Christian Griesbeck

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Tag: Empire

Christian
Tanzfest des HTK Bensheim
02.03.2013 17:00:00

Früher gab es wohl mehr von diesen kleinen spontanen internen Tanzfesten beim HTK, man kam im Gymnastikraum zusammen, jeder brachte etwas zu essen mit, die Musiker spielten und alle tanzten die bekanten Tänze. Mit der wachsenden Größe des Vereins ist das schon schwieriger geworden, durch die unterschiedlichen Gruppen und das breitere Repertoire beherrscht nicht mehr jeder alle Tänze, und auch die Musiker haben ihren spezifischen Schwerpunkt. Längst reicht der Platz im Gymnastikraum nicht mehr aus, so dass die mögliche Spontanität recht eingeschränkt ist und auch das Dorfgemeinschaftshaus ist beim Tanzfest nun recht gut gefüllt. Die Idee des Abends war – jeder zieht sein Lieblingskostüm an, und jede Stunde wechselt das Programm von der Bäuerlichen Renaissance, über die Höfische Renaissance, zum Barock und Rokoko und schließlich zur Biedermeierzeit, mit der der Verein vor vielen Jahren einmal gegründet wurde. Für uns ist es die Gelegenheit, in Bensheim einmal unsere „Jane Austen“ Kostüme zu tragen. Mein neuer Frack hängt schon längere Zeit fast fertig am Bügel, nun nähe ich in der Nacht zuvor schnell noch die fehlenden Knopflöcher und die Knöpfe an. Der Frack löst dann auch bei den ganz jungen Damen des HTK eine besondere Bewunderung aus. Dass der sture Wechsel des Programms in Stundentakt wohl nicht klappen wird, hatte ich mir schon zuvor gedacht und der Abend bleibt im wesentlichen in der Renaissance hängen, in der die einzelnen Gruppen die größte Schnittmenge haben und für die in nächster Zeit auch Auftritte anstehen. Erst im Endspurt kommt des Abends dann das 18te und 19te Jahrhundert noch mit einer Hand voll Tänzen zum Zuge. Aber es ist natürlich immer schön, wenn mal alle aus dem Tanzkreis zusammen kommen, und es gibt dann ja auch immer ein leckeres Büfett. Jeder sollte etwas mitbringen, und das sind dann so viele verschiedene Speisen, dass ich es beim besten Willen nicht schaffe, eine Kostprobe aller Köstlichkeiten auf meinem Teller unterzubringen.



Tags: Tanz | Ball | Renaissance | Barock | Empire | Biedermeier

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Christian
3. Rothenfelser Tanzsymposion „all’ungaresca – al español“
06.06.2012 18:30:00

Bereits auf dem Weg, der letzten Etappe mit dem Bus, treffe ich einen Teilnehmer – Rothenfels, das ist so etwas wie ein Familientreffen der historischen Tanzszene, meint er. Und tatsächlich, obwohl es nun 2012 es erst zum dritten Mal stattfindet, ist das Rothenfelser Tanzsymposion bereits eine international bedeutende Institution im Bereich historischer Tanz geworden. Die Teilnehmer kommen aus einer Vielzahl von Ländern, der Schwerpunkt ist Europa, aber sogar aus Australien und den USA sind jeweils zwei Personen angereist. Neben Deutsch ist die Hauptsprache des Symposiums Englisch, auf das meist sofort umgeschaltet wird, wenn jemand dabei ist, der kein Deutsch spricht; auch die Zusammenfassung (in der jeweils anderen Sprache) im zum Symposium bereits erhältlichen Tagungsband ist sicher sehr hilfreich. Nach den Deutschen kommt die zweitgrößte Gruppe diesmal aus Russland, wo sich zur Zeit eine sehr aktive Szene für historischen Tanz bildet. Ein wichtiges Zeichen ist sicherlich auch, dass diesmal einige Franzosen mit dabei sind; aber auch die Österreicher dürfen nicht vergessen werden. Insgesamt sind es rund einhundert Dozenten, Musiker, Organisatoren und einfache Teilnehmer, die sich in der kleinsten Stadt Frankens auf der abgegrenzten Burg Rothenfels zum Symposion zusammengefunden haben. Es ist eine bunte Mischung von interessierten Laien bis zu den alten Hasen aus dem „who’s who“ der historischen Tanzszene. Etwas ganz Besonderes ist hier sicherlich die sehr ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis.

