Christian Griesbeck

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Tag: Barock

Christian
Workshop Barocke Tänze in Dortmund
09.05.2013 09:30:00

Die letzten Jahre war ich ja immer zum Novemberwochenende mit Philippa Waite in Dortmund, nun schaffe ich es endlich auch mal zum zweiten, etwas längeren Workshop mit ihr zu kommen, den die Dortmunder Gruppe La Riverenza anbietet. Diesmal ist er allerdings nur drei statt der sonst üblichen vier Tage lang, weil die Gruppe mitten in den Auftrittvorbereitungen für ein Programm mit von Philippa choreographierten Tänzen aus der „The Fairy Queen“ steckt und am Sonntag einen Probentermin angesetzt ist. Auch auf dem Programm des Workshops stehen naheliegenderweise die Tänze aus „The Fairy Queen“, was fehlt sind leider einige Mitglieder der Gruppe, die so die beste Gelegenheit verpassen, alles noch einmal aus erster Hand gründlich zu lernen. Einen großen Teil der Tänze wie „Dance for the Green Man“ kenne ich bereits aus dem Workshop letztes Jahr im November, neu ist das „Rondeau Minuet“. Toll ist, wie die externen Workshopteilnehmer in die Sets integriert werden, da wird kein Unterschied gemacht, ob jemand bei der Aufführung in ein paar Tagen dabei ist oder nicht – das hat man selten. In den Pausen werden noch Kostüme anprobiert, im Internet wird nach weiteren Accessoires für die Aufführung gefahndet und auch einige Tänze in kleinerer Besetzung wie „Dance for the Haymakers“ werden von ein paar Gruppenmitgliedern mit Philippa geprobt. Bleibt nur der Gruppe einen erfolgreichen Probensonntag zu wünschen und eine schöne Aufführung – Tanzen mit einem Liveorchester ist ja immer etwas ganz besonderes.



Tags: Tanz | Workshop | Barock

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Christian
Barocktanzworkshop und Aufführung in der Musikhochschule 2013
12.04.2013 14:00:00

Der alljährlichen Barocktanzworkshop in der Frankfurter Musikhochschule mit Niels Badenhop als Dozenten ist bereits eine Tradition. Er richtet sich primär an Musiker, die ihre barocke Musikpraxis mit den dazugehörigen Tanzbewegungen verbinden wollen, um so die Musik einmal anders zu spüren. Hat man die Grundlagen des Barocktanzes gelernt, fühlt sich die Musik plötzlich völlig neu an und man merkt, dass die ganze barocke Musik von Tanz durchdrungen ist. Der Workshop beginnt für alle am Freitagmittag mit etwas Theorie zum Barocktanz, Aufwärmübungen und den ersten Tanzschritten. Am Montagabend endet er dann für alle, die möchten, mit einer öffentlichen Schlussaufführung, dem „Abschlussball“. In diesem Jahr hat Niels als Musik von Johann Caspar Ferdinand Fischer die erste Suite aus „Le Journal du Printemps“ ausgewählt und mit eigenen Choreographien versehen. Auch wenn wir technisch schon fast alles kennen, etwas neues findet sich in jedem Workshop. Diesmal hat er für uns auf ein Stück der Suite – Air de Combattans – einen Charaktertanz für ein streitendes Solopaar choreographiert und wir lernen ihn im Anschluss an die regulären Blöcke quasi im Privatunterricht. Da die Zeit und unsere Aufnahmefähigkeit beschränkt ist, beschließen wir am zweiten Abend nach dem Workshop den Tanz aufzuschreiben, um ihn so noch einmal anders durchzuarbeiten. Das ist mein erster Tanz, den ich in Beauchamp–Feuillet Notation aufzeichne – was erstaunlich gut geht – vier Seiten mit 43 Takten sind in rund anderthalb Stunden notiert. Bis zu einer ästhetisch ansprechenden und korrekten Notation braucht es natürlich mehrere Schritte. Aber selber einen komplexeren Tanz zu notieren ist eine gute Übung, um auch all die Fehler zu verstehen, die in Notaten auftauchen können. Nach den drei Tagen Workshop zeigen dann die Teilnehmer in der Abschlussaufführung, was sie gelernt haben. Unterstützt werden sie dabei von den Musikern der HIP-Abteilung. Tanzen mit Livemusik ist natürlich immer etwas besonderes, sowohl für die Tänzer als auch für die Musiker. Niels gestaltet die Aufführungen jedes Mal etwas anders – diesmal steht der Ablauf eines Barocktanzworkshops im Mittelpunkt. Dabei tanzt er auch zwei Solotänze, so dass das Publikum auch einen Eindruck davon bekommt, wie Barocktanz mit vielen Jahren Praxis aussehen kann.



Tags: Workshop | Auftritt | Tanz | Barock

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Christian
Barocktanzworkshop in Ludwigsburg - Chaconne - The Favorite
23.03.2013 09:30:00

