Christian Griesbeck

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Tag: Renaissance

Christian
Tanzfest des HTK Bensheim
02.03.2013 17:00:00

Früher gab es wohl mehr von diesen kleinen spontanen internen Tanzfesten beim HTK, man kam im Gymnastikraum zusammen, jeder brachte etwas zu essen mit, die Musiker spielten und alle tanzten die bekanten Tänze. Mit der wachsenden Größe des Vereins ist das schon schwieriger geworden, durch die unterschiedlichen Gruppen und das breitere Repertoire beherrscht nicht mehr jeder alle Tänze, und auch die Musiker haben ihren spezifischen Schwerpunkt. Längst reicht der Platz im Gymnastikraum nicht mehr aus, so dass die mögliche Spontanität recht eingeschränkt ist und auch das Dorfgemeinschaftshaus ist beim Tanzfest nun recht gut gefüllt. Die Idee des Abends war – jeder zieht sein Lieblingskostüm an, und jede Stunde wechselt das Programm von der Bäuerlichen Renaissance, über die Höfische Renaissance, zum Barock und Rokoko und schließlich zur Biedermeierzeit, mit der der Verein vor vielen Jahren einmal gegründet wurde. Für uns ist es die Gelegenheit, in Bensheim einmal unsere „Jane Austen“ Kostüme zu tragen. Mein neuer Frack hängt schon längere Zeit fast fertig am Bügel, nun nähe ich in der Nacht zuvor schnell noch die fehlenden Knopflöcher und die Knöpfe an. Der Frack löst dann auch bei den ganz jungen Damen des HTK eine besondere Bewunderung aus. Dass der sture Wechsel des Programms in Stundentakt wohl nicht klappen wird, hatte ich mir schon zuvor gedacht und der Abend bleibt im wesentlichen in der Renaissance hängen, in der die einzelnen Gruppen die größte Schnittmenge haben und für die in nächster Zeit auch Auftritte anstehen. Erst im Endspurt kommt des Abends dann das 18te und 19te Jahrhundert noch mit einer Hand voll Tänzen zum Zuge. Aber es ist natürlich immer schön, wenn mal alle aus dem Tanzkreis zusammen kommen, und es gibt dann ja auch immer ein leckeres Büfett. Jeder sollte etwas mitbringen, und das sind dann so viele verschiedene Speisen, dass ich es beim besten Willen nicht schaffe, eine Kostprobe aller Köstlichkeiten auf meinem Teller unterzubringen.



Tags: Tanz | Ball | Renaissance | Barock | Empire | Biedermeier

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Christian
Auftritt beim Jugendkonzert „Tanz durch die Jahrhunderte“ in Darmstadt
01.09.2012 16:00:00

Die Akademie für Tonkunst Darmstadt und der Historische Tanzkreis Bensheim haben ja in der Vergangenheit zusammen schon ein paar Veranstaltungen bestritten, nun steht, wie vor zwei Jahren beim Jubiläumsauftritt des HTK Bensheim, ein „Tanz durch die Jahrhunderte“ auf dem Programm. Eigentlich handelt es sich um ein Jugendkonzert am Nachmittag, doch das Publikum ist altersmäßig stark durchmischt, mit einer Tendenz zu „Jung ist, wer sich jung fühlt“ – aber das Thema zieht halt auch nicht die Massen an Jugendlichen an. Das Publikum bekommt jedenfalls viel geboten: im ersten Teil spielt „Larus Ridibundus“ – die Musikgruppe des HTK Bensheim und im zweiten Teil spielt das „Salonorchester“ der Akademie. Das Tanzen mit Livemusik ist ja immer eine besondere Sache, die viel zu selten stattfindet. Zunächst stehen zwei Tänze aus der Höfischen Renaissance auf dem Programm, dann ist die Kindergruppe mit drei Bauern- und Volkstänzen dran. Bei der traditionellen Musik geht das Publikum natürlich voll mit – die Kindergruppe ist schon süß und hat sichtlich viel Freude. Nach einem letzten Instrumentalstück von „Larus Ridibundus“ und einer kleinen Umbaupause sind wir dran. Wir dürfen die Barockzeit mit einem kleinen Solopaartanz „La Bourée d’Achille“ repräsentieren. Der Leiter des Salonorchesters hat dafür extra die passenden Noten aufgetrieben und mit einem kleinen Orchester klingt das natürlich besonders gut. Es ist der erste Barocktanz, den Carola und ich selbst rekonstruiert und eingeübt haben und nun mit Armen versehen öffentlich aufführen – eine Premiere also. Und noch eine Premiere ist Carolas neues Jäckchenkostüm, das sie fast alleine genäht hat und heute zum ersten mal tragen darf. Aber schon geht es weiter mit der Zeit des Biedermeier, mit sechs Tänze der Hauptteil des Nachmittags. Ein Teil der Tänzerinnen hat bereits am Anfang bei der Renaissance mitgewirkt und sich zwischendurch in aller Eile für Biedermeier umgekleidet. Der letzte Tanz des kurzweiligen Nachmittags ist auch eine Premiere, ihn hat die Tanzleiterin des HTK Bensheim zur Musik „An der schönen blauen Donau“ noch am Donnerstag choreographiert und mit der Gruppe einstudiert.