Am Mittwoch ist, nachdem ich den Berg mit meinem schweren Gepäck erklommen habe, erst mal Check in. Ich habe viel Glück, ich hatte ein Bett im Mehrbettzimmer gebucht und nun bin ich alleine in einem Doppelzimmer. Die Burg Rothenfels ist eine Jugendherberge und ein Tagungshaus. Als, wenn auch größtenteils frisch renovierte, Jugendherberge ist alles natürlich entsprechend spartanisch – mit Duschen und WC auf dem Gang. Nachdem ich meine Tagungsunterlagen, und schon eine paar bekante Gesichter, gefunden habe gibt es erst einmal Abendessen. Das Essen ist typisches Jugendherbergs-Großküchenessen ohne jede Ambitionen. Aber die Burg hat ein besonderes Flair – hier sitzen alle auf den Bänken beim Essen (oder zum Abschluss des Abends im Burgkeller) zusammen und kommen miteinander ins Gespräch.

Los geht es am Mittwochabend, zunächst mit einem Kurzauftritt von Barbara Segal und William Tuck: „Courtly Dance meets Country Capers: speculations on the influence of traditional hornpipe on english noble dance“ – bei dem sich die noble Tänzerin und der wilde Hornpipe Tänzer vom Lande gegenseitig domestizieren. Im Anschluss teilen sich die Teilnehmer in zwei Gruppen für einen zweistündigen „Tanzabend“ – eigentlich ein Abendworkshop. Das Programm ist so organisiert, dass durch die Gruppeneinteilung jeder an allem teilnehmen kann. Für mich steht als erster Tanzabend im Rittersaal Alan Jones mit „Spanish Minuet Improvisation“ auf dem Programm. Der Rittersaal ist der berühmtberüchtigte Saal in Rothenfels mit einem unebenen Natursteinboden – mittlerweile zumindest mit einem Textilbelag etwas verbessert –  aber immer noch nicht wirklich tanzgeeignet. Von dem, was Alan Jones aus den spanischen Quellen gelesen hat, sind für mich die Variation der Arme (auch mit sehr hohen Armen, und Armen über zwei Menuettschritte verteilt) für das Menuett das interessanteste. Der eigentliche Improvisationsteil ist dann dröge – es tanzt eine gefühlte Stunde lang auf der Fläche immer nur jeweils ein Paar, das sich produziert. Immerhin, wir haben hier im Rittersaal das fünfköpfige Musikensemble des Symposiums, das für uns spielt. Der Abend klingt für mich im Burgkeller bei einem dunklen Bier und netter Unterhaltung aus.