Auf die Workshops mit Kaj Sylegård freue ich mich immer besonders, es ist schon allein ein Vergnügen, ihn mit dieser Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit barocke Tänze tanzen zu sehen. Diesmal steht in Ludwigsburg-Hoheneck die Chaconne „The Favorite“ auf dem Programm. Eigentlich besteht „The Favorite“ des englischen Choreographen Isaac aus einer Chaconne und einer Bourrée, aber an diesem Wochenende werden wir uns nur mit den 64 Takten des Chaconneteils befassen, was schon mehr als genug ist – wobei Kaj auf die Verzierungen der Herren in diesem Tanz verzichtet und die Sache so noch geringfügig vereinfacht. John Weaver hat die Choreographie in eine wunderbar klare und sehr ästhetische Notation gestochen und 1706 erstmals veröffentlicht. Die dazugehörige Originalmusik von John Paisible wurde bereits 1688 (oder früher) in einer Sammlung mit einem dazugehörigen Basslauf veröffentlicht, was darauf hindeutet, dass auch die Choreographie bereits früher entstanden ist. Leider existiert von der Musik wohl noch keine Einspielung, und weil wir justament kein Barockorchester zur Hand haben müssen wir uns im Workshop mit anderer Musik aus der Konserve begnügen. Bei den Aufwärmübungen kommen einige bereits schon beim bloßen Nachdenken über die geforderte Arm-Bein-Kopf-Koordination ins Schwitzen. Dann geht es am Samstag an die ersten beiden Seiten, wobei gleich die passenden Armen mit einstudiert werden – ein Faktor, der in vielen Workshops leider erst zum Schluss hinzugefügt wird und dabei dann meist viel zu kurz kommt – aber der Workshop war ja auch für Barocktanzerfahrene ausgeschrieben. Zum Übernachten haben wir uns zur Abwechselung diesmal den Krauthof ausgesucht, das hat den Vorteil, dass man nach dem traditionellen Abendessen, das auch üblicherweise dort stattfindet, einfach nach oben verschwinden kann. Leider hat unser Zimmer im zweiten Stock wohl eine Schallbrücke zum Keller, aus dem bis halb Zwei morgens das „Bum-Bum“ einer Hochzeitsgesellschaft dringt. Am Sonntag geht es dann nach einer Wiederholung an Seite Drei der Choreographie, auf die Weaver noch einmal genau so viele Takte wie auf die ersten beiden Seiten gequetscht hat. Es ist schön, am Ende des Workshops alle mit glücklichen Gesichtern tanzen zu sehen und „The Favorite“ ist eine wunderbare Choreographie. Nun noch weitere zwei Tage für die Bourrée und das Feilen an den Details zu haben wäre super, aber das Wochenende ist schon wieder vorbei.



Tags: Tanz | Workshop | Barock

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Christian
Tanzfest des HTK Bensheim
02.03.2013 17:00:00

Früher gab es wohl mehr von diesen kleinen spontanen internen Tanzfesten beim HTK, man kam im Gymnastikraum zusammen, jeder brachte etwas zu essen mit, die Musiker spielten und alle tanzten die bekanten Tänze. Mit der wachsenden Größe des Vereins ist das schon schwieriger geworden, durch die unterschiedlichen Gruppen und das breitere Repertoire beherrscht nicht mehr jeder alle Tänze, und auch die Musiker haben ihren spezifischen Schwerpunkt. Längst reicht der Platz im Gymnastikraum nicht mehr aus, so dass die mögliche Spontanität recht eingeschränkt ist und auch das Dorfgemeinschaftshaus ist beim Tanzfest nun recht gut gefüllt. Die Idee des Abends war – jeder zieht sein Lieblingskostüm an, und jede Stunde wechselt das Programm von der Bäuerlichen Renaissance, über die Höfische Renaissance, zum Barock und Rokoko und schließlich zur Biedermeierzeit, mit der der Verein vor vielen Jahren einmal gegründet wurde. Für uns ist es die Gelegenheit, in Bensheim einmal unsere „Jane Austen“ Kostüme zu tragen. Mein neuer Frack hängt schon längere Zeit fast fertig am Bügel, nun nähe ich in der Nacht zuvor schnell noch die fehlenden Knopflöcher und die Knöpfe an. Der Frack löst dann auch bei den ganz jungen Damen des HTK eine besondere Bewunderung aus. Dass der sture Wechsel des Programms in Stundentakt wohl nicht klappen wird, hatte ich mir schon zuvor gedacht und der Abend bleibt im wesentlichen in der Renaissance hängen, in der die einzelnen Gruppen die größte Schnittmenge haben und für die in nächster Zeit auch Auftritte anstehen. Erst im Endspurt kommt des Abends dann das 18te und 19te Jahrhundert noch mit einer Hand voll Tänzen zum Zuge. Aber es ist natürlich immer schön, wenn mal alle aus dem Tanzkreis zusammen kommen, und es gibt dann ja auch immer ein leckeres Büfett. Jeder sollte etwas mitbringen, und das sind dann so viele verschiedene Speisen, dass ich es beim besten Willen nicht schaffe, eine Kostprobe aller Köstlichkeiten auf meinem Teller unterzubringen.



Tags: Tanz | Ball | Renaissance | Barock | Empire | Biedermeier

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Christian
Barocktanzworkshop – Dances for the Fairies, Tänze aus Purcells Fairy Queen
24.11.2012 10:00:00

Wie in den letzten Jahren bin ich wieder in Dortmund zum „Weihnachtsmarktworkshop“ mit Philippa Waite – diesmal stehen „Dances for the Fairies“ auf dem Programm. Die Dortmunder Gruppe „La Riverenza“ plant für nächstes Jahr, zusammen mit einem Orchester, eine Aufführung und die Tänze wollen bis dahin gelernt sein. Schade ist natürlich, dass sich nicht alle aus der Gruppe schon jetzt für diesen Workshop angemeldet haben, das wäre die ideale Gelegenheit gewesen, die Tänze bereits einmal zu lernen und zu üben. Für die Theatertänze aus Purcells „Fairy Queen“ sind, wie für die allermeisten Bühnenwerke der Zeit, leider keine Originalchoreographien erhalten. Purcell Musik war damals natürlich sehr beliebt, so dass in alten Countrydancebüchern mittlerweile rund 30 seiner Stücke identifiziert sind, die Zeitgenossen für Gesellschaftstänze verwendet haben. Aber in diesem Workshop geht es um eine Bühnenaufführung – Philippa hat vor einigen Jahren für die „Fairy Queen“ neue Theatertänze im Stil der Zeit choreographiert, die sie nun in Dortmund nach und nach einstudiert. Einen dieser Tänze hatten wir schon im letzten Jahr gelernt, nun stehen drei weitere auf dem Programm. Der erste, den wir am intensivsten inklusive der passenden Armbewegungen lernen, ist „If love’s a Sweet Passion“ – er wird dann wohl bei der Aufführung von den eher etwas Fortgeschritteneren getanzt werden. Ein lustiger Tanz ist dann der „Monkey’s Dance“ – ein Charakterpaartanz mit grotesken Schritten und falschen Fußpositionen. Der dritte im Bunde ist „Dance for the Green Men“ der eigentlich für vier Paare choreographiert ist. Wie immer geht das Wochenende viel zu schnell vorbei, am schönsten war wieder mal intensiv an der barocken Armtechnik zu arbeiten.