Tags: Auftritt | Renaissance | Barock | Biedermeier

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Christian
3. Rothenfelser Tanzsymposion „all’ungaresca – al español“
06.06.2012 18:30:00

Bereits auf dem Weg, der letzten Etappe mit dem Bus, treffe ich einen Teilnehmer – Rothenfels, das ist so etwas wie ein Familientreffen der historischen Tanzszene, meint er. Und tatsächlich, obwohl es nun 2012 es erst zum dritten Mal stattfindet, ist das Rothenfelser Tanzsymposion bereits eine international bedeutende Institution im Bereich historischer Tanz geworden. Die Teilnehmer kommen aus einer Vielzahl von Ländern, der Schwerpunkt ist Europa, aber sogar aus Australien und den USA sind jeweils zwei Personen angereist. Neben Deutsch ist die Hauptsprache des Symposiums Englisch, auf das meist sofort umgeschaltet wird, wenn jemand dabei ist, der kein Deutsch spricht; auch die Zusammenfassung (in der jeweils anderen Sprache) im zum Symposium bereits erhältlichen Tagungsband ist sicher sehr hilfreich. Nach den Deutschen kommt die zweitgrößte Gruppe diesmal aus Russland, wo sich zur Zeit eine sehr aktive Szene für historischen Tanz bildet. Ein wichtiges Zeichen ist sicherlich auch, dass diesmal einige Franzosen mit dabei sind; aber auch die Österreicher dürfen nicht vergessen werden. Insgesamt sind es rund einhundert Dozenten, Musiker, Organisatoren und einfache Teilnehmer, die sich in der kleinsten Stadt Frankens auf der abgegrenzten Burg Rothenfels zum Symposion zusammengefunden haben. Es ist eine bunte Mischung von interessierten Laien bis zu den alten Hasen aus dem „who’s who“ der historischen Tanzszene. Etwas ganz Besonderes ist hier sicherlich die sehr ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis.

Am Mittwoch ist, nachdem ich den Berg mit meinem schweren Gepäck erklommen habe, erst mal Check in. Ich habe viel Glück, ich hatte ein Bett im Mehrbettzimmer gebucht und nun bin ich alleine in einem Doppelzimmer. Die Burg Rothenfels ist eine Jugendherberge und ein Tagungshaus. Als, wenn auch größtenteils frisch renovierte, Jugendherberge ist alles natürlich entsprechend spartanisch – mit Duschen und WC auf dem Gang. Nachdem ich meine Tagungsunterlagen, und schon eine paar bekante Gesichter, gefunden habe gibt es erst einmal Abendessen. Das Essen ist typisches Jugendherbergs-Großküchenessen ohne jede Ambitionen. Aber die Burg hat ein besonderes Flair – hier sitzen alle auf den Bänken beim Essen (oder zum Abschluss des Abends im Burgkeller) zusammen und kommen miteinander ins Gespräch.

Los geht es am Mittwochabend, zunächst mit einem Kurzauftritt von Barbara Segal und William Tuck: „Courtly Dance meets Country Capers: speculations on the influence of traditional hornpipe on english noble dance“ – bei dem sich die noble Tänzerin und der wilde Hornpipe Tänzer vom Lande gegenseitig domestizieren. Im Anschluss teilen sich die Teilnehmer in zwei Gruppen für einen zweistündigen „Tanzabend“ – eigentlich ein Abendworkshop. Das Programm ist so organisiert, dass durch die Gruppeneinteilung jeder an allem teilnehmen kann. Für mich steht als erster Tanzabend im Rittersaal Alan Jones mit „Spanish Minuet Improvisation“ auf dem Programm. Der Rittersaal ist der berühmtberüchtigte Saal in Rothenfels mit einem unebenen Natursteinboden – mittlerweile zumindest mit einem Textilbelag etwas verbessert –  aber immer noch nicht wirklich tanzgeeignet. Von dem, was Alan Jones aus den spanischen Quellen gelesen hat, sind für mich die Variation der Arme (auch mit sehr hohen Armen, und Armen über zwei Menuettschritte verteilt) für das Menuett das interessanteste. Der eigentliche Improvisationsteil ist dann dröge – es tanzt eine gefühlte Stunde lang auf der Fläche immer nur jeweils ein Paar, das sich produziert. Immerhin, wir haben hier im Rittersaal das fünfköpfige Musikensemble des Symposiums, das für uns spielt. Der Abend klingt für mich im Burgkeller bei einem dunklen Bier und netter Unterhaltung aus.

Am Donnerstag beginnt nach dem Frühstück das volle Tagungsprogramm mit den Vorträgen. An den vier Vormittagen der Tagung gibt es insgesamt 13 überwiegend englischsprachige Vorträge. Eine meist erweiterte Form der Vorträge findet sich auch im Tagungsband, den ich mir natürlich gleich kaufe. Die Vortragenden sind zum Teil Doktoranden, die einen Ausschnitt aus ihrer Arbeit präsentieren, zum Teil international bekannte Tanzwissenschaftler und zum Teil ebenfalls international bekannte Praktiker und Künstler. Der Donnerstag hat den Fokus: Italien, Frankreich und Europa. Zur Eröffnung trägt Gerrit Berenike Heiter unter dem Titel: „Getanzte Vielfalt der Nationen, ihre Darstellung  und Funktion im französischen Hofballett (Ende 16. Jahrhundert-Mitte 17. Jahrhundert)“ einen Teil aus ihrer Doktorarbeit vor. Dabei hat sie für die Tagung einen guten Aufmacher, in dem sie die einzelnen Länder der Anwesenden durchgehen kann – nur die Slowenen finden sich nicht als Charakter im französischen Hofballett. Die Charaktere, mit denen die einzelnen Länder in Frankreich dargestellt werden, sind indes meist nicht sehr schmeichelhaft. Im Anschluss trägt Markus Lehner für den verhinderten Marko Motnik vor: „Die italienische Tanzkunst am Habsburger Hof und der Tractatus de arte saltandi von Evangelista Papazzone (um 1572–1575)“. Es wird eine neu entdeckte Quelle vorgestellt, die ein wichtiges Indiz für die Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte der italienischen Tanzkunst in Österreich ist. Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit dem Vortrag von Karin  Fenböck: „Wien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Hilverdings ‚danza parlante’ als Schmelzpunkt der Tanzkulturen?“ Neben der Situation von Tanz und Theater in Wien wird hier aufgezeigt, dass Noverre nicht der einzige Reformator hin zum Handlungsballett in seiner Zeit war, allerdings hat sich außerhalb von Wien für Hilverdings Neuerungen keiner interessiert – Noverre hat seine Ideen offensichtlich besser vermarktet. Den Abschluss macht der Vortrag von Guillaume Jablonka: “French-Italian dance technique on the European stage of the late eighteenth century,” in dem er Schritte und Passagen aus dem Ferrère Manuskript (1782) vorstellt und in Beziehung zu Magri (1779) setzt.

