Christian Griesbeck

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Start Blog Tag: Playford

Tag: Playford

Christian
Day School - English and American Contra Dance in Sindlingen 2013
09.03.2013 10:00:00

Es ist bereits fast schon eine gute alte Tradition, dass es einmal in Jahr eine interne Day School und ein abendliches Social zum Thema „English and American Contra Dance“ gibt. Dave hat es wie immer organisiert, Ulrike unterrichtet es wie immer und auch unsere beiden Musiker sind wieder mit von der Partie. Eigentlich wollte ich in Begleitung von zwei Damen erscheinen, aber beide sind kurzfristig erkrankt, so dass ich diesmal leider Solo in Sindlingen erscheinen muss, aber das ist ja bei Contratänzen nicht schlimm, da ist ohnehin (spätestens) nach jedem Tanz Partnerwechsel angesagt. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus dem Kreis der Frankfurter und Darmstädter Schottentanzgruppe, dennoch bereiten die Englischen Tänze manchmal einige Konfusionen. Es gibt wieder eine bunte Mischung der ganzen Bandbreite, von Klassikern aus den Zeiten Playfords bis zu modernen Contra Dances. Wobei nicht nur Gassentänze getanzt werden, Playford kannte auch Rounds und Squares und heutzutage sind die „Mixer“ beliebt, in denen ein ständiger Partnerwechsel im Kreis Programm ist. Eva fragt mich, mit welchen Schritten die Playford Tänze eigentlich damals getanzt wurden – die Antwort muss ich schuldig bleiben, denn so genau wissen wir das für England im 17ten Jahrhundert leider nicht. Playfords Angaben auf der ersten Seite des „English Dancing Master“ von 1651 ist nicht allzu aufschlussreich – allerdings ist der übliche „Schluckauf“-Schritt, der gerne verwendet wird, wohl genau so falsch wie ein moderner pas-de-basque als Setingschritt. Die Engländer verwendeten wohl je nach Geschmack und Können recht unterschiedliche Schritte, bis im 18ten Jahrhundert die französische Tanztechnik auch dort an Einfluss gewann. Im Laufe des Tages merke ich, das bei mir zunehmend eine Erkältung Oberhand gewinnt, so dass, trotz mitgebrachten neuen Frack, ich diesmal auf das abendliche Social verzichten muss, aber auch nächstes Jahr wird es sicherlich an gleichem Ort Gelegenheit geben, ihn zu tragen.



Tags: Tanz | Workshop | Playford

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Christian
Ball Royal zum 350. Geburtstag des Grafen Wackerbarth im Gohliser Schlösschen
17.11.2012 15:00:00

Eigentlich sollte der Ball zum 350. Geburtstag des Grafen Wackerbarth wie die Winterbälle in den letzten Jahren im Dezember in Zabeltitz stattfinden. Nun meint scheinbar die lokale Politik, Hand in Hand mit „Beratern“, aus dem Zabeltitzer Palais eine „Premium Location“ machen zu können und hat, so weit ich das verstehe, als ersten Schritt schon mal die Mietpreise drastisch erhöht. Die Konsequenz ist natürlich, dass die gewachsenen kleinen Events passen müssen, aber auch die gewünschte „Premium Kundschaft“ bleibt aus – dafür ist der Ort nicht attraktiv genug. Als Resultat werden nicht nur Existenzen in der lokalen Wirtschaft (insbesondere Hotels und Gaststätten) vernichtet, sondern auch notwendige Einnahmen, die zum Erhalt beitragen können, verschwinden ebenso wie auch Gewerbesteuereinkünfte der Stadt. Etwas mehr Augenmaß was möglich ist und was nicht täte manchmal den Gemeinden gut. Das Schöne an Zabeltitz war, dass alle direkt nebenan im Hotel untergebracht waren, so dass man sich schon beim Frühstück kennenlernen konnte, und auch die Atmosphäre mit dem Kerzenlicht in dem sonst leider kahlen und modernen Palais hatte uns gefallen.

Aber nun zum Ball in Leipzig im Gohliser Schlösschen, das Uwe Müller aka Graf Wackerbarth als neuen Veranstaltungsort gefunden hat. Es hat natürlich viel viel schönere Räumlichkeiten – es ist dort ähnlich wie in Engers, mit Gemälden, bemalten Decken und Wänden. Dafür ist überall nur elektrisches Licht erlaubt, und man muss natürlich auf die Museumsgegenstände achtgeben. Wie im letzten Jahr ist Ilka Trotte die Tanzmeisterin, und es gibt bereits am Vorabend einen kleinen Tanzkurs, diesmal in einer lokalen Ballettschule, weil das Schloss dafür noch nicht zur Verfügung steht. Auf dem Programm stehen überwiegend einfache Playford-Klassiker wie Indian Queen (1701) und Gathering Peascods (1651), der von den Figuren vermutlich anspruchsvollste Tanz des Abends ist dabei Hunsdon House (1665). Am Samstagmorgen werden die Tänze noch einmal wiederholt, wobei es sich als hilfreich erweist, dass ich eine kleine Musiksammlung auf dem Handy habe – denn das dient bis zum Eintreffen der Musikanlage als Ersatztonquelle – leise, aber immerhin Musik. In der Umziehpause üben wir dann zu zweit noch kurz unseren als Gastgeschenk mitgebrachten Barocktanz – er ist nicht in Vergessenheit geraten. Nach einem kleinen Imbiss und einem Spaziergang ist dann bereits Umziehen angesagt – Carola hat sich für ihr neues Jäckchenkostüm entschieden, das etwas mehr „Bahnreisegeeignet“ ist.