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Christian
Ball Royal zum 350. Geburtstag des Grafen Wackerbarth im Gohliser Schlösschen
17.11.2012 15:00:00

Eigentlich sollte der Ball zum 350. Geburtstag des Grafen Wackerbarth wie die Winterbälle in den letzten Jahren im Dezember in Zabeltitz stattfinden. Nun meint scheinbar die lokale Politik, Hand in Hand mit „Beratern“, aus dem Zabeltitzer Palais eine „Premium Location“ machen zu können und hat, so weit ich das verstehe, als ersten Schritt schon mal die Mietpreise drastisch erhöht. Die Konsequenz ist natürlich, dass die gewachsenen kleinen Events passen müssen, aber auch die gewünschte „Premium Kundschaft“ bleibt aus – dafür ist der Ort nicht attraktiv genug. Als Resultat werden nicht nur Existenzen in der lokalen Wirtschaft (insbesondere Hotels und Gaststätten) vernichtet, sondern auch notwendige Einnahmen, die zum Erhalt beitragen können, verschwinden ebenso wie auch Gewerbesteuereinkünfte der Stadt. Etwas mehr Augenmaß was möglich ist und was nicht täte manchmal den Gemeinden gut. Das Schöne an Zabeltitz war, dass alle direkt nebenan im Hotel untergebracht waren, so dass man sich schon beim Frühstück kennenlernen konnte, und auch die Atmosphäre mit dem Kerzenlicht in dem sonst leider kahlen und modernen Palais hatte uns gefallen.

Aber nun zum Ball in Leipzig im Gohliser Schlösschen, das Uwe Müller aka Graf Wackerbarth als neuen Veranstaltungsort gefunden hat. Es hat natürlich viel viel schönere Räumlichkeiten – es ist dort ähnlich wie in Engers, mit Gemälden, bemalten Decken und Wänden. Dafür ist überall nur elektrisches Licht erlaubt, und man muss natürlich auf die Museumsgegenstände achtgeben. Wie im letzten Jahr ist Ilka Trotte die Tanzmeisterin, und es gibt bereits am Vorabend einen kleinen Tanzkurs, diesmal in einer lokalen Ballettschule, weil das Schloss dafür noch nicht zur Verfügung steht. Auf dem Programm stehen überwiegend einfache Playford-Klassiker wie Indian Queen (1701) und Gathering Peascods (1651), der von den Figuren vermutlich anspruchsvollste Tanz des Abends ist dabei Hunsdon House (1665). Am Samstagmorgen werden die Tänze noch einmal wiederholt, wobei es sich als hilfreich erweist, dass ich eine kleine Musiksammlung auf dem Handy habe – denn das dient bis zum Eintreffen der Musikanlage als Ersatztonquelle – leise, aber immerhin Musik. In der Umziehpause üben wir dann zu zweit noch kurz unseren als Gastgeschenk mitgebrachten Barocktanz – er ist nicht in Vergessenheit geraten. Nach einem kleinen Imbiss und einem Spaziergang ist dann bereits Umziehen angesagt – Carola hat sich für ihr neues Jäckchenkostüm entschieden, das etwas mehr „Bahnreisegeeignet“ ist.

Um 15 Uhr beginnt dann der Empfang, die Gäste werden von Zeremonienmeister Baron von Löwenthal peu à peu dem Grafen Wackerbarth und seiner Begleiterin vorgestellt. Bei der Gelegenheit werden gerne auch wertvolle Gastgeschenke überreicht, wie eine Ananas, die beim Grafen große Verwunderung ob der Gartenbaukünste auslöst. Im Anschluss geht es zur Kaffeetafel, hier werden die Gäste ihrem Rang nach vom Zeremonienmeister aufgerufen und an der langen Tafel platziert. Nach dem Aufheben der Kaffeetafel gibt es ein Konzert. Zu Gast ist Stefano Guardiano mit seinem Programm „La voce Celeste – eine himmlische Stimme“ und fasziniert alle Anwesenden – davon möchte man gerne noch mehr hören. Der nächste Programmpunkt ist bereits das 3-Gänge-Menü, wir nehmen wieder, wie vom Zeremonienmeister angewiesen, unsere Plätze an der Tafel ein. Zunächst gibt es eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses, danach eine Suppenkomposition, das Hauptgericht ist ein Braten, der förmlich auf der Zunge zergeht und zum Schluss werden verschiedene Mousse au Chocolat gereicht. Vor dem Ball gibt es dann noch ein kleines Geburtstagsfeuerwerk und die Schokoladentafel wird eröffnet – diesmal mit Rücksicht auf die Räumlichkeiten ohne Wunderkerzen. Auf dem Ball tanzen wir dann die Tänze, die zuvor geübt wurden, allerdings sind viele Leute dabei, die den Tanzkurs versäumt haben, so dass alle Tänze noch einmal erklärt werden müssen, bevor wir sie durchtanzen. In der ersten Pause zeigen wir dann unsere mitgebrachte „Bourée d’Achille“. Bis dann um Mitternacht der Ball endet, tanzen wir jeden Tanz mindestens zwei Mal. Schade nur, dass man sich bei Barock-/Rokokobällen oft auf gelaufene Playfordtänze beschränkt und der Tanz dadurch jegliche Spritzigkeit und Brillanz verliert. Leider sind die meisten Reenactors nicht in der Barocktanztechnik geschult, und die meisten Barocktänzer besuchen keine Reenactmentveranstaltungen – so bleibt der Tanz auf diesen Bällen nur ein Schatten seiner selbst.