Nach der Theorie und dem Mittagessen geht es weiter mit der Tanzpraxis in den Workshops. Wir sind in drei Gruppen aufgeteilt, die Dozenten unterrichten ihren anderthalbstündigen Workshop jeden Tag in einem anderen Raum, die Gruppen bleiben in ihrem Raum, so dass man nach und nach alle Workshops erlebt. Ich habe es mit dem Saal im Amtshaus gut getroffen, durch seinen Schwingboden ist er zum Tanzen der beste Raum von Burg Rothenfels. Als erstes gibt Nicoline Winkler einen Workshop zum „Repertoire der Pariser Opernbälle im frühen 18. Jahrhundert“. Da der Beitrag ursprünglich als Vortrag geplant war, gibt es erst einmal eine theoretische Einführung zu den Bällen in der Pariser Oper ab 1716 – die Contredanses hatten dort schon die alten Tanzformen verdrängt. Im praktischen Teil gibt es mit Livemusik drei Tänze aus der neu entdeckten Chorégraphie - Durlach 209/210 zu erlernen. Als zweiter Workshop steht Guillaume Jablonka mit „Trying to find Magri’s Pas Trusé” auf dem Programm. Der Pas Trusé aus Magri’s Buch (1779) ist ein aus vier Teilen zusammengesetzter Schritt und wir spielen verschiedene Möglichkeiten der Ausführung durch – ein eher experimenteller Workshop. Nach dem Abendessen gibt es einen Kurzauftritt von der frisch angereisten Ana Yepes mit „Dances of the Spanish Baroque“. Bei dem kastagnettenlastigen Auftritt würde ich natürlich gerne wissen, was von den Armen aus Quellen belegt ist und was eine modere Readaption ist, gut sieht es in jedem Fall aus. Und danach bin ich bei einem Tanzabend von Uwe Schlottermüller und Jørgen Schou-Pedersen „’Budapest, Kairo, Peking’ – unterwegs mit Dubreil und Delpêch“. Wir lernen einige witzige Contratänze, auch schon im Hinblick auf den Ball am Sonnabend.

Auch am Freitagvormittag gibt es wieder vier Vorträge; diesmal mit dem Fokus auf Deutschland und Polen. Hubert Hazebroucq beginnt den Reigen mit einem französisch-deutschen Kulturtransfer: „Six French dances in Germany: An Instruction by Johann Georg Pasch (1659)“. Paschs Text ist eine wichtige Quelle für den Tanz im 17ten Jahrhundert, leider nicht, weil er den Tanz gut beschreibt, sondern weil er eine der wenigen Quellen aus diesem Jahrhundert überhaupt ist – Hazebroucq macht aus den Tanzbeschreibungen recht stimmige Rekonstruktionsversuche. Im Anschluss präsentiert Alessandra Kajdanska ein neu gefundenes Manuskript aus der gleichen Zeit, eine Seite mit Tanzbeschreibungen die sich in einem Tagebuch gefunden hat: „Von Unterschiedlichen Täntzen. The Diary of Georg Schroeder and the tradition of dance culture in Gdansk in the second half of the 17th century.” Die Seite enthält verbale Beschreibungen und Raumskitzen für fünf Gesellschaftstänze – leider ohne Schrittmaterial und Musik. Carol Marshs Beitrag „The Elusive Baroque Polonaise“ wurde kurzfristig von einem Workshop zum Vortrag, so dass es der Text leider nicht mehr in den Tagungsband geschafft hat. Es geht um das Erscheinen der Polonaise in Traktaten im 18ten Jahrhundert und die Rekonstruktion der „Nev Figvrirte Polonoise“ aus Winterschmids: „Kurze und leichte Anweisung...“. Im Anschluss beschäftigt sich Hannelore Unfried mit einem ost-westlichen Kulturtransfer: „Der Cotillon: Die Mazurka wird ‚German’“ und geht dabei der Frage nach, wie und ob beide Tänze zusammenhängen. Am Nachmittag sind wieder die Tanzworkshops an der Reihe. Zunächst Barbara Segal mit: „French Noble Dance in England: a Delight in Complexity?“ Anders als die Tanzmeister in Frankreich, die von der Akademie reglementiert wurden, waren die Engländer freier was das Schrittmaterial und die rhythmische Struktur anbelangt – ein Beispiel hierfür ist die Hornpipe. Leider bekommen wir die Choreographien nicht als Handout, sondern sie werden an die Wand projiziert. Sieben Seiten Hornpipe in 90 Minuten und dabei zu versuchen mit Fernblick gleichzeitig die Choreographie zu entziffern, ist selbst für mich auf Dauer zu viel Complexity und zu wenig Delight, aber ich steige im Gegensatz zu den meisten immerhin erst kurz vor Schluss aus. Der zweite Workshop kommt von Hannelore Unfried „Cotillon: Gestampft, Geschlagen, Gewählt - Mazurka im frühen 19. Jahrhundert.“ Wir spielen verschiedene Cotillons durch, auch schon im Hinblick darauf, welche ballgeeignet sind. Nach dem Abendbrot gibt es wieder einen Kurzauftritt - Irene Ginger und Hubert Hazebroucq zeigen „einige Metamorphosen des Menuetts“ – schade, dass meine Kamera diesmal aus bleiben musste. Beim anschließenden Tanzabend unterrichtet Ingo Günther den „Figurenländler des 18. Jahrhunderts“ – ich kenne seine Choreographie bereits aus einem früheren Workshop mit ihm. Wie jeden Abend trinke ich noch im Burgkeller bei netter Unterhaltung ein dunkles Bier. Diesmal bewundere ich Carles Mas, der für unsere Musiker tanzt, Flöte spielt und gleichzeitig trommelt, fast als sei er dem Holzschnitt aus Arbeau entsprungen.

