Christian Griesbeck

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Tag: Tanz

Christian
Symposium „Mannheim - Musik - Tanz“
30.11.2012 13:15:00

Unter dem Titel „Mannheim – Musik – Tanz“ findet vom 30.11. bis 1.12.2012, anlässlich des 250jährigen Jubiläums der Gründung der Académie de Danse, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim ein zweitägiges Symposium statt. Den Auftakt des Symposiums bildet ein kleiner Beitrag der Akademie des Tanzes: „Vier Jahreszeiten“ mit einer Choreographie von Selatin Kara auf die Musik von Antonio Vivaldi. Die Studierenden der Akademie tanzen mit der Abfolge „Frühling“ – als große Gruppenchoreographie, „Sommer“ – in kleiner Besetzung, „Herbst“ – als Solotanz und „Winter“ - nochmals in der Gruppe. Nach diesem ersten Tanzteil eröffnet Herr Meister, der Präsident der Hochschule, das Symposium. Gleich zu Beginn gibt es leider eine kleine Enttäuschung – der Eröffnungsvortrag von Frau Busch-Salmen „unzählige Tänzer und Sänger... – Tanz und Ball am Mannheimer Hof“, muss wegen Erkrankung ausfallen und das Programm etwas umgestellt werden. Schade, der Vortrag hätte mich und einige anwesende Freunde und Bekannte, die aus der historischen Tanzpraxis kommen, natürlich besonders interessiert. So ist es an Herrn Betzwieser, den Reigen der Vorträge zu eröffnen. Unter dem Titel „Tänzer in Partituren – Anmerkungen zur Mannheimer Ballettkomposition“ untersucht er das Verhältnis von musikalischer Form und Tanzkonzeption in den Werken von Komponisten der Mannheimer Schule. Mannheim kann sich durchaus an der Ballettavantgarde der damaligen Zeit (Stuttgart und Wien) messen lassen. Auf ihn folgt Frau Walsdorf mit ihrem vorgezogenen Vortrag „Tanz im Mannheimer Jesuitentheater (1735-1773). Eine Spurensuche“. Spuren zu finden ist nicht mehr ganz einfach, weil ein großer Teil der Unterlagen dazu einem Brand zum Opfer gefallen ist, dennoch lassen sich einige Hinweise dafür finden, dass im Mannheimer Jesuitentheater getanzt wurde. Die Aufführungen wurden von den Schülern der Jesuitenschule bestritten und verlangten den Zuschauern sicher einiges an Sitzfleisch ab, die Szenarien stammen von den Jesuiten und sind für unsere heutigen Ohren zum Teil etwas abstrus. Nach der ersten kleinen Kaffeepause begrüßt uns auch Frau Keil, die Leiterin der Akademie des Tanzes. Weiter geht es mit dem Vortrag „Ballett in Schwetzingen. Glucks Cythère assiégée und Laucherys choreographische Anmerkungen“ von Frau Leopold. Dazu ist ein gedrucktes Szenario mit handschriftlichen Anmerkungen erhalten; da darin auch Notizen zum Ablauf hinter der Bühne notiert sind, kann es sich tatsächlich um Laucherys eigenes Exemplar handeln. Auch mit der Frage, wer die angegebenen Aufführenden waren und in welchem Verhältnis sie zu Lauchery standen, befasst sich der Tagungsbeitrag. Als letzter Vortrag des ersten Tages beschäftigt sich Herr Malkiewicz mit „Étienne Lauchery. Choreographische Beschreibungen aus dem Berliner Manuskript“. Das Berliner Manuskript ist eines der wenigen erhaltenen choreographischen Skizzenbücher aus dem frühen 19ten Jahrhundert, und ein Teil der Choreographien kann den Laucherys zugeordnet werden. Dabei zieht er eine Reihe von weiteren Quellen, wie Noten oder Theaterzettel, aus der Zeit heran und es interessant zu sehen, wie sich langsam ein Bild ergibt. Nach einer längeren Pause gibt es am Abend eine weitere Ballettaufführung der Studierenden der Akademie des Tanzes. Mit Ausschnitten aus dem Ballett „Coppélia“, drei Eigenchoreographien der Studierenden: „Runway“, „Steps between Steps“ und „Part Q“, dem Stück „Burn it Blue“, einer sehr verwickelten „Polka“, und der Flamencochoreographie „Contrapunto“ demonstriert die Akademie ihre Leistungsfähigkeit.

Der zweite Tag beginnt quasi mit einem „Mannheimer Heimspiel“, Herr Schipperges referiert in einem lockeren Vortrag (genau das Richtige für den frühen Morgen) über „Mozart – Menuett – Mannheim“ – er begibt sich auf fröhliche Spurensuche anhand der Frage: „Welche seiner Menuette Mozart denn wohl bei seinen Aufenthalten in Mannheim geschrieben hat?“ Weiter geht es mit Herrn Rothkamm und seinem Vortrag: „Originäre Ballettmusik im langen 19. Jahrhundert in Mannheim am Beispiel von Josef Bayers Puppenfee“. Die „Puppenfee“ erfreute sich trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer eher dünnen Handlung und nicht sehr einfallsreichen Musik nicht nur in Wien, sondern auch in Mannheim des 19ten Jahrhunderts großer Beliebtheit, dafür findet er mehrere gute Gründe. Den Sprung ins frühe 20ste Jahrhundert nimmt das Symposion schließlich mit Frau Schulze und ihrem Vortrag „‚Morgen trocken, bei wechselnder Bewölkung’. Isadora Duncan, Mannheim und ‚Der Tanz der Zukunft’“. Das Wetter spielte beim dem für diese Zeit (1907) recht exotischen Open-Air Auftritt „Ein attisches Fest“ von Isadora Duncan in Mannheim natürlich eine gewisse Rolle und hatte doch noch ein Einsehen – der Auftritt wurde ein Erfolg und kurzfristig wiederholt. Im Anschluss spricht Frau Homering über „Mary Wigman in Mannheim“. Von einer Mannheimer Theaterproduktion mit zwei Orffstücken („Catulli Carmina“ und „Carmina Burana“) ist ein choreographisches Skizzenbuch Wigmans erhalten, das neben vielen Fotos Basis für eine Teilrekonstruktion in den Reiss-Engelhorn Museen Mannheim bildet. In der Zeit (1955) hatte Mary Wigman ihre tänzerischen Höhepunkte schon hinter sich gelassen und arbeite sich als Choreographin an den Mannheimer Balletttänzern ab, die für ihre moderne Art des Tanzes ungeeignet schienen. Die Nachmittagsrunde leitet Herr Arndt mit dem Vortrag „Zwischen Revuefilm und Jazz-Ballett: Caterina Valente und Wolfgang Lauth“ ein. Wolfgang Lauth machte Musik für populäre Filme, aber auch für die beliebten Jazz-Ballett-Abende am Mannheimer Theater. Im Vortrag von Frau Krause „Sich tanzend Erfahrungsräume öffnen. Überlegungen zum Potential von Tanz für musikbezogene Bildung in Schule und Hochschule“ geht es um die Möglichkeiten der Integration von Tanz im Musikunterricht. Den Abschluss des Symposions bildet eine Podiumsdiskussion „Von Lisa Kretschmar bis Birgit Keil - (fast) ein halbes Jahrhundert Musik, Tanz und Tanzpädagogik an der Akademie des Tanzes“. Interessant sind die sich im Gespräch ergebenen Informationen zum Wiederaufbau und zur Umgestaltung der Tanzabteilung der Hochschule. Schön wäre es natürlich gewesen, noch etwas über die frühe Geschichte der „Académie de Danse“ zu erfahren, die als eine der ersten in Europa gegründet wurde. Auch eine noch direktere Verbindung zwischen der Musikwissenschaft und der Tanzpraxis wäre natürlich für mich als Praktiker toll gewesen. Tanzgeschichte als lebendige Bewegung hat natürlich noch einmal eine andere Qualität, aber es war ja in erster Linie eine Veranstaltung der Musikwissenschaft und Musikpädagogik.