Am Donnerstag beginnt nach dem Frühstück das volle Tagungsprogramm mit den Vorträgen. An den vier Vormittagen der Tagung gibt es insgesamt 13 überwiegend englischsprachige Vorträge. Eine meist erweiterte Form der Vorträge findet sich auch im Tagungsband, den ich mir natürlich gleich kaufe. Die Vortragenden sind zum Teil Doktoranden, die einen Ausschnitt aus ihrer Arbeit präsentieren, zum Teil international bekannte Tanzwissenschaftler und zum Teil ebenfalls international bekannte Praktiker und Künstler. Der Donnerstag hat den Fokus: Italien, Frankreich und Europa. Zur Eröffnung trägt Gerrit Berenike Heiter unter dem Titel: „Getanzte Vielfalt der Nationen, ihre Darstellung  und Funktion im französischen Hofballett (Ende 16. Jahrhundert-Mitte 17. Jahrhundert)“ einen Teil aus ihrer Doktorarbeit vor. Dabei hat sie für die Tagung einen guten Aufmacher, in dem sie die einzelnen Länder der Anwesenden durchgehen kann – nur die Slowenen finden sich nicht als Charakter im französischen Hofballett. Die Charaktere, mit denen die einzelnen Länder in Frankreich dargestellt werden, sind indes meist nicht sehr schmeichelhaft. Im Anschluss trägt Markus Lehner für den verhinderten Marko Motnik vor: „Die italienische Tanzkunst am Habsburger Hof und der Tractatus de arte saltandi von Evangelista Papazzone (um 1572–1575)“. Es wird eine neu entdeckte Quelle vorgestellt, die ein wichtiges Indiz für die Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte der italienischen Tanzkunst in Österreich ist. Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit dem Vortrag von Karin  Fenböck: „Wien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Hilverdings ‚danza parlante’ als Schmelzpunkt der Tanzkulturen?“ Neben der Situation von Tanz und Theater in Wien wird hier aufgezeigt, dass Noverre nicht der einzige Reformator hin zum Handlungsballett in seiner Zeit war, allerdings hat sich außerhalb von Wien für Hilverdings Neuerungen keiner interessiert – Noverre hat seine Ideen offensichtlich besser vermarktet. Den Abschluss macht der Vortrag von Guillaume Jablonka: “French-Italian dance technique on the European stage of the late eighteenth century,” in dem er Schritte und Passagen aus dem Ferrère Manuskript (1782) vorstellt und in Beziehung zu Magri (1779) setzt.

Nach der Theorie und dem Mittagessen geht es weiter mit der Tanzpraxis in den Workshops. Wir sind in drei Gruppen aufgeteilt, die Dozenten unterrichten ihren anderthalbstündigen Workshop jeden Tag in einem anderen Raum, die Gruppen bleiben in ihrem Raum, so dass man nach und nach alle Workshops erlebt. Ich habe es mit dem Saal im Amtshaus gut getroffen, durch seinen Schwingboden ist er zum Tanzen der beste Raum von Burg Rothenfels. Als erstes gibt Nicoline Winkler einen Workshop zum „Repertoire der Pariser Opernbälle im frühen 18. Jahrhundert“. Da der Beitrag ursprünglich als Vortrag geplant war, gibt es erst einmal eine theoretische Einführung zu den Bällen in der Pariser Oper ab 1716 – die Contredanses hatten dort schon die alten Tanzformen verdrängt. Im praktischen Teil gibt es mit Livemusik drei Tänze aus der neu entdeckten Chorégraphie - Durlach 209/210 zu erlernen. Als zweiter Workshop steht Guillaume Jablonka mit „Trying to find Magri’s Pas Trusé” auf dem Programm. Der Pas Trusé aus Magri’s Buch (1779) ist ein aus vier Teilen zusammengesetzter Schritt und wir spielen verschiedene Möglichkeiten der Ausführung durch – ein eher experimenteller Workshop. Nach dem Abendessen gibt es einen Kurzauftritt von der frisch angereisten Ana Yepes mit „Dances of the Spanish Baroque“. Bei dem kastagnettenlastigen Auftritt würde ich natürlich gerne wissen, was von den Armen aus Quellen belegt ist und was eine modere Readaption ist, gut sieht es in jedem Fall aus. Und danach bin ich bei einem Tanzabend von Uwe Schlottermüller und Jørgen Schou-Pedersen „’Budapest, Kairo, Peking’ – unterwegs mit Dubreil und Delpêch“. Wir lernen einige witzige Contratänze, auch schon im Hinblick auf den Ball am Sonnabend.