Der Samstag ist für mich ein spanischer Tag. Am Morgen gibt es drei Vorträge mit dem Fokus auf die mediterrane Sphäre. Christine Bayle, Carles Mas und Barbara Sparti bekommen den kompletten ersten 90 Minutenblock für ihren Gemeinschaftsvortrag: „A Hit Tune Becomes a Hit Dance: The Travels of a Pavane through Italy, the Iberian Peninsula, France and Germany.“ In der Tat, die Pavane ist im 16ten Jahrhundert schnell zu einem Hit geworden. Dass sie absolut nichts mit dem drögen „simple, simple, double“ zu tun haben muss, zeigt der Vortrag und auch ein Workshop am Nachmittag. Im zweiten Block gibt es wieder zwei Vorträge. Ana Yepes mit „From the Jácara to the Sarabande“ – beide Tänze sind eine Art Geschwister, die mit dem Schwerpunkt auf der Jácara dargestellt werden, Armbewegungen sind leider nicht erhalten. Unter dem Titel „In Search of the Fandango“ geht danach Alan Jones auf Spurensuche nach diesem Spanischen Tanz, wie er im 18ten Jahrhundert getanzt wurde. Eine komplette Choreographie ist leider nicht vorhanden, so dass Andeutungen zu einem Bild zusammengesetzt werden müssen. Die Workshops am Nachmittag beginnen mit „The Iberian Pavana by Jaque,” die Carles Mas lehrt. Juan Antonio Jaques „Libro de danzar“ ist eine wichtige Quelle des späten 17ten Jahrhunderts und als der Workshop vorbei ist, denkt man nur – davon möchte ich mehr können. Den letzten Workshop des Symposiums „La Escuela Bolera“ gibt Anna Karin Stahle. Dieser Tanz, der seine Wurzeln im späten 18ten Jahrhundert hat, blieb durch die zunächst nur mündliche Tradierung sicher nicht frei von jüngeren Einflüssen, Spaß macht er trotzdem. Am Abend ist dann der große Ball des Symposiums. Gewünscht wurde festliche Kleidung des 18ten Jahrhundert und viele erscheinen natürlich in ihren Kostümen – am besten gefallen haben mir die Kostüme der Russen. Die Musik kommt komplett live von unseren Musikern, getanzt wird vornehmlich, was zuvor an Gruppentänzen in den Workshops gelernt wurde. In der Pause gibt es kleine Häppchen, der Ball geht weit bis nach Mitternacht und viele bleiben auch nach dem offiziellen Schluss noch lange beisammen.

Nach einer, wie immer zu kurzen, Nacht geht es am Sonntag auch mit den Vorträgen in die letzte Runde und auf zu neuen Welten, denn bisher lag der Schwerpunkt des Symposiums ja auf Europa. Barbara Alge berichtet von ihren Forschungen von einem europäischen Kulturtransfer nach Afrika und Südamerika: „Die Mourisca aus Portugal und ihre Rolle als "Botschafterin"  seit dem 15. Jahrhundert“. Und als letzten Vortrag hören wir Tiziana Leucci mit “From Pietro della Valle to Gaetano Gioja : or the Curiosity for the “Others”. The Interest for Indian Dances and Oriental Customs (& Costumes) in Europe (1663-1821)“ Das Interesse in Europa für alles Exotische war natürlich groß. Der Kulturtransfer aus Indien fand in erster Linie allerdings durch Reiseberichte statt, so dass was in Europa zu sehen war sicherlich mehr Projektion als Import war.

Vielleicht war das Symposium zu heterogen, um bei der Schlussrunde ein Gesamtfazit zu ziehen; noch bevor es zum Lob der Vermischung der Kultur in Europa kommen kann, übernehmen die Hinweise auf weitere Veranstaltungen überhand. Und dann, bei der Frage ob es in vier Jahren ein viertes Rothenfelser Tanzsymposion geben wird, platzt eine kleine Bombe – diesmal war das Symposium durch zu wenig Teilnehmer defizitär, da es bislang nicht öffentlich gefördert wird, ist eine Fortsetzung fraglich, zudem lastet im Moment auch die Organisation auf zu wenig Schultern. Beides sind Dinge, die sich ändern lassen und ich biete spontan meine Hilfe an. Besonders ärgerlich ist dabei, dass einige Leute Probleme hatten sich bei Burg Rothenfels anzumelden, trotzdem die Veranstaltung nicht ausgebucht war. Eine Fortsetzung ist für die historische Tanzszene in Deutschland, und vielleicht sogar in Europa sehr wichtig, trägt es doch wesentlich zum Austausch, zur Professionalisierung und der Hebung des Gesamtniveaus bei. Ich denke, wir brauchen in Deutschland (wie z. B. in UK) für so etwas eine Trägerorganisation, die sich um den Historischen Tanz kümmert und die Standards hebt. Nach dem abschließenden letzten gemeinsamem Mittagessen ist es Zeit für den Nachhauseweg – ich habe Glück und werde bis zum Aschaffenburger Bahnhof mitgenommen – die Anbindung von Rothenfels mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ja leider besonders an Sonn- und Feiertragen schlecht. In den vier Tagen gab es dreizehn Vorträge, neun Workshops, einen Ball und viele nette Gespräche – das war ein volles Programm. Das Symposium wird noch lange nachwirken, der Tagungsband ist ja auch schon erschienen, so dass alle, die es verpasst haben, zumindest die Vorträge nachlesen können. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mich kurzfristig entschlossen hatte dabei zu sein. Rothenfels 2012 hatte eine einmalige, sehr bereichernde Atmosphäre, schade dass es nur alle vier Jahre stattfindet.



