Christian Griesbeck

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Christian
Fluch der Karibik 4 in 3D
07.06.2011 17:30:00

Glücklicherweise habe ich die Kritiken gelesen bevor ich in den Film gegangen bin. In der Tat – man muss diesen Film in 3D sehen, sonst wäre er noch viel langweiliger! Eigentlich fand ich die fliegenden Haribos in der Werbung vor dem Film am Besten. Sicher es ist das Gesetz der Serie, dass Fortsetzungsfilme meist nicht so gut sind wie die Vorgänger. Wobei man sich natürlich darüber streiten könnte, welche Folge nun die schlechteste war – die beste war jedenfalls für mich ganz klar der erste Teil. Hier im vierten Teil wurde über weite Strecken eine vordergründige 3D Achterbahnfahrt inszeniert – Hauptsache es ragt/fliegt mal wieder etwas ins Publikum. Ist ja auch recht kurzweilig, aber es ist der gleiche Fehler, der dazu geführt hat, dass 3D immer auch wieder schnell aus den Kinos verschwand. Nun, der Film ist ein Kassenschlager, wieder mal mit dem besten Einspielergebnis in der ersten Woche. Die Kinos freut es, auch der 5. Teil ist schon in Arbeit, Hauptsache der Rubel rollt wie die Haribos am Anfang. Seichte Sommerunterhaltung, aber wer hätte schon mehr von einem Blockbuster erwartet?



Tags: Film

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Christian
Workshop mit Ingo Günter in Bensheim 2011
27.05.2011 19:30:00

Alle zwei bis drei Jahre veranstaltet der HTK Bensheim einen internen Workshop mit Ingo Günter, um neue Tänze zu lernen oder an alten Tänzen zu feilen. Wie vor zwei Jahren war das gewünschte Thema, am verlängerten Wochenende vom 27.-29.5.2011, auch diesmal wieder „Biedermeier“. Auf dem Programm stand: ein „Tschaikowsky-Walzer“ (ohne Quellenangabe, Ch: Taubert?), ein „Waltz Countrydance“ (ohne Quellenangabe, England, 1825, Musik: CM v. Weber, Rek. Taubert), eine Mazurka (ohne Quellenangabe, Musik: Chopin, Rek.: Taubert, Bearb.: Günther) und eine „Douze“ (Ch.: Roller 1811, Rek.: Taubert, Neufassung: Günther). Ich weiss nicht woran es liegt, ist es das Thema oder Ingo, oder die Kombination aus beiden – auch von diesem Workshop war ich nicht beeindruckt. Didaktisch war vieles schlecht vermittelt; auch deutlich mehr an sauber historisch fundierter Technik wäre von Nöten gewesen – stattdessen blieb alles recht beliebig. Vielleicht ist das 19te Jahrhundert einfach nicht seine Zeit und er reproduziert da nur, was er noch von Karl Heinz Taubert gelernt hat. In einem Workshop, der sich nicht an blutige Anfänger richtet, sondern an Leute, die zum Teil schon seit 20 Jahren gemeinsam historischen Tanz machen, erwarte ich einfach deutlich mehr. Aber Ingo hat viele Fans in Bensheim, die das alles sicher anders sehen. Da ich ohnehin seit Montag Rückenschmerzen hatte, habe ich dann auch auf den letzten Tag mit gerade mal zwei Stunden verzichtet – der Weg lohnte sich für mich einfach nicht. Schade finde ich es immer wieder, dass wir uns aufgrund der langen Fahrtzeit oft schon vor dem geselligen Teil ausklinken müssen. So fiel für mich das Gläschen Wein genau so aus wie das Grillen.



Tags: Tanz | Workshop | Empire | Biedermeier

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Christian
Tanztag und Social mit Kontratänzen in Sindlingen 2011
14.05.2011 10:00:00

Wenn ein Ereignis bereits zum dritten Mal stattfindet, kann man fast von einer Tradition sprechen. Und am 14. Mai 2011 ist dies nun schon der dritte Tanztag in Sindlingen, an dem Ulrike englische und amerikanische Kontratänze von Playford bis Heute unterrichtet. Die Beteilung ist mit 18 Tänzern plus Ulrike und unseren beiden bereits bewährten Musikern etwas geringer als in den Vorjahren. An dem Tag gibt es wohl einige Terminkollisionen der „Schotten“, aber man muss sich ja schließlich für einen Tag festlegen – immerhin bis aus Karlsruhe kommen die Teilnehmer. Die Kontratänze sind wieder ein bunter Mix aus verschiedenen Raum- und Stilformen, bis zum Ende des Tages haben wir dann rund 20 verschiedene Tanze in den Beinen. Mein neues Empirekostüm ist noch nicht fertig, so ist Dave diesmal der einzige Mr. Darcy des Abends. Aber beim Social haben neben Carola noch die beiden Karlsruherinnen Empirekleider an, so dass sich schon etwas Flair der Jane Austen Zeit einstellt.



