improvisation“ auf dem Programm. Der Rittersaal ist der berühmtberüchtigte Saal in Rothenfels mit einem unebenen Natursteinboden – mittlerweile zumindest mit einem Textilbelag etwas verbessert –  aber immer noch nicht wirklich tanzgeeignet. Von dem, was Alan Jones aus den spanischen Quellen gelesen hat, sind für mich die Variation der Arme (auch mit sehr hohen Armen, und Armen über zwei Menuettschritte verteilt) für das Menuett das interessanteste. Der eigentliche Improvisationsteil ist dann dröge – es tanzt eine gefühlte Stunde lang auf der Fläche immer nur jeweils ein Paar, das sich produziert. Immerhin, wir haben hier im Rittersaal das fünfköpfige Musikensemble des Symposiums, das für uns spielt. Der Abend klingt für mich im Burgkeller bei einem dunklen Bier und netter Unterhaltung aus.

Am Donnerstag beginnt nach dem Frühstück das volle Tagungsprogramm mit den Vorträgen. An den vier Vormittagen der Tagung gibt es insgesamt 13 überwiegend englischsprachige Vorträge. Eine meist erweiterte Form der Vorträge findet sich auch im Tagungsband, den ich mir natürlich gleich kaufe. Die Vortragenden sind zum Teil Doktoranden, die einen Ausschnitt aus ihrer Arbeit präsentieren, zum Teil international bekannte Tanzwissenschaftler und zum Teil ebenfalls international bekannte Praktiker und Künstler. Der Donnerstag hat den Fokus: Italien, Frankreich und Europa. Zur Eröffnung trägt Gerrit Berenike Heiter unter dem Titel: „Getanzte Vielfalt der Nationen, ihre Darstellung  und Funktion im französischen Hofballett (Ende 16. Jahrhundert-Mitte 17. Jahrhundert)“ einen Teil aus ihrer Doktorarbeit vor. Dabei hat sie für die Tagung einen guten Aufmacher, in dem sie die einzelnen Länder der Anwesenden durchgehen kann – nur die Slowenen finden sich nicht als Charakter im französischen Hofballett. Die Charaktere, mit denen die einzelnen Länder in Frankreich dargestellt werden, sind indes meist nicht sehr schmeichelhaft. Im Anschluss trägt Markus Lehner für den verhinderten Marko Motnik vor: „Die italienische Tanzkunst am Habsburger Hof und der Tractatus de arte saltandi von Evangelista Papazzone (um 1572–1575)“. Es wird eine neu entdeckte Quelle vorgestellt, die ein wichtiges Indiz für die Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte der italienischen Tanzkunst in Österreich ist. Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit dem Vortrag von Karin  Fenböck: „Wien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Hilverdings ‚danza parlante’ als Schmelzpunkt der Tanzkulturen?“ Neben der Situation von Tanz und Theater in Wien wird hier aufgezeigt, dass Noverre nicht der einzige Reformator hin zum Handlungsballett in seiner Zeit war, allerdings hat sich außerhalb von Wien für Hilverdings Neuerungen keiner interessiert – Noverre hat seine Ideen offensichtlich besser vermarktet. Den Abschluss macht der Vortrag von Guillaume Jablonka: “French-Italian dance technique on the European stage of the late eighteenth century,” in dem er Schritte und Passagen aus dem Ferrère Manuskript (1782) vorstellt und in Beziehung zu Magri (1779) setzt.

Nach der Theorie und dem Mittagessen geht es weiter mit der Tanzpraxis in den Workshops. Wir sind in drei Gruppen aufgeteilt, die Dozenten unterrichten ihren anderthalbstündigen Workshop jeden Tag in einem anderen Raum, die Gruppen bleiben in ihrem Raum, so dass man nach und nach alle Workshops erlebt. Ich habe es mit dem Saal im Amtshaus gut getroffen, durch seinen Schwingboden ist er zum Tanzen der beste Raum von Burg Rothenfels. Als erstes gibt Nicoline Winkler einen Workshop zum „Repertoire der Pariser Opernbälle im frühen 18. Jahrhundert“. Da der Beitrag ursprünglich als Vortrag geplant war, gibt es erst einmal eine theoretische Einführung zu den Bällen in der Pariser Oper ab 1716 – die Contredanses hatten dort schon die alten Tanzformen verdrängt. Im praktischen Teil gibt es mit Livemusik drei Tänze aus der neu entdeckten Chorégraphie - Durlach 209/210 zu erlernen. Als zweiter Workshop steht Guillaume Jablonka mit „Trying to find Magri’s Pas Trusé” auf dem Programm. Der Pas Trusé aus Magri’s Buch (1779) ist ein aus vier Teilen zusammengesetzter Schritt und wir spielen verschiedene Möglichkeiten der Ausführung durch – ein eher experimenteller Workshop. Nach dem Abendessen gibt es einen Kurzauftritt von der frisch angereisten Ana Yepes mit „Dances of the Spanish Baroque“. Bei dem kastagnettenlastigen Auftritt würde ich natürlich gerne wissen, was von den Armen aus Quellen belegt ist und was eine modere Readaption ist, gut sieht es in jedem Fall aus. Und danach bin ich bei einem Tanzabend von Uwe Schlottermüller und Jørgen Schou-Pedersen „’Budapest, Kairo, Peking’ – unterwegs mit Dubreil und Delpêch“. Wir lernen einige witzige Contratänze, auch schon im Hinblick auf den Ball am Sonnabend.