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Christian
Workshop - Plaisirs innocents - Contredanses parisiennes unter der Régence (1715-1723)
01.11.2012 10:00:00

Das ist für mich jetzt bereits der dritte Barocktanzkurs in Bad Rappenau – der diesmal aber leider nur drei Tage kurz ist. Unter dem Thema „Plaisirs innocents - Contredanses parisiennes unter der Régence (1715-1723)“ lernen wir 12 der mehr als 40 Tänze aus den beiden kürzlich wieder in die Tanzwelt gekommen Durlacher Manuskripten. Drei der Tänze hatte Nicoline Winkler ja bereits auf dem Rothenfelser Tanzsymposion vorgestellt, vielleicht waren diese zu einfach und zeigten nicht die volle Pracht der anderen Tänze, um für den jetzigen Workshop mehr Teilnehmer anzuziehen, aber dort hatte sie ja auch nur 90 Minuten Zeit. So sind wir fünf Damen und fünf Herren plus Nicoline – zumindest eine Person mehr wäre natürlich toll gewesen, denn die meisten Tänze im Manuskript sind für zwei Paare. Bei genauerem Blick ist die Chorégraphie Durlach MS 209/210 eine echte Schatzkiste. Anders als bei den meisten in Feuillets Raumwegnotation veröffentlichten Kontratänzen (z.B. in dem „Recueil de Contredances“ von Feuillet, 1706 oder dem „Recueil de nouvelles contredances“ von Dezais, 1712) gibt es hier jeweils einiges an in normaler Feuillet Notation hinzugefügter Verzierung, was die Tänze viel spritziger macht. Meist sind das zwar nur „des Balancer“ oder „un pas de Rigaudon“, die der Schrittkatalog am Anfang von MS 209 aufführt, aber es finden sich auch in den Tänzen einige spezifische Schritte, und das Manuskript verwendet ein Symbolkatalog für Figuren wie „le Moulinet“ oder „le Ronde“ die bei Feuillet noch als Bodenwege notiert werden. Außerdem ist oft Text mit Anweisungen hinzugefügt, der die Wiederholungsstrukturen beschreibt oder explizit sagt, dass Seitwärtsbewegungen mit „Chasez“ auszuführen sind. Rund dreiviertel der Tänze sind in Cotillonaufstellung für zwei Paare oder manchmal vier Paare, der Rest ist in Longwayaufstellung (oft für eine feste Zahl von Paaren), zusätzlich findet sich eine Branlesuite mit vier Tänzen. Was leider auch in diesem Manuskript fehlt, ist die Angabe ob für die nicht geraden Wege pas de bourrée oder die laut Feuillet häufigeren demi contretemps zu verwenden sind, allerdings finden sich interessanterweise Stellen mit geraden Wegen, wo explizit pas de bourrée oder zwei demi contretemps notiert sind (die dann statt dem Gavotteschritt auszuführen sind).

Der Schwierigkeitsgrad der Tänze an diesen drei Tagen ist unterschiedlich. Die beiden einfachen echten Longways mit Progression „for as many as will“ in der Art wie man sie auch bei Feuillet finden könnte, sind „Le Moulin de Javel“ (mit zwei tanzenden Paaren) und „La Friande“ (mit drei tanzenden Paaren). „La Faridondene“ ist ein schöner Dreipaartanz in Longwayaufstellung bei dem das erste Paar zunächst mit allen drei Paaren einen A-Teil tanzt und dann, nach einer ersten Progression, einen B-Teil aus Platz zwei nur mit dem dritten Paar tanzt, um nach einer weiteren Progression auf Platz drei zu landen. „Le Cordon Bleu“ ist ein einfacher Tanz in Longwayaufstellung, aber ohne Progression, der schon den für Cotillons typischen Strophen-Refrain-Wechsel hat, wobei die erste Strophe noch wie im Englischen Tanz ein „advance and retire“ ist. Einfachere Cotillons in Carreaufstellung mit mehr oder weniger typischem Ablauf sind „le Corrillon dauteüil“, „La Tetar“, „La Bohaimiene“ und „Le Nouveau Pistolet“ (die beiden letzteren haben wir bereits in Rothenfels getanzt). Der Tanz „les quatres faces ou la Danse d’hier“ mischt eine Strophe im Menuettschritt mit einem Refrain im Gavotteschritt (ihn haben wir ebenfalls in Rothenfels getanzt). Nicht alle Tänze in Carreaufstellung in der Durlacher Handschrift haben den üblichen Cotillonaufbau mit dem festgefügten Strophe-Refrain-Wechsel. So folgt z.B. „La Blonde, La Brune“ einer ABA-Form (Blonde, Brune, Blonde). „La Brillante“ folgt keiner Wiederholungsstruktur, das hübsche Feuerwerk ist so schon nach 75 Sekunden vorbei. Ebenfalls sehr schön ist „Le Poivre“, einer der beiden Tänze für vier Paare im Square-Set aus der Sammlung, wobei die Damen jeweils zuerst den Beginn des Refrains und das erste Auftauchen der jeweiligen Strophen-Figur tanzen dürfen. Ein kleiner Teil der Tänze ist sogar vollständig in Tanzschrift durchnotiert – auch hier sind noch Schätze zu heben, denn ausnotierte Tänze zu viert in Feuillet Notation sind selten und sie geben uns einen wichtigen Einblick in das Schrittmaterial. Einen davon, „La Bergere“ tanzen wir im Anschluss an den Workshop noch kurz zu dritt an. Den Abschluss bildet diesmal das fast schon traditionelle Zwiebelkuchenessen. Fazit des leider wieder viel zu schnell vergangenen Workshops: viele schöne neue Tänze, eine echte Bereicherung für die Barocktanzszene und noch vieles, was es in den Manuskripten zu entdecken gilt.



Tags: Workshop | Tanz | Barock | Playford

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Christian
Auftritt beim Jugendkonzert „Tanz durch die Jahrhunderte“ in Darmstadt
01.09.2012 16:00:00