Um 15 Uhr beginnt dann der Empfang, die Gäste werden von Zeremonienmeister Baron von Löwenthal peu à peu dem Grafen Wackerbarth und seiner Begleiterin vorgestellt. Bei der Gelegenheit werden gerne auch wertvolle Gastgeschenke überreicht, wie eine Ananas, die beim Grafen große Verwunderung ob der Gartenbaukünste auslöst. Im Anschluss geht es zur Kaffeetafel, hier werden die Gäste ihrem Rang nach vom Zeremonienmeister aufgerufen und an der langen Tafel platziert. Nach dem Aufheben der Kaffeetafel gibt es ein Konzert. Zu Gast ist Stefano Guardiano mit seinem Programm „La voce Celeste – eine himmlische Stimme“ und fasziniert alle Anwesenden – davon möchte man gerne noch mehr hören. Der nächste Programmpunkt ist bereits das 3-Gänge-Menü, wir nehmen wieder, wie vom Zeremonienmeister angewiesen, unsere Plätze an der Tafel ein. Zunächst gibt es eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses, danach eine Suppenkomposition, das Hauptgericht ist ein Braten, der förmlich auf der Zunge zergeht und zum Schluss werden verschiedene Mousse au Chocolat gereicht. Vor dem Ball gibt es dann noch ein kleines Geburtstagsfeuerwerk und die Schokoladentafel wird eröffnet – diesmal mit Rücksicht auf die Räumlichkeiten ohne Wunderkerzen. Auf dem Ball tanzen wir dann die Tänze, die zuvor geübt wurden, allerdings sind viele Leute dabei, die den Tanzkurs versäumt haben, so dass alle Tänze noch einmal erklärt werden müssen, bevor wir sie durchtanzen. In der ersten Pause zeigen wir dann unsere mitgebrachte „Bourée d’Achille“. Bis dann um Mitternacht der Ball endet, tanzen wir jeden Tanz mindestens zwei Mal. Schade nur, dass man sich bei Barock-/Rokokobällen oft auf gelaufene Playfordtänze beschränkt und der Tanz dadurch jegliche Spritzigkeit und Brillanz verliert. Leider sind die meisten Reenactors nicht in der Barocktanztechnik geschult, und die meisten Barocktänzer besuchen keine Reenactmentveranstaltungen – so bleibt der Tanz auf diesen Bällen nur ein Schatten seiner selbst.



Tags: Barock | Ball | Tanz | Playford

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Christian
Workshop - Plaisirs innocents - Contredanses parisiennes unter der Régence (1715-1723)
01.11.2012 10:00:00

Das ist für mich jetzt bereits der dritte Barocktanzkurs in Bad Rappenau – der diesmal aber leider nur drei Tage kurz ist. Unter dem Thema „Plaisirs innocents - Contredanses parisiennes unter der Régence (1715-1723)“ lernen wir 12 der mehr als 40 Tänze aus den beiden kürzlich wieder in die Tanzwelt gekommen Durlacher Manuskripten. Drei der Tänze hatte Nicoline Winkler ja bereits auf dem Rothenfelser Tanzsymposion vorgestellt, vielleicht waren diese zu einfach und zeigten nicht die volle Pracht der anderen Tänze, um für den jetzigen Workshop mehr Teilnehmer anzuziehen, aber dort hatte sie ja auch nur 90 Minuten Zeit. So sind wir fünf Damen und fünf Herren plus Nicoline – zumindest eine Person mehr wäre natürlich toll gewesen, denn die meisten Tänze im Manuskript sind für zwei Paare. Bei genauerem Blick ist die Chorégraphie Durlach MS 209/210 eine echte Schatzkiste. Anders als bei den meisten in Feuillets Raumwegnotation veröffentlichten Kontratänzen (z.B. in dem „Recueil de Contredances“ von Feuillet, 1706 oder dem „Recueil de nouvelles contredances“ von Dezais, 1712) gibt es hier jeweils einiges an in normaler Feuillet Notation hinzugefügter Verzierung, was die Tänze viel spritziger macht. Meist sind das zwar nur „des Balancer“ oder „un pas de Rigaudon“, die der Schrittkatalog am Anfang von MS 209 aufführt, aber es finden sich auch in den Tänzen einige spezifische Schritte, und das Manuskript verwendet ein Symbolkatalog für Figuren wie „le Moulinet“ oder „le Ronde“ die bei Feuillet noch als Bodenwege notiert werden. Außerdem ist oft Text mit Anweisungen hinzugefügt, der die Wiederholungsstrukturen beschreibt oder explizit sagt, dass Seitwärtsbewegungen mit „Chasez“ auszuführen sind. Rund dreiviertel der Tänze sind in Cotillonaufstellung für zwei Paare oder manchmal vier Paare, der Rest ist in Longwayaufstellung (oft für eine feste Zahl von Paaren), zusätzlich findet sich eine Branlesuite mit vier Tänzen. Was leider auch in diesem Manuskript fehlt, ist die Angabe ob für die nicht geraden Wege pas de bourrée oder die laut Feuillet häufigeren demi contretemps zu verwenden sind, allerdings finden sich interessanterweise Stellen mit geraden Wegen, wo explizit pas de bourrée oder zwei demi contretemps notiert sind (die dann statt dem Gavotteschritt auszuführen sind).