Tags: Tanz | Workshop | Ball | Playford

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Christian
Miroque Edition – Historische Tänze aus Mittelalter, Renaissance und Barock
25.04.2011 14:00:00

Die Zeitschrift Miroque hat ihr erstes Sonderheft herausgebracht – Thema ist „Historischer Tanz“ – das musste ich natürlich haben. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift, deren Untertitel „Lebendige Geschichte“ ist, ging ursprünglich hervor aus einer Reihe von CD-Samplern mit „Mittelalter“ und „Gothic“-Musik. Das Editional des Sonderhefts zeigt sich verwundert darüber, dass es so wenig Bücher und praktische Tanzanleitungen für den Historischen Tanz gibt – und will hier Abhilfe schaffen.

Los geht es mit dem Tanz in der Antike. Antike? Es ist mir neu, dass da rekonstruierbare Tänze oder Musik erhalten sind. Aber die Autorin Susanne Rühlig M.A. vermeidet dezent jede klare Aussage dazu – wäre ja auch zu blöd, wenn man zugeben muss, dass das, was man als Römermusikcombo produziert, zum großen Teil ein Phantasieprodukt ist.
Sehr gut finde ich hingegen den Artikel zum „Tanzen im Mittelalter“. Der Autor „Chnutz vom Hopfen“ sagt gleich klar, dass es erst aus der italienischen Renaissance Quellen mit Tanzbeschreibungen gibt. Er nähert sich dem Mittelaltertanz dann doch über die Musik und Abbildungen an. Sehr schön ist die Liste mit Tänzen, die auf „Mittelalterevents“ auftauchen, aber dort nicht hin gehören, weil sie viel später erfunden wurden.
Dummerweise ist der Artikel über den Tanz in der Renaissance der Professorin Dr. Ingrid Engel einfach misslungen. Hier hätte ich wesentlich mehr erwartet, insbesondere der Unterschied zwischen Tänzen aus dem 15ten und 16ten Jahrhundert wird nicht herausgearbeitet. Stattdessen enthält der Beitrag eine Ansammlung von Tanznamen und eine Aufzählung von zum Teil falsch datierten Büchern bis ins Barock. Einen Eindruck des Renaissancetanzes gewinnt man hier leider nicht. Zudem gibt sie für ihre drei Choreographien keine Quellen an.
Gut gefallen hat mir überraschenderweise hingegen der Artikel über den Barocktanz von Peter Hoffman. Nur leider gibt es dann als Choreographie für einen „Barocktanz“ nur einen Playford, die „Indian Queen“ – schade, auch diese Chance verpasst.
Auch der Artikel über „Altenglische Country Dances“ von Roswitha Busch-Hofer ist gut, auch wenn mich das „Alt“ immer stört. An den Tänzen stören mich bei „Sellengers Round“ die modernen Zugaben, und ob „Black Nagg“ aus der kurzen Beschreibung zu tanzen ist, finde ich fraglich.

Das waren dann schon die 30 Seiten des 100 Seiten zählenden Hefts, die sich tatsächlich mit dem Kern des historischen Tanzes beschäftigen. Gut – 5 Seiten kommen noch für das Cover, Editional und die Inhaltsbeschreibung der beigefügten CD hinzu. Die CD enthält als Sampler übrigens 16 Tracks. An echten erhaltenen historischen Tänze darauf, für die auch vorne die passenden historischen Tanzbeschreibungen abgedruckt sind, finden sich dann dabei immerhin die drei oben erwähnten Playfordtänze – alles Aufnahmen, die vermutlich ohnehin jeder Interessierte hat.