Die Akademie für Tonkunst Darmstadt und der Historische Tanzkreis Bensheim haben ja in der Vergangenheit zusammen schon ein paar Veranstaltungen bestritten, nun steht, wie vor zwei Jahren beim Jubiläumsauftritt des HTK Bensheim, ein „Tanz durch die Jahrhunderte“ auf dem Programm. Eigentlich handelt es sich um ein Jugendkonzert am Nachmittag, doch das Publikum ist altersmäßig stark durchmischt, mit einer Tendenz zu „Jung ist, wer sich jung fühlt“ – aber das Thema zieht halt auch nicht die Massen an Jugendlichen an. Das Publikum bekommt jedenfalls viel geboten: im ersten Teil spielt „Larus Ridibundus“ – die Musikgruppe des HTK Bensheim und im zweiten Teil spielt das „Salonorchester“ der Akademie. Das Tanzen mit Livemusik ist ja immer eine besondere Sache, die viel zu selten stattfindet. Zunächst stehen zwei Tänze aus der Höfischen Renaissance auf dem Programm, dann ist die Kindergruppe mit drei Bauern- und Volkstänzen dran. Bei der traditionellen Musik geht das Publikum natürlich voll mit – die Kindergruppe ist schon süß und hat sichtlich viel Freude. Nach einem letzten Instrumentalstück von „Larus Ridibundus“ und einer kleinen Umbaupause sind wir dran. Wir dürfen die Barockzeit mit einem kleinen Solopaartanz „La Bourée d’Achille“ repräsentieren. Der Leiter des Salonorchesters hat dafür extra die passenden Noten aufgetrieben und mit einem kleinen Orchester klingt das natürlich besonders gut. Es ist der erste Barocktanz, den Carola und ich selbst rekonstruiert und eingeübt haben und nun mit Armen versehen öffentlich aufführen – eine Premiere also. Und noch eine Premiere ist Carolas neues Jäckchenkostüm, das sie fast alleine genäht hat und heute zum ersten mal tragen darf. Aber schon geht es weiter mit der Zeit des Biedermeier, mit sechs Tänze der Hauptteil des Nachmittags. Ein Teil der Tänzerinnen hat bereits am Anfang bei der Renaissance mitgewirkt und sich zwischendurch in aller Eile für Biedermeier umgekleidet. Der letzte Tanz des kurzweiligen Nachmittags ist auch eine Premiere, ihn hat die Tanzleiterin des HTK Bensheim zur Musik „An der schönen blauen Donau“ noch am Donnerstag choreographiert und mit der Gruppe einstudiert.



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Christian
Le Carrousel de Sanssouci
21.07.2012 20:00:00

Das „Carrousel de Berlin“ von 1750 war sicherlich eins der beeindruckendsten Pferdeballette seiner Zeit. Anlässlich des 300. Geburtstag von Friedrich dem Grossen wurde mit dem „Carrousel de Sanssouci“ eine Art Wiederauflage dieses Ereignisses geplant. Klar, ein nachgestelltes Pferdeballett wie im Barock oder dem Rokoko sieht man nicht alle Tage und für jemanden, den die Epoche interessiert ist das sicherlich eines der Topereignisse des Jahres – also nichts wie hin. Wer nun eine akribische Rekonstruktion eines Barocken Pferdeballetts erwartete, wird enttäuscht, „Le Carrousel de Sanssouci“ ist eher ein Pferdemusical, das verschiedene Elemente für den modernen Geschmack verknüpft. Es gibt eine Bühnenhandlung mit einem Hofstaat, der auch mal tanzt und singt, dazu Voltaire, der Französisch labert, etwas modernes Ballett, eine eingeflochtene historische Liebesgeschichte und natürlich in erste Linie die Reiterei in der Arena. Und klar, die Massen an Darstellern und die Qualität der Kostüme von 1750 kann heute keiner mehr bezahlen, so dass notwendigerweise alles in einer dem heute möglichen Budget angepassten Version ablaufen muss. So rückt die Fürstliche Hofreitschule Bückeburg mit 21 Reitern statt der 200 beim historischen Ereignis an. Die Musik kommt von den zehn Potsdamer Turmbläsern und dem auf sieben Musikern aufgestockten Ensemble Celeste Sirene. Aber für eine wirklich originalgetreue Rekonstruktion fehlt uns heute, neben dem Geld, leider ohnehin auch eine Menge an Informationen. Eine Choreographie und die Musik sind leider nicht mehr vorhanden – aber neben verbalen Beschreibungen sind für das Carrousel von 1750 immerhin einige originale Kostümentwürfe erhalten. Die Frage ist natürlich letztlich auch, ob das heutige Durchschnittspublikum eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion nicht viel zu langweilig finden würde – ging es damals doch wohl vor allem darum, der Welt Reichtum und militärische Macht von Preußen zu präsentieren.

Glücklicherweise sagt der Regen zu Beginn der Veranstaltung nur mal kurz „Hallo“, danach bleibt es trocken, aber viel zu kalt für einen Juliabend. Nach einem Willkommensgruß schreitet zunächst der Hofstaat auf die Bühne, dann reiten die Stars des Abends – die Pferdequadrillen ein. Es gibt vier Quadrillen, die jeweils eins der großen Kriegervölker der Antike repräsentieren – Römer, Griechen, Karthager und Perser. Wir sehen verschiedene Dressurkunststücke, ein kleines modernes Ballett zu einer Jagdarie und schließlich die hohe Kunst der Pferde am langen Zügel. Der Hofstaat versucht sich an einem Menuett und das Liebespaar des Abends reitet einen Pas de Deux zu Pferd – die Dame dabei in elegantem Damensattel. Sie ist die einzige als Dame reitende Frau des Abends, denn auch wenn sich heute überwiegend Frauen in den Sattel schwingen, war das Carrousel damals natürlich Männersache. Es handelt sich um eine echte, wenn auch etwas dramatisierte, Liebesgeschichte aus der damaligen Zeit – der schottische Adlige Patrick Home of Billie war auf seiner „Grand Tour“ durch Europa und durfte 1750 beim Carrousel in Berlin mitreiten, er verliebte sich unglücklich in die für ihre Schönheit bekannte Hofdame Sophie von Brandt. Nach einer weiteren Arie mit modernem Ballett kommt der Höhepunkt des Abends – das eigentliche Pferdeballett. Die 16 Reiter der Quadrillen führen in der Arena rund 10 Minuten lang verschiedene Raumfiguren zur Musik vor. Nach einer Pause ist der zweite Teil des Abends dem Wettkampf gewidmet. Es gibt eine Fechtquadrille und im Waffengarten sind verschiedene Prüfungen zu bestehen. Umrahmt von jeweils einem Intermezzo mit einer Arie und dem tanzenden Hofstaat findet schließlich ein Tjost zu Pferde statt. Hier gehen einige Lanzen zu Bruch, bis sich ein Sieger findet. Nach der Siegerehrung gibt es noch einmal ein großes Finale, wo sich zum Schluss auch das Maskottchen der Hofreitschule – ein Shetlandpony noch einmal seinen Applaus abholen kann. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, die wohl ihre Nachfolger finden wird, denn an der Wiederaufführung der barocken Pferdeballette gibt es noch einiges zu forschen und zu entdecken.