Tags: Symposion | Tanz

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Christian
Barocktanzworkshop – Dances for the Fairies, Tänze aus Purcells Fairy Queen
24.11.2012 10:00:00

Wie in den letzten Jahren bin ich wieder in Dortmund zum „Weihnachtsmarktworkshop“ mit Philippa Waite – diesmal stehen „Dances for the Fairies“ auf dem Programm. Die Dortmunder Gruppe „La Riverenza“ plant für nächstes Jahr, zusammen mit einem Orchester, eine Aufführung und die Tänze wollen bis dahin gelernt sein. Schade ist natürlich, dass sich nicht alle aus der Gruppe schon jetzt für diesen Workshop angemeldet haben, das wäre die ideale Gelegenheit gewesen, die Tänze bereits einmal zu lernen und zu üben. Für die Theatertänze aus Purcells „Fairy Queen“ sind, wie für die allermeisten Bühnenwerke der Zeit, leider keine Originalchoreographien erhalten. Purcell Musik war damals natürlich sehr beliebt, so dass in alten Countrydancebüchern mittlerweile rund 30 seiner Stücke identifiziert sind, die Zeitgenossen für Gesellschaftstänze verwendet haben. Aber in diesem Workshop geht es um eine Bühnenaufführung – Philippa hat vor einigen Jahren für die „Fairy Queen“ neue Theatertänze im Stil der Zeit choreographiert, die sie nun in Dortmund nach und nach einstudiert. Einen dieser Tänze hatten wir schon im letzten Jahr gelernt, nun stehen drei weitere auf dem Programm. Der erste, den wir am intensivsten inklusive der passenden Armbewegungen lernen, ist „If love’s a Sweet Passion“ – er wird dann wohl bei der Aufführung von den eher etwas Fortgeschritteneren getanzt werden. Ein lustiger Tanz ist dann der „Monkey’s Dance“ – ein Charakterpaartanz mit grotesken Schritten und falschen Fußpositionen. Der dritte im Bunde ist „Dance for the Green Men“ der eigentlich für vier Paare choreographiert ist. Wie immer geht das Wochenende viel zu schnell vorbei, am schönsten war wieder mal intensiv an der barocken Armtechnik zu arbeiten.



Tags: Tanz | Workshop | Barock

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Christian
Ball Royal zum 350. Geburtstag des Grafen Wackerbarth im Gohliser Schlösschen
17.11.2012 15:00:00

Eigentlich sollte der Ball zum 350. Geburtstag des Grafen Wackerbarth wie die Winterbälle in den letzten Jahren im Dezember in Zabeltitz stattfinden. Nun meint scheinbar die lokale Politik, Hand in Hand mit „Beratern“, aus dem Zabeltitzer Palais eine „Premium Location“ machen zu können und hat, so weit ich das verstehe, als ersten Schritt schon mal die Mietpreise drastisch erhöht. Die Konsequenz ist natürlich, dass die gewachsenen kleinen Events passen müssen, aber auch die gewünschte „Premium Kundschaft“ bleibt aus – dafür ist der Ort nicht attraktiv genug. Als Resultat werden nicht nur Existenzen in der lokalen Wirtschaft (insbesondere Hotels und Gaststätten) vernichtet, sondern auch notwendige Einnahmen, die zum Erhalt beitragen können, verschwinden ebenso wie auch Gewerbesteuereinkünfte der Stadt. Etwas mehr Augenmaß was möglich ist und was nicht täte manchmal den Gemeinden gut. Das Schöne an Zabeltitz war, dass alle direkt nebenan im Hotel untergebracht waren, so dass man sich schon beim Frühstück kennenlernen konnte, und auch die Atmosphäre mit dem Kerzenlicht in dem sonst leider kahlen und modernen Palais hatte uns gefallen.

Aber nun zum Ball in Leipzig im Gohliser Schlösschen, das Uwe Müller aka Graf Wackerbarth als neuen Veranstaltungsort gefunden hat. Es hat natürlich viel viel schönere Räumlichkeiten – es ist dort ähnlich wie in Engers, mit Gemälden, bemalten Decken und Wänden. Dafür ist überall nur elektrisches Licht erlaubt, und man muss natürlich auf die Museumsgegenstände achtgeben. Wie im letzten Jahr ist Ilka Trotte die Tanzmeisterin, und es gibt bereits am Vorabend einen kleinen Tanzkurs, diesmal in einer lokalen Ballettschule, weil das Schloss dafür noch nicht zur Verfügung steht. Auf dem Programm stehen überwiegend einfache Playford-Klassiker wie Indian Queen (1701) und Gathering Peascods (1651), der von den Figuren vermutlich anspruchsvollste Tanz des Abends ist dabei Hunsdon House (1665). Am Samstagmorgen werden die Tänze noch einmal wiederholt, wobei es sich als hilfreich erweist, dass ich eine kleine Musiksammlung auf dem Handy habe – denn das dient bis zum Eintreffen der Musikanlage als Ersatztonquelle – leise, aber immerhin Musik. In der Umziehpause üben wir dann zu zweit noch kurz unseren als Gastgeschenk mitgebrachten Barocktanz – er ist nicht in Vergessenheit geraten. Nach einem kleinen Imbiss und einem Spaziergang ist dann bereits Umziehen angesagt – Carola hat sich für ihr neues Jäckchenkostüm entschieden, das etwas mehr „Bahnreisegeeignet“ ist.

Um 15 Uhr beginnt dann der Empfang, die Gäste werden von Zeremonienmeister Baron von Löwenthal peu à peu dem Grafen Wackerbarth und seiner Begleiterin vorgestellt. Bei der Gelegenheit werden gerne auch wertvolle Gastgeschenke überreicht, wie eine Ananas, die beim Grafen große Verwunderung ob der Gartenbaukünste auslöst. Im Anschluss geht es zur Kaffeetafel, hier werden die Gäste ihrem Rang nach vom Zeremonienmeister aufgerufen und an der langen Tafel platziert. Nach dem Aufheben der Kaffeetafel gibt es ein Konzert. Zu Gast ist Stefano Guardiano mit seinem Programm „La voce Celeste – eine himmlische Stimme“ und fasziniert alle Anwesenden – davon möchte man gerne noch mehr hören. Der nächste Programmpunkt ist bereits das 3-Gänge-Menü, wir nehmen wieder, wie vom Zeremonienmeister angewiesen, unsere Plätze an der Tafel ein. Zunächst gibt es eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses, danach eine Suppenkomposition, das Hauptgericht ist ein Braten, der förmlich auf der Zunge zergeht und zum Schluss werden verschiedene Mousse au Chocolat gereicht. Vor dem Ball gibt es dann noch ein kleines Geburtstagsfeuerwerk und die Schokoladentafel wird eröffnet – diesmal mit Rücksicht auf die Räumlichkeiten ohne Wunderkerzen. Auf dem Ball tanzen wir dann die Tänze, die zuvor geübt wurden, allerdings sind viele Leute dabei, die den Tanzkurs versäumt haben, so dass alle Tänze noch einmal erklärt werden müssen, bevor wir sie durchtanzen. In der ersten Pause zeigen wir dann unsere mitgebrachte „Bourée d’Achille“. Bis dann um Mitternacht der Ball endet, tanzen wir jeden Tanz mindestens zwei Mal. Schade nur, dass man sich bei Barock-/Rokokobällen oft auf gelaufene Playfordtänze beschränkt und der Tanz dadurch jegliche Spritzigkeit und Brillanz verliert. Leider sind die meisten Reenactors nicht in der Barocktanztechnik geschult, und die meisten Barocktänzer besuchen keine Reenactmentveranstaltungen – so bleibt der Tanz auf diesen Bällen nur ein Schatten seiner selbst.



