Christian Griesbeck

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Christian
Miniurlaub in Südengland 2010
31.08.2010 10:00:00

Nach dem zehntägigen Barocktanz Sommerkurs in Cardiff machen wir uns nun am Dienstag den 31.08.2010 auf die Rückreise, die wir zu einem Miniurlaub durch Südengland ausdehnen. Ist es die Entspannung nach dem Sommerkurs, oder das walisische Wetter? – ich habe jedenfalls eine aufkommende Erkältung, die mich unleidlich macht. Gut, dass ich die billigen englischen Grippetabletten eingekauft habe, die tatsächlich etwas helfen.

Der erste Halt ist in Dunster, dort gibt es eine Mittelalterburg und ein hübsches Dorf zu sehen. Wir nehmen die Gelegenheit war und erfüllen auch gleich unsere Ansichtskartenpflichten. Weiter geht es nach Lynton/Lynmouth. Während die Bremsen unseres Wagens auskühlen machen wir uns auf einen „kleinen Spaziergang“ durch das „Valley of the Rocks“ von Lynton, das oben auf dem Berg liegt, herunter zum Hafen Lynmouth, der an der Mündung des Lyn liegt. Nach einigen Stunden Fußmarsch in Serpentinen steil abwärts an der Küste kommen wir dann auch tatsächlich unten im Hafen an. Endlich das Meer, England ist ja umgeben davon und man stößt früher oder später fast zwangsläufig darauf. Es ist aber gerade Ebbe – wir klettern etwas durch die Felsen des Hafens und sammeln Muscheln. Zurück nehmen wir dann eine Abkürzung – die mit dem Gewicht von Wassertanks betriebene Cliff Railway. Wir fahren weiter nach Ilfracombe, einem etwas heruntergekommenen Seebad, wo wir in einem kleinen Hotel übernachten wollen. Nach dem Check-in gehen wir durch die Stadt, eigentlich wollten wir hier typisch Englisch mal Indisch essen gehen, finden aber nichts geeignetes, so dass wir schließlich in einem nicht allzu guten Imbiss landen.

Am Mittwochmorgen dann ein echtes englisches Frühstück im Hotel. In Barnstaple legen wir einen Zwischenhalt ein, um mich bei Sainsbury’s mit einem Nasenspray zu versorgen und auch ein leckeres indisches Fertiggerichtpaket für den Abend zu kaufen. Weiter geht es nach Boscastle, das 2004 teilweise durch eine Überschwemmung zerstört wurde und nun im neuen Glanze erstrahlt. Wir wandern durch den Hafen, der aus Felsen besteht, dann hinauf bis zum Aussichtsturm der Küstenwache, der wir freundlich zuwinken. Hier hat man den ganz weiten Blick aufs Meer hinaus. Zurück geht es wieder über Natursteinplatten hinunter in den Ort, dessen Ortskern mit seinen kleinen Häuschen im elisabethanischen Stil eine große Touristenattraktion ist. Ganz so groß ist der Ort allerdings nicht, soviel gibt es nicht zu sehen; ein paar steile Gässchen, ein paar enge Gässchen, das war’s – schön für einen Tagesausflug mit Cream Tee. Wir landen schließlich in der kleinen lokalen Jugendherberge. Sie ist nach der Überschwemmung komplett erneuert worden, einziger Wehmutstropfen Bad und WC sind nicht auf dem Zimmer, sonst sehr schön und empfehlenswert. Nach unserem mitgebrachten indischen Menu gibt es dort eine Runde Monopoly – ich gewinne natürlich.

Am Donnerstag geht es weiter ins Landesinnere (erst einmal kein Meer mehr) – ins Dartmoor. Das ist so etwas ähnliches wie die Lüneburger Heide, nur zusätzlich auch mit Steinen und abgesteckten Flecken, wo man nicht hingehen sollte – sonst bleibt man dort, falls man nicht noch rechtzeitig einen Notruf absetzen kann. Die vielen herumliegenden Steine haben die Menschen offenbar in früherer Zeit zu allerlei kreativen Schaffen angeregt – denn wir besichtigen Steinreihen, Steinkreise, Steinkreuze, Steinkästen und aus großen Steinen gebaute Klapperbrücken. Für was die Steingebilde gut waren, weiss man nicht so genau – die einen spekulieren darüber, dass sie kultischen Handlungen dienten, die anderen sehen darin einfach Reste von Viehgattern. Tiere gibt es hier jede Menge – die berühmten süßen freilaufenden Dartmoor Ponies und viele, viele Schafe. Hin und wieder fährt man über eine Tierbarriere, die dafür sorgen soll, dass sich die freilaufenden Schafe nicht über ganz England verteilen. Wir übernachten im Powder Mills Bunkhouse, genau genommen im Fahrradschuppen (Bike Shed) davon. Der hat genau diesen Charme, eine einfache Unterkunft für Anspruchslose – unser Anspruch ist dann doch zu hoch, um noch eine geplante zweite Nacht dort zu bleiben. Von der Gruppe mit Problemjugendlichen, die im Haupthaus untergebracht ist und allerlei Abenteuerbeschäftigung absolviert, erfahren wir was Abseiling ist. Wir beschließen uns auch am nächsten Tag von dieser Unterkunft abzuseilen. In der Dämmerung wandern wir dann noch durch die umliegenden romantischen Fabrikruinen der Powder Mills. Am Abend werden wir mit einem wunderbaren Himmel voller Sterne belohnt – einige Kilometer entfernt von jeder Stadt und in der klaren Luft sieht man hier ein vielfaches an Sternen.