Der Schwierigkeitsgrad der Tänze an diesen drei Tagen ist unterschiedlich. Die beiden einfachen echten Longways mit Progression „for as many as will“ in der Art wie man sie auch bei Feuillet finden könnte, sind „Le Moulin de Javel“ (mit zwei tanzenden Paaren) und „La Friande“ (mit drei tanzenden Paaren). „La Faridondene“ ist ein schöner Dreipaartanz in Longwayaufstellung bei dem das erste Paar zunächst mit allen drei Paaren einen A-Teil tanzt und dann, nach einer ersten Progression, einen B-Teil aus Platz zwei nur mit dem dritten Paar tanzt, um nach einer weiteren Progression auf Platz drei zu landen. „Le Cordon Bleu“ ist ein einfacher Tanz in Longwayaufstellung, aber ohne Progression, der schon den für Cotillons typischen Strophen-Refrain-Wechsel hat, wobei die erste Strophe noch wie im Englischen Tanz ein „advance and retire“ ist. Einfachere Cotillons in Carreaufstellung mit mehr oder weniger typischem Ablauf sind „le Corrillon dauteüil“, „La Tetar“, „La Bohaimiene“ und „Le Nouveau Pistolet“ (die beiden letzteren haben wir bereits in Rothenfels getanzt). Der Tanz „les quatres faces ou la Danse d’hier“ mischt eine Strophe im Menuettschritt mit einem Refrain im Gavotteschritt (ihn haben wir ebenfalls in Rothenfels getanzt). Nicht alle Tänze in Carreaufstellung in der Durlacher Handschrift haben den üblichen Cotillonaufbau mit dem festgefügten Strophe-Refrain-Wechsel. So folgt z.B. „La Blonde, La Brune“ einer ABA-Form (Blonde, Brune, Blonde). „La Brillante“ folgt keiner Wiederholungsstruktur, das hübsche Feuerwerk ist so schon nach 75 Sekunden vorbei. Ebenfalls sehr schön ist „Le Poivre“, einer der beiden Tänze für vier Paare im Square-Set aus der Sammlung, wobei die Damen jeweils zuerst den Beginn des Refrains und das erste Auftauchen der jeweiligen Strophen-Figur tanzen dürfen. Ein kleiner Teil der Tänze ist sogar vollständig in Tanzschrift durchnotiert – auch hier sind noch Schätze zu heben, denn ausnotierte Tänze zu viert in Feuillet Notation sind selten und sie geben uns einen wichtigen Einblick in das Schrittmaterial. Einen davon, „La Bergere“ tanzen wir im Anschluss an den Workshop noch kurz zu dritt an. Den Abschluss bildet diesmal das fast schon traditionelle Zwiebelkuchenessen. Fazit des leider wieder viel zu schnell vergangenen Workshops: viele schöne neue Tänze, eine echte Bereicherung für die Barocktanzszene und noch vieles, was es in den Manuskripten zu entdecken gilt.



Tags: Workshop | Tanz | Barock | Playford

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Christian
Barocker Hofball in Zabeltitz 2011
10.12.2011 10:00:00

Mein Barocktanzmarathon findet für mich in diesem Jahr mit dem Barocken Hofball in Zabeltitz seinen Abschluss. Den von Uwe Müller alias Graf Wackerbarth organisierten Hofball gibt es nun schon seit einigen Jahren, auch wenn er im letzten Jahr, aufgrund der unsicheren Situation rund um das Palais in Zabeltitz, ausfallen musste. Wir sind dieses Jahr am 10. Dezember 2011 zum ersten Mal mit dabei und freuen uns auch auf die Reenactmentelemente, die hier mit einfließen. Los geht es eigentlich schon am Freitagabend mit einem kleinen Tanzkurs und geselligem Beisammensein, aber durch einen Terminkonflikt können wir leider erst in der tiefen Nacht vor Ort ankommen. Zu allem Überfluss verfahren wir uns noch auf dem Weg, ein Straßenatlas von 1993 ist halt nicht mehr allzu aktuell. Nach einer langen Fahrt und einer zu kurzen Nacht gibt es im Gästehaus Zabeltitz ab 8 Uhr ein leckeres Frühstück – sogar mit Bacon and Eggs. Ab 10 Uhr morgens gibt es dann noch mal zwei Stunden Tanzkurs mit der Tanzmeisterin des Abends – Ilka Trotte – die auch schon seit Jahren beim Sonnenball die Tanzmeisterin gibt und nun auch Historische Kostüme anfertigt (die wir an dem Abend an ihr bewundern können). All zuviel verpasst haben wir am Freitagabend nicht, denn wir wiederholen die Tänze noch einmal – alles einfache Klassiker wie „Indian Queen“ aus der Sammlung Playford (1651) und „La Matelote“ aus Feuillets Recueil de Contredances (1706). Insgesamt werden dann sieben Tänze gelernt und am Abend kommen spontan noch ein paar weitere hinzu. Wer mag, kann sie mit den entsprechenden Barockschritten tanzen, Technik wird an dem Morgen aber nicht vermittelt. Die längere Pause bis zum Nachmittag nutzen wir dann, um noch etwas Schlaf nachzuholen.

Weiter geht es nach dem Umziehen mit dem Sektempfang im Palais ab 15 Uhr. Gut, dass wir im wenige Schritte entfernten Gästehaus untergekommen sind, ein Umkleiden vor Ort ist nicht vorgesehen. Für die kalte Witterung haben wir unsere Kostüme extra noch um Umhänge erweitert, die wir in der Woche davor schnell noch genäht haben. Vor dem Schloss hält ein Soldat Wache und kontrolliert unsere Einladung, wir dürfen eintreten. Der Zeremonienmeister stellt uns dann Graf Wackerbarth und den wartenden Gästen vor – offensichtlich sind wir die einzigen, die Uwes Angabe, dass die Gäste zwischen 15:00 und 15:30 Uhr nach und nach eintrudeln sollen, ernst genommen haben – denn wir kommen als letzte an und werden natürlich beäugt – wie peinlich. Aber der Zeremonienmeister entschuldigt unser spätes Eintreffen mit dem schändlichen Überfall unserer Kutsche (wir haben arabische Ölscheichs und deutsche Politiker im Verdacht) und der langen Fahrt durch die Nacht. Weiter geht es mit der Kaffeetafel. Der Zeremonienmeister ruft jedes Paar einzeln nach seinem Rang auf und dieses wird dann von einem Diener an der gemeinsamen Tafel platziert – je niedriger der Rang, desto weiter entfernt vom Gastgeber sitzt man natürlich. Um 17 Uhr wird dann die Kaffeetafel aufgelöst und die Gäste verteilen sich in die, nun von Kerzenlicht erleuchteten, oberen Räume des Palais. Im Kaminzimmer lodert bereits das Brennholz und wärmt den Raum. Dort ist auch Gelegenheit, Schach oder Karten zu spielen und sich mit den anderen Gästen zu unterhalten. Ein Paar nutzt die romantische Gelegenheit und verlobt sich hier. Weiter geht es mit einem kleinen Streichkonzert barocker Musik durch die Musikschule Meißen. Um 19 Uhr beginnt dann das Diner mit einem 3-Gänge-Menü, wir sitzen wieder alle zusammen an der Tafel und das Essen wird uns serviert. Hier gibt es auch ein paar Reenactment Spielszenen und Trinksprüche werden vorgetragen. Im Anschluss wird das Schokoladenbüfett präsentiert. Die schlecht Luft durch die Wunderkerzen geben dabei leider Carola für den Moment den Rest, ihr ist schon das Hauptgericht nicht gut bekommen, so dass sie raus an die frische Luft muss – erst einmal keine Schokolade, die so sehnsüchtig erwartet wurde.