Tags: Barock | Ball | Tanz | Playford

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Christian
Workshop - Plaisirs innocents - Contredanses parisiennes unter der Régence (1715-1723)
01.11.2012 10:00:00

Das ist für mich jetzt bereits der dritte Barocktanzkurs in Bad Rappenau – der diesmal aber leider nur drei Tage kurz ist. Unter dem Thema „Plaisirs innocents - Contredanses parisiennes unter der Régence (1715-1723)“ lernen wir 12 der mehr als 40 Tänze aus den beiden kürzlich wieder in die Tanzwelt gekommen Durlacher Manuskripten. Drei der Tänze hatte Nicoline Winkler ja bereits auf dem Rothenfelser Tanzsymposion vorgestellt, vielleicht waren diese zu einfach und zeigten nicht die volle Pracht der anderen Tänze, um für den jetzigen Workshop mehr Teilnehmer anzuziehen, aber dort hatte sie ja auch nur 90 Minuten Zeit. So sind wir fünf Damen und fünf Herren plus Nicoline – zumindest eine Person mehr wäre natürlich toll gewesen, denn die meisten Tänze im Manuskript sind für zwei Paare. Bei genauerem Blick ist die Chorégraphie Durlach MS 209/210 eine echte Schatzkiste. Anders als bei den meisten in Feuillets Raumwegnotation veröffentlichten Kontratänzen (z.B. in dem „Recueil de Contredances“ von Feuillet, 1706 oder dem „Recueil de nouvelles contredances“ von Dezais, 1712) gibt es hier jeweils einiges an in normaler Feuillet Notation hinzugefügter Verzierung, was die Tänze viel spritziger macht. Meist sind das zwar nur „des Balancer“ oder „un pas de Rigaudon“, die der Schrittkatalog am Anfang von MS 209 aufführt, aber es finden sich auch in den Tänzen einige spezifische Schritte, und das Manuskript verwendet ein Symbolkatalog für Figuren wie „le Moulinet“ oder „le Ronde“ die bei Feuillet noch als Bodenwege notiert werden. Außerdem ist oft Text mit Anweisungen hinzugefügt, der die Wiederholungsstrukturen beschreibt oder explizit sagt, dass Seitwärtsbewegungen mit „Chasez“ auszuführen sind. Rund dreiviertel der Tänze sind in Cotillonaufstellung für zwei Paare oder manchmal vier Paare, der Rest ist in Longwayaufstellung (oft für eine feste Zahl von Paaren), zusätzlich findet sich eine Branlesuite mit vier Tänzen. Was leider auch in diesem Manuskript fehlt, ist die Angabe ob für die nicht geraden Wege pas de bourrée oder die laut Feuillet häufigeren demi contretemps zu verwenden sind, allerdings finden sich interessanterweise Stellen mit geraden Wegen, wo explizit pas de bourrée oder zwei demi contretemps notiert sind (die dann statt dem Gavotteschritt auszuführen sind).

Der Schwierigkeitsgrad der Tänze an diesen drei Tagen ist unterschiedlich. Die beiden einfachen echten Longways mit Progression „for as many as will“ in der Art wie man sie auch bei Feuillet finden könnte, sind „Le Moulin de Javel“ (mit zwei tanzenden Paaren) und „La Friande“ (mit drei tanzenden Paaren). „La Faridondene“ ist ein schöner Dreipaartanz in Longwayaufstellung bei dem das erste Paar zunächst mit allen drei Paaren einen A-Teil tanzt und dann, nach einer ersten Progression, einen B-Teil aus Platz zwei nur mit dem dritten Paar tanzt, um nach einer weiteren Progression auf Platz drei zu landen. „Le Cordon Bleu“ ist ein einfacher Tanz in Longwayaufstellung, aber ohne Progression, der schon den für Cotillons typischen Strophen-Refrain-Wechsel hat, wobei die erste Strophe noch wie im Englischen Tanz ein „advance and retire“ ist. Einfachere Cotillons in Carreaufstellung mit mehr oder weniger typischem Ablauf sind „le Corrillon dauteüil“, „La Tetar“, „La Bohaimiene“ und „Le Nouveau Pistolet“ (die beiden letzteren haben wir bereits in Rothenfels getanzt). Der Tanz „les quatres faces ou la Danse d’hier“ mischt eine Strophe im Menuettschritt mit einem Refrain im Gavotteschritt (ihn haben wir ebenfalls in Rothenfels getanzt). Nicht alle Tänze in Carreaufstellung in der Durlacher Handschrift haben den üblichen Cotillonaufbau mit dem festgefügten Strophe-Refrain-Wechsel. So folgt z.B. „La Blonde, La Brune“ einer ABA-Form (Blonde, Brune, Blonde). „La Brillante“ folgt keiner Wiederholungsstruktur, das hübsche Feuerwerk ist so schon nach 75 Sekunden vorbei. Ebenfalls sehr schön ist „Le Poivre“, einer der beiden Tänze für vier Paare im Square-Set aus der Sammlung, wobei die Damen jeweils zuerst den Beginn des Refrains und das erste Auftauchen der jeweiligen Strophen-Figur tanzen dürfen. Ein kleiner Teil der Tänze ist sogar vollständig in Tanzschrift durchnotiert – auch hier sind noch Schätze zu heben, denn ausnotierte Tänze zu viert in Feuillet Notation sind selten und sie geben uns einen wichtigen Einblick in das Schrittmaterial. Einen davon, „La Bergere“ tanzen wir im Anschluss an den Workshop noch kurz zu dritt an. Den Abschluss bildet diesmal das fast schon traditionelle Zwiebelkuchenessen. Fazit des leider wieder viel zu schnell vergangenen Workshops: viele schöne neue Tänze, eine echte Bereicherung für die Barocktanzszene und noch vieles, was es in den Manuskripten zu entdecken gilt.



Tags: Workshop | Tanz | Barock | Playford

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Christian
FSCDC Highland Nachmittag 2012
13.10.2012 14:00:00

Der alljährliche Highland Nachmittagsworkshop des Frankfurt Scottish Country Dance Club ist mittlerweile schon eine feste Tradition, wobei es meist nicht um reinen Highland Tanz geht, sondern Elemente von ihm in Country Dance. Diesmal findet er im „Skydeck“ des Hauses der Jugend statt, von dem aus man in den Pausen einen weiten Ausblick auf Frankfurt genießen kann. Die Frankfurter Gruppe macht sich diesmal rar, dafür sind zwei Heidelbergerinnen mit dabei. Die Besetzung passt aber perfekt für den ersten Tanz: „The Speyside Reel“, der für zwei Herren und vier Damen choreographiert ist und den Hauptteil des Nachmittags einnimmt. Ich verstehe zwar immer passend zum Raum „Space-Side“, aber damit hat er wohl nichts zu tun. Er ist ein Medley mit der üblichen Strathspey-Reel-Mischung, wobei Highland Setting Steps verwendet werden und die eher seltenen Tulloch Swings. Nach einer ausgedehnten Pause bei Kaffee und Kuchen geht es weiter mit dem Reel-Teil des Tanzes. In den letzen 45 Minuten lernen wir noch einen kleinen aber feinen Paartanz, der ursprünglich als Auftrittstanz für Drei bei einer Hochzeit gedacht war, von denen aber einer ausfiel – so tanzten damals „Two for Three“. Ein Bericht zum Nachmittag findet sich auch im Eventlogbuch des FSCDC.