Tags: Ball | Biedermeier | Empire | Barock | Renaissance | Workshop | Tanz | Symposion

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Christian
Miroque Edition – Historische Tänze aus Mittelalter, Renaissance und Barock
25.04.2011 14:00:00

Die Zeitschrift Miroque hat ihr erstes Sonderheft herausgebracht – Thema ist „Historischer Tanz“ – das musste ich natürlich haben. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift, deren Untertitel „Lebendige Geschichte“ ist, ging ursprünglich hervor aus einer Reihe von CD-Samplern mit „Mittelalter“ und „Gothic“-Musik. Das Editional des Sonderhefts zeigt sich verwundert darüber, dass es so wenig Bücher und praktische Tanzanleitungen für den Historischen Tanz gibt – und will hier Abhilfe schaffen.

Los geht es mit dem Tanz in der Antike. Antike? Es ist mir neu, dass da rekonstruierbare Tänze oder Musik erhalten sind. Aber die Autorin Susanne Rühlig M.A. vermeidet dezent jede klare Aussage dazu – wäre ja auch zu blöd, wenn man zugeben muss, dass das, was man als Römermusikcombo produziert, zum großen Teil ein Phantasieprodukt ist.
Sehr gut finde ich hingegen den Artikel zum „Tanzen im Mittelalter“. Der Autor „Chnutz vom Hopfen“ sagt gleich klar, dass es erst aus der italienischen Renaissance Quellen mit Tanzbeschreibungen gibt. Er nähert sich dem Mittelaltertanz dann doch über die Musik und Abbildungen an. Sehr schön ist die Liste mit Tänzen, die auf „Mittelalterevents“ auftauchen, aber dort nicht hin gehören, weil sie viel später erfunden wurden.
Dummerweise ist der Artikel über den Tanz in der Renaissance der Professorin Dr. Ingrid Engel einfach misslungen. Hier hätte ich wesentlich mehr erwartet, insbesondere der Unterschied zwischen Tänzen aus dem 15ten und 16ten Jahrhundert wird nicht herausgearbeitet. Stattdessen enthält der Beitrag eine Ansammlung von Tanznamen und eine Aufzählung von zum Teil falsch datierten Büchern bis ins Barock. Einen Eindruck des Renaissancetanzes gewinnt man hier leider nicht. Zudem gibt sie für ihre drei Choreographien keine Quellen an.
Gut gefallen hat mir überraschenderweise hingegen der Artikel über den Barocktanz von Peter Hoffman. Nur leider gibt es dann als Choreographie für einen „Barocktanz“ nur einen Playford, die „Indian Queen“ – schade, auch diese Chance verpasst.
Auch der Artikel über „Altenglische Country Dances“ von Roswitha Busch-Hofer ist gut, auch wenn mich das „Alt“ immer stört. An den Tänzen stören mich bei „Sellengers Round“ die modernen Zugaben, und ob „Black Nagg“ aus der kurzen Beschreibung zu tanzen ist, finde ich fraglich.

Das waren dann schon die 30 Seiten des 100 Seiten zählenden Hefts, die sich tatsächlich mit dem Kern des historischen Tanzes beschäftigen. Gut – 5 Seiten kommen noch für das Cover, Editional und die Inhaltsbeschreibung der beigefügten CD hinzu. Die CD enthält als Sampler übrigens 16 Tracks. An echten erhaltenen historischen Tänze darauf, für die auch vorne die passenden historischen Tanzbeschreibungen abgedruckt sind, finden sich dann dabei immerhin die drei oben erwähnten Playfordtänze – alles Aufnahmen, die vermutlich ohnehin jeder Interessierte hat.

Ansonsten erfahren wir auf den weiteren Seiten neben Werbung etwas zum „Bal Folk“, „Scottish Country Dance“, „Orientalischer Tanz und Tribal“, „Afrikanischer Tanz“, „Schamanen und Reigentänze“, „Chinesischer Volkstanz“, „Square Dance“, „Irischer Tanz“, „Kasatschok“, „Schwerttanz“, dem „Volkstanz in und um Deutschland“, „Tanz der Derwische“, „Flamenco“, „Capoeira“, zur „Geschichte des Balles“ (leider nichts für Reenactment relevantes), zu „Tanzwut, Veitstanz“, „Tanz in den Mai“, „Totentänze“. Die Breite zeigt – hier sollen möglichst alle bedient werden, die dieses Heft kaufen könnten, leider kommen dabei alle zu kurz. Für die eigentliche Zielgruppe sind meiner Meinung nach hiervon höchstens die Artikel „Tanzwut“ und „Totentänze“ wirklich relevant.

Es folgen vier Seiten Veranstaltungshinweise, zwei Seiten Tanzschulen, 10 halbseitige Portraits von Tanzgruppen, eine Seite mit Musik und Sachbüchern (die zufälligerweise alle im Shop zu erwerben sind). Alles dabei eine nicht repräsentative Auswahl, die leider keinen Überblick verschafft. Auch die zweiseitige Spiel- und Bastelecke für Kinder zum Schluss haut es nicht mehr raus.

Insgesamt sind das große Manko des Heftes die zu kurzen Tanzbeschreibungen – es wendet sich ja schließlich an Anfänger. Und jeder Autor verwendet für seine Choreographien eine andere Notation – ohne dass diese irgendwo erklärt wäre – das ist so einfach murks! Eine bessere Auswahl von repräsentativen Tänzen durch die Jahrhunderte mit guten Tanzbeschreibungen und einem einheitlichen Notationssystem wäre wünschenswert gewesen. Die Autoren arbeiten zudem unkoordiniert voneinander und erzählen so vieles mehrfach. Hier ist eine große Chance verpasst worden, und stattdessen wurde nur ein Heft mit viel Füllmaterial erzeugt – schade, schade.



