Christian Griesbeck

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Start Blog Christian Konzert des HR-Symphonieorchesters in der Alten Oper Aprill 2011
Christian
Konzert des HR-Symphonieorchesters in der Alten Oper Aprill 2011
15.04.2011 20:00:00

Nachdem das letzte Konzert für uns ausgefallen war, stand heute mal wieder nach langer Zeit ein Besuch in der Alten Oper an. Auf dem Programm des hr-Sinfonieorchesters stand Tubins erster Satz der 11. Sinfonie, Elgars Cellokonzert und Nielsens 5. Sinfonie. Wir waren auf das Einführungsgespräch mit dem Dirigenten Paavo Järvi gespannt, denn Carola hat zum ersten mal zwei der Beiträge zu den Stücken im Programmheft geschrieben. Järvi kannte den estnischen Komponisten Tubin noch persönlich – würde das, was Carola über das fast völlig unbekannte Stück und den Komponisten geschrieben hat, mit dem übereinstimmen, was er erzählte? Bingo! Arte hat den Abend mal wieder als Live Webcast ins Internet übertragen und uns im Publikum dabei sogar mit abgelichtet.

Die Stücke des Abends könnten unter dem berühmten Monty Python Motto „and now for something completely different“ gestanden haben. Der estnische Komponist Eduard Tubin ist bei uns weitgehend unbekannt, auch wenn er zu den großen Sinfonikern des 20sten Jahrhunderts zählen kann. Sein letztes Stück, der unvollendet gebliebene erste Satz seiner 11. Sinfonie, dessen letzte 72 Takte dann von Kaljo Raid fertig orchestriert wurden, wäre vielleicht der Anfang einer neue Schaffensperiode geworden. Als Musik könnte das rund neunminütige Stück aber auch gut in einem Film vorkommen. Die Form, eine Verknüpfung von Sonatensatz und Rondoform, ist für den ersten Satz einer Sinfonie hingegen ungewöhnlich.
Das Cellokonzert von Edward Elgar klingt weder wie ein typisches Stück von ihn, noch wie ein typisches Stück eines Engländers. Der Norwegische Cellist Truls Mørk ist nach einer langen Krankheit wieder voll im Geschäft und mit diesem etwas melancholischen Konzert zum wiederholten Male in Frankfurt. Auch in diesem Stück ist der Aufbau mit vier Sätzen ungewöhnlich für ein Konzert, auch wenn der zweite Satz ohne Pause direkt an den Kopfsatz angehängt ist. Und auch dieses Stück ist in gewisser Weise ein Spätwerk, denn es ist ein Teil von Elgars letzter Schaffensperiode.
Das ungewöhnlichste Stück des Abends ist sicherlich die 5. Sinfonie von Carl Nielsen. Auch hier ist der Aufbau mit zwei Sätzen wieder genreuntypisch und die Sätze haben wiederum ein ganz eigene Binnenstruktur. Das Markanteste an dieser Sinfonie ist die kleine Trommel, die nach Dominanz strebt und schließlich versucht die Musik zu zerstören – noch gelingt es ihr nicht. Dieses Stück ist wiederum sehr anders, als was Nielsen sonst geschrieben hat, oder ein anderer Komponist in dieser Zeit. Auch diese Sinfonie ist somit in gewisser Weise ein vorgezogenes Spätwerk – das Thema dieses Abends.




Tags: Zuschauer | Konzert