Ansonsten erfahren wir auf den weiteren Seiten neben Werbung etwas zum „Bal Folk“, „Scottish Country Dance“, „Orientalischer Tanz und Tribal“, „Afrikanischer Tanz“, „Schamanen und Reigentänze“, „Chinesischer Volkstanz“, „Square Dance“, „Irischer Tanz“, „Kasatschok“, „Schwerttanz“, dem „Volkstanz in und um Deutschland“, „Tanz der Derwische“, „Flamenco“, „Capoeira“, zur „Geschichte des Balles“ (leider nichts für Reenactment relevantes), zu „Tanzwut, Veitstanz“, „Tanz in den Mai“, „Totentänze“. Die Breite zeigt – hier sollen möglichst alle bedient werden, die dieses Heft kaufen könnten, leider kommen dabei alle zu kurz. Für die eigentliche Zielgruppe sind meiner Meinung nach hiervon höchstens die Artikel „Tanzwut“ und „Totentänze“ wirklich relevant.

Es folgen vier Seiten Veranstaltungshinweise, zwei Seiten Tanzschulen, 10 halbseitige Portraits von Tanzgruppen, eine Seite mit Musik und Sachbüchern (die zufälligerweise alle im Shop zu erwerben sind). Alles dabei eine nicht repräsentative Auswahl, die leider keinen Überblick verschafft. Auch die zweiseitige Spiel- und Bastelecke für Kinder zum Schluss haut es nicht mehr raus.

Insgesamt sind das große Manko des Heftes die zu kurzen Tanzbeschreibungen – es wendet sich ja schließlich an Anfänger. Und jeder Autor verwendet für seine Choreographien eine andere Notation – ohne dass diese irgendwo erklärt wäre – das ist so einfach murks! Eine bessere Auswahl von repräsentativen Tänzen durch die Jahrhunderte mit guten Tanzbeschreibungen und einem einheitlichen Notationssystem wäre wünschenswert gewesen. Die Autoren arbeiten zudem unkoordiniert voneinander und erzählen so vieles mehrfach. Hier ist eine große Chance verpasst worden, und stattdessen wurde nur ein Heft mit viel Füllmaterial erzeugt – schade, schade.



Tags: Tanz | Bücher | Mittelalter | Renaissance | Barock

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Christian
Abschlussball des Barocktanz Workshops mit Niels Badenhop 2011
18.04.2011 19:30:00

Der öffentliche „Abschlussball“ steht am Ende jedes Barocktanzworkshops in der Musikhochschule – hier wird vor einem zahlenden Publikum (diesmal ca. 40) präsentiert, was die Studenten in den letzten Tagen im Schweiße ihres Angesichts gelernt haben. Und in der Tat im Schweiße ihres Angesichts – denn dieser Workshop war für die meisten mit rund 18 Stunden Tanztraining an einem Wochenende sicher eine sehr intensive Erfahrung. Als Musiker benutzen sie sonst ihre Arme, ihren Oberkörper, die Beine treten höchstens Pedale. Nun waren die Beine der Hauptdarsteller und die vier gelernten Tänze recht anspruchsvoll – für die Beine und für den Kopf. Wobei alle Tänze vom Kursleiter Niels Badenhop durchgehend angesagt und mitgetanzt wurden, so dass jeder gut aufgehoben war. Wer mochte, konnte sogar noch die Arme benutzen, was aber manchmal angesichts des Tempos auch für mich eine Herausforderung war.

Jeder dieser „Abschlussbälle“ war bislang anders – diesmal mimte Niels den Tanzmeister, der mit seinen Zöglingen für die Ballettoper „L’Europe Galante“ von André Campra übte. Die HIP (Historische Interpretationspraxis) Abteilung der Musikhochschule hatte sich unter Michael Schneider diesmal für den Abend sehr ins Zeug gelegt und mit acht Musikern eine recht große Besetzung auf historischen Instrumenten zur Verfügung gestellt. Der Abend begann mit Ballettübungen zur Chaconne, bei denen dem Publikum auch die barocke Armtechnik präsentiert wurde. Vor jedem Tanz führte Niels in die jeweiligen Schritte ein, als Wiederholung für die Tänzer und als Präsentation für das Publikum. Zum Menuett gab es den Contredance „Le Menuett de la Reine“. Niels tanzte danach ein Solo zum Air I (Courante) und drei Gruppen mit je zwei Paaren tanzten zum Air II eine von ihm choreographierte Gavotte. Die größte rhythmische Herausforderung des Abends war sicherlich die Sarabande, zu der ein Teil der „Sarabande pour une femme“ (Feuillet 1704) modifiziert für Solopaare getanzt wurde. Es folgte ein weiteres Solo von Niels zum Passepied und eine weitere Gruppe, die mit dem noch atemlosen Niels nochmals die Sarabande tanzte. Zum Abschluss des Abends tanzten alle zum Rigaudon einen Teil aus „La Savoye“ (Feuillet 1709) – das Stück, mit dem unser diesjähriger Workshop begann.