Auch am Freitagvormittag gibt es wieder vier Vorträge; diesmal mit dem Fokus auf Deutschland und Polen. Hubert Hazebroucq beginnt den Reigen mit einem französisch-deutschen Kulturtransfer: „Six French dances in Germany: An Instruction by Johann Georg Pasch (1659)“. Paschs Text ist eine wichtige Quelle für den Tanz im 17ten Jahrhundert, leider nicht, weil er den Tanz gut beschreibt, sondern weil er eine der wenigen Quellen aus diesem Jahrhundert überhaupt ist – Hazebroucq macht aus den Tanzbeschreibungen recht stimmige Rekonstruktionsversuche. Im Anschluss präsentiert Alessandra Kajdanska ein neu gefundenes Manuskript aus der gleichen Zeit, eine Seite mit Tanzbeschreibungen die sich in einem Tagebuch gefunden hat: „Von Unterschiedlichen Täntzen. The Diary of Georg Schroeder and the tradition of dance culture in Gdansk in the second half of the 17th century.” Die Seite enthält verbale Beschreibungen und Raumskitzen für fünf Gesellschaftstänze – leider ohne Schrittmaterial und Musik. Carol Marshs Beitrag „The Elusive Baroque Polonaise“ wurde kurzfristig von einem Workshop zum Vortrag, so dass es der Text leider nicht mehr in den Tagungsband geschafft hat. Es geht um das Erscheinen der Polonaise in Traktaten im 18ten Jahrhundert und die Rekonstruktion der „Nev Figvrirte Polonoise“ aus Winterschmids: „Kurze und leichte Anweisung...“. Im Anschluss beschäftigt sich Hannelore Unfried mit einem ost-westlichen Kulturtransfer: „Der Cotillon: Die Mazurka wird ‚German’“ und geht dabei der Frage nach, wie und ob beide Tänze zusammenhängen. Am Nachmittag sind wieder die Tanzworkshops an der Reihe. Zunächst Barbara Segal mit: „French Noble Dance in England: a Delight in Complexity?“ Anders als die Tanzmeister in Frankreich, die von der Akademie reglementiert wurden, waren die Engländer freier was das Schrittmaterial und die rhythmische Struktur anbelangt – ein Beispiel hierfür ist die Hornpipe. Leider bekommen wir die Choreographien nicht als Handout, sondern sie werden an die Wand projiziert. Sieben Seiten Hornpipe in 90 Minuten und dabei zu versuchen mit Fernblick gleichzeitig die Choreographie zu entziffern, ist selbst für mich auf Dauer zu viel Complexity und zu wenig Delight, aber ich steige im Gegensatz zu den meisten immerhin erst kurz vor Schluss aus. Der zweite Workshop kommt von Hannelore Unfried „Cotillon: Gestampft, Geschlagen, Gewählt - Mazurka im frühen 19. Jahrhundert.“ Wir spielen verschiedene Cotillons durch, auch schon im Hinblick darauf, welche ballgeeignet sind. Nach dem Abendbrot gibt es wieder einen Kurzauftritt - Irene Ginger und Hubert Hazebroucq zeigen „einige Metamorphosen des Menuetts“ – schade, dass meine Kamera diesmal aus bleiben musste. Beim anschließenden Tanzabend unterrichtet Ingo Günther den „Figurenländler des 18. Jahrhunderts“ – ich kenne seine Choreographie bereits aus einem früheren Workshop mit ihm. Wie jeden Abend trinke ich noch im Burgkeller bei netter Unterhaltung ein dunkles Bier. Diesmal bewundere ich Carles Mas, der für unsere Musiker tanzt, Flöte spielt und gleichzeitig trommelt, fast als sei er dem Holzschnitt aus Arbeau entsprungen.

Der Samstag ist für mich ein spanischer Tag. Am Morgen gibt es drei Vorträge mit dem Fokus auf die mediterrane Sphäre. Christine Bayle, Carles Mas und Barbara Sparti bekommen den kompletten ersten 90 Minutenblock für ihren Gemeinschaftsvortrag: „A Hit Tune Becomes a Hit Dance: The Travels of a Pavane through Italy, the Iberian Peninsula, France and Germany.“ In der Tat, die Pavane ist im 16ten Jahrhundert schnell zu einem Hit geworden. Dass sie absolut nichts mit dem drögen „simple, simple, double“ zu tun haben muss, zeigt der Vortrag und auch ein Workshop am Nachmittag. Im zweiten Block gibt es wieder zwei Vorträge. Ana Yepes mit „From the Jácara to the Sarabande“ – beide Tänze sind eine Art Geschwister, die mit dem Schwerpunkt auf der Jácara dargestellt werden, Armbewegungen sind leider nicht erhalten. Unter dem Titel „In Search of the Fandango“ geht danach Alan Jones auf Spurensuche nach diesem Spanischen Tanz, wie er im 18ten Jahrhundert getanzt wurde. Eine komplette Choreographie ist leider nicht vorhanden, so dass Andeutungen zu einem Bild zusammengesetzt werden müssen. Die Workshops am Nachmittag beginnen mit „The Iberian Pavana by Jaque,” die Carles Mas lehrt. Juan Antonio Jaques „Libro de danzar“ ist eine wichtige Quelle des späten 17ten Jahrhunderts und als der Workshop vorbei ist, denkt man nur – davon möchte ich mehr können. Den letzten Workshop des Symposiums „La Escuela Bolera“ gibt Anna Karin Stahle. Dieser Tanz, der seine Wurzeln im späten 18ten Jahrhundert hat, blieb durch die zunächst nur mündliche Tradierung sicher nicht frei von jüngeren Einflüssen, Spaß macht er trotzdem. Am Abend ist dann der große Ball des Symposiums. Gewünscht wurde festliche Kleidung des 18ten Jahrhundert und viele erscheinen natürlich in ihren Kostümen – am besten gefallen haben mir die Kostüme der Russen. Die Musik kommt komplett live von unseren Musikern, getanzt wird vornehmlich, was zuvor an Gruppentänzen in den Workshops gelernt wurde. In der Pause gibt es kleine Häppchen, der Ball geht weit bis nach Mitternacht und viele bleiben auch nach dem offiziellen Schluss noch lange beisammen.

Nach einer, wie immer zu kurzen, Nacht geht es am Sonntag auch mit den Vorträgen in die letzte Runde und auf zu neuen Welten, denn bisher lag der Schwerpunkt des Symposiums ja auf Europa. Barbara Alge berichtet von ihren Forschungen von einem europäischen Kulturtransfer nach Afrika und Südamerika: „Die Mourisca aus Portugal und ihre Rolle als "Botschafterin"  seit dem 15. Jahrhundert“. Und als letzten Vortrag hören wir Tiziana Leucci mit “From Pietro della Valle to Gaetano Gioja : or the Curiosity for the “Others”. The Interest for Indian Dances and Oriental Customs (& Costumes) in Europe (1663-1821)“ Das Interesse in Europa für alles Exotische war natürlich groß. Der Kulturtransfer aus Indien fand in erster Linie allerdings durch Reiseberichte statt, so dass was in Europa zu sehen war sicherlich mehr Projektion als Import war.