Tags: Zuschauer | Barock | Rokoko

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Christian
3. Rothenfelser Tanzsymposion „all’ungaresca – al español“
06.06.2012 18:30:00

Bereits auf dem Weg, der letzten Etappe mit dem Bus, treffe ich einen Teilnehmer – Rothenfels, das ist so etwas wie ein Familientreffen der historischen Tanzszene, meint er. Und tatsächlich, obwohl es nun 2012 es erst zum dritten Mal stattfindet, ist das Rothenfelser Tanzsymposion bereits eine international bedeutende Institution im Bereich historischer Tanz geworden. Die Teilnehmer kommen aus einer Vielzahl von Ländern, der Schwerpunkt ist Europa, aber sogar aus Australien und den USA sind jeweils zwei Personen angereist. Neben Deutsch ist die Hauptsprache des Symposiums Englisch, auf das meist sofort umgeschaltet wird, wenn jemand dabei ist, der kein Deutsch spricht; auch die Zusammenfassung (in der jeweils anderen Sprache) im zum Symposium bereits erhältlichen Tagungsband ist sicher sehr hilfreich. Nach den Deutschen kommt die zweitgrößte Gruppe diesmal aus Russland, wo sich zur Zeit eine sehr aktive Szene für historischen Tanz bildet. Ein wichtiges Zeichen ist sicherlich auch, dass diesmal einige Franzosen mit dabei sind; aber auch die Österreicher dürfen nicht vergessen werden. Insgesamt sind es rund einhundert Dozenten, Musiker, Organisatoren und einfache Teilnehmer, die sich in der kleinsten Stadt Frankens auf der abgegrenzten Burg Rothenfels zum Symposion zusammengefunden haben. Es ist eine bunte Mischung von interessierten Laien bis zu den alten Hasen aus dem „who’s who“ der historischen Tanzszene. Etwas ganz Besonderes ist hier sicherlich die sehr ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis.

Am Mittwoch ist, nachdem ich den Berg mit meinem schweren Gepäck erklommen habe, erst mal Check in. Ich habe viel Glück, ich hatte ein Bett im Mehrbettzimmer gebucht und nun bin ich alleine in einem Doppelzimmer. Die Burg Rothenfels ist eine Jugendherberge und ein Tagungshaus. Als, wenn auch größtenteils frisch renovierte, Jugendherberge ist alles natürlich entsprechend spartanisch – mit Duschen und WC auf dem Gang. Nachdem ich meine Tagungsunterlagen, und schon eine paar bekante Gesichter, gefunden habe gibt es erst einmal Abendessen. Das Essen ist typisches Jugendherbergs-Großküchenessen ohne jede Ambitionen. Aber die Burg hat ein besonderes Flair – hier sitzen alle auf den Bänken beim Essen (oder zum Abschluss des Abends im Burgkeller) zusammen und kommen miteinander ins Gespräch.

Los geht es am Mittwochabend, zunächst mit einem Kurzauftritt von Barbara Segal und William Tuck: „Courtly Dance meets Country Capers: speculations on the influence of traditional hornpipe on english noble dance“ – bei dem sich die noble Tänzerin und der wilde Hornpipe Tänzer vom Lande gegenseitig domestizieren. Im Anschluss teilen sich die Teilnehmer in zwei Gruppen für einen zweistündigen „Tanzabend“ – eigentlich ein Abendworkshop. Das Programm ist so organisiert, dass durch die Gruppeneinteilung jeder an allem teilnehmen kann. Für mich steht als erster Tanzabend im Rittersaal Alan Jones mit „Spanish Minuet Improvisation“ auf dem Programm. Der Rittersaal ist der berühmtberüchtigte Saal in Rothenfels mit einem unebenen Natursteinboden – mittlerweile zumindest mit einem Textilbelag etwas verbessert –  aber immer noch nicht wirklich tanzgeeignet. Von dem, was Alan Jones aus den spanischen Quellen gelesen hat, sind für mich die Variation der Arme (auch mit sehr hohen Armen, und Armen über zwei Menuettschritte verteilt) für das Menuett das interessanteste. Der eigentliche Improvisationsteil ist dann dröge – es tanzt eine gefühlte Stunde lang auf der Fläche immer nur jeweils ein Paar, das sich produziert. Immerhin, wir haben hier im Rittersaal das fünfköpfige Musikensemble des Symposiums, das für uns spielt. Der Abend klingt für mich im Burgkeller bei einem dunklen Bier und netter Unterhaltung aus.

Am Donnerstag beginnt nach dem Frühstück das volle Tagungsprogramm mit den Vorträgen. An den vier Vormittagen der Tagung gibt es insgesamt 13 überwiegend englischsprachige Vorträge. Eine meist erweiterte Form der Vorträge findet sich auch im Tagungsband, den ich mir natürlich gleich kaufe. Die Vortragenden sind zum Teil Doktoranden, die einen Ausschnitt aus ihrer Arbeit präsentieren, zum Teil international bekannte Tanzwissenschaftler und zum Teil ebenfalls international bekannte Praktiker und Künstler. Der Donnerstag hat den Fokus: Italien, Frankreich und Europa. Zur Eröffnung trägt Gerrit Berenike Heiter unter dem Titel: „Getanzte Vielfalt der Nationen, ihre Darstellung  und Funktion im französischen Hofballett (Ende 16. Jahrhundert-Mitte 17. Jahrhundert)“ einen Teil aus ihrer Doktorarbeit vor. Dabei hat sie für die Tagung einen guten Aufmacher, in dem sie die einzelnen Länder der Anwesenden durchgehen kann – nur die Slowenen finden sich nicht als Charakter im französischen Hofballett. Die Charaktere, mit denen die einzelnen Länder in Frankreich dargestellt werden, sind indes meist nicht sehr schmeichelhaft. Im Anschluss trägt Markus Lehner für den verhinderten Marko Motnik vor: „Die italienische Tanzkunst am Habsburger Hof und der Tractatus de arte saltandi von Evangelista Papazzone (um 1572–1575)“. Es wird eine neu entdeckte Quelle vorgestellt, die ein wichtiges Indiz für die Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte der italienischen Tanzkunst in Österreich ist. Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit dem Vortrag von Karin  Fenböck: „Wien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Hilverdings ‚danza parlante’ als Schmelzpunkt der Tanzkulturen?“ Neben der Situation von Tanz und Theater in Wien wird hier aufgezeigt, dass Noverre nicht der einzige Reformator hin zum Handlungsballett in seiner Zeit war, allerdings hat sich außerhalb von Wien für Hilverdings Neuerungen keiner interessiert – Noverre hat seine Ideen offensichtlich besser vermarktet. Den Abschluss macht der Vortrag von Guillaume Jablonka: “French-Italian dance technique on the European stage of the late eighteenth century,” in dem er Schritte und Passagen aus dem Ferrère Manuskript (1782) vorstellt und in Beziehung zu Magri (1779) setzt.

