Christian Griesbeck

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Christian
Tanzworkshop und 2. Residenzball Dillenburg
29.10.2011 09:00:00

Am 29. Oktober 2011 veranstaltet die Projektgruppe Leben im 18. Jahrhundert des Museumsverein Dillenburg e.V. zusammen mit der Gesellschaft für Hessische Militär und Zivilgeschichte e.V. zum zweiten Mal einen Residenzball. Der erste Ball in diesem Jahr, zu dem wir leider nicht kommen konnten, war ein so großer Erfolg, dass gleich die Planung für einen zweiten Ball in Angriff genommen wurde. Wir sind nun diesmal mit dabei, was uns besonders freut, da wir neben dem historischen Tanzen, das wir schon länger betreiben, auch ins Reenactment einsteigen möchten. Bälle sind natürlich eine prima Gelegenheit für eine militärische Reenactmentgruppe, endlich auch die Frauen mit einzubeziehen und für eine Gruppe, die sich um die Zivildarstellung kümmert, ist das sicher ein Jahreshöhepunkt. Wir sind positiv überrascht, dass so viele junge Leute mit dabei sind und der Männer- und Frauenanteil bei diesem Event sehr ausgewogen ist. Aber erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen. Vor dem Ball beginnt es erst einmal in aller Frühe um 9 Uhr mit einem Tanzworkshop. Der Tanzmeister Frank Ditzel (AKA Freiherr vom Steinacker) vom Potsdamer Rokoko e.V. leitet durch den Tag, zeitweilig ist das für ihn sicherlich wie Flöhe hüten. Am Vormittag stehen drei Stunden mit Contratänzen französischen Ursprungs auf dem Programm, die überwiegend dem Recueil de Contredances (1706) entstammen wie „La bone Amitié“ und „La Matelote“. Neben dem Aufwärmen machen wir auch ein wenig Techniktraining (Menuett-, Bourrée- und Gavotteschritt). Nach einem Mittagsimbiss geht es noch einmal dreieinhalb Stunden weiter mit Englischen Tänzen, vornehmlich aus den Playford Bänden (1651-1728) wie „Mr. Beveridge's Maggot“, „Portsmouth“ und „Jacks Maggot“. Insgesamt hatte Frank 14 Tänze für den Ball vorgesehen, die wir aber nicht alle an diesem Tag lernen. Unter den gelernten Tänzen sind durchaus auch so komplizierte Dinge wie „Newcastle“ oder ein „Menuett Sabina“, dessen Grundschritt sicherlich für viele Einsteiger noch recht schwer ist. Für einige ist dieser Ball der Erst- oder Zweitkontakt mit historischem Tanz, dafür schlagen sich alle schon ganz wacker.

In der Umziehpause vor dem Ball dann für uns der große Schock – Carola hat ihre Poschen vergessen. Die liegen bei ihr Zuhause und warten darauf repariert zu werden, denn die Stäbe haben mittlerweile schon Löcher aus ihren Tunneln heraus gebohrt. Volkmar, der Organisator des Balls, versucht noch vergeblich kurzfristig ein paar Poschen zu besorgen, auch Kissen ziehen wir als Notersatz in Erwägung. Bei der Anprobe des Kostüms stellen wir dann fest: mit etwas hochstecken geht es zur Not auch und für uns ist der Abend gerettet. Sehr gespannt sind wir natürlich bei einer Reenactmentgruppe auch auf die anderen Kostüme. Die Herren sind ja dank ihrer Uniformen schon gut ausgestattet. Die Damenkostüme sind hingegen größtenteils ausgeliehen und durchaus noch entwicklungsfähig. Zugegeben, ein historischer Aufbau mit Chemise, Schnürbrust, Poschen (oder Taschen und Panier), Jupe, Robe, Stecker usw. ist recht aufwendig, sollte aber doch das Ziel bleiben. Nun gut, so bleiben die feschen Herren die Stars des Abends.

Der Ball wird dann gegen 19 Uhr vom Zeremonienmeister mit der Vorstellung der (historischen) Ballteilnehmer eröffnet. Da wir noch an keiner Rolle für das 18te Jahrhundert gearbeitet haben, sind wir erst einmal bei unserem bürgerlichen Namen geblieben. Und ohne Titel werden wir natürlich erst fast ganz zum Schluss aufgerufen. Ganz so streng historisch geht es an diesem Abend glücklicherweise noch nicht zu, das hätte auf unserer Seite auch noch etwas an Übung und Wissen erfordert – aber daran werden wir arbeiten. Der Zeremonienmeister leitet dann auch weiter zusammen mit dem Tanzmeister durch den Abend. Los geht es mit dem Tanzen zunächst mit einer Polonaise, dann kommt das Menuett und nach ein paar weiteren Tänzen ist es dann schon Zeit für das abendliche Büffet. Bei den diesmal nur rund 40 Teilnehmern ist es dann nicht ganz so üppig ausgefallen wie beim ersten Ball, die Wahl zwischen Fisch und Schnitzel ist für mich als Nichtfischesser einfach. Aber eine schöne umfangreiche Salatauswahl gibt es, und das ist ja fürs Tanzen eine gute Sache. In der Pause spielt sogar eine Harfenistin für uns. Weiter geht es mit dem Tanzen dann noch bis Mitternacht, wobei nicht alle bis zum Schluss dabei geblieben sind – es war ja auch ein langer Tag. Wir haben einen schönen Tag verbracht und nette Menschen kennen gelernt. Ich hoffe, die Dillenburger setzen ihre Bälle fort.




Tags: Reenactment | Barock | Ball | Workshop | Tanz | Playford