Tags: Tanz | Workshop | SCD

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Christian
3. Rothenfelser Tanzsymposion „all’ungaresca – al español“
06.06.2012 18:30:00

Bereits auf dem Weg, der letzten Etappe mit dem Bus, treffe ich einen Teilnehmer – Rothenfels, das ist so etwas wie ein Familientreffen der historischen Tanzszene, meint er. Und tatsächlich, obwohl es nun 2012 es erst zum dritten Mal stattfindet, ist das Rothenfelser Tanzsymposion bereits eine international bedeutende Institution im Bereich historischer Tanz geworden. Die Teilnehmer kommen aus einer Vielzahl von Ländern, der Schwerpunkt ist Europa, aber sogar aus Australien und den USA sind jeweils zwei Personen angereist. Neben Deutsch ist die Hauptsprache des Symposiums Englisch, auf das meist sofort umgeschaltet wird, wenn jemand dabei ist, der kein Deutsch spricht; auch die Zusammenfassung (in der jeweils anderen Sprache) im zum Symposium bereits erhältlichen Tagungsband ist sicher sehr hilfreich. Nach den Deutschen kommt die zweitgrößte Gruppe diesmal aus Russland, wo sich zur Zeit eine sehr aktive Szene für historischen Tanz bildet. Ein wichtiges Zeichen ist sicherlich auch, dass diesmal einige Franzosen mit dabei sind; aber auch die Österreicher dürfen nicht vergessen werden. Insgesamt sind es rund einhundert Dozenten, Musiker, Organisatoren und einfache Teilnehmer, die sich in der kleinsten Stadt Frankens auf der abgegrenzten Burg Rothenfels zum Symposion zusammengefunden haben. Es ist eine bunte Mischung von interessierten Laien bis zu den alten Hasen aus dem „who’s who“ der historischen Tanzszene. Etwas ganz Besonderes ist hier sicherlich die sehr ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis.

Am Mittwoch ist, nachdem ich den Berg mit meinem schweren Gepäck erklommen habe, erst mal Check in. Ich habe viel Glück, ich hatte ein Bett im Mehrbettzimmer gebucht und nun bin ich alleine in einem Doppelzimmer. Die Burg Rothenfels ist eine Jugendherberge und ein Tagungshaus. Als, wenn auch größtenteils frisch renovierte, Jugendherberge ist alles natürlich entsprechend spartanisch – mit Duschen und WC auf dem Gang. Nachdem ich meine Tagungsunterlagen, und schon eine paar bekante Gesichter, gefunden habe gibt es erst einmal Abendessen. Das Essen ist typisches Jugendherbergs-Großküchenessen ohne jede Ambitionen. Aber die Burg hat ein besonderes Flair – hier sitzen alle auf den Bänken beim Essen (oder zum Abschluss des Abends im Burgkeller) zusammen und kommen miteinander ins Gespräch.

Los geht es am Mittwochabend, zunächst mit einem Kurzauftritt von Barbara Segal und William Tuck: „Courtly Dance meets Country Capers: speculations on the influence of traditional hornpipe on english noble dance“ – bei dem sich die noble Tänzerin und der wilde Hornpipe Tänzer vom Lande gegenseitig domestizieren. Im Anschluss teilen sich die Teilnehmer in zwei Gruppen für einen zweistündigen „Tanzabend“ – eigentlich ein Abendworkshop. Das Programm ist so organisiert, dass durch die Gruppeneinteilung jeder an allem teilnehmen kann. Für mich steht als erster Tanzabend im Rittersaal Alan Jones mit „Spanish Minuet Improvisation“ auf dem Programm. Der Rittersaal ist der berühmtberüchtigte Saal in Rothenfels mit einem unebenen Natursteinboden – mittlerweile zumindest mit einem Textilbelag etwas verbessert –  aber immer noch nicht wirklich tanzgeeignet. Von dem, was Alan Jones aus den spanischen Quellen gelesen hat, sind für mich die Variation der Arme (auch mit sehr hohen Armen, und Armen über zwei Menuettschritte verteilt) für das Menuett das interessanteste. Der eigentliche Improvisationsteil ist dann dröge – es tanzt eine gefühlte Stunde lang auf der Fläche immer nur jeweils ein Paar, das sich produziert. Immerhin, wir haben hier im Rittersaal das fünfköpfige Musikensemble des Symposiums, das für uns spielt. Der Abend klingt für mich im Burgkeller bei einem dunklen Bier und netter Unterhaltung aus.

Am Donnerstag beginnt nach dem Frühstück das volle Tagungsprogramm mit den Vorträgen. An den vier Vormittagen der Tagung gibt es insgesamt 13 überwiegend englischsprachige Vorträge. Eine meist erweiterte Form der Vorträge findet sich auch im Tagungsband, den ich mir natürlich gleich kaufe. Die Vortragenden sind zum Teil Doktoranden, die einen Ausschnitt aus ihrer Arbeit präsentieren, zum Teil international bekannte Tanzwissenschaftler und zum Teil ebenfalls international bekannte Praktiker und Künstler. Der Donnerstag hat den Fokus: Italien, Frankreich und Europa. Zur Eröffnung trägt Gerrit Berenike Heiter unter dem Titel: „Getanzte Vielfalt der Nationen, ihre Darstellung  und Funktion im französischen Hofballett (Ende 16. Jahrhundert-Mitte 17. Jahrhundert)“ einen Teil aus ihrer Doktorarbeit vor. Dabei hat sie für die Tagung einen guten Aufmacher, in dem sie die einzelnen Länder der Anwesenden durchgehen kann – nur die Slowenen finden sich nicht als Charakter im französischen Hofballett. Die Charaktere, mit denen die einzelnen Länder in Frankreich dargestellt werden, sind indes meist nicht sehr schmeichelhaft. Im Anschluss trägt Markus Lehner für den verhinderten Marko Motnik vor: „Die italienische Tanzkunst am Habsburger Hof und der Tractatus de arte saltandi von Evangelista Papazzone (um 1572–1575)“. Es wird eine neu entdeckte Quelle vorgestellt, die ein wichtiges Indiz für die Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte der italienischen Tanzkunst in Österreich ist. Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit dem Vortrag von Karin  Fenböck: „Wien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Hilverdings ‚danza parlante’ als Schmelzpunkt der Tanzkulturen?“ Neben der Situation von Tanz und Theater in Wien wird hier aufgezeigt, dass Noverre nicht der einzige Reformator hin zum Handlungsballett in seiner Zeit war, allerdings hat sich außerhalb von Wien für Hilverdings Neuerungen keiner interessiert – Noverre hat seine Ideen offensichtlich besser vermarktet. Den Abschluss macht der Vortrag von Guillaume Jablonka: “French-Italian dance technique on the European stage of the late eighteenth century,” in dem er Schritte und Passagen aus dem Ferrère Manuskript (1782) vorstellt und in Beziehung zu Magri (1779) setzt.