Nach dem wir unsere Planung kurzerhand umgeschmissen haben, geht es am Freitag zurück zur Zivilisation – also Abschied von den Dartmoor Ponies. Was kann man in der Umgebung machen? Wir fahren durch die Gegend – zunächst besuchen wir ein großes Gartencenter. Es gibt da auch ein kleines Kostümmuseum, aber wir sind zu spät dran, als das es sich noch lohnen würde, dorthin zu fahren. Es geht also direkt zu unserem neuen Tagesziel Winchester, das wir leider auch erst recht spät erreichen – zunächst mal eine Unterkunft in einem B&B finden. Dann wandern wir noch durch die hübsche Altstadt und besichtigen die Kathedrale. Wir sehen alles nur von Außen, da hier die Bürgersteige schon früh hoch geklappt werden. Auch die berühmte Tafelrundenscheibe bekommen wir nicht mehr zu Gesicht, aber insgesamt ist Winchester eine Stadt, die durchaus mal einen Tagesausflug wert ist. Unser Bed and Breakfast ist auch ein Kleinod – mit geschmackvoll eingerichteten Zimmern und Gastgebern, die sich als solche verstehen. Zufällig ist gerade in einer englischen Gartenzeitschrift ein mehrseitiger Artikel über den zum viktorianischen Haus gehörenden Garten unserer Gastgeber erschienen, auf den wir mit Unterstatement hingewiesen werden.

Am Samstag geht es dann nach einem üppigen englischen Frühstück weiter nach Portsmouth, um dort die Historic Dockyards zu besichtigen. Wir kaufen uns ein Kombiticket, so dass wir hier alles besichtigen können. Los geht es mit der wiederhergestellten HMS Warrior 1860, die als erstes Eisenschiff mit Dampf- und Segelantrieb schon ein vergleichsweise modernes und geräumiges Kriegsschiff ist. Weiter geht es mit einer im Preis enthaltenen Hafenrundfahrt, bei der man auch die im Hafen liegenden modernen englischen Kriegsschiffe sieht. Überhaupt scheint das englische Verhältnis zum Militär ein deutlich anderes zu sein als in Deutschland. Nach dem Wellenritt besichtigen wir das alte Mary Rose Museum. Das 1545 gesunkene Kriegsschiff von Heinrich VIII. ist ein bedeutender archäologischer Fund, für das zur Zeit ein komplett neues Museum gebaut wird. Die jetzige Ausstellung ist o.k., die neue wird sicherlich sensationell. Ich hatte natürlich auf die Ausstellung der gefundenen Kleidungsfunde aus der Renaissance gehofft, aber leider Fehlanzeige. Zum Schluss besichtigen wir das Prachtstück der Dockyards, die HMS Victory von 1765 – das Schiff, auf dem Lord Nelson 1805 die Trafalgarschlacht geführt hat. Im Gegensatz zu dem 100 Jahre jüngerem Schiff am Anfang unsere Besichtigung ist hier alles eng und dunkel, kaum vorzustellen, dass hier 850 Mann ihren Dienst taten. Für das Marinemuseum ist dann zum Schluss allerdings keine Zeit und Luft mehr, in den Historic Dockyards kann man bequem einen kompletten Tag verbringen. Zurück geht es auf der endlosen Küstenstraße durch einige Seebäder nach Dover. Dort wartet unsere Fähre nach Dunkerque bereits und unsere Rückreise beginnt. Zurück in Deutschland hilft uns dann noch der freundliche Mann vom ADAC – der Klassiker – das Licht auf dem Autobahnparkplatz brennen lassen und eingeschlafen, nach einer Starthilfe kommen wir dann doch noch gut nach Hause.




Tags: Leben