Christian Griesbeck

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Christian
Barocker Hofball in Zabeltitz 2011
10.12.2011 10:00:00

Mein Barocktanzmarathon findet für mich in diesem Jahr mit dem Barocken Hofball in Zabeltitz seinen Abschluss. Den von Uwe Müller alias Graf Wackerbarth organisierten Hofball gibt es nun schon seit einigen Jahren, auch wenn er im letzten Jahr, aufgrund der unsicheren Situation rund um das Palais in Zabeltitz, ausfallen musste. Wir sind dieses Jahr am 10. Dezember 2011 zum ersten Mal mit dabei und freuen uns auch auf die Reenactmentelemente, die hier mit einfließen. Los geht es eigentlich schon am Freitagabend mit einem kleinen Tanzkurs und geselligem Beisammensein, aber durch einen Terminkonflikt können wir leider erst in der tiefen Nacht vor Ort ankommen. Zu allem Überfluss verfahren wir uns noch auf dem Weg, ein Straßenatlas von 1993 ist halt nicht mehr allzu aktuell. Nach einer langen Fahrt und einer zu kurzen Nacht gibt es im Gästehaus Zabeltitz ab 8 Uhr ein leckeres Frühstück – sogar mit Bacon and Eggs. Ab 10 Uhr morgens gibt es dann noch mal zwei Stunden Tanzkurs mit der Tanzmeisterin des Abends – Ilka Trotte – die auch schon seit Jahren beim Sonnenball die Tanzmeisterin gibt und nun auch Historische Kostüme anfertigt (die wir an dem Abend an ihr bewundern können). All zuviel verpasst haben wir am Freitagabend nicht, denn wir wiederholen die Tänze noch einmal – alles einfache Klassiker wie „Indian Queen“ aus der Sammlung Playford (1651) und „La Matelote“ aus Feuillets Recueil de Contredances (1706). Insgesamt werden dann sieben Tänze gelernt und am Abend kommen spontan noch ein paar weitere hinzu. Wer mag, kann sie mit den entsprechenden Barockschritten tanzen, Technik wird an dem Morgen aber nicht vermittelt. Die längere Pause bis zum Nachmittag nutzen wir dann, um noch etwas Schlaf nachzuholen.

Weiter geht es nach dem Umziehen mit dem Sektempfang im Palais ab 15 Uhr. Gut, dass wir im wenige Schritte entfernten Gästehaus untergekommen sind, ein Umkleiden vor Ort ist nicht vorgesehen. Für die kalte Witterung haben wir unsere Kostüme extra noch um Umhänge erweitert, die wir in der Woche davor schnell noch genäht haben. Vor dem Schloss hält ein Soldat Wache und kontrolliert unsere Einladung, wir dürfen eintreten. Der Zeremonienmeister stellt uns dann Graf Wackerbarth und den wartenden Gästen vor – offensichtlich sind wir die einzigen, die Uwes Angabe, dass die Gäste zwischen 15:00 und 15:30 Uhr nach und nach eintrudeln sollen, ernst genommen haben – denn wir kommen als letzte an und werden natürlich beäugt – wie peinlich. Aber der Zeremonienmeister entschuldigt unser spätes Eintreffen mit dem schändlichen Überfall unserer Kutsche (wir haben arabische Ölscheichs und deutsche Politiker im Verdacht) und der langen Fahrt durch die Nacht. Weiter geht es mit der Kaffeetafel. Der Zeremonienmeister ruft jedes Paar einzeln nach seinem Rang auf und dieses wird dann von einem Diener an der gemeinsamen Tafel platziert – je niedriger der Rang, desto weiter entfernt vom Gastgeber sitzt man natürlich. Um 17 Uhr wird dann die Kaffeetafel aufgelöst und die Gäste verteilen sich in die, nun von Kerzenlicht erleuchteten, oberen Räume des Palais. Im Kaminzimmer lodert bereits das Brennholz und wärmt den Raum. Dort ist auch Gelegenheit, Schach oder Karten zu spielen und sich mit den anderen Gästen zu unterhalten. Ein Paar nutzt die romantische Gelegenheit und verlobt sich hier. Weiter geht es mit einem kleinen Streichkonzert barocker Musik durch die Musikschule Meißen. Um 19 Uhr beginnt dann das Diner mit einem 3-Gänge-Menü, wir sitzen wieder alle zusammen an der Tafel und das Essen wird uns serviert. Hier gibt es auch ein paar Reenactment Spielszenen und Trinksprüche werden vorgetragen. Im Anschluss wird das Schokoladenbüfett präsentiert. Die schlecht Luft durch die Wunderkerzen geben dabei leider Carola für den Moment den Rest, ihr ist schon das Hauptgericht nicht gut bekommen, so dass sie raus an die frische Luft muss – erst einmal keine Schokolade, die so sehnsüchtig erwartet wurde.