Nach der Theorie und dem Mittagessen geht es weiter mit der Tanzpraxis in den Workshops. Wir sind in drei Gruppen aufgeteilt, die Dozenten unterrichten ihren anderthalbstündigen Workshop jeden Tag in einem anderen Raum, die Gruppen bleiben in ihrem Raum, so dass man nach und nach alle Workshops erlebt. Ich habe es mit dem Saal im Amtshaus gut getroffen, durch seinen Schwingboden ist er zum Tanzen der beste Raum von Burg Rothenfels. Als erstes gibt Nicoline Winkler einen Workshop zum „Repertoire der Pariser Opernbälle im frühen 18. Jahrhundert“. Da der Beitrag ursprünglich als Vortrag geplant war, gibt es erst einmal eine theoretische Einführung zu den Bällen in der Pariser Oper ab 1716 – die Contredanses hatten dort schon die alten Tanzformen verdrängt. Im praktischen Teil gibt es mit Livemusik drei Tänze aus der neu entdeckten Chorégraphie - Durlach 209/210 zu erlernen. Als zweiter Workshop steht Guillaume Jablonka mit „Trying to find Magri’s Pas Trusé” auf dem Programm. Der Pas Trusé aus Magri’s Buch (1779) ist ein aus vier Teilen zusammengesetzter Schritt und wir spielen verschiedene Möglichkeiten der Ausführung durch – ein eher experimenteller Workshop. Nach dem Abendessen gibt es einen Kurzauftritt von der frisch angereisten Ana Yepes mit „Dances of the Spanish Baroque“. Bei dem kastagnettenlastigen Auftritt würde ich natürlich gerne wissen, was von den Armen aus Quellen belegt ist und was eine modere Readaption ist, gut sieht es in jedem Fall aus. Und danach bin ich bei einem Tanzabend von Uwe Schlottermüller und Jørgen Schou-Pedersen „’Budapest, Kairo, Peking’ – unterwegs mit Dubreil und Delpêch“. Wir lernen einige witzige Contratänze, auch schon im Hinblick auf den Ball am Sonnabend.

Auch am Freitagvormittag gibt es wieder vier Vorträge; diesmal mit dem Fokus auf Deutschland und Polen. Hubert Hazebroucq beginnt den Reigen mit einem französisch-deutschen Kulturtransfer: „Six French dances in Germany: An Instruction by Johann Georg Pasch (1659)“. Paschs Text ist eine wichtige Quelle für den Tanz im 17ten Jahrhundert, leider nicht, weil er den Tanz gut beschreibt, sondern weil er eine der wenigen Quellen aus diesem Jahrhundert überhaupt ist – Hazebroucq macht aus den Tanzbeschreibungen recht stimmige Rekonstruktionsversuche. Im Anschluss präsentiert Alessandra Kajdanska ein neu gefundenes Manuskript aus der gleichen Zeit, eine Seite mit Tanzbeschreibungen die sich in einem Tagebuch gefunden hat: „Von Unterschiedlichen Täntzen. The Diary of Georg Schroeder and the tradition of dance culture in Gdansk in the second half of the 17th century.” Die Seite enthält verbale Beschreibungen und Raumskitzen für fünf Gesellschaftstänze – leider ohne Schrittmaterial und Musik. Carol Marshs Beitrag „The Elusive Baroque Polonaise“ wurde kurzfristig von einem Workshop zum Vortrag, so dass es der Text leider nicht mehr in den Tagungsband geschafft hat. Es geht um das Erscheinen der Polonaise in Traktaten im 18ten Jahrhundert und die Rekonstruktion der „Nev Figvrirte Polonoise“ aus Winterschmids: „Kurze und leichte Anweisung...“. Im Anschluss beschäftigt sich Hannelore Unfried mit einem ost-westlichen Kulturtransfer: „Der Cotillon: Die Mazurka wird ‚German’“ und geht dabei der Frage nach, wie und ob beide Tänze zusammenhängen. Am Nachmittag sind wieder die Tanzworkshops an der Reihe. Zunächst Barbara Segal mit: „French Noble Dance in England: a Delight in Complexity?“ Anders als die Tanzmeister in Frankreich, die von der Akademie reglementiert wurden, waren die Engländer freier was das Schrittmaterial und die rhythmische Struktur anbelangt – ein Beispiel hierfür ist die Hornpipe. Leider bekommen wir die Choreographien nicht als Handout, sondern sie werden an die Wand projiziert. Sieben Seiten Hornpipe in 90 Minuten und dabei zu versuchen mit Fernblick gleichzeitig die Choreographie zu entziffern, ist selbst für mich auf Dauer zu viel Complexity und zu wenig Delight, aber ich steige im Gegensatz zu den meisten immerhin erst kurz vor Schluss aus. Der zweite Workshop kommt von Hannelore Unfried „Cotillon: Gestampft, Geschlagen, Gewählt - Mazurka im frühen 19. Jahrhundert.“ Wir spielen verschiedene Cotillons durch, auch schon im Hinblick darauf, welche ballgeeignet sind. Nach dem Abendbrot gibt es wieder einen Kurzauftritt - Irene Ginger und Hubert Hazebroucq zeigen „einige Metamorphosen des Menuetts“ – schade, dass meine Kamera diesmal aus bleiben musste. Beim anschließenden Tanzabend unterrichtet Ingo Günther den „Figurenländler des 18. Jahrhunderts“ – ich kenne seine Choreographie bereits aus einem früheren Workshop mit ihm. Wie jeden Abend trinke ich noch im Burgkeller bei netter Unterhaltung ein dunkles Bier. Diesmal bewundere ich Carles Mas, der für unsere Musiker tanzt, Flöte spielt und gleichzeitig trommelt, fast als sei er dem Holzschnitt aus Arbeau entsprungen.

Der Samstag ist für mich ein spanischer Tag. Am Morgen gibt es drei Vorträge mit dem Fokus auf die mediterrane Sphäre. Christine Bayle, Carles Mas und Barbara Sparti bekommen den kompletten ersten 90 Minutenblock für ihren Gemeinschaftsvortrag: „A Hit Tune Becomes a Hit Dance: The Travels of a Pavane through Italy, the Iberian Peninsula, France and Germany.“ In der Tat, die Pavane ist im 16ten Jahrhundert schnell zu einem Hit geworden. Dass sie absolut nichts mit dem drögen „simple, simple, double“ zu tun haben muss, zeigt der Vortrag und auch ein Workshop am Nachmittag. Im zweiten Block gibt es wieder zwei Vorträge. Ana Yepes mit „From the Jácara to the Sarabande“ – beide Tänze sind eine Art Geschwister, die mit dem Schwerpunkt auf der Jácara dargestellt werden, Armbewegungen sind leider nicht erhalten. Unter dem Titel „In Search of the Fandango“ geht danach Alan Jones auf Spurensuche nach diesem Spanischen Tanz, wie er im 18ten Jahrhundert getanzt wurde. Eine komplette Choreographie ist leider nicht vorhanden, so dass Andeutungen zu einem Bild zusammengesetzt werden müssen. Die Workshops am Nachmittag beginnen mit „The Iberian Pavana by Jaque,” die Carles Mas lehrt. Juan Antonio Jaques „Libro de danzar“ ist eine wichtige Quelle des späten 17ten Jahrhunderts und als der Workshop vorbei ist, denkt man nur – davon möchte ich mehr können. Den letzten Workshop des Symposiums „La Escuela Bolera“ gibt Anna Karin Stahle. Dieser Tanz, der seine Wurzeln im späten 18ten Jahrhundert hat, blieb durch die zunächst nur mündliche Tradierung sicher nicht frei von jüngeren Einflüssen, Spaß macht er trotzdem. Am Abend ist dann der große Ball des Symposiums. Gewünscht wurde festliche Kleidung des 18ten Jahrhundert und viele erscheinen natürlich in ihren Kostümen – am besten gefallen haben mir die Kostüme der Russen. Die Musik kommt komplett live von unseren Musikern, getanzt wird vornehmlich, was zuvor an Gruppentänzen in den Workshops gelernt wurde. In der Pause gibt es kleine Häppchen, der Ball geht weit bis nach Mitternacht und viele bleiben auch nach dem offiziellen Schluss noch lange beisammen.