Vielleicht war das Symposium zu heterogen, um bei der Schlussrunde ein Gesamtfazit zu ziehen; noch bevor es zum Lob der Vermischung der Kultur in Europa kommen kann, übernehmen die Hinweise auf weitere Veranstaltungen überhand. Und dann, bei der Frage ob es in vier Jahren ein viertes Rothenfelser Tanzsymposion geben wird, platzt eine kleine Bombe – diesmal war das Symposium durch zu wenig Teilnehmer defizitär, da es bislang nicht öffentlich gefördert wird, ist eine Fortsetzung fraglich, zudem lastet im Moment auch die Organisation auf zu wenig Schultern. Beides sind Dinge, die sich ändern lassen und ich biete spontan meine Hilfe an. Besonders ärgerlich ist dabei, dass einige Leute Probleme hatten sich bei Burg Rothenfels anzumelden, trotzdem die Veranstaltung nicht ausgebucht war. Eine Fortsetzung ist für die historische Tanzszene in Deutschland, und vielleicht sogar in Europa sehr wichtig, trägt es doch wesentlich zum Austausch, zur Professionalisierung und der Hebung des Gesamtniveaus bei. Ich denke, wir brauchen in Deutschland (wie z. B. in UK) für so etwas eine Trägerorganisation, die sich um den Historischen Tanz kümmert und die Standards hebt. Nach dem abschließenden letzten gemeinsamem Mittagessen ist es Zeit für den Nachhauseweg – ich habe Glück und werde bis zum Aschaffenburger Bahnhof mitgenommen – die Anbindung von Rothenfels mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ja leider besonders an Sonn- und Feiertragen schlecht. In den vier Tagen gab es dreizehn Vorträge, neun Workshops, einen Ball und viele nette Gespräche – das war ein volles Programm. Das Symposium wird noch lange nachwirken, der Tagungsband ist ja auch schon erschienen, so dass alle, die es verpasst haben, zumindest die Vorträge nachlesen können. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mich kurzfristig entschlossen hatte dabei zu sein. Rothenfels 2012 hatte eine einmalige, sehr bereichernde Atmosphäre, schade dass es nur alle vier Jahre stattfindet.



Tags: Ball | Biedermeier | Empire | Barock | Renaissance | Workshop | Tanz | Symposion

Weiterlesen...


 
Christian
1. Frühlingsball in Bad Arolsen 2012
24.03.2012 14:30:00

Das Jahr beginnt in Sachen historischer Tanz und Reenactment so, wie das letzte Jahr zuende gegangen ist – mit einem Barock-/Rokokoball. Letztes Jahr in Dillenburg hatten wir Matthias kennen gelernt. Er ist Organisator der Reenactment Interessengemeinschaft „History Action“ und er hat uns gleich zum ersten großen Frühlingsball im Schloss von Bad Arolsen eingeladen. Der Ball war zwar schon ausgebucht, aber es wurden dann für uns noch Ballkarten frei, die wir gerne angenommen haben. Mit dem Umziehen hat alles problemlos geklappt und damit sind wir diesmal sehr früh dran. Zunächst begrüßen, aufgerufen durch den Zeremonienmeister, die Delegationen aus den einzelnen Ländern die Gastgeber und jede Dame bekommt als Gastgeschenk eine Rose überreicht. Als Ehrengast erscheint, von Fanfahren begrüßt, sogar der alte Fritz höchstpersönlich. Weiter geht es in drei Gruppen – für uns steht zunächst die Kaffeetafel auf dem Programm, andere flanieren oder sollen an einer Führung des Gastgebers durch sein Schloss teilnehmen. Die Führung fällt aber leider aus, weil das Schloss noch durch eine reguläre Führung blockiert ist. Nun, Kaffee und Kuchen sind jedenfalls lecker und wir sitzen doch tatsächlich mit Friedrich dem Großen am Tisch, der neben den leiblichen Genüssen auch dem Laster des Tabakgenusses frönt. Nach dem Kaffee bleibt das Flanieren, leider nur im Hof des Schlosses, weil sich kein Zugang zum Park findet, der irgendwo hinter dem Schloss sein muss. Aber als Abwechselung steht eine Kutsche bereit für eine kleine Fahrt durch die Stadt, ein sehr schönes Element! Die Passanten in der Stadt sind natürlich etwas verwundert über all die hohen Herrschaften, die da an ihnen vorbeirauschen. Auch das passend gekleidete Photographenpaar macht unermüdlich Bilder, die das Ereignis festhalten. Weiter geht es für die hundert Gäste mit einem gemeinsamen festlichen Mahl im großen Saal des Schlosses. Das Perlhuhn ist sehr lecker, dazu gibt es Livemusik. Die Tischgespräche sind, wie auch die Bekleidung von Bedienung und Musikensemble, nicht allzu authentisch – es geht wie meist um Kostüme, das nötige Zubehör für Reenactment und was man so macht. Dann muss der Saal geräumt werden – Umbau für den Ball. Eine kleine Fehde mit einer Fechtszene überbrückt draußen die Wartezeit.

Der Ball beginnt mit einem festlichen Einzug der Gäste in einer Polonaise. Getanzt wird aber erst einmal nicht, sondern es gibt ein Konzert mit Musik und Opernarien aus dem Barock. Danach gibt es noch einen kleinen Ausflug ins 19te Jahrhundert (vorher war der Spitzentanz noch nicht erfunden) mit einem putzigen Frühlingstanz. Das enttäuschendste an Barockbällen ist für Leute, die sich mit richtigem Barocktanz befasst haben scheinbar meist der Tanzanteil. Die Musik kommt auch hier wieder aus der Konserve, getanzt werden nur einfache Countrydances, auf barockes Schrittmaterial wird fast völlig verzichtet und die Tanzmeisterin war zeitweise etwas überfordert mit dem „Flöhe hüten“. Da sind die Bälle natürlich im Vorteil, die mit einem Workshop verbunden sind, oder das Ballprogramm vorher veröffentlichen. Aber ich bin auch vielleicht einfach viel zu verwöhnt von der Qualität, die in dieser Beziehung bei Scottish Country Dance Bällen erreicht wird. Die meisten Leute, die Barockreenactment machen, wissen halt wenig von Barocktanz – und die meisten Leute, die ernsthaft Barocktanz machen, betreiben kein Reenactment. Eine weitere kleine Reenactmentspielszene lockert die Pause auf, auch das gut ausgestattete Spielzimmer ist einen Besuch wert. Um Mitternacht gibt es dann ein Feuerwerk für die Ballgäste, womit der Ball aber lange noch nicht zuende ist. Es ist klar, dass beim ersten Mal nie alles so 100% klappt, wie man es geplant hat, in jedem Fall steckt viel Arbeit dahinter. Schade finde ich, dass nicht mehr vom Schloss zugänglich war. Aber vielleicht findet ja im nächsten Jahr wieder ein Frühlingsball statt.