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Christian
Jubiläumsball 10 Jahre Danse Royale
09.04.2011 18:00:00

Nach dem für uns ausgefallenen Event im Februar geht nun die Saison endlich los. Das „Ensemble Danse Royale“ feiert mit einem Ball „Tanz durch die Jahrhunderte“ sein 10jähriges Bestehen. Eigentlich hat das Ensemble seinen Sitz in Ketsch, aber das „Palais Hirsch“ in Schwetzingen ist ein deutlich repräsentativerer Ort – auch wenn es innen leider modern eingerichtet ist. Das eigentliche Highlight des Tages ist für uns allerdings der Besuch des Schlossparks in Schwetzingen vor dem Ball – wir haben uns schon früher umgezogen und besuchen den Park im Kostüm zusammen mit Ulla als kundige Fremdenführerin. Einen so gigantischen Barockpark hatten wir allerdings nicht erwartet – er ist wirklich sehenswert und man darf gespannt sein, ob der Aufnahmeantrag in das Weltkulturerbe erfolgreich sein wird.

Das Palais Hirsch ist liebevoll mit lebensgroßen Puppen in historischer Kleidung geschmückt. Der Ball beginnt dann um 18 Uhr mit einem Sekt und einer Pavane für alle. Schon bei der Ansage der Schritte wird deutlich, dass die vorrangegangene Erkrankung an den Kräften der Gruppenleiterin Johanna gezehrt hat. Nach einem Blumensträußchen zum Jubiläum geht der Ball leider ohne sie weiter. Eigentlich hatten wir an den fünf Stunden des Abends viele Mitmachtänze und viele Vorführtänze erwartet. Aber sowohl die angeleiteten Tänze halten sich in Grenzen, wie auch die vorgeführten Tänze, genau so wie die Lautstärke der Musikanlage. Immerhin beim letzten Tanz wird dann der Schalter gefunden, der für volle Lautstärke sorgt. An Mitmachtänzen hätte man deutlich mehr machen können – es gibt wirklich genug einfache englische Tänze, die man kundigen Mittänzern in ein paar Minuten beibringen kann. Bei den vorgeführten Tänze hatte die gastgebende Gruppe durch die Erkrankung der Gruppenleiterin nur einen „Playford“, einen Contredance und den abschließenden Ländler zu bieten.

Hätte uns rechtzeitig ein Hilferuf ereilt, hätten wir mehr Tänze mit dabei gehabt. Eigentlich hatten wir ja viele andere Gruppen aus der Umgebung erwartet – es gibt da einige. Aber neben 8 Leuten aus dem HTK-Bensheim hatte nur eine weitere Gruppe mit einem Programmbeitrag den Weg nach Schwetzingen gefunden. Und das war eine Gruppe der besonderen – um nicht zu sagen anderen – Art (inklusive der unvermeidlichen wasserstoffblonden Polyesterperücken). Sichtlich gelangweilt verfolgten sie den Abend – denn eigentlich hatten sie etwas anderes erwartet – was genau anderes sie unter einem Ball einer historischen Tanzgruppe erwartet hatten, erschloss sich uns allerdings nicht. Dann führte uns die Leiterin dieser seltsamen Gruppe ernsthaft in die „Fächersprache“ ein! Wie wir wissen, ist die „Fächersprache“ ein Werbegag einer Fächerfirma aus dem 19ten Jahrhundert – leider wusste das die Dame auch nach einem Jahrzehnt Leitung einer „historischen Gruppe“ offensichtlich nicht – und ich verkniff mir, sie vor ihren Leuten aufzuklären. Die Gruppe führte drei Tänze vor. Eine Bourrée – die angekündigten Schwäne waren allerdings eher Enten. Hätte die Gruppe halbwegs Historische Kostüme, würde sie schnell merken, dass derartiges albernes Armgeschaufel im Barock technisch nicht möglich war. Ein „Menuet à quatre“ und „La Bacante“ – etwas mehr Schritttechnik hätte auch hier nicht geschadet.

Unser kurzer Auftritt mit den HTK Bensheim war durchwachsen. Der erste Tanz – Gallinis „La Graziosetta“ verlief prima. Auch Mozarts „Figaro“, mit einer Choreographie aus Ingos Rokoko-Zuckerbäckerwerkstatt, machte keine Probleme. Damit wäre unser Programm eigentlich beendet gewesen – aber da es an dem Abend ohnehin zuwenig Beiträge gab, sollten wir noch einen dritten Tanz vorführen – dummerweise haben wir den nicht noch einmal geprobt und es kam wie es kommen musste. Der „Mozart-Contre“, wieder mit einer modernen Choreographie von Ingo, lief schief. Mal abgesehen davon, dass in dem Tanz nur ohne Barockschritte durch die Gegend gelaufen wird. Ich frage mich immer wieder, wozu das eigentlich getanzt wird – es gibt genug erhaltene Originalchoreographien, halt keine zu Mozart. Neben verbaselten Hecken, vergessenen Progressionen, stürzte zu allem Überfluss auch noch eine Mittänzerin auf dem glatten Boden – nun was auch immer passierte – wir tanzten bis die Musik zuende war. Auch hier gab es sogar Applaus.

Für den abschließenden Empire-Teil hatten sich einige extra umgezogen. Viel Programm gab es allerdings nicht mehr, noch was zum Mitmachen und ein Ländler, den das Ensemble Danse Royale zunächst aufführte und der dann für alle erklärt wurde. Das Beste an dem Abend waren sicherlich die beiden leckeren Büffets – hier hatte sich die Gruppe wirklich ins Zeug geschmissen, und natürlich der schon oben erwähnte Schwetzinger Schlosspark. Vielleicht sollte ich eine Notfall CD mit Mitmachtänzen anlegen und sicher hätten wir ein Solostück mitbringen können. Schön wäre es natürlich, bei Bällen vorher den Tanzablauf zu kennen – hier könnte man von den Bällen der Schottentänzer lernen. Als erster Ball für uns in diesem Jahr war es o.k., aber noch ausbaufähig. Mit Rücksicht auf die erkrankte Gruppenleiterin war es sicher schon eine organisatorische Leistung, den Ball überhaupt ohne sie stattfinden zu lassen.