Nach einer, wie immer zu kurzen, Nacht geht es am Sonntag auch mit den Vorträgen in die letzte Runde und auf zu neuen Welten, denn bisher lag der Schwerpunkt des Symposiums ja auf Europa. Barbara Alge berichtet von ihren Forschungen von einem europäischen Kulturtransfer nach Afrika und Südamerika: „Die Mourisca aus Portugal und ihre Rolle als "Botschafterin"  seit dem 15. Jahrhundert“. Und als letzten Vortrag hören wir Tiziana Leucci mit “From Pietro della Valle to Gaetano Gioja : or the Curiosity for the “Others”. The Interest for Indian Dances and Oriental Customs (& Costumes) in Europe (1663-1821)“ Das Interesse in Europa für alles Exotische war natürlich groß. Der Kulturtransfer aus Indien fand in erster Linie allerdings durch Reiseberichte statt, so dass was in Europa zu sehen war sicherlich mehr Projektion als Import war.

Vielleicht war das Symposium zu heterogen, um bei der Schlussrunde ein Gesamtfazit zu ziehen; noch bevor es zum Lob der Vermischung der Kultur in Europa kommen kann, übernehmen die Hinweise auf weitere Veranstaltungen überhand. Und dann, bei der Frage ob es in vier Jahren ein viertes Rothenfelser Tanzsymposion geben wird, platzt eine kleine Bombe – diesmal war das Symposium durch zu wenig Teilnehmer defizitär, da es bislang nicht öffentlich gefördert wird, ist eine Fortsetzung fraglich, zudem lastet im Moment auch die Organisation auf zu wenig Schultern. Beides sind Dinge, die sich ändern lassen und ich biete spontan meine Hilfe an. Besonders ärgerlich ist dabei, dass einige Leute Probleme hatten sich bei Burg Rothenfels anzumelden, trotzdem die Veranstaltung nicht ausgebucht war. Eine Fortsetzung ist für die historische Tanzszene in Deutschland, und vielleicht sogar in Europa sehr wichtig, trägt es doch wesentlich zum Austausch, zur Professionalisierung und der Hebung des Gesamtniveaus bei. Ich denke, wir brauchen in Deutschland (wie z. B. in UK) für so etwas eine Trägerorganisation, die sich um den Historischen Tanz kümmert und die Standards hebt. Nach dem abschließenden letzten gemeinsamem Mittagessen ist es Zeit für den Nachhauseweg – ich habe Glück und werde bis zum Aschaffenburger Bahnhof mitgenommen – die Anbindung von Rothenfels mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ja leider besonders an Sonn- und Feiertragen schlecht. In den vier Tagen gab es dreizehn Vorträge, neun Workshops, einen Ball und viele nette Gespräche – das war ein volles Programm. Das Symposium wird noch lange nachwirken, der Tagungsband ist ja auch schon erschienen, so dass alle, die es verpasst haben, zumindest die Vorträge nachlesen können. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mich kurzfristig entschlossen hatte dabei zu sein. Rothenfels 2012 hatte eine einmalige, sehr bereichernde Atmosphäre, schade dass es nur alle vier Jahre stattfindet.



Tags: Ball | Biedermeier | Empire | Barock | Renaissance | Workshop | Tanz | Symposion

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Christian
1. Tanztag Rhein-Main 2012
12.05.2012 11:20:00

Der erste „Tanztag Rhein-Main“ bietet eine Menge verschiedener Möglichkeiten in Frankfurt und Umgebung tänzerisch in Bewegung zu kommen. Organisiert wird er von Tanzlabor_21, das sich eigentlich primär um den zeitgenössischen Tanz kümmert. Aber an diesem Tag gibt es nun einen bunten Mischmasch, einen kleinen Querschnitt durch die Tanzschulszene im Rhein-Main Gebiet – denn bereitgestellt werden all die kleinen Schnupperworkshops von den vielen lokalen Ballettschulen und einigen Tanzgruppen. So ist vom „Afrikanischen Tanz“ bis „Zumba®“ ein Großteil dessen vertreten, was aktuell in diesen Schulen unterrichtet wird. Hätte ich früh genug von dem Tanztag erfahren, hätte ich vermutlich sogar ganz unzeitgemäß mit einem Schnupperworkshop für „Barocktanz“ beigetragen, so bin ich dieses Jahr nur Teilnehmer.
 
Als erstes hat man die Qual der Wahl, was man denn machen möchte – und kann, denn das Angebot ist für mich quer über Frankfurt verteilt, und viel Zeit geht dabei verloren, von Location zu Location zu kommen. Besser wäre es natürlich, wenn ein Großteil der Veranstaltungen an einem zentralen Ort mit vielen Hallen, wie z. B. dem Zentrum für Hochschulsport gebündelt wäre. So habe ich zunächst den Plan gewälzt, versucht einen Zeitplan zu machen, und bin dann zu der Erkenntnis gelangt – am Besten ist, spontan zu schauen was sich verbinden lässt. Ich starte schon mal später als geplant, so fahre ich nicht nach Sachsenhausen zum Ballett, sondern ziehe erst einmal zur Musikhochschule – dort gibt es vom Masterstudiengang für Zeitgenössische Tanzpädagogik im 20 Minuten Rhythmus unter dem Titel „Shorter than Tanzsprint“ verschiedene Workshops. Der erste Workshop, den ich erwische heißt „Moving into Ballet“ – also doch noch etwas Ballett am Morgen. Der nächste Workshop, den ich noch aus der Reihe mitmache, heißt „Crawling up“ und ist auch zugleich für mich der anstrengendste des Tages. Gekrabbelt haben wir alle – es ist wirklich überraschend, wie viel Körpereinsatz dafür notwendig ist – gekrabbelt wird hier natürlich mit Bewegungskonzepten und nicht einfach so. Selbstverständlich wird die angesetzte Zeit überzogen, so dass ich auch meinen Zeitplan umschmeiße, was ist als nächstes zu erreichen? Mit etwas Pause kann ich zum „Zeitgenössischer Tanz“ gehen, am Südbahnhof. Aber die Dame schickt alle Interessierten wieder weg – offensichtlich nicht ihre Zielgruppe (keine kleinen Mädchen), und der Workshop fällt aus. Ich verliere durch sie jedenfalls eine Stunde, disponiere wieder um, als nächstes ist nun spontan „Flamenco“ am Zoo an der Reihe. Ich hätte sogar Flamencostiefel gehabt, wenn das eingeplant gewesen wäre, aber die hätte ich in dem Studio wegen dem Boden und den Nachbarn ohnehin nicht benutzen dürfen. Weiter geht es, nach einem Zwischenstop zu Hause, im Gallusviertel mit „Insight to Forsythe“ – ein paar Konzepte seiner Improvisationstechnik kenne ich ja bereits, so dass ich hier nicht viel Neues erfahre. Es ist jedenfalls von den Workshops, die ich heute besuche, der bestfrequentierteste – sogar einige Männer haben sich eingefunden. Eigentlich war es das schon für mich, mit dem was ich an Workshops zeitlich erreichen konnte. Der „Bauchtanz“ später ist diskriminierenderweise mal wieder nur für Frauen ausgeschrieben – Männer sind da ja offensichtlich eh nur Spanner. Aber jetzt im Anschluss ist noch „HipHop/Streetjazz“ hier im Studio, zu dem auch die Männer freundlich eingeladen werden. Ich mache also spontan noch etwas mit, aber nach rund hundert Sit-ups als Warm-up und zu vielen Seitwärtsbewegungen, die auf dem harten Boden voll auf die Knie gehen, breche ich auf – ausnahmsweise mal ein Tanz, der so nichts für mich ist.