Auch am Freitagvormittag gibt es wieder vier Vorträge; diesmal mit dem Fokus auf Deutschland und Polen. Hubert Hazebroucq beginnt den Reigen mit einem französisch-deutschen Kulturtransfer: „Six French dances in Germany: An Instruction by Johann Georg Pasch (1659)“. Paschs Text ist eine wichtige Quelle für den Tanz im 17ten Jahrhundert, leider nicht, weil er den Tanz gut beschreibt, sondern weil er eine der wenigen Quellen aus diesem Jahrhundert überhaupt ist – Hazebroucq macht aus den Tanzbeschreibungen recht stimmige Rekonstruktionsversuche. Im Anschluss präsentiert Alessandra Kajdanska ein neu gefundenes Manuskript aus der gleichen Zeit, eine Seite mit Tanzbeschreibungen die sich in einem Tagebuch gefunden hat: „Von Unterschiedlichen Täntzen. The Diary of Georg Schroeder and the tradition of dance culture in Gdansk in the second half of the 17th century.” Die Seite enthält verbale Beschreibungen und Raumskitzen für fünf Gesellschaftstänze – leider ohne Schrittmaterial und Musik. Carol Marshs Beitrag „The Elusive Baroque Polonaise“ wurde kurzfristig von einem Workshop zum Vortrag, so dass es der Text leider nicht mehr in den Tagungsband geschafft hat. Es geht um das Erscheinen der Polonaise in Traktaten im 18ten Jahrhundert und die Rekonstruktion der „Nev Figvrirte Polonoise“ aus Winterschmids: „Kurze und leichte Anweisung...“. Im Anschluss beschäftigt sich Hannelore Unfried mit einem ost-westlichen Kulturtransfer: „Der Cotillon: Die Mazurka wird ‚German’“ und geht dabei der Frage nach, wie und ob beide Tänze zusammenhängen. Am Nachmittag sind wieder die Tanzworkshops an der Reihe. Zunächst Barbara Segal mit: „French Noble Dance in England: a Delight in Complexity?“ Anders als die Tanzmeister in Frankreich, die von der Akademie reglementiert wurden, waren die Engländer freier was das Schrittmaterial und die rhythmische Struktur anbelangt – ein Beispiel hierfür ist die Hornpipe. Leider bekommen wir die Choreographien nicht als Handout, sondern sie werden an die Wand projiziert. Sieben Seiten Hornpipe in 90 Minuten und dabei zu versuchen mit Fernblick gleichzeitig die Choreographie zu entziffern, ist selbst für mich auf Dauer zu viel Complexity und zu wenig Delight, aber ich steige im Gegensatz zu den meisten immerhin erst kurz vor Schluss aus. Der zweite Workshop kommt von Hannelore Unfried „Cotillon: Gestampft, Geschlagen, Gewählt - Mazurka im frühen 19. Jahrhundert.“ Wir spielen verschiedene Cotillons durch, auch schon im Hinblick darauf, welche ballgeeignet sind. Nach dem Abendbrot gibt es wieder einen Kurzauftritt - Irene Ginger und Hubert Hazebroucq zeigen „einige Metamorphosen des Menuetts“ – schade, dass meine Kamera diesmal aus bleiben musste. Beim anschließenden Tanzabend unterrichtet Ingo Günther den „Figurenländler des 18. Jahrhunderts“ – ich kenne seine Choreographie bereits aus einem früheren Workshop mit ihm. Wie jeden Abend trinke ich noch im Burgkeller bei netter Unterhaltung ein dunkles Bier. Diesmal bewundere ich Carles Mas, der für unsere Musiker tanzt, Flöte spielt und gleichzeitig trommelt, fast als sei er dem Holzschnitt aus Arbeau entsprungen.