Tags: Reenactment | Ball | Barock | Tanz

Weiterlesen...


 
Christian
Barocker Hofball in Zabeltitz 2011
10.12.2011 10:00:00

Mein Barocktanzmarathon findet für mich in diesem Jahr mit dem Barocken Hofball in Zabeltitz seinen Abschluss. Den von Uwe Müller alias Graf Wackerbarth organisierten Hofball gibt es nun schon seit einigen Jahren, auch wenn er im letzten Jahr, aufgrund der unsicheren Situation rund um das Palais in Zabeltitz, ausfallen musste. Wir sind dieses Jahr am 10. Dezember 2011 zum ersten Mal mit dabei und freuen uns auch auf die Reenactmentelemente, die hier mit einfließen. Los geht es eigentlich schon am Freitagabend mit einem kleinen Tanzkurs und geselligem Beisammensein, aber durch einen Terminkonflikt können wir leider erst in der tiefen Nacht vor Ort ankommen. Zu allem Überfluss verfahren wir uns noch auf dem Weg, ein Straßenatlas von 1993 ist halt nicht mehr allzu aktuell. Nach einer langen Fahrt und einer zu kurzen Nacht gibt es im Gästehaus Zabeltitz ab 8 Uhr ein leckeres Frühstück – sogar mit Bacon and Eggs. Ab 10 Uhr morgens gibt es dann noch mal zwei Stunden Tanzkurs mit der Tanzmeisterin des Abends – Ilka Trotte – die auch schon seit Jahren beim Sonnenball die Tanzmeisterin gibt und nun auch Historische Kostüme anfertigt (die wir an dem Abend an ihr bewundern können). All zuviel verpasst haben wir am Freitagabend nicht, denn wir wiederholen die Tänze noch einmal – alles einfache Klassiker wie „Indian Queen“ aus der Sammlung Playford (1651) und „La Matelote“ aus Feuillets Recueil de Contredances (1706). Insgesamt werden dann sieben Tänze gelernt und am Abend kommen spontan noch ein paar weitere hinzu. Wer mag, kann sie mit den entsprechenden Barockschritten tanzen, Technik wird an dem Morgen aber nicht vermittelt. Die längere Pause bis zum Nachmittag nutzen wir dann, um noch etwas Schlaf nachzuholen.

Weiter geht es nach dem Umziehen mit dem Sektempfang im Palais ab 15 Uhr. Gut, dass wir im wenige Schritte entfernten Gästehaus untergekommen sind, ein Umkleiden vor Ort ist nicht vorgesehen. Für die kalte Witterung haben wir unsere Kostüme extra noch um Umhänge erweitert, die wir in der Woche davor schnell noch genäht haben. Vor dem Schloss hält ein Soldat Wache und kontrolliert unsere Einladung, wir dürfen eintreten. Der Zeremonienmeister stellt uns dann Graf Wackerbarth und den wartenden Gästen vor – offensichtlich sind wir die einzigen, die Uwes Angabe, dass die Gäste zwischen 15:00 und 15:30 Uhr nach und nach eintrudeln sollen, ernst genommen haben – denn wir kommen als letzte an und werden natürlich beäugt – wie peinlich. Aber der Zeremonienmeister entschuldigt unser spätes Eintreffen mit dem schändlichen Überfall unserer Kutsche (wir haben arabische Ölscheichs und deutsche Politiker im Verdacht) und der langen Fahrt durch die Nacht. Weiter geht es mit der Kaffeetafel. Der Zeremonienmeister ruft jedes Paar einzeln nach seinem Rang auf und dieses wird dann von einem Diener an der gemeinsamen Tafel platziert – je niedriger der Rang, desto weiter entfernt vom Gastgeber sitzt man natürlich. Um 17 Uhr wird dann die Kaffeetafel aufgelöst und die Gäste verteilen sich in die, nun von Kerzenlicht erleuchteten, oberen Räume des Palais. Im Kaminzimmer lodert bereits das Brennholz und wärmt den Raum. Dort ist auch Gelegenheit, Schach oder Karten zu spielen und sich mit den anderen Gästen zu unterhalten. Ein Paar nutzt die romantische Gelegenheit und verlobt sich hier. Weiter geht es mit einem kleinen Streichkonzert barocker Musik durch die Musikschule Meißen. Um 19 Uhr beginnt dann das Diner mit einem 3-Gänge-Menü, wir sitzen wieder alle zusammen an der Tafel und das Essen wird uns serviert. Hier gibt es auch ein paar Reenactment Spielszenen und Trinksprüche werden vorgetragen. Im Anschluss wird das Schokoladenbüfett präsentiert. Die schlecht Luft durch die Wunderkerzen geben dabei leider Carola für den Moment den Rest, ihr ist schon das Hauptgericht nicht gut bekommen, so dass sie raus an die frische Luft muss – erst einmal keine Schokolade, die so sehnsüchtig erwartet wurde.

Ab 21:30 geht es dann mit dem eigentlichen Ball los. Ilka hat schon an der Tafel nicht ganz glücklich ausgesehen, jetzt wird klar – ihr geht es nicht besonders – die Stimme ist fast weg und sie wird die Ansagen am Abend reduzieren müssen. All zu viel tanzen werden wir persönlich an dem Abend dann aber nicht, nach zwei oder drei Tänzen muss Carola raus – das Hauptgericht meldet sich wieder. Später werden wir dann bei ein paar Tänzen mitmachen und etwas Menuett tanzen. Der offizielle Ballteil wird um 23:30 Uhr beendet, wir bleiben noch bis kurz vor eins und verabschieden uns dann.