Ab 21:30 geht es dann mit dem eigentlichen Ball los. Ilka hat schon an der Tafel nicht ganz glücklich ausgesehen, jetzt wird klar – ihr geht es nicht besonders – die Stimme ist fast weg und sie wird die Ansagen am Abend reduzieren müssen. All zu viel tanzen werden wir persönlich an dem Abend dann aber nicht, nach zwei oder drei Tänzen muss Carola raus – das Hauptgericht meldet sich wieder. Später werden wir dann bei ein paar Tänzen mitmachen und etwas Menuett tanzen. Der offizielle Ballteil wird um 23:30 Uhr beendet, wir bleiben noch bis kurz vor eins und verabschieden uns dann.

Für den Sonntagmorgen ist dann als Reenactmentelement noch ein kleines Bläserkonzert vorgesehen und ein Kirchgang. Die meisten haben für diese weitere Gelegenheit, ein Kostüm zu tragen, gleich noch ein passendes zweites mit dabei. Die Kostüme der Teilnehmer am Ball waren ja ohnehin schon bereits deutlich überdurchschnittlich, aber hier zeigt sich der echte Hardcore Reenactor – ein passendes Kostüm der Zeit für jede Gelegenheit. Nun ja – Kirche, die Menschen waren in der Tat in dieser Zeit sehr gläubig, aber ein Besuch in einem normalen modernen Gottesdienst im Kostüm ist dann doch schon eher grenzwertig. Es sollten nur die in die Kirche gehen, die wirklich daran glauben und die Liturgie kennen – alles andere ist respektlos gegenüber den Gläubigen, die das ganze ja doch noch ernst nehmen. Wie sagte das Gothic-Paar, das beim Ball dabei war, beim Frühstück doch so schön: „Wenn wir in die Kirche gehen, zischt es immer so“.

Der Ball wurde mit viel Liebe zum Detail organisiert. So wurden z. B. die modernen Lampen im Palais mit Stoff verhängt und das Gebäude dann komplett mit Kerzenlicht erhellt. Dem Fotografen, der den ganzen Abend schöne Bilder schoss, bereitete das offensichtlich keine Probleme. Auch wurden Getränke in Karaffen umgefüllt und die Tische mit Obst dekoriert – Details an denen man sieht: hier ist jemand aufmerksam. Für die Gäste stand den ganzen Abend der königliche Schuhputzer Rudolf van der Meer zur Verfügung, der sich liebevoll um die Schuhe kümmerte. Das Palais ist allerdings von innen nicht allzu bezaubernd – moderne schmucklose weiße Wände und Säulen, dafür aber eine nette Treppe und ein paar Gemälde an den Wänden. Der Parkettboden ist etwas zu glatt zum Tanzen, so dass nicht allzu viel an Barocktechnik einsetzbar ist. Mit etwas über 30 Teilnehmern war es ein kleiner, fast intimer Ball, bei dem man fast mit allen im Laufe des Abends ins Gespräch kam. Insgesamt war es ein schöner Abend, auch wenn Carolas verdorbener Magen für uns das ganze etwas einschränkte – man sollte halt nichts essen was man nicht verträgt. Nächstes Jahr wird es voraussichtlich wieder einen Hofball in Zabeltitz geben, dann zu Graf Wackerbarths 350stem Geburtstag.



Tags: Playford | Tanz | Reenactment | Barock | Ball | Workshop

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Christian
Barocker Maskenball 2011 in Schloss Engers
19.11.2011 18:30:00

Ein weiterer lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung. Der Barocke Maskenball in Schloss Engers war in den Vorjahren eigentlich immer sofort nach dem Event bereits schon wieder für das Folgejahr ausverkauft. Als es im Dezember letzten Jahres dann doch noch überraschend Karten gab, haben wir uns gesagt – der Preis für die Eintrittskarte ist zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber zumindest einmal müssen wir das mitmachen. Außerdem wird ja offensichtlich einiges für das Geld geboten. Die Tanzleiter der vergangenen Jahre – Jutta Voss und Niels Badenhop kennen und schätzen wir, auch die Organisatorin Ulrike Dittrich haben wir bei einem Barocktanzworkshop 2008 kennen gelernt. Von den Bildern her zu schließen, war die Qualität der Kostüme weit über dem durchschnittlichen Niveau – bei dem Preis bleiben aber zumindest die Faschingskostümverirrungen und weissen Plastikperücken ohnehin fast zwangsläufig aus. Ein Hotelzimmer im Schloss oder dem Gästehaus hatten wir bei der Anmeldung allerdings schon nicht mehr bekommen, so dass wir uns entschlossen haben, direkt nach dem Ball in der tiefen Nacht noch anderthalb Stunden zurückzufahren. Ärgerlich – später wurden dann offensichtlich immer mal wieder Zimmer frei von Leuten, die abgesagt haben, aber ohne Warteliste gab es dazu natürlich keine Informationen. Im Laufe des Jahres wurde der Ball dann immer mysteriöser. So habe ich bei meinen diversen Barocktanzworkshops eine Reihe von Leuten kennen gelernt, die entweder endlich Karten ergattern konnten und erstmalig zum Ball gehen, und andere Leute, die ein paar mal dabei waren und nun nicht mehr zum Ball gehen. Die verschiedensten Gerüchte kamen auf, wer denn nun Tanzleiter(in) sein wird, und um Veränderungen bei der Organisation – die Webseite und das Facebook-Account wurden ja offensichtlich lange nicht mehr aktualisiert. Die letzten positiven Gerüchte sollten sich dann bewahrheiten – die Organisatorin ist nach wie vor die alte, und Lieven Baert ist Tanzmeister.

