Christian Griesbeck

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Christian
Auftritt beim Kleingartenverein 1961 Rohrwiese e.V.
05.07.2009 13:30:00

Nicht jeder Auftritt verläuft so glorreich wie man das sich wünscht, und dies ist einer der weniger glorreichen. Alles fing damit an, dass Viola für das Fest anlässlich des 40sten Jubiläums der Anlage Grumbach des Schwalbacher Kleingartenvereins 1961 Rohrwiese e.V. nach Programmpunkten suchte. Sie hat sich einen Auftritt mit Renaissancetänzen gewünscht und da sie ein beliebtes Mitglied im HTK Schwalbach ist, waren natürlich viele gern bereit, ihr zu helfen. Irmgard selbst war zu dem Auftrittstermin verhindert, so dass mir die unrühmliche Aufgabe zufiel, an diesem Termin verantwortlich zu sein – dummerweise war ich es nicht für die Vorbereitung. Gegen meinen Rat („Die wollen eh nur die Kostüme anschauen, mit viel Tanz langweilt man dort nur alle“) wurde ein langes Showprogramm mit 8 Tänzen einstudiert, Viola wollte es so und es war ihre Show.

Dann kam die gute Nachricht: der Kleingärtnerverein hat tatsächlich eine Art Bühne aufgebaut. Die schlechte Nachricht sahen wir vor Ort: sie ist kleiner als versprochen und wird zudem zum Teil vom Zelt des Alleinunterhalters blockiert – die effektive Tanzfläche ist für vier Paaren sehr eng. Wir diskutieren, ob wir nicht lieber auf der abschüssigen Wiese nebenan tanzen, aber das wäre vermutlich noch schlechter gewesen, also – ganz ganz kleine Schritte machen. Vor dem Auftritt meinte Edith, ich müsse unbedingt noch einen neuen Schleier an Violas Kopfbedeckung annähen, weil ich ja so gut nähen kann – ich hab ja auch nichts besseres zu tun, nun gut. Zum Umziehen habe ich dann nicht genügend Zeit, geschweige denn um noch mal auf meinen Zettel zu schauen, mit der von mir geschriebenen Kurzanleitung von allen Tänzen. Das Verhängnis nimmt unaufhaltsam seinen Lauf.

Alles begann mit der „Pavane Ferrarese“; die Bühne reichte nicht, um den Bogen zu bekommen, dumm wenn man vorher nicht proben kann – Neustart. „Anello“ ist putzig und klein – er war der beste Tanz des Mittags. Ja Mittags, die Sonne brütet und das Publikum wartet darauf, dass nach unserer Vorstellung endlich die Tombola eröffnet wird. Ich springe zwischen Ansagen (das mich zunehmend nervös macht) und Tanzen hin und her und frage Viola, ob wir nicht lieber auf die Ansagen verzichten sollen, nein sie will sie unbedingt haben. Bei „Indian Queen“ wird klar, dass die ersten Erinnerungsausfälle bei ein Teilnehmern einsetzen – wir hätten an dem Vormittag der Aufführung noch mal üben sollen, alles läuft schiefer und schiefer. „Rufty Tufty“ tanzen wir auf der kleinen Tanzfläche mit zwei Sets um 90 Grad gedreht, nun klappt das mit dem Abschauen auch nicht mehr. Und schon wieder ein Longway: „Black Nag“ zwar nur für drei Paare, aber wohin soll man sich auf der Tanzfläche beim „lead up“ oder bei den „slips“ bewegen? Das Round von „Gathering Peascods” wird ein Oval, wie ging der Tanz noch mal, bin ich Frau oder Mann, und wie soll ich mich in dem Minikreis bewegen? Den nächsten Longway „Prince George’s Birthday“ müssen wir abbrechen, er wird mit „Indian Queen“ vermischt, wir sind neben der Musik, weil Teile vergessen werden – Chaos! Statt aufzuräumen und weiterzutanzen, bleiben einige einfach stehen und fangen an zu diskutieren! Autsch! Noch mal. Nikolaus, Violas Mann, der die Musik steuert, fragt ob wir nicht Schluss machen sollten? – Nein den letzten Tanz stehen wir auch noch durch. „Sellenger`s Round“, wieder ein Oval, läuft halbwegs rund und versöhnt uns noch ein bisschen mit dem Auftritt.

Immerhin, bei dem Auftritt sind mir ein paar Dinge klar geworden. 1. Ein wichtiges Element im Training ist: „Desaster Dancing“ – zu lernen mit Fehlern umzugehen und sie so schnell wie möglich aufzuräumen. Und vor allem weiterzutanzen und nicht mitten in einem Auftritt anzufangen zu diskutieren. Das ist etwas, was man beim SCD gut lernt. Läuft eine Figur schief, gehe da hin wo du die nächste beginnst. 2. Eine geteilte Verantwortung ist keine Verantwortung – sollst du für den reibungslosen Ablauf eines Auftritts gerade stehen, muss in deiner Verantwortung mindestens auch die Generalprobe mit allen Beteiligten liegen. Zu viele Köche verderben hier den Brei. 3. Wenn du mit Leuten eine Aufführung machst, die sich die Tänze nicht gut merken können, brauchst du eine Probe kurz vor der Aufführung. Alles andere ist ein extrem hohes Risiko. 4. Kein Auftritt ohne Proben mit den richtigen Maßen der Bühne. Besser ist es natürlich, vorher auf der Bühne proben zu können. 5. Beim historischen Tanz geht es in erster Linie um den Tanz und nicht um das Verkleiden. Keine Kostümproben und Nähereien direkt vor dem Auftritt. Die Kostüme müssen rechtzeitig vorher fertig sein, jeder muss sich auf den Tanz fokussieren und soll sich nicht mit Kleidungsgeschichten kurz vor dem Auftritt ablenken. 6. Das alles ist nicht das Level auf dem ich tanzen will, ich will besseres Training für bessere Leute, die wirklich weiter kommen wollen und als Ziel historisch akkurates Tanzen haben.




Tags: Tanz | Auftritt | Renaissance | Playford