Der Samstag ist für mich ein spanischer Tag. Am Morgen gibt es drei Vorträge mit dem Fokus auf die mediterrane Sphäre. Christine Bayle, Carles Mas und Barbara Sparti bekommen den kompletten ersten 90 Minutenblock für ihren Gemeinschaftsvortrag: „A Hit Tune Becomes a Hit Dance: The Travels of a Pavane through Italy, the Iberian Peninsula, France and Germany.“ In der Tat, die Pavane ist im 16ten Jahrhundert schnell zu einem Hit geworden. Dass sie absolut nichts mit dem drögen „simple, simple, double“ zu tun haben muss, zeigt der Vortrag und auch ein Workshop am Nachmittag. Im zweiten Block gibt es wieder zwei Vorträge. Ana Yepes mit „From the Jácara to the Sarabande“ – beide Tänze sind eine Art Geschwister, die mit dem Schwerpunkt auf der Jácara dargestellt werden, Armbewegungen sind leider nicht erhalten. Unter dem Titel „In Search of the Fandango“ geht danach Alan Jones auf Spurensuche nach diesem Spanischen Tanz, wie er im 18ten Jahrhundert getanzt wurde. Eine komplette Choreographie ist leider nicht vorhanden, so dass Andeutungen zu einem Bild zusammengesetzt werden müssen. Die Workshops am Nachmittag beginnen mit „The Iberian Pavana by Jaque,” die Carles Mas lehrt. Juan Antonio Jaques „Libro de danzar“ ist eine wichtige Quelle des späten 17ten Jahrhunderts und als der Workshop vorbei ist, denkt man nur – davon möchte ich mehr können. Den letzten Workshop des Symposiums „La Escuela Bolera“ gibt Anna Karin Stahle. Dieser Tanz, der seine Wurzeln im späten 18ten Jahrhundert hat, blieb durch die zunächst nur mündliche Tradierung sicher nicht frei von jüngeren Einflüssen, Spaß macht er trotzdem. Am Abend ist dann der große Ball des Symposiums. Gewünscht wurde festliche Kleidung des 18ten Jahrhundert und viele erscheinen natürlich in ihren Kostümen – am besten gefallen haben mir die Kostüme der Russen. Die Musik kommt komplett live von unseren Musikern, getanzt wird vornehmlich, was zuvor an Gruppentänzen in den Workshops gelernt wurde. In der Pause gibt es kleine Häppchen, der Ball geht weit bis nach Mitternacht und viele bleiben auch nach dem offiziellen Schluss noch lange beisammen.

Nach einer, wie immer zu kurzen, Nacht geht es am Sonntag auch mit den Vorträgen in die letzte Runde und auf zu neuen Welten, denn bisher lag der Schwerpunkt des Symposiums ja auf Europa. Barbara Alge berichtet von ihren Forschungen von einem europäischen Kulturtransfer nach Afrika und Südamerika: „Die Mourisca aus Portugal und ihre Rolle als "Botschafterin"  seit dem 15. Jahrhundert“. Und als letzten Vortrag hören wir Tiziana Leucci mit “From Pietro della Valle to Gaetano Gioja : or the Curiosity for the “Others”. The Interest for Indian Dances and Oriental Customs (& Costumes) in Europe (1663-1821)“ Das Interesse in Europa für alles Exotische war natürlich groß. Der Kulturtransfer aus Indien fand in erster Linie allerdings durch Reiseberichte statt, so dass was in Europa zu sehen war sicherlich mehr Projektion als Import war.

Vielleicht war das Symposium zu heterogen, um bei der Schlussrunde ein Gesamtfazit zu ziehen; noch bevor es zum Lob der Vermischung der Kultur in Europa kommen kann, übernehmen die Hinweise auf weitere Veranstaltungen überhand. Und dann, bei der Frage ob es in vier Jahren ein viertes Rothenfelser Tanzsymposion geben wird, platzt eine kleine Bombe – diesmal war das Symposium durch zu wenig Teilnehmer defizitär, da es bislang nicht öffentlich gefördert wird, ist eine Fortsetzung fraglich, zudem lastet im Moment auch die Organisation auf zu wenig Schultern. Beides sind Dinge, die sich ändern lassen und ich biete spontan meine Hilfe an. Besonders ärgerlich ist dabei, dass einige Leute Probleme hatten sich bei Burg Rothenfels anzumelden, trotzdem die Veranstaltung nicht ausgebucht war. Eine Fortsetzung ist für die historische Tanzszene in Deutschland, und vielleicht sogar in Europa sehr wichtig, trägt es doch wesentlich zum Austausch, zur Professionalisierung und der Hebung des Gesamtniveaus bei. Ich denke, wir brauchen in Deutschland (wie z. B. in UK) für so etwas eine Trägerorganisation, die sich um den Historischen Tanz kümmert und die Standards hebt. Nach dem abschließenden letzten gemeinsamem Mittagessen ist es Zeit für den Nachhauseweg – ich habe Glück und werde bis zum Aschaffenburger Bahnhof mitgenommen – die Anbindung von Rothenfels mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ja leider besonders an Sonn- und Feiertragen schlecht. In den vier Tagen gab es dreizehn Vorträge, neun Workshops, einen Ball und viele nette Gespräche – das war ein volles Programm. Das Symposium wird noch lange nachwirken, der Tagungsband ist ja auch schon erschienen, so dass alle, die es verpasst haben, zumindest die Vorträge nachlesen können. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mich kurzfristig entschlossen hatte dabei zu sein. Rothenfels 2012 hatte eine einmalige, sehr bereichernde Atmosphäre, schade dass es nur alle vier Jahre stattfindet.