Wie jedes Jahr endete der Abend beim Italiener gegenüber und wie jedes Jahr ist es schade, dass nun der Workshop endgültig vorbei ist. Was wäre alles möglich, wenn es in der Musikhochschule regelmäßigen Unterricht in historischem Tanz gäbe? Einige Operninszenierungen setzen ja hin und wieder auf historische Aufführungspraxis, wie zuletzt in Mannheim mit „Radamisto“. Auf alle Fälle hatte das, was an diesem Abend gezeigt wurde, mehr mit Barocktanz zu tun als was manche Seniorentanzgruppe dafür ausgibt.



Tags: Tanz | Auftritt | Barock

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Christian
Konzert des HR-Symphonieorchesters in der Alten Oper Aprill 2011
15.04.2011 20:00:00

Nachdem das letzte Konzert für uns ausgefallen war, stand heute mal wieder nach langer Zeit ein Besuch in der Alten Oper an. Auf dem Programm des hr-Sinfonieorchesters stand Tubins erster Satz der 11. Sinfonie, Elgars Cellokonzert und Nielsens 5. Sinfonie. Wir waren auf das Einführungsgespräch mit dem Dirigenten Paavo Järvi gespannt, denn Carola hat zum ersten mal zwei der Beiträge zu den Stücken im Programmheft geschrieben. Järvi kannte den estnischen Komponisten Tubin noch persönlich – würde das, was Carola über das fast völlig unbekannte Stück und den Komponisten geschrieben hat, mit dem übereinstimmen, was er erzählte? Bingo! Arte hat den Abend mal wieder als Live Webcast ins Internet übertragen und uns im Publikum dabei sogar mit abgelichtet.

Die Stücke des Abends könnten unter dem berühmten Monty Python Motto „and now for something completely different“ gestanden haben. Der estnische Komponist Eduard Tubin ist bei uns weitgehend unbekannt, auch wenn er zu den großen Sinfonikern des 20sten Jahrhunderts zählen kann. Sein letztes Stück, der unvollendet gebliebene erste Satz seiner 11. Sinfonie, dessen letzte 72 Takte dann von Kaljo Raid fertig orchestriert wurden, wäre vielleicht der Anfang einer neue Schaffensperiode geworden. Als Musik könnte das rund neunminütige Stück aber auch gut in einem Film vorkommen. Die Form, eine Verknüpfung von Sonatensatz und Rondoform, ist für den ersten Satz einer Sinfonie hingegen ungewöhnlich.
Das Cellokonzert von Edward Elgar klingt weder wie ein typisches Stück von ihn, noch wie ein typisches Stück eines Engländers. Der Norwegische Cellist Truls Mørk ist nach einer langen Krankheit wieder voll im Geschäft und mit diesem etwas melancholischen Konzert zum wiederholten Male in Frankfurt. Auch in diesem Stück ist der Aufbau mit vier Sätzen ungewöhnlich für ein Konzert, auch wenn der zweite Satz ohne Pause direkt an den Kopfsatz angehängt ist. Und auch dieses Stück ist in gewisser Weise ein Spätwerk, denn es ist ein Teil von Elgars letzter Schaffensperiode.
Das ungewöhnlichste Stück des Abends ist sicherlich die 5. Sinfonie von Carl Nielsen. Auch hier ist der Aufbau mit zwei Sätzen wieder genreuntypisch und die Sätze haben wiederum ein ganz eigene Binnenstruktur. Das Markanteste an dieser Sinfonie ist die kleine Trommel, die nach Dominanz strebt und schließlich versucht die Musik zu zerstören – noch gelingt es ihr nicht. Dieses Stück ist wiederum sehr anders, als was Nielsen sonst geschrieben hat, oder ein anderer Komponist in dieser Zeit. Auch diese Sinfonie ist somit in gewisser Weise ein vorgezogenes Spätwerk – das Thema dieses Abends.