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Christian
Oktoberball Tanz durch die Jahrhunderte in Schwalbach am Taunus
02.10.2010 18:00:00

Am 02.10.2010 veranstaltete der Historische Tanzkreis Schwalbach am Taunus im Bürgerhaus seinen ersten richtig großen Ball. Thema war „Tanz durch die Jahrhunderte“ mit bunt gemischten Kostümen der verschieden Epochen. Viele der Schwalbacher Gruppe hatten extra für den Abend neue Kostüme – der Standard hat sich deutlich gehoben.

Der erste Teil des Abends war dem Bereich der Renaissance und Playford-Tänzen gewidmet. Dann gab es ein leckeres Büffet, das von dem indischen Lokal im Haus stammte. Der zweite Teil des Abends war dem Bereich Barock bis 19tes Jahrhundert gewidmet. Irmgard, die Leiterin der Schwalbacher Gruppe, hatte sich für wenige Vorführtänze und viele Mitmachtänze entschieden, so konnte jeder an dem Abend viel tanzen.

Für mich war es auch ein kleiner Abschied, denn im Sommer hatte ich beim HTK Schwalbach aufgehört, um künftig mehr Zeit für die Gründung einer eigenen Gruppe in Frankfurt zu haben.



Tags: Tanz | Ball | Renaissance | Playford | Barock | Rokoko | Biedermeier

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Christian
20 Jahre Historischer Tanzkreis Bensheim
25.09.2010 19:00:00

Unter dem Motto "Musikalische und tänzerische Darbietungen von Renaissance bis Biedermeier" feierte der Historischer Tanzkreis Bensheim am 25.09.2010 mit einer großen Aufführung sein 20jähriges Bestehen. Und einige sind tatsächlich schon so lange beim Historischen Tanzen dort dabei.

Der erste Teil mit höfischen Tänzen der Renaissance, bei der ich mitgetanzt habe, wurde von der neuen Tanzkreis eigenen Renaissancemusikgruppe "Alta Mendozza" begleitet. Im zweiten Teil tanzte überwiegend die Kinder- und Jugendgruppe in den Bauernkostümen Renaissance- und Volkstänze, begleitet von der ebenfalls Tanzkreis eigenen Musikgruppe "Larus Ridibundus". Nach einer großen Pause, die alle Aktiven fürs Umziehen brauchten, folgte Teil Drei des Abends. Nun mit Tänzen aus Barock und Rokoko, bei denen ich wiederum mittanzte, diesmal allerdings mit Musik von der CD. Im letzten Teil gab es eine weitere Premiere: das eigens zusammengestellte Salonorchester der Musikakademie Darmstadt begleitete die Tänze des Biedermeier. Der schöne Abend klang mit einem Sektempfang und kaltem Büffet aus.



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Christian
Historischer Tanz - Kontratanz durch die Jahrhunderte mit Jadwiga Nowaczek
07.11.2009 14:00:00

Mein zweiter LAG Workshop mit Jadwiga Nowaczek ist am 07./08.11.2009 Marburg. Es ist eins der Marburger Lieblingsthemen, die regelmäßig als Workshop auftauchen: „Kontratanz durch die Jahrhunderte“. Auf dem Programm steht: „Anello“ (Domenica da Piacenza), „Parsons farewell“ (Playford 1551 - nur die erste Strophe), „La Caccia d'Amore“ (Negri 1602 nur zwei von fünf Teilen), „Daphne“ (Playford 1651). „La Prudente“ (Robert d’Aubat Saint-Flour ca. 1757) und „La Surprise“ (Helmke 1829). Jadwiga will die Verbindungen zwischen den Tänzen der verschiedenen Zeiten aufzeigen. Nun ich hätte mir mehr Technik, dafür vielleicht weniger Jahrhunderte, gewünscht. Es ist sicher gut für Anfänger, mal einen Überblick zu bekommen. Mit etwas Erfahrung bleibt aber so ein Tanz durch die Jahrhunderte in 10 Stunden unbefriedigend.



Tags: Tanz | Workshop | Renaissance | Playford | Rokoko | Biedermeier

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Christian
2. Burgauftritt in Kronberg zum Tag des offenen Denkmals
13.09.2009 14:30:00

Am 13.09.2009 ist mein zweiter Auftritt zum Tag des offenen Denkmals mit dem HTK Schwalbach auf Burg Kronberg. Wieder ein Programm mit Playford Tänzen, am Vormittag wird wieder alles eingeübt, was am Nachmittag getanzt werden soll. Zur Schwalbacher Truppe stoßen wieder ein paar Externe. Diesmal ist Dave auch aktiv mit dabei, der im letzten Jahr noch Zuschauer war und Photos gemacht hat, aber als SCD-Tänzer ist das ja kein Problem. Die Probleme fangen erst auf Burg Kronberg an. Wir stehen trotz Vereinbarung nicht auf dem Programm und der Raum zum Umziehen ist durch eine Verkaufsveranstaltung blockiert, aber wir finden schließlich einen Kellerraum. Dann fehlt die Musikanlage, bzw. der Schlüssel dafür ist verschwunden – kurzentschlossen rast Heinz – Irmgards Mann – zurück nach Schwalbach und holt einen Ghettoblaster. Nachdem das Fechtturnier, das bis in unsere Auftrittzeit angesetzt ist, zu Ende ist und nicht mehr die Bühne blockiert, fangen wir schon mal an, bevor alle Zuschauer gehen. Immer noch haben wir keine Musik, irgendjemand klopft einen Rhythmus und wir summen die Melodie. Dann kommt Heinz völlig außer Puste mit dem CD-Gerät an und wir haben Musik. Wir beginnen noch einmal mit den Tänzen, am Ende Applaus, es herrscht Einigkeit, Kronberg sieht uns so schnell nicht wieder.