Tags: Ball | Biedermeier | Empire | Barock | Renaissance | Workshop | Tanz | Symposion

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Christian
Royal Pavilion - Dress for Excess Costumes
19.08.2011 09:50:00

Zufällig waren wir im Internet auf diese Ausstellung gestoßen: „Dress for Excess“ – eine Kostümausstellung im Royal Pavilion, rund um George IV – Herrn „Prince Regency“ höchstpersönlich. Ich arbeite ja im Moment an meiner Empire Kleidung und könnte Anschauungsmaterial gebrauchen. Für uns war Brighton ein möglicher kurzer Abstecher auf dem Weg nach Cardiff, aber war die Ausstellung auch eine Reise wert? Allzu viele Informationen konnten wir dazu jenseits der offiziellen Seite des Royal Pavilion nicht finden – die Ausstellung schien keiner der „üblichen Verdächtigen“ Kostümblogschreiber bisher besucht zu haben. Wir dachten uns: Wenn es gut ist und wir verpassen die Ausstellung, ärgern wir uns – und wenn sie schlecht ist, sehen wir immerhin den Royal Pavilion – auch der ist eine Reise wert – also haben wir den Abstecher gemacht. In der Tat, der Royal Pavilion ist eine Reise wert, aber wenn man nur wegen der Kostüme dort hin fährt, ist die Ausstellung zu dünn. Verteilt auf einige Räume des Pavilions stehen vielleicht ein Dutzend (Männer- und Frauen-) Kostüme aus der gesamten Lebenszeit des Prinzregenten (also nicht nur Empirekleidung). Dabei sind leider noch nicht einmal alle Kostüme zu sehen, mit denen der Katalog und die Webseite wirbt. In einem gesonderten Raum findet sich dann immerhin sein Krönungsmantel und eine seiner monströsen Hosen. Daneben sind Bilder und Karikaturen zu sehen, die George IV zum Thema haben und ein Rekonstruktionsversuch eines Bauchgürtels („body-belt“ – ein Herrenkorsett), mit dem sich der „Wonneproppen“ versuchte, in Form zu halten – Umfang: 127cm. Die Ausstellung ist also eher nur ein Bonus für Besucher des Royal Pavilions. Für diesen erhält man übrigens am Eingang einen guten im Eintrittspreis enthalten Audio-Guide (auch in deutscher Sprache), der einen durch die Ausstellung führt. Der Königliche Pavillon in Brighton ist ansonsten ein recht ungewöhnliches Gebilde. Von außen ist er ein Palast, gebaut in einem maurisch orientalischen Märchenstil. Innen entfaltet sich zunächst überwiegend eine Chinafantasie, dann modernere auf den damaligen neuesten Stand der Technik eingerichtete Funktionsräume und ein Wohnbereich. Der Royal Pavilion ist also so etwas Ähnliches wie ein Britisches Neuschwanstein – ein prunkvolles Phantasiegebilde gebaut mit den neusten technischen Kniffen. Aber im Gegensatz zu Ludwigs abgeschiedener Privatbühne stand der Royal Pavilion mitten in Brighton, und er war regelmäßig Schauplatz opulenter Feste.