Nach der Theorie und dem Mittagessen geht es weiter mit der Tanzpraxis in den Workshops. Wir sind in drei Gruppen aufgeteilt, die Dozenten unterrichten ihren anderthalbstündigen Workshop jeden Tag in einem anderen Raum, die Gruppen bleiben in ihrem Raum, so dass man nach und nach alle Workshops erlebt. Ich habe es mit dem Saal im Amtshaus gut getroffen, durch seinen Schwingboden ist er zum Tanzen der beste Raum von Burg Rothenfels. Als erstes gibt Nicoline Winkler einen Workshop zum „Repertoire der Pariser Opernbälle im frühen 18. Jahrhundert“. Da der Beitrag ursprünglich als Vortrag geplant war, gibt es erst einmal eine theoretische Einführung zu den Bällen in der Pariser Oper ab 1716 – die Contredanses hatten dort schon die alten Tanzformen verdrängt. Im praktischen Teil gibt es mit Livemusik drei Tänze aus der neu entdeckten Chorégraphie - Durlach 209/210 zu erlernen. Als zweiter Workshop steht Guillaume Jablonka mit „Trying to find Magri’s Pas Trusé” auf dem Programm. Der Pas Trusé aus Magri’s Buch (1779) ist ein aus vier Teilen zusammengesetzter Schritt und wir spielen verschiedene Möglichkeiten der Ausführung durch – ein eher experimenteller Workshop. Nach dem Abendessen gibt es einen Kurzauftritt von der frisch angereisten Ana Yepes mit „Dances of the Spanish Baroque“. Bei dem kastagnettenlastigen Auftritt würde ich natürlich gerne wissen, was von den Armen aus Quellen belegt ist und was eine modere Readaption ist, gut sieht es in jedem Fall aus. Und danach bin ich bei einem Tanzabend von Uwe Schlottermüller und Jørgen Schou-Pedersen „’Budapest, Kairo, Peking’ – unterwegs mit Dubreil und Delpêch“. Wir lernen einige witzige Contratänze, auch schon im Hinblick auf den Ball am Sonnabend.

Auch am Freitagvormittag gibt es wieder vier Vorträge; diesmal mit dem Fokus auf Deutschland und Polen. Hubert Hazebroucq beginnt den Reigen mit einem französisch-deutschen Kulturtransfer: „Six French dances in Germany: An Instruction by Johann Georg Pasch (1659)“. Paschs Text ist eine wichtige Quelle für den Tanz im 17ten Jahrhundert, leider nicht, weil er den Tanz gut beschreibt, sondern weil er eine der wenigen Quellen aus diesem Jahrhundert überhaupt ist – Hazebroucq macht aus den Tanzbeschreibungen recht stimmige Rekonstruktionsversuche. Im Anschluss präsentiert Alessandra Kajdanska ein neu gefundenes Manuskript aus der gleichen Zeit, eine Seite mit Tanzbeschreibungen die sich in einem Tagebuch gefunden hat: „Von Unterschiedlichen Täntzen. The Diary of Georg Schroeder and the tradition of dance culture in Gdansk in the second half of the 17th century.” Die Seite enthält verbale Beschreibungen und Raumskitzen für fünf Gesellschaftstänze – leider ohne Schrittmaterial und Musik. Carol Marshs Beitrag „The Elusive Baroque Polonaise“ wurde kurzfristig von einem Workshop zum Vortrag, so dass es der Text leider nicht mehr in den Tagungsband geschafft hat. Es geht um das Erscheinen der Polonaise in Traktaten im 18ten Jahrhundert und die Rekonstruktion der „Nev Figvrirte Polonoise“ aus Winterschmids: „Kurze und leichte Anweisung...“. Im Anschluss beschäftigt sich Hannelore Unfried mit einem ost-westlichen Kulturtransfer: „Der Cotillon: Die Mazurka wird ‚German’“ und geht dabei der Frage nach, wie und ob beide Tänze zusammenhängen. Am Nachmittag sind wieder die Tanzworkshops an der Reihe. Zunächst Barbara Segal mit: „French Noble Dance in England: a Delight in Complexity?“ Anders als die Tanzmeister in Frankreich, die von der Akademie reglementiert wurden, waren die Engländer freier was das Schrittmaterial und die rhythmische Struktur anbelangt – ein Beispiel hierfür ist die Hornpipe. Leider bekommen wir die Choreographien nicht als Handout, sondern sie werden an die Wand projiziert. Sieben Seiten Hornpipe in 90 Minuten und dabei zu versuchen mit Fernblick gleichzeitig die Choreographie zu entziffern, ist selbst für mich auf Dauer zu viel Complexity und zu wenig Delight, aber ich steige im Gegensatz zu den meisten immerhin erst kurz vor Schluss aus. Der zweite Workshop kommt von Hannelore Unfried „Cotillon: Gestampft, Geschlagen, Gewählt - Mazurka im frühen 19. Jahrhundert.“ Wir spielen verschiedene Cotillons durch, auch schon im Hinblick darauf, welche ballgeeignet sind. Nach dem Abendbrot gibt es wieder einen Kurzauftritt - Irene Ginger und Hubert Hazebroucq zeigen „einige Metamorphosen des Menuetts“ – schade, dass meine Kamera diesmal aus bleiben musste. Beim anschließenden Tanzabend unterrichtet Ingo Günther den „Figurenländler des 18. Jahrhunderts“ – ich kenne seine Choreographie bereits aus einem früheren Workshop mit ihm. Wie jeden Abend trinke ich noch im Burgkeller bei netter Unterhaltung ein dunkles Bier. Diesmal bewundere ich Carles Mas, der für unsere Musiker tanzt, Flöte spielt und gleichzeitig trommelt, fast als sei er dem Holzschnitt aus Arbeau entsprungen.