Tags: Zuschauer | Konzert

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Christian
Workshop Barocktanz mit Niels Badenhop in der Musikhochschule 2011
15.04.2011 14:00:00

Auch wenn ich nun schon zum vierten Mal beim Workshop in der Musikhochschule mit dabei bin, er bietet immer wieder etwas Neues. Diesmal haben sich mit 30 Teilnehmern (statt sonst 40-50) weniger angemeldet als in den Vorjahren. Das mag daran liegen, dass das Semesterprogramm schon voll angelaufen ist und die Studenten auch am Wochenende zunehmend weniger Freiraum haben. Durch die geringere Teilnehmerzahl war die sonst übliche Aufspaltung in zwei Gruppen nicht notwendig, so dass an dem verlängerten Wochenende vom 15.4. bis 17.4.2011 für alle mehr Zeit blieb, ein höheres Level zu erreichen. Niels Badenhop hat diesmal im wesentlichen auf Originalchoreographien aus der Zeit zurückgegriffen, was für absolute Anfänger natürlich schon sehr anspruchsvoll ist. Um die Sache dann doch etwas zu vereinfachen, hat er nur jeweils ein Teilstück aus einem Original genommen und es dann wiederholt bevor das nächste Teilstück kam – so mussten sich die Leute nicht ganz so viel merken. Aber dennoch rauchten schon am ersten Nachmittag bei vielen die Köpfe, als wir die ersten beiden Seiten aus „La Savoye“ (Feuillet Recueil de Dances 1709) gelernt haben. Weiter ging es am zweiten Tag mit dem „Le Menuet de la Reine“ (Feuillet Recueil de Contredances 1706) mit einem etwas verändert Schluss und der „Sarabande pour une femme“ (Feuillet Recueil de Dances 1704). Am dritten Tag wiederholten wir alles und lernten noch eine Gavotte für zwei Paare, die Niels choreographiert hat. Wir hatten mehr Zeit, um auch an Details wie den Armbewegungen zu den Tänzen zu arbeiten. Die Musik war diesmal nicht nur Livekorrepetition am Klavier, sondern kam auch zusätzlich von der CD – auch wenn der CD-Player manchmal nicht so recht wollte. Neu war auch Niels’ Interpretation der barocken Schritttechnik – er lehrt nun den „Pas de Bourrée“ als eine Abwärtsbewegung auf den Schritten (Pliée-hoch-mittel-flach statt Pliée-hoch-hoch-hoch) und beim Contretemps ist bei ihm während des Sprungs das freie Bein nun in der Ersten angelegt und nicht mehr in eine Richtung gestreckt. Und das Fazit war wie jedes Jahr – schade, dass es schon wieder vorbei ist und nur einmal im Jahr in der Musikhochschule diesen Workshop gibt.



Tags: Tanz | Workshop | Barock

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Christian
Jubiläumsball 10 Jahre Danse Royale
09.04.2011 18:00:00

Nach dem für uns ausgefallenen Event im Februar geht nun die Saison endlich los. Das „Ensemble Danse Royale“ feiert mit einem Ball „Tanz durch die Jahrhunderte“ sein 10jähriges Bestehen. Eigentlich hat das Ensemble seinen Sitz in Ketsch, aber das „Palais Hirsch“ in Schwetzingen ist ein deutlich repräsentativerer Ort – auch wenn es innen leider modern eingerichtet ist. Das eigentliche Highlight des Tages ist für uns allerdings der Besuch des Schlossparks in Schwetzingen vor dem Ball – wir haben uns schon früher umgezogen und besuchen den Park im Kostüm zusammen mit Ulla als kundige Fremdenführerin. Einen so gigantischen Barockpark hatten wir allerdings nicht erwartet – er ist wirklich sehenswert und man darf gespannt sein, ob der Aufnahmeantrag in das Weltkulturerbe erfolgreich sein wird.

Das Palais Hirsch ist liebevoll mit lebensgroßen Puppen in historischer Kleidung geschmückt. Der Ball beginnt dann um 18 Uhr mit einem Sekt und einer Pavane für alle. Schon bei der Ansage der Schritte wird deutlich, dass die vorrangegangene Erkrankung an den Kräften der Gruppenleiterin Johanna gezehrt hat. Nach einem Blumensträußchen zum Jubiläum geht der Ball leider ohne sie weiter. Eigentlich hatten wir an den fünf Stunden des Abends viele Mitmachtänze und viele Vorführtänze erwartet. Aber sowohl die angeleiteten Tänze halten sich in Grenzen, wie auch die vorgeführten Tänze, genau so wie die Lautstärke der Musikanlage. Immerhin beim letzten Tanz wird dann der Schalter gefunden, der für volle Lautstärke sorgt. An Mitmachtänzen hätte man deutlich mehr machen können – es gibt wirklich genug einfache englische Tänze, die man kundigen Mittänzern in ein paar Minuten beibringen kann. Bei den vorgeführten Tänze hatte die gastgebende Gruppe durch die Erkrankung der Gruppenleiterin nur einen „Playford“, einen Contredance und den abschließenden Ländler zu bieten.