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Christian
Auftritt beim Kleingartenverein 1961 Rohrwiese e.V.
05.07.2009 13:30:00

Nicht jeder Auftritt verläuft so glorreich wie man das sich wünscht, und dies ist einer der weniger glorreichen. Alles fing damit an, dass Viola für das Fest anlässlich des 40sten Jubiläums der Anlage Grumbach des Schwalbacher Kleingartenvereins 1961 Rohrwiese e.V. nach Programmpunkten suchte. Sie hat sich einen Auftritt mit Renaissancetänzen gewünscht und da sie ein beliebtes Mitglied im HTK Schwalbach ist, waren natürlich viele gern bereit, ihr zu helfen. Irmgard selbst war zu dem Auftrittstermin verhindert, so dass mir die unrühmliche Aufgabe zufiel, an diesem Termin verantwortlich zu sein – dummerweise war ich es nicht für die Vorbereitung. Gegen meinen Rat („Die wollen eh nur die Kostüme anschauen, mit viel Tanz langweilt man dort nur alle“) wurde ein langes Showprogramm mit 8 Tänzen einstudiert, Viola wollte es so und es war ihre Show.

Dann kam die gute Nachricht: der Kleingärtnerverein hat tatsächlich eine Art Bühne aufgebaut. Die schlechte Nachricht sahen wir vor Ort: sie ist kleiner als versprochen und wird zudem zum Teil vom Zelt des Alleinunterhalters blockiert – die effektive Tanzfläche ist für vier Paaren sehr eng. Wir diskutieren, ob wir nicht lieber auf der abschüssigen Wiese nebenan tanzen, aber das wäre vermutlich noch schlechter gewesen, also – ganz ganz kleine Schritte machen. Vor dem Auftritt meinte Edith, ich müsse unbedingt noch einen neuen Schleier an Violas Kopfbedeckung annähen, weil ich ja so gut nähen kann – ich hab ja auch nichts besseres zu tun, nun gut. Zum Umziehen habe ich dann nicht genügend Zeit, geschweige denn um noch mal auf meinen Zettel zu schauen, mit der von mir geschriebenen Kurzanleitung von allen Tänzen. Das Verhängnis nimmt unaufhaltsam seinen Lauf.

Alles begann mit der „Pavane Ferrarese“; die Bühne reichte nicht, um den Bogen zu bekommen, dumm wenn man vorher nicht proben kann – Neustart. „Anello“ ist putzig und klein – er war der beste Tanz des Mittags. Ja Mittags, die Sonne brütet und das Publikum wartet darauf, dass nach unserer Vorstellung endlich die Tombola eröffnet wird. Ich springe zwischen Ansagen (das mich zunehmend nervös macht) und Tanzen hin und her und frage Viola, ob wir nicht lieber auf die Ansagen verzichten sollen, nein sie will sie unbedingt haben. Bei „Indian Queen“ wird klar, dass die ersten Erinnerungsausfälle bei ein Teilnehmern einsetzen – wir hätten an dem Vormittag der Aufführung noch mal üben sollen, alles läuft schiefer und schiefer. „Rufty Tufty“ tanzen wir auf der kleinen Tanzfläche mit zwei Sets um 90 Grad gedreht, nun klappt das mit dem Abschauen auch nicht mehr. Und schon wieder ein Longway: „Black Nag“ zwar nur für drei Paare, aber wohin soll man sich auf der Tanzfläche beim „lead up“ oder bei den „slips“ bewegen? Das Round von „Gathering Peascods” wird ein Oval, wie ging der Tanz noch mal, bin ich Frau oder Mann, und wie soll ich mich in dem Minikreis bewegen? Den nächsten Longway „Prince George’s Birthday“ müssen wir abbrechen, er wird mit „Indian Queen“ vermischt, wir sind neben der Musik, weil Teile vergessen werden – Chaos! Statt aufzuräumen und weiterzutanzen, bleiben einige einfach stehen und fangen an zu diskutieren! Autsch! Noch mal. Nikolaus, Violas Mann, der die Musik steuert, fragt ob wir nicht Schluss machen sollten? – Nein den letzten Tanz stehen wir auch noch durch. „Sellenger`s Round“, wieder ein Oval, läuft halbwegs rund und versöhnt uns noch ein bisschen mit dem Auftritt.

Immerhin, bei dem Auftritt sind mir ein paar Dinge klar geworden. 1. Ein wichtiges Element im Training ist: „Desaster Dancing“ – zu lernen mit Fehlern umzugehen und sie so schnell wie möglich aufzuräumen. Und vor allem weiterzutanzen und nicht mitten in einem Auftritt anzufangen zu diskutieren. Das ist etwas, was man beim SCD gut lernt. Läuft eine Figur schief, gehe da hin wo du die nächste beginnst. 2. Eine geteilte Verantwortung ist keine Verantwortung – sollst du für den reibungslosen Ablauf eines Auftritts gerade stehen, muss in deiner Verantwortung mindestens auch die Generalprobe mit allen Beteiligten liegen. Zu viele Köche verderben hier den Brei. 3. Wenn du mit Leuten eine Aufführung machst, die sich die Tänze nicht gut merken können, brauchst du eine Probe kurz vor der Aufführung. Alles andere ist ein extrem hohes Risiko. 4. Kein Auftritt ohne Proben mit den richtigen Maßen der Bühne. Besser ist es natürlich, vorher auf der Bühne proben zu können. 5. Beim historischen Tanz geht es in erster Linie um den Tanz und nicht um das Verkleiden. Keine Kostümproben und Nähereien direkt vor dem Auftritt. Die Kostüme müssen rechtzeitig vorher fertig sein, jeder muss sich auf den Tanz fokussieren und soll sich nicht mit Kleidungsgeschichten kurz vor dem Auftritt ablenken. 6. Das alles ist nicht das Level auf dem ich tanzen will, ich will besseres Training für bessere Leute, die wirklich weiter kommen wollen und als Ziel historisch akkurates Tanzen haben.



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