Wir sind eine halbe Stunde später als ursprünglich geplant in Engers angekommen. Da wir uns erst vor Ort umziehen, kommen wir uns zunächst etwas Underdressed vor, als wir das Schloss, im Gegensatz zu den anderen Gästen, noch in Zivil betreten. Schnurstracks gehen wir ins Umkleidezimmer – das nehmen in der Tat nur wenige Gäste in Anspruch, die meisten haben wohl ein Zimmer im Ort. Nach einer Stunde Umziehen sind wir in unsere Rokokokostüme gekleidet und fühlen uns nicht mehr ganz so aschenputtelmäßig. Der Einlass ist laut Einladung ab 18 Uhr, wir sind gerade rechzeitig zur Begrüßungsveranstaltung um 18:30 Uhr fertig mit dem Umziehen. Wir schließen uns direkt der Menschenmasse an, die in den Dianasaal strömt – dieser ist dann auch recht überfüllt. Nach der Begrüßung eröffnet dort Lieven Baert mit zwei Tänzerinnen und einem Musiker in einer fulminanten Mischung aus Barocktanz und Komödie das Abendprogramm. Später wird es mit Tanz für alle weitergehen, aber zunächst zieht die Karawane zurück ins Erdgeschoss, um sich dort in verschiedenen kleinere Räumen an Tischen für das Essen zu verteilen. Rund 25 Gänge stehen auf dem Programm des Blitzmenüs. Doch leider müssen wir feststellen, dass wir schon rund die Hälfte der Köstlichkeiten verpasst haben – die wurden zwischen 18 und 18:30 Uhr als Häppchen gereicht, als wir uns noch umgezogen haben – dumm gelaufen, dass stand so leider nicht auf dem Programm. Das Essen in kleinen Portionen ist wirklich lecker, allerdings zieht es sich hin und überschneidet sich dann mitten in der Speisenfolge mit dem Tanz für alle.

Auf zum Tanz – doch der Tanzsaal ist so hoffnungslos überfüllt, dass wir auf die erste Stunde mit Tanz für alle unter dem Tanzmeister Lieven Baert verzichten müssen – so haben wir uns einen Ball eigentlich nicht vorgestellt. Nun, es gibt ja noch zwei weitere Gelegenheiten dafür und es werden ohnehin nur einfache Playfordtänze ohne eine dezidierte Barocktechnik getanzt. So ziehen wir weiter zum amourösen Kabinett, das mehr oder weniger zeitgleich stattfindet – aber auch das ist so überfüllt, dass wir keinen Platz mehr finden. Also zurück an unseren Sitzplatz, wo wir dann immerhin im Gegensatz zu den meisten anderen den nächsten Gang der Speisenfolge „Schweinelende“ ergattern. Auf den Folgegang „Lamm“ müssen wir dann allerdings verzichten, um den zweiten Teil der Aufführung von Lieven Baert und seinen Mitstreiterinnen zu bewundern. Verwundert sind wir allerdings, dass jetzt bei der zweiten Vorführung der Saal fast leer ist – die meisten Gäste sind nun wohl mit Essen beschäftigt. Auch wir essen nach der Show schnell, damit wir bei der zweiten Runde Tanz so rechtzeitig im Saal sind, um mittanzen zu können – denn dafür sind wir ja schließlich gekommen. Nun können wir uns Plätze ergattern, aber nach zwei Tänzen müssen wir leider abbrechen, weil Carola im stickigen Saal keine Luft mehr bekommt – seltsam, dabei ist sie heute gar nicht so eng geschnürt. Im ersten Stock lauschen wir dann Niels an seiner Harfe, während sich ihre Atmung wieder normalisiert. Auch die zweite Runde des amourösen Kabinetts verpassen wir, aber auch das war überfüllt. So geht es zum üppigen Dessert. Bei der letzten Runde Tanz des Abends sind wir dann endlich voll dabei. Als Tanzmeister leitet Lieven Baert die Tänze wirklich gut an, bei etwas schwereren englischen Tänzen dann auch mit Durchläufen aus beiden Positionen, wie sich das gehört. Der Tanz beschließt den offiziellen Teil des Abends, es bleibt das Umziehen und für uns der Nachhauseweg in der tiefen Nacht.