Für den Sonntagmorgen ist dann als Reenactmentelement noch ein kleines Bläserkonzert vorgesehen und ein Kirchgang. Die meisten haben für diese weitere Gelegenheit, ein Kostüm zu tragen, gleich noch ein passendes zweites mit dabei. Die Kostüme der Teilnehmer am Ball waren ja ohnehin schon bereits deutlich überdurchschnittlich, aber hier zeigt sich der echte Hardcore Reenactor – ein passendes Kostüm der Zeit für jede Gelegenheit. Nun ja – Kirche, die Menschen waren in der Tat in dieser Zeit sehr gläubig, aber ein Besuch in einem normalen modernen Gottesdienst im Kostüm ist dann doch schon eher grenzwertig. Es sollten nur die in die Kirche gehen, die wirklich daran glauben und die Liturgie kennen – alles andere ist respektlos gegenüber den Gläubigen, die das ganze ja doch noch ernst nehmen. Wie sagte das Gothic-Paar, das beim Ball dabei war, beim Frühstück doch so schön: „Wenn wir in die Kirche gehen, zischt es immer so“.

Der Ball wurde mit viel Liebe zum Detail organisiert. So wurden z. B. die modernen Lampen im Palais mit Stoff verhängt und das Gebäude dann komplett mit Kerzenlicht erhellt. Dem Fotografen, der den ganzen Abend schöne Bilder schoss, bereitete das offensichtlich keine Probleme. Auch wurden Getränke in Karaffen umgefüllt und die Tische mit Obst dekoriert – Details an denen man sieht: hier ist jemand aufmerksam. Für die Gäste stand den ganzen Abend der königliche Schuhputzer Rudolf van der Meer zur Verfügung, der sich liebevoll um die Schuhe kümmerte. Das Palais ist allerdings von innen nicht allzu bezaubernd – moderne schmucklose weiße Wände und Säulen, dafür aber eine nette Treppe und ein paar Gemälde an den Wänden. Der Parkettboden ist etwas zu glatt zum Tanzen, so dass nicht allzu viel an Barocktechnik einsetzbar ist. Mit etwas über 30 Teilnehmern war es ein kleiner, fast intimer Ball, bei dem man fast mit allen im Laufe des Abends ins Gespräch kam. Insgesamt war es ein schöner Abend, auch wenn Carolas verdorbener Magen für uns das ganze etwas einschränkte – man sollte halt nichts essen was man nicht verträgt. Nächstes Jahr wird es voraussichtlich wieder einen Hofball in Zabeltitz geben, dann zu Graf Wackerbarths 350stem Geburtstag.



Tags: Playford | Tanz | Reenactment | Barock | Ball | Workshop

Weiterlesen...


 
Christian
Barocker Maskenball 2011 in Schloss Engers
19.11.2011 18:30:00

Ein weiterer lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung. Der Barocke Maskenball in Schloss Engers war in den Vorjahren eigentlich immer sofort nach dem Event bereits schon wieder für das Folgejahr ausverkauft. Als es im Dezember letzten Jahres dann doch noch überraschend Karten gab, haben wir uns gesagt – der Preis für die Eintrittskarte ist zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber zumindest einmal müssen wir das mitmachen. Außerdem wird ja offensichtlich einiges für das Geld geboten. Die Tanzleiter der vergangenen Jahre – Jutta Voss und Niels Badenhop kennen und schätzen wir, auch die Organisatorin Ulrike Dittrich haben wir bei einem Barocktanzworkshop 2008 kennen gelernt. Von den Bildern her zu schließen, war die Qualität der Kostüme weit über dem durchschnittlichen Niveau – bei dem Preis bleiben aber zumindest die Faschingskostümverirrungen und weissen Plastikperücken ohnehin fast zwangsläufig aus. Ein Hotelzimmer im Schloss oder dem Gästehaus hatten wir bei der Anmeldung allerdings schon nicht mehr bekommen, so dass wir uns entschlossen haben, direkt nach dem Ball in der tiefen Nacht noch anderthalb Stunden zurückzufahren. Ärgerlich – später wurden dann offensichtlich immer mal wieder Zimmer frei von Leuten, die abgesagt haben, aber ohne Warteliste gab es dazu natürlich keine Informationen. Im Laufe des Jahres wurde der Ball dann immer mysteriöser. So habe ich bei meinen diversen Barocktanzworkshops eine Reihe von Leuten kennen gelernt, die entweder endlich Karten ergattern konnten und erstmalig zum Ball gehen, und andere Leute, die ein paar mal dabei waren und nun nicht mehr zum Ball gehen. Die verschiedensten Gerüchte kamen auf, wer denn nun Tanzleiter(in) sein wird, und um Veränderungen bei der Organisation – die Webseite und das Facebook-Account wurden ja offensichtlich lange nicht mehr aktualisiert. Die letzten positiven Gerüchte sollten sich dann bewahrheiten – die Organisatorin ist nach wie vor die alte, und Lieven Baert ist Tanzmeister.

Wir sind eine halbe Stunde später als ursprünglich geplant in Engers angekommen. Da wir uns erst vor Ort umziehen, kommen wir uns zunächst etwas Underdressed vor, als wir das Schloss, im Gegensatz zu den anderen Gästen, noch in Zivil betreten. Schnurstracks gehen wir ins Umkleidezimmer – das nehmen in der Tat nur wenige Gäste in Anspruch, die meisten haben wohl ein Zimmer im Ort. Nach einer Stunde Umziehen sind wir in unsere Rokokokostüme gekleidet und fühlen uns nicht mehr ganz so aschenputtelmäßig. Der Einlass ist laut Einladung ab 18 Uhr, wir sind gerade rechzeitig zur Begrüßungsveranstaltung um 18:30 Uhr fertig mit dem Umziehen. Wir schließen uns direkt der Menschenmasse an, die in den Dianasaal strömt – dieser ist dann auch recht überfüllt. Nach der Begrüßung eröffnet dort Lieven Baert mit zwei Tänzerinnen und einem Musiker in einer fulminanten Mischung aus Barocktanz und Komödie das Abendprogramm. Später wird es mit Tanz für alle weitergehen, aber zunächst zieht die Karawane zurück ins Erdgeschoss, um sich dort in verschiedenen kleinere Räumen an Tischen für das Essen zu verteilen. Rund 25 Gänge stehen auf dem Programm des Blitzmenüs. Doch leider müssen wir feststellen, dass wir schon rund die Hälfte der Köstlichkeiten verpasst haben – die wurden zwischen 18 und 18:30 Uhr als Häppchen gereicht, als wir uns noch umgezogen haben – dumm gelaufen, dass stand so leider nicht auf dem Programm. Das Essen in kleinen Portionen ist wirklich lecker, allerdings zieht es sich hin und überschneidet sich dann mitten in der Speisenfolge mit dem Tanz für alle.

