Christian Griesbeck

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Christian
Abschlussball des Barocktanz Workshops mit Niels Badenhop 2011
18.04.2011 19:30:00

Der öffentliche „Abschlussball“ steht am Ende jedes Barocktanzworkshops in der Musikhochschule – hier wird vor einem zahlenden Publikum (diesmal ca. 40) präsentiert, was die Studenten in den letzten Tagen im Schweiße ihres Angesichts gelernt haben. Und in der Tat im Schweiße ihres Angesichts – denn dieser Workshop war für die meisten mit rund 18 Stunden Tanztraining an einem Wochenende sicher eine sehr intensive Erfahrung. Als Musiker benutzen sie sonst ihre Arme, ihren Oberkörper, die Beine treten höchstens Pedale. Nun waren die Beine der Hauptdarsteller und die vier gelernten Tänze recht anspruchsvoll – für die Beine und für den Kopf. Wobei alle Tänze vom Kursleiter Niels Badenhop durchgehend angesagt und mitgetanzt wurden, so dass jeder gut aufgehoben war. Wer mochte, konnte sogar noch die Arme benutzen, was aber manchmal angesichts des Tempos auch für mich eine Herausforderung war.

Jeder dieser „Abschlussbälle“ war bislang anders – diesmal mimte Niels den Tanzmeister, der mit seinen Zöglingen für die Ballettoper „L’Europe Galante“ von André Campra übte. Die HIP (Historische Interpretationspraxis) Abteilung der Musikhochschule hatte sich unter Michael Schneider diesmal für den Abend sehr ins Zeug gelegt und mit acht Musikern eine recht große Besetzung auf historischen Instrumenten zur Verfügung gestellt. Der Abend begann mit Ballettübungen zur Chaconne, bei denen dem Publikum auch die barocke Armtechnik präsentiert wurde. Vor jedem Tanz führte Niels in die jeweiligen Schritte ein, als Wiederholung für die Tänzer und als Präsentation für das Publikum. Zum Menuett gab es den Contredance „Le Menuett de la Reine“. Niels tanzte danach ein Solo zum Air I (Courante) und drei Gruppen mit je zwei Paaren tanzten zum Air II eine von ihm choreographierte Gavotte. Die größte rhythmische Herausforderung des Abends war sicherlich die Sarabande, zu der ein Teil der „Sarabande pour une femme“ (Feuillet 1704) modifiziert für Solopaare getanzt wurde. Es folgte ein weiteres Solo von Niels zum Passepied und eine weitere Gruppe, die mit dem noch atemlosen Niels nochmals die Sarabande tanzte. Zum Abschluss des Abends tanzten alle zum Rigaudon einen Teil aus „La Savoye“ (Feuillet 1709) – das Stück, mit dem unser diesjähriger Workshop begann.

Wie jedes Jahr endete der Abend beim Italiener gegenüber und wie jedes Jahr ist es schade, dass nun der Workshop endgültig vorbei ist. Was wäre alles möglich, wenn es in der Musikhochschule regelmäßigen Unterricht in historischem Tanz gäbe? Einige Operninszenierungen setzen ja hin und wieder auf historische Aufführungspraxis, wie zuletzt in Mannheim mit „Radamisto“. Auf alle Fälle hatte das, was an diesem Abend gezeigt wurde, mehr mit Barocktanz zu tun als was manche Seniorentanzgruppe dafür ausgibt.




Tags: Tanz | Auftritt | Barock