Fazit: Es ist schon ein Event, das man als Barockinteressierter einmal mitgemacht haben sollte, allerdings nur, wenn man über den Eintrittspreis nicht zweimal nachdenken muss. Die meisten Kostüme sind wirklich überdurchschnittlich gut, wenige Ausfälle bestätigen die Regel. Die echten klassischen barocken Masken – die Bauta für die Herren und die Moretta für die Damen – trägt hier allerdings keiner. Die stattdessen verwendeten prunkvoll verzierten modernen Columbina Modelle sind natürlich viel bequemer und eindruckvoller, ein Teil verzichtet auch ganz auf Masken. Das Ambiente stimmt – das Schloss bietet phantastische Räumlichkeiten, die zum Teil sogar mit Kerzenlicht erhellt werden und auch die Bedienungen tragen passende Kostüme, so bleibt alles stilgerecht. Ärgerlich ist, dass alles parallel läuft und man zwangsläufig an dem Abend irgendwas verpasst. Die kleinen Essensportionen, auf die man zum Teil lange wartet, sind zwar sehr lecker, aber z. B. eine kleine Hähnchenkeule nur mit einer Gabel zu essen, ist eher schwierig. Und auch hier verpasst man durch die Parallelität von Essen und anderen Events zwangsläufig etwas. Die Tanzaufführungen waren natürlich gut. Der Tanz für alle – gelaufene Playfords ohne jede Barocktechnik, dazu an diesem Abend mit Musikkonserven ist nichts, für das man als Barocktanzinteressierter so viel Geld ausgeben sollte. Für den Eintritt kann man auch ersatzweise auf einen mehrtägigen Workshop gehen. Gut, was will man auf so einem Ball heutzutage als Tanz für alle sonst machen? – Dass die Leute Barocktanz beherrschen, kann man ja nicht voraussetzen. Aber zumindest Livemusik hätte ich hier für den Preis erwartet – eine Minicombo mit drei Musikern hätte es ja schon getan. Am ärgerlichsten – viel zu viele Menschen für den Ballsaal, und das ist für einen Ball dieser Art fatal. Durch die Kostüme hat man ohnehin einen anderen Raumbedarf, mit halb so vielen Leuten hätte man auch richtig tanzen können. Aber man darf halt nicht vergessen, es ist ein kommerzielles Event, das zwangsläufig darauf ausgerichtet ist, mindestens eine schwarze Zahl zu erzielen. Klar ich würde mir bei „Barockbällen“ den gleichen hohen Standard wünschen, den z.B. die Bälle im SCD haben – mit einem vorher veröffentlichten Tanzprogramm, mit Tänzern, die eine gute Technik haben und die Tänze beherrschen, mit einem gut durchstrukturierten Ablauf. Einen echten Barockball, wie er wirklich früher durchgeführt wurde, würde sicherlich heute allerdings eher kaum einer ertragen; genauso wenig, wie die hygienischen Umstände und den Gestank der damaligen Zeit – so sind wir heute auf derartige Surrogate angewiesen. Auch bei ein paar Kritikpunkten bleibt es natürlich ein tolles Event, das in seiner Kategorie sicherlich einen der ganz oberen Plätze einnimmt.



Tags: Reenactment | Ball | Barock | Playford | Tanz

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Christian
Tanzworkshop und 2. Residenzball Dillenburg
29.10.2011 09:00:00

Am 29. Oktober 2011 veranstaltet die Projektgruppe Leben im 18. Jahrhundert des Museumsverein Dillenburg e.V. zusammen mit der Gesellschaft für Hessische Militär und Zivilgeschichte e.V. zum zweiten Mal einen Residenzball. Der erste Ball in diesem Jahr, zu dem wir leider nicht kommen konnten, war ein so großer Erfolg, dass gleich die Planung für einen zweiten Ball in Angriff genommen wurde. Wir sind nun diesmal mit dabei, was uns besonders freut, da wir neben dem historischen Tanzen, das wir schon länger betreiben, auch ins Reenactment einsteigen möchten. Bälle sind natürlich eine prima Gelegenheit für eine militärische Reenactmentgruppe, endlich auch die Frauen mit einzubeziehen und für eine Gruppe, die sich um die Zivildarstellung kümmert, ist das sicher ein Jahreshöhepunkt. Wir sind positiv überrascht, dass so viele junge Leute mit dabei sind und der Männer- und Frauenanteil bei diesem Event sehr ausgewogen ist. Aber erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen. Vor dem Ball beginnt es erst einmal in aller Frühe um 9 Uhr mit einem Tanzworkshop. Der Tanzmeister Frank Ditzel (AKA Freiherr vom Steinacker) vom Potsdamer Rokoko e.V. leitet durch den Tag, zeitweilig ist das für ihn sicherlich wie Flöhe hüten. Am Vormittag stehen drei Stunden mit Contratänzen französischen Ursprungs auf dem Programm, die überwiegend dem Recueil de Contredances (1706) entstammen wie „La bone Amitié“ und „La Matelote“. Neben dem Aufwärmen machen wir auch ein wenig Techniktraining (Menuett-, Bourrée- und Gavotteschritt). Nach einem Mittagsimbiss geht es noch einmal dreieinhalb Stunden weiter mit Englischen Tänzen, vornehmlich aus den Playford Bänden (1651-1728) wie „Mr. Beveridge's Maggot“, „Portsmouth“ und „Jacks Maggot“. Insgesamt hatte Frank 14 Tänze für den Ball vorgesehen, die wir aber nicht alle an diesem Tag lernen. Unter den gelernten Tänzen sind durchaus auch so komplizierte Dinge wie „Newcastle“ oder ein „Menuett Sabina“, dessen Grundschritt sicherlich für viele Einsteiger noch recht schwer ist. Für einige ist dieser Ball der Erst- oder Zweitkontakt mit historischem Tanz, dafür schlagen sich alle schon ganz wacker.