Auf zum Tanz – doch der Tanzsaal ist so hoffnungslos überfüllt, dass wir auf die erste Stunde mit Tanz für alle unter dem Tanzmeister Lieven Baert verzichten müssen – so haben wir uns einen Ball eigentlich nicht vorgestellt. Nun, es gibt ja noch zwei weitere Gelegenheiten dafür und es werden ohnehin nur einfache Playfordtänze ohne eine dezidierte Barocktechnik getanzt. So ziehen wir weiter zum amourösen Kabinett, das mehr oder weniger zeitgleich stattfindet – aber auch das ist so überfüllt, dass wir keinen Platz mehr finden. Also zurück an unseren Sitzplatz, wo wir dann immerhin im Gegensatz zu den meisten anderen den nächsten Gang der Speisenfolge „Schweinelende“ ergattern. Auf den Folgegang „Lamm“ müssen wir dann allerdings verzichten, um den zweiten Teil der Aufführung von Lieven Baert und seinen Mitstreiterinnen zu bewundern. Verwundert sind wir allerdings, dass jetzt bei der zweiten Vorführung der Saal fast leer ist – die meisten Gäste sind nun wohl mit Essen beschäftigt. Auch wir essen nach der Show schnell, damit wir bei der zweiten Runde Tanz so rechtzeitig im Saal sind, um mittanzen zu können – denn dafür sind wir ja schließlich gekommen. Nun können wir uns Plätze ergattern, aber nach zwei Tänzen müssen wir leider abbrechen, weil Carola im stickigen Saal keine Luft mehr bekommt – seltsam, dabei ist sie heute gar nicht so eng geschnürt. Im ersten Stock lauschen wir dann Niels an seiner Harfe, während sich ihre Atmung wieder normalisiert. Auch die zweite Runde des amourösen Kabinetts verpassen wir, aber auch das war überfüllt. So geht es zum üppigen Dessert. Bei der letzten Runde Tanz des Abends sind wir dann endlich voll dabei. Als Tanzmeister leitet Lieven Baert die Tänze wirklich gut an, bei etwas schwereren englischen Tänzen dann auch mit Durchläufen aus beiden Positionen, wie sich das gehört. Der Tanz beschließt den offiziellen Teil des Abends, es bleibt das Umziehen und für uns der Nachhauseweg in der tiefen Nacht.

Fazit: Es ist schon ein Event, das man als Barockinteressierter einmal mitgemacht haben sollte, allerdings nur, wenn man über den Eintrittspreis nicht zweimal nachdenken muss. Die meisten Kostüme sind wirklich überdurchschnittlich gut, wenige Ausfälle bestätigen die Regel. Die echten klassischen barocken Masken – die Bauta für die Herren und die Moretta für die Damen – trägt hier allerdings keiner. Die stattdessen verwendeten prunkvoll verzierten modernen Columbina Modelle sind natürlich viel bequemer und eindruckvoller, ein Teil verzichtet auch ganz auf Masken. Das Ambiente stimmt – das Schloss bietet phantastische Räumlichkeiten, die zum Teil sogar mit Kerzenlicht erhellt werden und auch die Bedienungen tragen passende Kostüme, so bleibt alles stilgerecht. Ärgerlich ist, dass alles parallel läuft und man zwangsläufig an dem Abend irgendwas verpasst. Die kleinen Essensportionen, auf die man zum Teil lange wartet, sind zwar sehr lecker, aber z. B. eine kleine Hähnchenkeule nur mit einer Gabel zu essen, ist eher schwierig. Und auch hier verpasst man durch die Parallelität von Essen und anderen Events zwangsläufig etwas. Die Tanzaufführungen waren natürlich gut. Der Tanz für alle – gelaufene Playfords ohne jede Barocktechnik, dazu an diesem Abend mit Musikkonserven ist nichts, für das man als Barocktanzinteressierter so viel Geld ausgeben sollte. Für den Eintritt kann man auch ersatzweise auf einen mehrtägigen Workshop gehen. Gut, was will man auf so einem Ball heutzutage als Tanz für alle sonst machen? – Dass die Leute Barocktanz beherrschen, kann man ja nicht voraussetzen. Aber zumindest Livemusik hätte ich hier für den Preis erwartet – eine Minicombo mit drei Musikern hätte es ja schon getan. Am ärgerlichsten – viel zu viele Menschen für den Ballsaal, und das ist für einen Ball dieser Art fatal. Durch die Kostüme hat man ohnehin einen anderen Raumbedarf, mit halb so vielen Leuten hätte man auch richtig tanzen können. Aber man darf halt nicht vergessen, es ist ein kommerzielles Event, das zwangsläufig darauf ausgerichtet ist, mindestens eine schwarze Zahl zu erzielen. Klar ich würde mir bei „Barockbällen“ den gleichen hohen Standard wünschen, den z.B. die Bälle im SCD haben – mit einem vorher veröffentlichten Tanzprogramm, mit Tänzern, die eine gute Technik haben und die Tänze beherrschen, mit einem gut durchstrukturierten Ablauf. Einen echten Barockball, wie er wirklich früher durchgeführt wurde, würde sicherlich heute allerdings eher kaum einer ertragen; genauso wenig, wie die hygienischen Umstände und den Gestank der damaligen Zeit – so sind wir heute auf derartige Surrogate angewiesen. Auch bei ein paar Kritikpunkten bleibt es natürlich ein tolles Event, das in seiner Kategorie sicherlich einen der ganz oberen Plätze einnimmt.



Tags: Reenactment | Ball | Barock | Playford | Tanz

Weiterlesen...