Tags: Kostüme | Empire

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Christian
Workshop mit Ingo Günter in Bensheim 2011
27.05.2011 19:30:00

Alle zwei bis drei Jahre veranstaltet der HTK Bensheim einen internen Workshop mit Ingo Günter, um neue Tänze zu lernen oder an alten Tänzen zu feilen. Wie vor zwei Jahren war das gewünschte Thema, am verlängerten Wochenende vom 27.-29.5.2011, auch diesmal wieder „Biedermeier“. Auf dem Programm stand: ein „Tschaikowsky-Walzer“ (ohne Quellenangabe, Ch: Taubert?), ein „Waltz Countrydance“ (ohne Quellenangabe, England, 1825, Musik: CM v. Weber, Rek. Taubert), eine Mazurka (ohne Quellenangabe, Musik: Chopin, Rek.: Taubert, Bearb.: Günther) und eine „Douze“ (Ch.: Roller 1811, Rek.: Taubert, Neufassung: Günther). Ich weiss nicht woran es liegt, ist es das Thema oder Ingo, oder die Kombination aus beiden – auch von diesem Workshop war ich nicht beeindruckt. Didaktisch war vieles schlecht vermittelt; auch deutlich mehr an sauber historisch fundierter Technik wäre von Nöten gewesen – stattdessen blieb alles recht beliebig. Vielleicht ist das 19te Jahrhundert einfach nicht seine Zeit und er reproduziert da nur, was er noch von Karl Heinz Taubert gelernt hat. In einem Workshop, der sich nicht an blutige Anfänger richtet, sondern an Leute, die zum Teil schon seit 20 Jahren gemeinsam historischen Tanz machen, erwarte ich einfach deutlich mehr. Aber Ingo hat viele Fans in Bensheim, die das alles sicher anders sehen. Da ich ohnehin seit Montag Rückenschmerzen hatte, habe ich dann auch auf den letzten Tag mit gerade mal zwei Stunden verzichtet – der Weg lohnte sich für mich einfach nicht. Schade finde ich es immer wieder, dass wir uns aufgrund der langen Fahrtzeit oft schon vor dem geselligen Teil ausklinken müssen. So fiel für mich das Gläschen Wein genau so aus wie das Grillen.



Tags: Tanz | Workshop | Empire | Biedermeier

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Christian
Jubiläumsball 10 Jahre Danse Royale
09.04.2011 18:00:00

Nach dem für uns ausgefallenen Event im Februar geht nun die Saison endlich los. Das „Ensemble Danse Royale“ feiert mit einem Ball „Tanz durch die Jahrhunderte“ sein 10jähriges Bestehen. Eigentlich hat das Ensemble seinen Sitz in Ketsch, aber das „Palais Hirsch“ in Schwetzingen ist ein deutlich repräsentativerer Ort – auch wenn es innen leider modern eingerichtet ist. Das eigentliche Highlight des Tages ist für uns allerdings der Besuch des Schlossparks in Schwetzingen vor dem Ball – wir haben uns schon früher umgezogen und besuchen den Park im Kostüm zusammen mit Ulla als kundige Fremdenführerin. Einen so gigantischen Barockpark hatten wir allerdings nicht erwartet – er ist wirklich sehenswert und man darf gespannt sein, ob der Aufnahmeantrag in das Weltkulturerbe erfolgreich sein wird.

Das Palais Hirsch ist liebevoll mit lebensgroßen Puppen in historischer Kleidung geschmückt. Der Ball beginnt dann um 18 Uhr mit einem Sekt und einer Pavane für alle. Schon bei der Ansage der Schritte wird deutlich, dass die vorrangegangene Erkrankung an den Kräften der Gruppenleiterin Johanna gezehrt hat. Nach einem Blumensträußchen zum Jubiläum geht der Ball leider ohne sie weiter. Eigentlich hatten wir an den fünf Stunden des Abends viele Mitmachtänze und viele Vorführtänze erwartet. Aber sowohl die angeleiteten Tänze halten sich in Grenzen, wie auch die vorgeführten Tänze, genau so wie die Lautstärke der Musikanlage. Immerhin beim letzten Tanz wird dann der Schalter gefunden, der für volle Lautstärke sorgt. An Mitmachtänzen hätte man deutlich mehr machen können – es gibt wirklich genug einfache englische Tänze, die man kundigen Mittänzern in ein paar Minuten beibringen kann. Bei den vorgeführten Tänze hatte die gastgebende Gruppe durch die Erkrankung der Gruppenleiterin nur einen „Playford“, einen Contredance und den abschließenden Ländler zu bieten.