In der Umziehpause vor dem Ball dann für uns der große Schock – Carola hat ihre Poschen vergessen. Die liegen bei ihr Zuhause und warten darauf repariert zu werden, denn die Stäbe haben mittlerweile schon Löcher aus ihren Tunneln heraus gebohrt. Volkmar, der Organisator des Balls, versucht noch vergeblich kurzfristig ein paar Poschen zu besorgen, auch Kissen ziehen wir als Notersatz in Erwägung. Bei der Anprobe des Kostüms stellen wir dann fest: mit etwas hochstecken geht es zur Not auch und für uns ist der Abend gerettet. Sehr gespannt sind wir natürlich bei einer Reenactmentgruppe auch auf die anderen Kostüme. Die Herren sind ja dank ihrer Uniformen schon gut ausgestattet. Die Damenkostüme sind hingegen größtenteils ausgeliehen und durchaus noch entwicklungsfähig. Zugegeben, ein historischer Aufbau mit Chemise, Schnürbrust, Poschen (oder Taschen und Panier), Jupe, Robe, Stecker usw. ist recht aufwendig, sollte aber doch das Ziel bleiben. Nun gut, so bleiben die feschen Herren die Stars des Abends.

Der Ball wird dann gegen 19 Uhr vom Zeremonienmeister mit der Vorstellung der (historischen) Ballteilnehmer eröffnet. Da wir noch an keiner Rolle für das 18te Jahrhundert gearbeitet haben, sind wir erst einmal bei unserem bürgerlichen Namen geblieben. Und ohne Titel werden wir natürlich erst fast ganz zum Schluss aufgerufen. Ganz so streng historisch geht es an diesem Abend glücklicherweise noch nicht zu, das hätte auf unserer Seite auch noch etwas an Übung und Wissen erfordert – aber daran werden wir arbeiten. Der Zeremonienmeister leitet dann auch weiter zusammen mit dem Tanzmeister durch den Abend. Los geht es mit dem Tanzen zunächst mit einer Polonaise, dann kommt das Menuett und nach ein paar weiteren Tänzen ist es dann schon Zeit für das abendliche Büffet. Bei den diesmal nur rund 40 Teilnehmern ist es dann nicht ganz so üppig ausgefallen wie beim ersten Ball, die Wahl zwischen Fisch und Schnitzel ist für mich als Nichtfischesser einfach. Aber eine schöne umfangreiche Salatauswahl gibt es, und das ist ja fürs Tanzen eine gute Sache. In der Pause spielt sogar eine Harfenistin für uns. Weiter geht es mit dem Tanzen dann noch bis Mitternacht, wobei nicht alle bis zum Schluss dabei geblieben sind – es war ja auch ein langer Tag. Wir haben einen schönen Tag verbracht und nette Menschen kennen gelernt. Ich hoffe, die Dillenburger setzen ihre Bälle fort.



Tags: Reenactment | Barock | Ball | Workshop | Tanz | Playford

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Christian
Workshop - Lorin - Contredanses für Louis XIV
30.09.2011 10:00:00

Dies ist für mich bereits der zweite Kurs in Bad Rappenau zur Tanzpraxis des 17ten Jahrhunderts. In dem einmal jährlich von Nicoline Winkler veranstalteten Seminar geht es um die raren Fragmente, die uns vom Tanz dieser Zeit überliefert worden sind, bevor Feuillet 1700 mit seiner Choreographie einen echten Hit landete und für eine Fülle an überliefertem Material sorgte. Diesmal hat Nicoline den dänischen Musikwissenschaftler und Tanzforscher Jørgen Schou-Pedersen aus Kopenhagen eingeladen. Nachdem wir uns im letzten Jahr mit Faviers „Le Mariage de la Grosse Cathos“ (1688) beschäftigt haben, stehen in diesem Jahr vom 30.9. bis 3.10.2011 die beiden Lorin Manuskripte „Livre de contredance présenté au Roy“ (c. 1685) und „Livre de contredance du Roy“ (1688) auf dem Programm. Nachdem der englische Tanzmeister Isaac ein paar Jahre zuvor erstmals Country Dances am französischen Hof gezeigt hatte, war Lorin im Jahre 1685 nach England gereist und hat dort einige aktuelle Tänze gesammelt. André Lorin hat (wie auch Favier) ein eigenes Notationssystem für Tanz entwickelt und dies in einem günstigen Moment (anlässlich der plötzlichen Genesung des Königs) in die Waagschale um die Aufzeichnung von Tanz geworfen. Er nutzt dabei in seiner Notation die Kombination von Wortkürzeln für die Schrittsequenzen und einem graphischen Bodenplan für den Bewegungspfad im Raum. Wie die einzelnen verwendeten Schrittsequenzen (z. B. der Menuettschritt) dabei auszuführen sind, hat er uns leider nicht überliefert. Auch bei einigen anderen Elementen ist einiges Rätselraten angesagt. So ist Jørgens Interpretation der Tänze in manchen Punkten eine andere als die in dem 2008 veröffentlichten Buch „Dances for the Sun King“.