Hätte uns rechtzeitig ein Hilferuf ereilt, hätten wir mehr Tänze mit dabei gehabt. Eigentlich hatten wir ja viele andere Gruppen aus der Umgebung erwartet – es gibt da einige. Aber neben 8 Leuten aus dem HTK-Bensheim hatte nur eine weitere Gruppe mit einem Programmbeitrag den Weg nach Schwetzingen gefunden. Und das war eine Gruppe der besonderen – um nicht zu sagen anderen – Art (inklusive der unvermeidlichen wasserstoffblonden Polyesterperücken). Sichtlich gelangweilt verfolgten sie den Abend – denn eigentlich hatten sie etwas anderes erwartet – was genau anderes sie unter einem Ball einer historischen Tanzgruppe erwartet hatten, erschloss sich uns allerdings nicht. Dann führte uns die Leiterin dieser seltsamen Gruppe ernsthaft in die „Fächersprache“ ein! Wie wir wissen, ist die „Fächersprache“ ein Werbegag einer Fächerfirma aus dem 19ten Jahrhundert – leider wusste das die Dame auch nach einem Jahrzehnt Leitung einer „historischen Gruppe“ offensichtlich nicht – und ich verkniff mir, sie vor ihren Leuten aufzuklären. Die Gruppe führte drei Tänze vor. Eine Bourrée – die angekündigten Schwäne waren allerdings eher Enten. Hätte die Gruppe halbwegs Historische Kostüme, würde sie schnell merken, dass derartiges albernes Armgeschaufel im Barock technisch nicht möglich war. Ein „Menuet à quatre“ und „La Bacante“ – etwas mehr Schritttechnik hätte auch hier nicht geschadet.

Unser kurzer Auftritt mit den HTK Bensheim war durchwachsen. Der erste Tanz – Gallinis „La Graziosetta“ verlief prima. Auch Mozarts „Figaro“, mit einer Choreographie aus Ingos Rokoko-Zuckerbäckerwerkstatt, machte keine Probleme. Damit wäre unser Programm eigentlich beendet gewesen – aber da es an dem Abend ohnehin zuwenig Beiträge gab, sollten wir noch einen dritten Tanz vorführen – dummerweise haben wir den nicht noch einmal geprobt und es kam wie es kommen musste. Der „Mozart-Contre“, wieder mit einer modernen Choreographie von Ingo, lief schief. Mal abgesehen davon, dass in dem Tanz nur ohne Barockschritte durch die Gegend gelaufen wird. Ich frage mich immer wieder, wozu das eigentlich getanzt wird – es gibt genug erhaltene Originalchoreographien, halt keine zu Mozart. Neben verbaselten Hecken, vergessenen Progressionen, stürzte zu allem Überfluss auch noch eine Mittänzerin auf dem glatten Boden – nun was auch immer passierte – wir tanzten bis die Musik zuende war. Auch hier gab es sogar Applaus.

Für den abschließenden Empire-Teil hatten sich einige extra umgezogen. Viel Programm gab es allerdings nicht mehr, noch was zum Mitmachen und ein Ländler, den das Ensemble Danse Royale zunächst aufführte und der dann für alle erklärt wurde. Das Beste an dem Abend waren sicherlich die beiden leckeren Büffets – hier hatte sich die Gruppe wirklich ins Zeug geschmissen, und natürlich der schon oben erwähnte Schwetzinger Schlosspark. Vielleicht sollte ich eine Notfall CD mit Mitmachtänzen anlegen und sicher hätten wir ein Solostück mitbringen können. Schön wäre es natürlich, bei Bällen vorher den Tanzablauf zu kennen – hier könnte man von den Bällen der Schottentänzer lernen. Als erster Ball für uns in diesem Jahr war es o.k., aber noch ausbaufähig. Mit Rücksicht auf die erkrankte Gruppenleiterin war es sicher schon eine organisatorische Leistung, den Ball überhaupt ohne sie stattfinden zu lassen.