 
Christian
Tanzworkshop und 2. Residenzball Dillenburg
29.10.2011 09:00:00

Am 29. Oktober 2011 veranstaltet die Projektgruppe Leben im 18. Jahrhundert des Museumsverein Dillenburg e.V. zusammen mit der Gesellschaft für Hessische Militär und Zivilgeschichte e.V. zum zweiten Mal einen Residenzball. Der erste Ball in diesem Jahr, zu dem wir leider nicht kommen konnten, war ein so großer Erfolg, dass gleich die Planung für einen zweiten Ball in Angriff genommen wurde. Wir sind nun diesmal mit dabei, was uns besonders freut, da wir neben dem historischen Tanzen, das wir schon länger betreiben, auch ins Reenactment einsteigen möchten. Bälle sind natürlich eine prima Gelegenheit für eine militärische Reenactmentgruppe, endlich auch die Frauen mit einzubeziehen und für eine Gruppe, die sich um die Zivildarstellung kümmert, ist das sicher ein Jahreshöhepunkt. Wir sind positiv überrascht, dass so viele junge Leute mit dabei sind und der Männer- und Frauenanteil bei diesem Event sehr ausgewogen ist. Aber erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen. Vor dem Ball beginnt es erst einmal in aller Frühe um 9 Uhr mit einem Tanzworkshop. Der Tanzmeister Frank Ditzel (AKA Freiherr vom Steinacker) vom Potsdamer Rokoko e.V. leitet durch den Tag, zeitweilig ist das für ihn sicherlich wie Flöhe hüten. Am Vormittag stehen drei Stunden mit Contratänzen französischen Ursprungs auf dem Programm, die überwiegend dem Recueil de Contredances (1706) entstammen wie „La bone Amitié“ und „La Matelote“. Neben dem Aufwärmen machen wir auch ein wenig Techniktraining (Menuett-, Bourrée- und Gavotteschritt). Nach einem Mittagsimbiss geht es noch einmal dreieinhalb Stunden weiter mit Englischen Tänzen, vornehmlich aus den Playford Bänden (1651-1728) wie „Mr. Beveridge's Maggot“, „Portsmouth“ und „Jacks Maggot“. Insgesamt hatte Frank 14 Tänze für den Ball vorgesehen, die wir aber nicht alle an diesem Tag lernen. Unter den gelernten Tänzen sind durchaus auch so komplizierte Dinge wie „Newcastle“ oder ein „Menuett Sabina“, dessen Grundschritt sicherlich für viele Einsteiger noch recht schwer ist. Für einige ist dieser Ball der Erst- oder Zweitkontakt mit historischem Tanz, dafür schlagen sich alle schon ganz wacker.

In der Umziehpause vor dem Ball dann für uns der große Schock – Carola hat ihre Poschen vergessen. Die liegen bei ihr Zuhause und warten darauf repariert zu werden, denn die Stäbe haben mittlerweile schon Löcher aus ihren Tunneln heraus gebohrt. Volkmar, der Organisator des Balls, versucht noch vergeblich kurzfristig ein paar Poschen zu besorgen, auch Kissen ziehen wir als Notersatz in Erwägung. Bei der Anprobe des Kostüms stellen wir dann fest: mit etwas hochstecken geht es zur Not auch und für uns ist der Abend gerettet. Sehr gespannt sind wir natürlich bei einer Reenactmentgruppe auch auf die anderen Kostüme. Die Herren sind ja dank ihrer Uniformen schon gut ausgestattet. Die Damenkostüme sind hingegen größtenteils ausgeliehen und durchaus noch entwicklungsfähig. Zugegeben, ein historischer Aufbau mit Chemise, Schnürbrust, Poschen (oder Taschen und Panier), Jupe, Robe, Stecker usw. ist recht aufwendig, sollte aber doch das Ziel bleiben. Nun gut, so bleiben die feschen Herren die Stars des Abends.

Der Ball wird dann gegen 19 Uhr vom Zeremonienmeister mit der Vorstellung der (historischen) Ballteilnehmer eröffnet. Da wir noch an keiner Rolle für das 18te Jahrhundert gearbeitet haben, sind wir erst einmal bei unserem bürgerlichen Namen geblieben. Und ohne Titel werden wir natürlich erst fast ganz zum Schluss aufgerufen. Ganz so streng historisch geht es an diesem Abend glücklicherweise noch nicht zu, das hätte auf unserer Seite auch noch etwas an Übung und Wissen erfordert – aber daran werden wir arbeiten. Der Zeremonienmeister leitet dann auch weiter zusammen mit dem Tanzmeister durch den Abend. Los geht es mit dem Tanzen zunächst mit einer Polonaise, dann kommt das Menuett und nach ein paar weiteren Tänzen ist es dann schon Zeit für das abendliche Büffet. Bei den diesmal nur rund 40 Teilnehmern ist es dann nicht ganz so üppig ausgefallen wie beim ersten Ball, die Wahl zwischen Fisch und Schnitzel ist für mich als Nichtfischesser einfach. Aber eine schöne umfangreiche Salatauswahl gibt es, und das ist ja fürs Tanzen eine gute Sache. In der Pause spielt sogar eine Harfenistin für uns. Weiter geht es mit dem Tanzen dann noch bis Mitternacht, wobei nicht alle bis zum Schluss dabei geblieben sind – es war ja auch ein langer Tag. Wir haben einen schönen Tag verbracht und nette Menschen kennen gelernt. Ich hoffe, die Dillenburger setzen ihre Bälle fort.



Tags: Reenactment | Barock | Ball | Workshop | Tanz | Playford

Weiterlesen...


 
Christian
Tanztag und Social mit Kontratänzen in Sindlingen 2011
14.05.2011 10:00:00

Wenn ein Ereignis bereits zum dritten Mal stattfindet, kann man fast von einer Tradition sprechen. Und am 14. Mai 2011 ist dies nun schon der dritte Tanztag in Sindlingen, an dem Ulrike englische und amerikanische Kontratänze von Playford bis Heute unterrichtet. Die Beteilung ist mit 18 Tänzern plus Ulrike und unseren beiden bereits bewährten Musikern etwas geringer als in den Vorjahren. An dem Tag gibt es wohl einige Terminkollisionen der „Schotten“, aber man muss sich ja schließlich für einen Tag festlegen – immerhin bis aus Karlsruhe kommen die Teilnehmer. Die Kontratänze sind wieder ein bunter Mix aus verschiedenen Raum- und Stilformen, bis zum Ende des Tages haben wir dann rund 20 verschiedene Tanze in den Beinen. Mein neues Empirekostüm ist noch nicht fertig, so ist Dave diesmal der einzige Mr. Darcy des Abends. Aber beim Social haben neben Carola noch die beiden Karlsruherinnen Empirekleider an, so dass sich schon etwas Flair der Jane Austen Zeit einstellt.



Tags: Tanz | Workshop | Ball | Playford

Weiterlesen...