Der Kurs wird mit einer kurzen Ansprache des Oberbürgermeisters eröffnet. In der kleinen Kurstadt Bad Rappenau ist noch alles überschaubar, die Unterkunft in einer der vielen Ferienwohnungen ist sehr günstig und das lokale Wasserschloss, in dem der Kurs stattfindet, bietet ein nettes Ambiente. Der (allerdings moderne) Saal im Dachgeschoss verfügt über einen Parkettboden und ist für die 20 Teilnehmer gerade noch ausreichend, die größeren Personen müssen sich am Rand allerdings manchmal vor den Dachbalken in Acht nehmen. Es gibt nur ein kurzes Warm-up, das auch einige lustige Elemente wie „Waldtrolle“ oder „Marionetten“ enthält. Die jeweils für den nächsten Tanz benötigten Schrittsequenzen werden dann in einem Technikteil vorbereitet und später mit den Raumwegen verbunden. In den vier Tagen des Workshops lernen wir insgesamt acht der dreizehn Tänze aus Lorins „Livre de contredance“, darunter auch alle Tänze, die vermutlich seine eigenen Choreographien sind. Anders als die simplen Schritte, die heute oft bei Playfordtänzen verwendet werden, hat Lorin alle Tänze mit individuellem französischen Schrittmaterial versehen, das zum Teil recht anspruchsvoll ist. Das Highlight des Workshops war sicherlich sein „Contredance nouvelle figurée a huit pour Madame la Dauphine“. Zu unserer Überraschung ist das kein üblicher Gassentanz mit Progression, sondern ein Schautanz mit durchchoreographierten Anfangs- und Schlussreferenzen. Der eigentliche Tanz ist dabei ein Menuett für vier Paare in einer Squareaufstellung. Lorin hat diesen Tanz möglicherweise choreographiert um zu zeigen, dass sich seine Notation auch für Bühnentänze eignet. Da die überlieferten Tänze in Feuilletnotation fast ausschließlich Solotänze oder Tänze für ein Paar sind, ist das ein echtes Kleinod und eine Bereicherung für das Verständnis von Gruppentänzen der Zeit. Den Tanz „Les Cloches Ou Le Carillon“ tanzen wir in drei Variationen von Lorin, nach seinem ersten Buch (c. 1685), nach seinem zweiten Buch (1688) und in einer Variation im Stil von c. 1712-1721.  Jørgen hat sehr viel Material mitgebracht, das er verteilt; neben dem Faksimile des jeweiligen Tanzes gibt es ein Arrangement der Musik und zum Teil eine Transkription des Tanzes. Ergänzt wird alles durch eine Einführung in die Notation und den Ablauf vor und nach dem Tanz. Am Ende des Kurses erweist sich dann die Doppelprogression in „Irish Tege“ noch als sehr schwer, vielleicht nur weil schon Aufbruchstimmung herrscht und die Konzentration weg ist. Schade, dass es schon vorbei ist und wir nicht alle Tänze getanzt haben. Ich bin schon auf das Thema des nächsten Jahres gespannt.



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Christian
Tanztag und Social mit Kontratänzen in Sindlingen 2011
14.05.2011 10:00:00

Wenn ein Ereignis bereits zum dritten Mal stattfindet, kann man fast von einer Tradition sprechen. Und am 14. Mai 2011 ist dies nun schon der dritte Tanztag in Sindlingen, an dem Ulrike englische und amerikanische Kontratänze von Playford bis Heute unterrichtet. Die Beteilung ist mit 18 Tänzern plus Ulrike und unseren beiden bereits bewährten Musikern etwas geringer als in den Vorjahren. An dem Tag gibt es wohl einige Terminkollisionen der „Schotten“, aber man muss sich ja schließlich für einen Tag festlegen – immerhin bis aus Karlsruhe kommen die Teilnehmer. Die Kontratänze sind wieder ein bunter Mix aus verschiedenen Raum- und Stilformen, bis zum Ende des Tages haben wir dann rund 20 verschiedene Tanze in den Beinen. Mein neues Empirekostüm ist noch nicht fertig, so ist Dave diesmal der einzige Mr. Darcy des Abends. Aber beim Social haben neben Carola noch die beiden Karlsruherinnen Empirekleider an, so dass sich schon etwas Flair der Jane Austen Zeit einstellt.



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Christian
Oktoberball Tanz durch die Jahrhunderte in Schwalbach am Taunus
02.10.2010 18:00:00

Am 02.10.2010 veranstaltete der Historische Tanzkreis Schwalbach am Taunus im Bürgerhaus seinen ersten richtig großen Ball. Thema war „Tanz durch die Jahrhunderte“ mit bunt gemischten Kostümen der verschieden Epochen. Viele der Schwalbacher Gruppe hatten extra für den Abend neue Kostüme – der Standard hat sich deutlich gehoben.

Der erste Teil des Abends war dem Bereich der Renaissance und Playford-Tänzen gewidmet. Dann gab es ein leckeres Büffet, das von dem indischen Lokal im Haus stammte. Der zweite Teil des Abends war dem Bereich Barock bis 19tes Jahrhundert gewidmet. Irmgard, die Leiterin der Schwalbacher Gruppe, hatte sich für wenige Vorführtänze und viele Mitmachtänze entschieden, so konnte jeder an dem Abend viel tanzen.

Für mich war es auch ein kleiner Abschied, denn im Sommer hatte ich beim HTK Schwalbach aufgehört, um künftig mehr Zeit für die Gründung einer eigenen Gruppe in Frankfurt zu haben.



Tags: Tanz | Ball | Renaissance | Playford | Barock | Rokoko | Biedermeier

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Christian
20 Jahre Historischer Tanzkreis Bensheim
25.09.2010 19:00:00

Unter dem Motto "Musikalische und tänzerische Darbietungen von Renaissance bis Biedermeier" feierte der Historischer Tanzkreis Bensheim am 25.09.2010 mit einer großen Aufführung sein 20jähriges Bestehen. Und einige sind tatsächlich schon so lange beim Historischen Tanzen dort dabei.

Der erste Teil mit höfischen Tänzen der Renaissance, bei der ich mitgetanzt habe, wurde von der neuen Tanzkreis eigenen Renaissancemusikgruppe "Alta Mendozza" begleitet. Im zweiten Teil tanzte überwiegend die Kinder- und Jugendgruppe in den Bauernkostümen Renaissance- und Volkstänze, begleitet von der ebenfalls Tanzkreis eigenen Musikgruppe "Larus Ridibundus". Nach einer großen Pause, die alle Aktiven fürs Umziehen brauchten, folgte Teil Drei des Abends. Nun mit Tänzen aus Barock und Rokoko, bei denen ich wiederum mittanzte, diesmal allerdings mit Musik von der CD. Im letzten Teil gab es eine weitere Premiere: das eigens zusammengestellte Salonorchester der Musikakademie Darmstadt begleitete die Tänze des Biedermeier. Der schöne Abend klang mit einem Sektempfang und kaltem Büffet aus.



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