Tags: Tanz | Ball | Auftritt | Renaissance | Barock | Empire

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Christian
Gulp Splat Zong
14.03.2011 13:00:00

Meine erste Reaktion als ich den Umschlag öffnete war – verdammt, falsches Buch zugeschickt bekommen. Ein Buch über Videospiele statt über Tanz – denn ich bekomme ja viele Bücher aus eBay Auktionen zugeschickt, da passiert schon mal ein Fehler. Ich wollte das Buch schon weglegen und wunderte mich über die Internetbriefmarke. Sie zeigt einen Glatzkopf mit in den Himmel ausgebreiteten Armen. Plötzlich wurde mir aus dem Titelbild klar – aha ein Buch von Kemal. Ein Freund aus alten Tagen lässt mal wieder was von sich hören. Yoda Zhang und Kemal Ezcan stehen auf dem Cover. Aber dieses Autorenkollektiv ist eigentlich ein und die selbe Person, auch wenn sie durch Jahrzehnte gewandelt ist. Inzwischen hat er einen neuen Namen, eine Druckerei und macht ansonsten allerlei spaßige Dinge wie Musik, Retrogames und Events.

„Gulp Splat Zong – Videospiele und Computermusik“ so der Titel der Teilautobiographie, in meiner Ausgabe mit einer kleinen Widmung: „für Christian! Danke für die Geduld beim Beibringen der Zeichensatzdefinition! Gruß, Yoda“. Ja, ich erinnere mich noch genau, ich hatte Kemal, wie der damals noch hieß, nach einer guten Stunde Telefonat endlich überredet, mal in einem Spiel die Zeichen umzudefinieren. Es war wohl ein Pacman Clone und er verwendete zuvor „^V<>“ für die Spielfigur. Nach viel Überzeugungsarbeit und Anleitung kam dann von der anderen Seite „so einfach ist das also“. Eigentlich hätte ich auch vorbeikommen können, denn so weit wohnten wir nicht auseinander. Rückblickend, und nach lesen des Buchs – so oft hatten wir uns nicht getroffen. Ich war drei Jahre älter als Kemal, das macht in dem Alter schon viel aus. In meiner Programmiererclique mit El Ualid und Ralf war ich wiederum der jüngste. Ich kann mich auch nicht erinnern, ob Kemal so oft bei mir war, und ob es wirklich auch trockenes Brot zum Knabbern gab, und nicht nur Cola. Immerhin, bei ihm konnte man den Kühlschrank plündern und leckere Bofrost Sachen essen. In der Clique war ich der einzige, der seinen Computer von seinem eigenen Taschengeld kaufen musste. Und gegen den Willen meiner Schwester, die meinte, was ich mit dem teuren Ding will – aber es war ja schließlich mein mühsam erspartes Geld – so konnte glücklicherweise ich entscheiden.

Ja, Jugenderinnerungen – es scheint so, dass wenn Männer in ein gewisses Alter kommen, sie anfangen ihre Biographie zu schreiben (diese Webseite ist ja auch ein gewisser Beleg dafür). Aus dem Buch habe ich noch eine Menge über die damalige Zeit erfahren, die ich nicht wusste. So hatte ich nicht mitbekommen, dass Kemal für Atari Deutschland gearbeitet hatte oder dass er beim Computerclub in Köln interviewt worden ist. Und es gibt wiederum viel, an das ich mich erinnere, was in dem Buch nicht erwähnt ist – z.B. dass er das Jingle von der Sportschau auf dem Atari nachprogrammiert hatte. Es gab hin und wieder Überschneidungen auf unserem Weg, fast hätte ich für AXIS Komputerkunst in Hamburg ein (Musik-) Managerspiel geschrieben. Und war Kemal nicht auf dem Cover von „Hotel“ der andere Hotelpage? Aber dann gingen unserer Wege weit auseinander, Kemal blieb beim 8-Bit Atari, ich stieg von dem Geld von Ravensburger auf den ST um.