 
Christian
Jubiläumsball 10 Jahre Danse Royale
09.04.2011 18:00:00

Nach dem für uns ausgefallenen Event im Februar geht nun die Saison endlich los. Das „Ensemble Danse Royale“ feiert mit einem Ball „Tanz durch die Jahrhunderte“ sein 10jähriges Bestehen. Eigentlich hat das Ensemble seinen Sitz in Ketsch, aber das „Palais Hirsch“ in Schwetzingen ist ein deutlich repräsentativerer Ort – auch wenn es innen leider modern eingerichtet ist. Das eigentliche Highlight des Tages ist für uns allerdings der Besuch des Schlossparks in Schwetzingen vor dem Ball – wir haben uns schon früher umgezogen und besuchen den Park im Kostüm zusammen mit Ulla als kundige Fremdenführerin. Einen so gigantischen Barockpark hatten wir allerdings nicht erwartet – er ist wirklich sehenswert und man darf gespannt sein, ob der Aufnahmeantrag in das Weltkulturerbe erfolgreich sein wird.

Das Palais Hirsch ist liebevoll mit lebensgroßen Puppen in historischer Kleidung geschmückt. Der Ball beginnt dann um 18 Uhr mit einem Sekt und einer Pavane für alle. Schon bei der Ansage der Schritte wird deutlich, dass die vorrangegangene Erkrankung an den Kräften der Gruppenleiterin Johanna gezehrt hat. Nach einem Blumensträußchen zum Jubiläum geht der Ball leider ohne sie weiter. Eigentlich hatten wir an den fünf Stunden des Abends viele Mitmachtänze und viele Vorführtänze erwartet. Aber sowohl die angeleiteten Tänze halten sich in Grenzen, wie auch die vorgeführten Tänze, genau so wie die Lautstärke der Musikanlage. Immerhin beim letzten Tanz wird dann der Schalter gefunden, der für volle Lautstärke sorgt. An Mitmachtänzen hätte man deutlich mehr machen können – es gibt wirklich genug einfache englische Tänze, die man kundigen Mittänzern in ein paar Minuten beibringen kann. Bei den vorgeführten Tänze hatte die gastgebende Gruppe durch die Erkrankung der Gruppenleiterin nur einen „Playford“, einen Contredance und den abschließenden Ländler zu bieten.

Hätte uns rechtzeitig ein Hilferuf ereilt, hätten wir mehr Tänze mit dabei gehabt. Eigentlich hatten wir ja viele andere Gruppen aus der Umgebung erwartet – es gibt da einige. Aber neben 8 Leuten aus dem HTK-Bensheim hatte nur eine weitere Gruppe mit einem Programmbeitrag den Weg nach Schwetzingen gefunden. Und das war eine Gruppe der besonderen – um nicht zu sagen anderen – Art (inklusive der unvermeidlichen wasserstoffblonden Polyesterperücken). Sichtlich gelangweilt verfolgten sie den Abend – denn eigentlich hatten sie etwas anderes erwartet – was genau anderes sie unter einem Ball einer historischen Tanzgruppe erwartet hatten, erschloss sich uns allerdings nicht. Dann führte uns die Leiterin dieser seltsamen Gruppe ernsthaft in die „Fächersprache“ ein! Wie wir wissen, ist die „Fächersprache“ ein Werbegag einer Fächerfirma aus dem 19ten Jahrhundert – leider wusste das die Dame auch nach einem Jahrzehnt Leitung einer „historischen Gruppe“ offensichtlich nicht – und ich verkniff mir, sie vor ihren Leuten aufzuklären. Die Gruppe führte drei Tänze vor. Eine Bourrée – die angekündigten Schwäne waren allerdings eher Enten. Hätte die Gruppe halbwegs Historische Kostüme, würde sie schnell merken, dass derartiges albernes Armgeschaufel im Barock technisch nicht möglich war. Ein „Menuet à quatre“ und „La Bacante“ – etwas mehr Schritttechnik hätte auch hier nicht geschadet.

Unser kurzer Auftritt mit den HTK Bensheim war durchwachsen. Der erste Tanz – Gallinis „La Graziosetta“ verlief prima. Auch Mozarts „Figaro“, mit einer Choreographie aus Ingos Rokoko-Zuckerbäckerwerkstatt, machte keine Probleme. Damit wäre unser Programm eigentlich beendet gewesen – aber da es an dem Abend ohnehin zuwenig Beiträge gab, sollten wir noch einen dritten Tanz vorführen – dummerweise haben wir den nicht noch einmal geprobt und es kam wie es kommen musste. Der „Mozart-Contre“, wieder mit einer modernen Choreographie von Ingo, lief schief. Mal abgesehen davon, dass in dem Tanz nur ohne Barockschritte durch die Gegend gelaufen wird. Ich frage mich immer wieder, wozu das eigentlich getanzt wird – es gibt genug erhaltene Originalchoreographien, halt keine zu Mozart. Neben verbaselten Hecken, vergessenen Progressionen, stürzte zu allem Überfluss auch noch eine Mittänzerin auf dem glatten Boden – nun was auch immer passierte – wir tanzten bis die Musik zuende war. Auch hier gab es sogar Applaus.

Für den abschließenden Empire-Teil hatten sich einige extra umgezogen. Viel Programm gab es allerdings nicht mehr, noch was zum Mitmachen und ein Ländler, den das Ensemble Danse Royale zunächst aufführte und der dann für alle erklärt wurde. Das Beste an dem Abend waren sicherlich die beiden leckeren Büffets – hier hatte sich die Gruppe wirklich ins Zeug geschmissen, und natürlich der schon oben erwähnte Schwetzinger Schlosspark. Vielleicht sollte ich eine Notfall CD mit Mitmachtänzen anlegen und sicher hätten wir ein Solostück mitbringen können. Schön wäre es natürlich, bei Bällen vorher den Tanzablauf zu kennen – hier könnte man von den Bällen der Schottentänzer lernen. Als erster Ball für uns in diesem Jahr war es o.k., aber noch ausbaufähig. Mit Rücksicht auf die erkrankte Gruppenleiterin war es sicher schon eine organisatorische Leistung, den Ball überhaupt ohne sie stattfinden zu lassen.



Tags: Tanz | Ball | Auftritt | Renaissance | Barock | Empire

Weiterlesen...


 
Seite 1 von 3