Hätte uns rechtzeitig ein Hilferuf ereilt, hätten wir mehr Tänze mit dabei gehabt. Eigentlich hatten wir ja viele andere Gruppen aus der Umgebung erwartet – es gibt da einige. Aber neben 8 Leuten aus dem HTK-Bensheim hatte nur eine weitere Gruppe mit einem Programmbeitrag den Weg nach Schwetzingen gefunden. Und das war eine Gruppe der besonderen – um nicht zu sagen anderen – Art (inklusive der unvermeidlichen wasserstoffblonden Polyesterperücken). Sichtlich gelangweilt verfolgten sie den Abend – denn eigentlich hatten sie etwas anderes erwartet – was genau anderes sie unter einem Ball einer historischen Tanzgruppe erwartet hatten, erschloss sich uns allerdings nicht. Dann führte uns die Leiterin dieser seltsamen Gruppe ernsthaft in die „Fächersprache“ ein! Wie wir wissen, ist die „Fächersprache“ ein Werbegag einer Fächerfirma aus dem 19ten Jahrhundert – leider wusste das die Dame auch nach einem Jahrzehnt Leitung einer „historischen Gruppe“ offensichtlich nicht – und ich verkniff mir, sie vor ihren Leuten aufzuklären. Die Gruppe führte drei Tänze vor. Eine Bourrée – die angekündigten Schwäne waren allerdings eher Enten. Hätte die Gruppe halbwegs Historische Kostüme, würde sie schnell merken, dass derartiges albernes Armgeschaufel im Barock technisch nicht möglich war. Ein „Menuet à quatre“ und „La Bacante“ – etwas mehr Schritttechnik hätte auch hier nicht geschadet.

Unser kurzer Auftritt mit den HTK Bensheim war durchwachsen. Der erste Tanz – Gallinis „La Graziosetta“ verlief prima. Auch Mozarts „Figaro“, mit einer Choreographie aus Ingos Rokoko-Zuckerbäckerwerkstatt, machte keine Probleme. Damit wäre unser Programm eigentlich beendet gewesen – aber da es an dem Abend ohnehin zuwenig Beiträge gab, sollten wir noch einen dritten Tanz vorführen – dummerweise haben wir den nicht noch einmal geprobt und es kam wie es kommen musste. Der „Mozart-Contre“, wieder mit einer modernen Choreographie von Ingo, lief schief. Mal abgesehen davon, dass in dem Tanz nur ohne Barockschritte durch die Gegend gelaufen wird. Ich frage mich immer wieder, wozu das eigentlich getanzt wird – es gibt genug erhaltene Originalchoreographien, halt keine zu Mozart. Neben verbaselten Hecken, vergessenen Progressionen, stürzte zu allem Überfluss auch noch eine Mittänzerin auf dem glatten Boden – nun was auch immer passierte – wir tanzten bis die Musik zuende war. Auch hier gab es sogar Applaus.

Für den abschließenden Empire-Teil hatten sich einige extra umgezogen. Viel Programm gab es allerdings nicht mehr, noch was zum Mitmachen und ein Ländler, den das Ensemble Danse Royale zunächst aufführte und der dann für alle erklärt wurde. Das Beste an dem Abend waren sicherlich die beiden leckeren Büffets – hier hatte sich die Gruppe wirklich ins Zeug geschmissen, und natürlich der schon oben erwähnte Schwetzinger Schlosspark. Vielleicht sollte ich eine Notfall CD mit Mitmachtänzen anlegen und sicher hätten wir ein Solostück mitbringen können. Schön wäre es natürlich, bei Bällen vorher den Tanzablauf zu kennen – hier könnte man von den Bällen der Schottentänzer lernen. Als erster Ball für uns in diesem Jahr war es o.k., aber noch ausbaufähig. Mit Rücksicht auf die erkrankte Gruppenleiterin war es sicher schon eine organisatorische Leistung, den Ball überhaupt ohne sie stattfinden zu lassen.



Tags: Tanz | Ball | Auftritt | Renaissance | Barock | Empire

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