Das Buch ist in drei große Kapitel geteilt. Das erste Kapitel „Gulp“ behandelt seine erste Computerspielzeit bis zum ersten veröffentlichten Spiel – das legendäre „Gulp“. Der frühe Erstkontakt zu Computerspielen, als ihn sein Vater mit 8 Jahren am Frankfurter Flughafen in Spielhallen parkte, führt zu allerlei seltsamen Episoden. Auch seine Atari VCS Zeit flimmert vor unseren Augen ab. Sogar mein damaliges Lieblingsspielhallenspiel „Asteroids“ taucht auf, „Fetz den Frosch“ nannten wir das spielen – frei nach den „Frogs“ aus der deutschen TV-Serie „Raumpatrouille Orion“. Als wir dann „Asteroids“ als Modul für El Ualids Atari 400 hatten, gab es endlose Gefechte zu viert (ohne Kemal allerdings). Ein weiteres Lieblingsspiel „Star Raiders“ für den Atari taucht allerdings nicht auf. Diesen Atari bekam Kemal dann (nach viel Psychoterror) von seiner Mutter geschenkt – damit begann seine Programmierer Karriere. Diese fand einen ersten Höhepunkt, als eins seiner vielen Spiele, die er fast im Tagesrhythmus produzierte, in einer Computerzeitschrift zum Eintippen veröffentlicht wurde.

Der zweite Teil „Splat“ behandelt dann seine Computermusik und Eintippspielezeit. Auch hier gibt es wieder allerlei seltsame Episoden. Auf einer Messe wurde Atari auf den kleinen Jungen, der da Computermusik machte aufmerksam, selbst im legendären WDR-Computerclub wird er dazu von Wolfgang Back interviewt. Für die Reste der deutschen Softwareabteilung von Atari, die sich zu AXIS Komputerkunst formierten, arbeitete er dann weiter an der Musikprogrammierung. Er entwickelte für die auch zusammen mit Axel Weber, einem Schulfreund von mir, ein Graphikadventure – „Zielpunkt Null Grad Nord“. Diese Zeit endete mit seinem letzten veröffentlichten Eintippspiel in einer Computerzeitschrift, „Splat“.

Und der dritte Teil „Zong“ behandelt die Zeit, als er die Atari 8-Bit Szene mit KE-Soft weiter am Leben gehalten hat. Von der Zeit habe ich dann eigentlich nicht mehr viel mitbekommen. Ich war zu sehr mit der Programmierung für den Atari ST (Calamus), meinem Abitur und dem Studium beschäftigt. Er produzierte in der Zeit eine eigene Atari Zeitschrift „Zong“, baute seinen eigenen Softwarevertrieb auf „KE-Soft“ und verkaufte einen Teil der Reste vom 8-Bit Bereich von Atari Deutschland.

Was mir in dem Buch eindeutig fehlt, sind die Bilder – aber dafür gibt es ja die Webseite: www.gulpsplatzong.de auf der dann sehr viele Bilder, Spiele, Videos, Musik usw. zu finden sind. Eine allgemeine Videospielgeschichte findet sich hier allerdings nicht, eher viele persönliche Anekdoten. Für jemanden der ihn kannte ein unterhaltsames Buch, das einen in die Zeit zurückversetzt.



Tags: Software | Leben | Bücher

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Christian
Kein Konzert und Ball an diesem Wochenende
19.02.2011 19:00:00

Leider kommt es im Leben manchmal anders als man denkt. Für diesen Freitag war Mahlers 6. Symphonie in der Alten Oper auf dem Plan, und am heutigen Samstag wollten wir eigentlich auf den „Residenzball zu Dillenburg“ inklusive einem ganztägigen Workshop gehen. Leider erreichte uns am Freitagmorgen die Nachricht eines Trauerfalls. Wir haben entschieden, dass es traurig genug ist, und wir nicht auch noch Mahlers 6. Symphonie an dem Tag hören müssen (sie ist zu der Zeit entstanden in denen er die „Kindertotenlieder“ schrieb), und nach Ball war uns auch nicht zu Mute. Die Karten für das Konzert konnten wir noch an jemanden verschenken. Für die Ballkarten haben wir dann leider keinen Abnehmer mehr in unserem Bekanntenkreis gefunden, der so spontan Zeit und die passenden Kostüme hat, sowie in fahrbarer Nähe zu Dillenburg lebt. Sehr schade finde ich hier aber, dass die Leute, denen wir die Karten angeboten haben, es noch nicht einmal für nötig befanden, ihr „eher Nein, aber ich frage noch mal nach“ zumindest mit einem kurzen „entgültig Nein“ per eMail zu bestätigen. Wir wollten da natürlich auch keine große Telefonaktion mehr starten und hatten anderes im Kopf. Also sind die Ballkarten ungenutzt verfallen, schade aber vielleicht klappt es beim nächsten mal.



Tags: Konzert | Zuschauer | Barock | Ball | Tanz

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