Am Abend ist als Abschluss noch ein großes Tanzfest in der Union Halle. Es gibt Tanzmusik, zu der alle die üblichen Freiformzappelbewegungen machen – klassischer Gesellschaftspaartanz kam in Frankfurt ja auch schon tagsüber nicht vor – schade eigentlich, dass diese Kulturtechnik wohl verloren geht. Zwischendurch gibt es an diesem Abend noch ein angeleitetes Potpourri verschiedener Tänze zum Mitmachen für alle – einen Moldawischen Diskotanz, einen Scottish Country Dance, Hiphop, einen Griechischen Tanz, einen Line-dance und Swing. Insgesamt eine schöne Veranstaltung, die hoffentlich wiederholt wird – schade halt, dass sie nicht an einem zentralen Ort stattgefunden hat.



Tags: Tanz | Workshop | Ballett | Gesellschaftstanz

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Christian
Barocktanzworkshop und Abschlussball in der Musikhochschule 2012
27.04.2012 14:30:00

Wie jedes Jahr gibt es auch diesmal vom 27.4.2012 bis 29.4.2012 wieder einen Barocktanzworkshop mit Niels Badenhop in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Da sich der Kurs vornehmlich an Anfänger richtet, kann ich natürlich hier nicht mehr viel lernen, aber es ist für mich ja fast schon eine Tradition, ihn zu besuchen. Es ist diesmal recht voll, weil die Vorlesungszeit schon im vollen Gange ist, und der Kurs muss deshalb in zwei Gruppen geteilt werden. Was mir diesmal auffällt – Niels ist im Laufe der Jahre didaktisch immer besser geworden. Vor vier Jahren, als ich zum ersten mal diesen Workshop besucht habe, waren die Tänze komplexer, nun legt er mehr Wert darauf, dass jeder mitkommt und erzählt auch einiges vom Hintergrund des Barocktanzes – diesmal gibt es sogar ein umfangreiches Handout dazu. An Musik hat Niels die Oper Montezuma von Carl Heinrich Graun ausgegraben. Beim traditionellen „Abschlussball“ am 30.4.2012, bei dem das Gelernte mit Livemusik vor Publikum gezeigt wird, war durch die Größe der Gruppe nicht so viel an verschiedenen Tänze zu sehen, dafür mehrmals die gleichen, aber die Zuschauer und die Tänzer hatten trotzdem ihren Spaß.



Tags: Tanz | Workshop | Auftritt | Barock

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Christian
1. Frühlingsball in Bad Arolsen 2012
24.03.2012 14:30:00

Das Jahr beginnt in Sachen historischer Tanz und Reenactment so, wie das letzte Jahr zuende gegangen ist – mit einem Barock-/Rokokoball. Letztes Jahr in Dillenburg hatten wir Matthias kennen gelernt. Er ist Organisator der Reenactment Interessengemeinschaft „History Action“ und er hat uns gleich zum ersten großen Frühlingsball im Schloss von Bad Arolsen eingeladen. Der Ball war zwar schon ausgebucht, aber es wurden dann für uns noch Ballkarten frei, die wir gerne angenommen haben. Mit dem Umziehen hat alles problemlos geklappt und damit sind wir diesmal sehr früh dran. Zunächst begrüßen, aufgerufen durch den Zeremonienmeister, die Delegationen aus den einzelnen Ländern die Gastgeber und jede Dame bekommt als Gastgeschenk eine Rose überreicht. Als Ehrengast erscheint, von Fanfahren begrüßt, sogar der alte Fritz höchstpersönlich. Weiter geht es in drei Gruppen – für uns steht zunächst die Kaffeetafel auf dem Programm, andere flanieren oder sollen an einer Führung des Gastgebers durch sein Schloss teilnehmen. Die Führung fällt aber leider aus, weil das Schloss noch durch eine reguläre Führung blockiert ist. Nun, Kaffee und Kuchen sind jedenfalls lecker und wir sitzen doch tatsächlich mit Friedrich dem Großen am Tisch, der neben den leiblichen Genüssen auch dem Laster des Tabakgenusses frönt. Nach dem Kaffee bleibt das Flanieren, leider nur im Hof des Schlosses, weil sich kein Zugang zum Park findet, der irgendwo hinter dem Schloss sein muss. Aber als Abwechselung steht eine Kutsche bereit für eine kleine Fahrt durch die Stadt, ein sehr schönes Element! Die Passanten in der Stadt sind natürlich etwas verwundert über all die hohen Herrschaften, die da an ihnen vorbeirauschen. Auch das passend gekleidete Photographenpaar macht unermüdlich Bilder, die das Ereignis festhalten. Weiter geht es für die hundert Gäste mit einem gemeinsamen festlichen Mahl im großen Saal des Schlosses. Das Perlhuhn ist sehr lecker, dazu gibt es Livemusik. Die Tischgespräche sind, wie auch die Bekleidung von Bedienung und Musikensemble, nicht allzu authentisch – es geht wie meist um Kostüme, das nötige Zubehör für Reenactment und was man so macht. Dann muss der Saal geräumt werden – Umbau für den Ball. Eine kleine Fehde mit einer Fechtszene überbrückt draußen die Wartezeit.

Der Ball beginnt mit einem festlichen Einzug der Gäste in einer Polonaise. Getanzt wird aber erst einmal nicht, sondern es gibt ein Konzert mit Musik und Opernarien aus dem Barock. Danach gibt es noch einen kleinen Ausflug ins 19te Jahrhundert (vorher war der Spitzentanz noch nicht erfunden) mit einem putzigen Frühlingstanz. Das enttäuschendste an Barockbällen ist für Leute, die sich mit richtigem Barocktanz befasst haben scheinbar meist der Tanzanteil. Die Musik kommt auch hier wieder aus der Konserve, getanzt werden nur einfache Countrydances, auf barockes Schrittmaterial wird fast völlig verzichtet und die Tanzmeisterin war zeitweise etwas überfordert mit dem „Flöhe hüten“. Da sind die Bälle natürlich im Vorteil, die mit einem Workshop verbunden sind, oder das Ballprogramm vorher veröffentlichen. Aber ich bin auch vielleicht einfach viel zu verwöhnt von der Qualität, die in dieser Beziehung bei Scottish Country Dance Bällen erreicht wird. Die meisten Leute, die Barockreenactment machen, wissen halt wenig von Barocktanz – und die meisten Leute, die ernsthaft Barocktanz machen, betreiben kein Reenactment. Eine weitere kleine Reenactmentspielszene lockert die Pause auf, auch das gut ausgestattete Spielzimmer ist einen Besuch wert. Um Mitternacht gibt es dann ein Feuerwerk für die Ballgäste, womit der Ball aber lange noch nicht zuende ist. Es ist klar, dass beim ersten Mal nie alles so 100% klappt, wie man es geplant hat, in jedem Fall steckt viel Arbeit dahinter. Schade finde ich, dass nicht mehr vom Schloss zugänglich war. Aber vielleicht findet ja im nächsten Jahr wieder ein Frühlingsball statt.



