Christian Griesbeck

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Christian
Jubiläumsball 10 Jahre Danse Royale
09.04.2011 18:00:00

Nach dem für uns ausgefallenen Event im Februar geht nun die Saison endlich los. Das „Ensemble Danse Royale“ feiert mit einem Ball „Tanz durch die Jahrhunderte“ sein 10jähriges Bestehen. Eigentlich hat das Ensemble seinen Sitz in Ketsch, aber das „Palais Hirsch“ in Schwetzingen ist ein deutlich repräsentativerer Ort – auch wenn es innen leider modern eingerichtet ist. Das eigentliche Highlight des Tages ist für uns allerdings der Besuch des Schlossparks in Schwetzingen vor dem Ball – wir haben uns schon früher umgezogen und besuchen den Park im Kostüm zusammen mit Ulla als kundige Fremdenführerin. Einen so gigantischen Barockpark hatten wir allerdings nicht erwartet – er ist wirklich sehenswert und man darf gespannt sein, ob der Aufnahmeantrag in das Weltkulturerbe erfolgreich sein wird.

Das Palais Hirsch ist liebevoll mit lebensgroßen Puppen in historischer Kleidung geschmückt. Der Ball beginnt dann um 18 Uhr mit einem Sekt und einer Pavane für alle. Schon bei der Ansage der Schritte wird deutlich, dass die vorrangegangene Erkrankung an den Kräften der Gruppenleiterin Johanna gezehrt hat. Nach einem Blumensträußchen zum Jubiläum geht der Ball leider ohne sie weiter. Eigentlich hatten wir an den fünf Stunden des Abends viele Mitmachtänze und viele Vorführtänze erwartet. Aber sowohl die angeleiteten Tänze halten sich in Grenzen, wie auch die vorgeführten Tänze, genau so wie die Lautstärke der Musikanlage. Immerhin beim letzten Tanz wird dann der Schalter gefunden, der für volle Lautstärke sorgt. An Mitmachtänzen hätte man deutlich mehr machen können – es gibt wirklich genug einfache englische Tänze, die man kundigen Mittänzern in ein paar Minuten beibringen kann. Bei den vorgeführten Tänze hatte die gastgebende Gruppe durch die Erkrankung der Gruppenleiterin nur einen „Playford“, einen Contredance und den abschließenden Ländler zu bieten.

Hätte uns rechtzeitig ein Hilferuf ereilt, hätten wir mehr Tänze mit dabei gehabt. Eigentlich hatten wir ja viele andere Gruppen aus der Umgebung erwartet – es gibt da einige. Aber neben 8 Leuten aus dem HTK-Bensheim hatte nur eine weitere Gruppe mit einem Programmbeitrag den Weg nach Schwetzingen gefunden. Und das war eine Gruppe der besonderen – um nicht zu sagen anderen – Art (inklusive der unvermeidlichen wasserstoffblonden Polyesterperücken). Sichtlich gelangweilt verfolgten sie den Abend – denn eigentlich hatten sie etwas anderes erwartet – was genau anderes sie unter einem Ball einer historischen Tanzgruppe erwartet hatten, erschloss sich uns allerdings nicht. Dann führte uns die Leiterin dieser seltsamen Gruppe ernsthaft in die „Fächersprache“ ein! Wie wir wissen, ist die „Fächersprache“ ein Werbegag einer Fächerfirma aus dem 19ten Jahrhundert – leider wusste das die Dame auch nach einem Jahrzehnt Leitung einer „historischen Gruppe“ offensichtlich nicht – und ich verkniff mir, sie vor ihren Leuten aufzuklären. Die Gruppe führte drei Tänze vor. Eine Bourrée – die angekündigten Schwäne waren allerdings eher Enten. Hätte die Gruppe halbwegs Historische Kostüme, würde sie schnell merken, dass derartiges albernes Armgeschaufel im Barock technisch nicht möglich war. Ein „Menuet à quatre“ und „La Bacante“ – etwas mehr Schritttechnik hätte auch hier nicht geschadet.

Unser kurzer Auftritt mit den HTK Bensheim war durchwachsen. Der erste Tanz – Gallinis „La Graziosetta“ verlief prima. Auch Mozarts „Figaro“, mit einer Choreographie aus Ingos Rokoko-Zuckerbäckerwerkstatt, machte keine Probleme. Damit wäre unser Programm eigentlich beendet gewesen – aber da es an dem Abend ohnehin zuwenig Beiträge gab, sollten wir noch einen dritten Tanz vorführen – dummerweise haben wir den nicht noch einmal geprobt und es kam wie es kommen musste. Der „Mozart-Contre“, wieder mit einer modernen Choreographie von Ingo, lief schief. Mal abgesehen davon, dass in dem Tanz nur ohne Barockschritte durch die Gegend gelaufen wird. Ich frage mich immer wieder, wozu das eigentlich getanzt wird – es gibt genug erhaltene Originalchoreographien, halt keine zu Mozart. Neben verbaselten Hecken, vergessenen Progressionen, stürzte zu allem Überfluss auch noch eine Mittänzerin auf dem glatten Boden – nun was auch immer passierte – wir tanzten bis die Musik zuende war. Auch hier gab es sogar Applaus.

Für den abschließenden Empire-Teil hatten sich einige extra umgezogen. Viel Programm gab es allerdings nicht mehr, noch was zum Mitmachen und ein Ländler, den das Ensemble Danse Royale zunächst aufführte und der dann für alle erklärt wurde. Das Beste an dem Abend waren sicherlich die beiden leckeren Büffets – hier hatte sich die Gruppe wirklich ins Zeug geschmissen, und natürlich der schon oben erwähnte Schwetzinger Schlosspark. Vielleicht sollte ich eine Notfall CD mit Mitmachtänzen anlegen und sicher hätten wir ein Solostück mitbringen können. Schön wäre es natürlich, bei Bällen vorher den Tanzablauf zu kennen – hier könnte man von den Bällen der Schottentänzer lernen. Als erster Ball für uns in diesem Jahr war es o.k., aber noch ausbaufähig. Mit Rücksicht auf die erkrankte Gruppenleiterin war es sicher schon eine organisatorische Leistung, den Ball überhaupt ohne sie stattfinden zu lassen.




Tags: Tanz | Ball | Auftritt | Renaissance | Barock | Empire