Ab 21:30 geht es dann mit dem eigentlichen Ball los. Ilka hat schon an der Tafel nicht ganz glücklich ausgesehen, jetzt wird klar – ihr geht es nicht besonders – die Stimme ist fast weg und sie wird die Ansagen am Abend reduzieren müssen. All zu viel tanzen werden wir persönlich an dem Abend dann aber nicht, nach zwei oder drei Tänzen muss Carola raus – das Hauptgericht meldet sich wieder. Später werden wir dann bei ein paar Tänzen mitmachen und etwas Menuett tanzen. Der offizielle Ballteil wird um 23:30 Uhr beendet, wir bleiben noch bis kurz vor eins und verabschieden uns dann.

Für den Sonntagmorgen ist dann als Reenactmentelement noch ein kleines Bläserkonzert vorgesehen und ein Kirchgang. Die meisten haben für diese weitere Gelegenheit, ein Kostüm zu tragen, gleich noch ein passendes zweites mit dabei. Die Kostüme der Teilnehmer am Ball waren ja ohnehin schon bereits deutlich überdurchschnittlich, aber hier zeigt sich der echte Hardcore Reenactor – ein passendes Kostüm der Zeit für jede Gelegenheit. Nun ja – Kirche, die Menschen waren in der Tat in dieser Zeit sehr gläubig, aber ein Besuch in einem normalen modernen Gottesdienst im Kostüm ist dann doch schon eher grenzwertig. Es sollten nur die in die Kirche gehen, die wirklich daran glauben und die Liturgie kennen – alles andere ist respektlos gegenüber den Gläubigen, die das ganze ja doch noch ernst nehmen. Wie sagte das Gothic-Paar, das beim Ball dabei war, beim Frühstück doch so schön: „Wenn wir in die Kirche gehen, zischt es immer so“.

Der Ball wurde mit viel Liebe zum Detail organisiert. So wurden z. B. die modernen Lampen im Palais mit Stoff verhängt und das Gebäude dann komplett mit Kerzenlicht erhellt. Dem Fotografen, der den ganzen Abend schöne Bilder schoss, bereitete das offensichtlich keine Probleme. Auch wurden Getränke in Karaffen umgefüllt und die Tische mit Obst dekoriert – Details an denen man sieht: hier ist jemand aufmerksam. Für die Gäste stand den ganzen Abend der königliche Schuhputzer Rudolf van der Meer zur Verfügung, der sich liebevoll um die Schuhe kümmerte. Das Palais ist allerdings von innen nicht allzu bezaubernd – moderne schmucklose weiße Wände und Säulen, dafür aber eine nette Treppe und ein paar Gemälde an den Wänden. Der Parkettboden ist etwas zu glatt zum Tanzen, so dass nicht allzu viel an Barocktechnik einsetzbar ist. Mit etwas über 30 Teilnehmern war es ein kleiner, fast intimer Ball, bei dem man fast mit allen im Laufe des Abends ins Gespräch kam. Insgesamt war es ein schöner Abend, auch wenn Carolas verdorbener Magen für uns das ganze etwas einschränkte – man sollte halt nichts essen was man nicht verträgt. Nächstes Jahr wird es voraussichtlich wieder einen Hofball in Zabeltitz geben, dann zu Graf Wackerbarths 350stem Geburtstag.




Tags: Playford | Tanz | Reenactment | Barock | Ball | Workshop