Der Samstag ist für mich ein spanischer Tag. Am Morgen gibt es drei Vorträge mit dem Fokus auf die mediterrane Sphäre. Christine Bayle, Carles Mas und Barbara Sparti bekommen den kompletten ersten 90 Minutenblock für ihren Gemeinschaftsvortrag: „A Hit Tune Becomes a Hit Dance: The Travels of a Pavane through Italy, the Iberian Peninsula, France and Germany.“ In der Tat, die Pavane ist im 16ten Jahrhundert schnell zu einem Hit geworden. Dass sie absolut nichts mit dem drögen „simple, simple, double“ zu tun haben muss, zeigt der Vortrag und auch ein Workshop am Nachmittag. Im zweiten Block gibt es wieder zwei Vorträge. Ana Yepes mit „From the Jácara to the Sarabande“ – beide Tänze sind eine Art Geschwister, die mit dem Schwerpunkt auf der Jácara dargestellt werden, Armbewegungen sind leider nicht erhalten. Unter dem Titel „In Search of the Fandango“ geht danach Alan Jones auf Spurensuche nach diesem Spanischen Tanz, wie er im 18ten Jahrhundert getanzt wurde. Eine komplette Choreographie ist leider nicht vorhanden, so dass Andeutungen zu einem Bild zusammengesetzt werden müssen. Die Workshops am Nachmittag beginnen mit „The Iberian Pavana by Jaque,” die Carles Mas lehrt. Juan Antonio Jaques „Libro de danzar“ ist eine wichtige Quelle des späten 17ten Jahrhunderts und als der Workshop vorbei ist, denkt man nur – davon möchte ich mehr können. Den letzten Workshop des Symposiums „La Escuela Bolera“ gibt Anna Karin Stahle. Dieser Tanz, der seine Wurzeln im späten 18ten Jahrhundert hat, blieb durch die zunächst nur mündliche Tradierung sicher nicht frei von jüngeren Einflüssen, Spaß macht er trotzdem. Am Abend ist dann der große Ball des Symposiums. Gewünscht wurde festliche Kleidung des 18ten Jahrhundert und viele erscheinen natürlich in ihren Kostümen – am besten gefallen haben mir die Kostüme der Russen. Die Musik kommt komplett live von unseren Musikern, getanzt wird vornehmlich, was zuvor an Gruppentänzen in den Workshops gelernt wurde. In der Pause gibt es kleine Häppchen, der Ball geht weit bis nach Mitternacht und viele bleiben auch nach dem offiziellen Schluss noch lange beisammen.

Nach einer, wie immer zu kurzen, Nacht geht es am Sonntag auch mit den Vorträgen in die letzte Runde und auf zu neuen Welten, denn bisher lag der Schwerpunkt des Symposiums ja auf Europa. Barbara Alge berichtet von ihren Forschungen von einem europäischen Kulturtransfer nach Afrika und Südamerika: „Die Mourisca aus Portugal und ihre Rolle als "Botschafterin"  seit dem 15. Jahrhundert“. Und als letzten Vortrag hören wir Tiziana Leucci mit “From Pietro della Valle to Gaetano Gioja : or the Curiosity for the “Others”. The Interest for Indian Dances and Oriental Customs (& Costumes) in Europe (1663-1821)“ Das Interesse in Europa für alles Exotische war natürlich groß. Der Kulturtransfer aus Indien fand in erster Linie allerdings durch Reiseberichte statt, so dass was in Europa zu sehen war sicherlich mehr Projektion als Import war.

Vielleicht war das Symposium zu heterogen, um bei der Schlussrunde ein Gesamtfazit zu ziehen; noch bevor es zum Lob der Vermischung der Kultur in Europa kommen kann, übernehmen die Hinweise auf weitere Veranstaltungen überhand. Und dann, bei der Frage ob es in vier Jahren ein viertes Rothenfelser Tanzsymposion geben wird, platzt eine kleine Bombe – diesmal war das Symposium durch zu wenig Teilnehmer defizitär, da es bislang nicht öffentlich gefördert wird, ist eine Fortsetzung fraglich, zudem lastet im Moment auch die Organisation auf zu wenig Schultern. Beides sind Dinge, die sich ändern lassen und ich biete spontan meine Hilfe an. Besonders ärgerlich ist dabei, dass einige Leute Probleme hatten sich bei Burg Rothenfels anzumelden, trotzdem die Veranstaltung nicht ausgebucht war. Eine Fortsetzung ist für die historische Tanzszene in Deutschland, und vielleicht sogar in Europa sehr wichtig, trägt es doch wesentlich zum Austausch, zur Professionalisierung und der Hebung des Gesamtniveaus bei. Ich denke, wir brauchen in Deutschland (wie z. B. in UK) für so etwas eine Trägerorganisation, die sich um den Historischen Tanz kümmert und die Standards hebt. Nach dem abschließenden letzten gemeinsamem Mittagessen ist es Zeit für den Nachhauseweg – ich habe Glück und werde bis zum Aschaffenburger Bahnhof mitgenommen – die Anbindung von Rothenfels mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ja leider besonders an Sonn- und Feiertragen schlecht. In den vier Tagen gab es dreizehn Vorträge, neun Workshops, einen Ball und viele nette Gespräche – das war ein volles Programm. Das Symposium wird noch lange nachwirken, der Tagungsband ist ja auch schon erschienen, so dass alle, die es verpasst haben, zumindest die Vorträge nachlesen können. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mich kurzfristig entschlossen hatte dabei zu sein. Rothenfels 2012 hatte eine einmalige, sehr bereichernde Atmosphäre, schade dass es nur alle vier Jahre stattfindet.



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