Tags: Reenactment | Ball | Barock | Tanz

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Christian
Barocker Hofball in Zabeltitz 2011
10.12.2011 10:00:00

Mein Barocktanzmarathon findet für mich in diesem Jahr mit dem Barocken Hofball in Zabeltitz seinen Abschluss. Den von Uwe Müller alias Graf Wackerbarth organisierten Hofball gibt es nun schon seit einigen Jahren, auch wenn er im letzten Jahr, aufgrund der unsicheren Situation rund um das Palais in Zabeltitz, ausfallen musste. Wir sind dieses Jahr am 10. Dezember 2011 zum ersten Mal mit dabei und freuen uns auch auf die Reenactmentelemente, die hier mit einfließen. Los geht es eigentlich schon am Freitagabend mit einem kleinen Tanzkurs und geselligem Beisammensein, aber durch einen Terminkonflikt können wir leider erst in der tiefen Nacht vor Ort ankommen. Zu allem Überfluss verfahren wir uns noch auf dem Weg, ein Straßenatlas von 1993 ist halt nicht mehr allzu aktuell. Nach einer langen Fahrt und einer zu kurzen Nacht gibt es im Gästehaus Zabeltitz ab 8 Uhr ein leckeres Frühstück – sogar mit Bacon and Eggs. Ab 10 Uhr morgens gibt es dann noch mal zwei Stunden Tanzkurs mit der Tanzmeisterin des Abends – Ilka Trotte – die auch schon seit Jahren beim Sonnenball die Tanzmeisterin gibt und nun auch Historische Kostüme anfertigt (die wir an dem Abend an ihr bewundern können). All zuviel verpasst haben wir am Freitagabend nicht, denn wir wiederholen die Tänze noch einmal – alles einfache Klassiker wie „Indian Queen“ aus der Sammlung Playford (1651) und „La Matelote“ aus Feuillets Recueil de Contredances (1706). Insgesamt werden dann sieben Tänze gelernt und am Abend kommen spontan noch ein paar weitere hinzu. Wer mag, kann sie mit den entsprechenden Barockschritten tanzen, Technik wird an dem Morgen aber nicht vermittelt. Die längere Pause bis zum Nachmittag nutzen wir dann, um noch etwas Schlaf nachzuholen.

Weiter geht es nach dem Umziehen mit dem Sektempfang im Palais ab 15 Uhr. Gut, dass wir im wenige Schritte entfernten Gästehaus untergekommen sind, ein Umkleiden vor Ort ist nicht vorgesehen. Für die kalte Witterung haben wir unsere Kostüme extra noch um Umhänge erweitert, die wir in der Woche davor schnell noch genäht haben. Vor dem Schloss hält ein Soldat Wache und kontrolliert unsere Einladung, wir dürfen eintreten. Der Zeremonienmeister stellt uns dann Graf Wackerbarth und den wartenden Gästen vor – offensichtlich sind wir die einzigen, die Uwes Angabe, dass die Gäste zwischen 15:00 und 15:30 Uhr nach und nach eintrudeln sollen, ernst genommen haben – denn wir kommen als letzte an und werden natürlich beäugt – wie peinlich. Aber der Zeremonienmeister entschuldigt unser spätes Eintreffen mit dem schändlichen Überfall unserer Kutsche (wir haben arabische Ölscheichs und deutsche Politiker im Verdacht) und der langen Fahrt durch die Nacht. Weiter geht es mit der Kaffeetafel. Der Zeremonienmeister ruft jedes Paar einzeln nach seinem Rang auf und dieses wird dann von einem Diener an der gemeinsamen Tafel platziert – je niedriger der Rang, desto weiter entfernt vom Gastgeber sitzt man natürlich. Um 17 Uhr wird dann die Kaffeetafel aufgelöst und die Gäste verteilen sich in die, nun von Kerzenlicht erleuchteten, oberen Räume des Palais. Im Kaminzimmer lodert bereits das Brennholz und wärmt den Raum. Dort ist auch Gelegenheit, Schach oder Karten zu spielen und sich mit den anderen Gästen zu unterhalten. Ein Paar nutzt die romantische Gelegenheit und verlobt sich hier. Weiter geht es mit einem kleinen Streichkonzert barocker Musik durch die Musikschule Meißen. Um 19 Uhr beginnt dann das Diner mit einem 3-Gänge-Menü, wir sitzen wieder alle zusammen an der Tafel und das Essen wird uns serviert. Hier gibt es auch ein paar Reenactment Spielszenen und Trinksprüche werden vorgetragen. Im Anschluss wird das Schokoladenbüfett präsentiert. Die schlecht Luft durch die Wunderkerzen geben dabei leider Carola für den Moment den Rest, ihr ist schon das Hauptgericht nicht gut bekommen, so dass sie raus an die frische Luft muss – erst einmal keine Schokolade, die so sehnsüchtig erwartet wurde.

Ab 21:30 geht es dann mit dem eigentlichen Ball los. Ilka hat schon an der Tafel nicht ganz glücklich ausgesehen, jetzt wird klar – ihr geht es nicht besonders – die Stimme ist fast weg und sie wird die Ansagen am Abend reduzieren müssen. All zu viel tanzen werden wir persönlich an dem Abend dann aber nicht, nach zwei oder drei Tänzen muss Carola raus – das Hauptgericht meldet sich wieder. Später werden wir dann bei ein paar Tänzen mitmachen und etwas Menuett tanzen. Der offizielle Ballteil wird um 23:30 Uhr beendet, wir bleiben noch bis kurz vor eins und verabschieden uns dann.

Für den Sonntagmorgen ist dann als Reenactmentelement noch ein kleines Bläserkonzert vorgesehen und ein Kirchgang. Die meisten haben für diese weitere Gelegenheit, ein Kostüm zu tragen, gleich noch ein passendes zweites mit dabei. Die Kostüme der Teilnehmer am Ball waren ja ohnehin schon bereits deutlich überdurchschnittlich, aber hier zeigt sich der echte Hardcore Reenactor – ein passendes Kostüm der Zeit für jede Gelegenheit. Nun ja – Kirche, die Menschen waren in der Tat in dieser Zeit sehr gläubig, aber ein Besuch in einem normalen modernen Gottesdienst im Kostüm ist dann doch schon eher grenzwertig. Es sollten nur die in die Kirche gehen, die wirklich daran glauben und die Liturgie kennen – alles andere ist respektlos gegenüber den Gläubigen, die das ganze ja doch noch ernst nehmen. Wie sagte das Gothic-Paar, das beim Ball dabei war, beim Frühstück doch so schön: „Wenn wir in die Kirche gehen, zischt es immer so“.

Der Ball wurde mit viel Liebe zum Detail organisiert. So wurden z. B. die modernen Lampen im Palais mit Stoff verhängt und das Gebäude dann komplett mit Kerzenlicht erhellt. Dem Fotografen, der den ganzen Abend schöne Bilder schoss, bereitete das offensichtlich keine Probleme. Auch wurden Getränke in Karaffen umgefüllt und die Tische mit Obst dekoriert – Details an denen man sieht: hier ist jemand aufmerksam. Für die Gäste stand den ganzen Abend der königliche Schuhputzer Rudolf van der Meer zur Verfügung, der sich liebevoll um die Schuhe kümmerte. Das Palais ist allerdings von innen nicht allzu bezaubernd – moderne schmucklose weiße Wände und Säulen, dafür aber eine nette Treppe und ein paar Gemälde an den Wänden. Der Parkettboden ist etwas zu glatt zum Tanzen, so dass nicht allzu viel an Barocktechnik einsetzbar ist. Mit etwas über 30 Teilnehmern war es ein kleiner, fast intimer Ball, bei dem man fast mit allen im Laufe des Abends ins Gespräch kam. Insgesamt war es ein schöner Abend, auch wenn Carolas verdorbener Magen für uns das ganze etwas einschränkte – man sollte halt nichts essen was man nicht verträgt. Nächstes Jahr wird es voraussichtlich wieder einen Hofball in Zabeltitz geben, dann zu Graf Wackerbarths 350stem Geburtstag.



Tags: Playford | Tanz | Reenactment | Barock | Ball | Workshop

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