Christian Griesbeck

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Christian
Baroktanzworkshop - Passacaille d'Armide
30.10.2011 19:30:00

Wo sonst Hochzeiten gefeiert werden, im „Raubrittersaal“ des Nebengebäudes der Burg Gaillenreuth, finden sich von 30.10. bis 4.11.2011 einige unermüdliche Barocktanzbegeisterte ein. Etwas verrückt muss man für dieses Bonbon schon sein, das Peter Hoffmann hier anbietet, denn die auf dem Programm stehende Passacaille d'Armide in der Fassung aus Gaudrau (1712) gehört ganz deutlich zu den schweren Damensolos, die es im Barocktanz gibt. Die acht Seiten vollgefüllt mit Notation, die je nach Einspielung vier bis sechs Minuten an Solotanz ergeben, wollen gelernt werden. Dabei findet sich kaum ein einfacher unverzierter Schritt, dafür aber jede Menge an Änderungen der Raumrichtung. Aber wir kommen überraschend gut voran, so haben wir bereits nach den ersten 90 Minuten des ersten Abends die Seite Eins hinter uns. Kein Wunder, die meisten Teilnehmerinnen bringen zehn und mehr Jahre an Barocktanzerfahrung mit. Wer jedoch besonders viel Wert auf die Vermittlung einer präzisen Technik legt, wird hier in Peters Workshop sicher nicht allzu glücklich – das eine oder andere Symbol geht bei seiner Interpretation auch schon mal verloren. Und nicht ohne Grund wird die eingesprochene betonte „Eins“ einer Teilnehmerin zur Mantra des Workshops. Das mag daran liegen, dass er eigentlich ein viel schnelleres Tempo als das der Übungsmusik gewohnt ist, so dass ihm hin und wieder einfach die Gäule durchgehen. So weit, die Passacaille technisch präzise und sauber auszuführen und dabei auch die Arme voll mit einzusetzen, werde ich persönlich vielleicht erst in zwei Jahren sein, so lasse ich im Workshop die vermittelten Arme zunächst einmal weg. Peter hat ja ohnehin eine eigene geschwungene Armtechnik ohne die Ruhe, die üblicherweise durch die Isolation der Bewegung des Unterarms oder der Hand erreicht wird. Aber Armtechnik ist im Barock ja etwas Geschmacksache – unser Wissen darüber ist leider sehr beschränkt, weil die Arme so gut wie nie notiert wurden. Zwei neue Seiten lernen ist jeweils unser Ziel für den Morgen. Am Nachmittag kommen die Arme dazu und wir wiederholen das Gelernte. Am Abend gibt es noch etwas an Hintergrundwissen oder einige Contratänze. Aber das Tanzen am Tag ist so anstrengend, so dass der Abend nicht allzu lang wird und der Gastwirt fragt, was denn Peter böses mit uns macht, dass wir so erschöpft sind. Ich werde zusätzlich ab Tag Zwei von einer Erkältung gebeutelt, so dass meine Aufnahmefähigkeit und Kraft ohnehin beschränkt ist, aber ich setze mich zumindest endlich einmal mit einem wirklich komplizierten Barocktanz auseinander. Am Donnerstag sind wir dann mit der Passacaille komplett durch – das hatte Peter vor dem Workshop eigentlich nicht erwartet – so bleibt der Freitag tatsächlich noch übrig für viele Wiederholungen und die interpretatorische Gestaltung des Tanzes. In Burg Gaillenreuth ist der Übungsraum verhältnismäßig klein für Barocktanz, dafür schwingt der Holzboden etwas. Man sitzt vom morgendlichen Frühstück bis zum abendlichen gemütlichen Ausklang recht eng in der Gruppe zusammen, allenfalls Spaziergänge in der schönen Umgebung ermöglichen ein Abschalten. Das Mittag- und Abendessen in der Wirtschaft sowie die Getränke à la Carte (auch im Workshopraum) sind ein Faktor, der sowohl auf den Geldbeutel wie auch auf den Bauchspeck schlägt. Das muss man berücksichtigen – aber lecker war’s und die Gerichte sind nicht allzu teuer. Auf alle Fälle gehört der gelernte Tanz, die Passacaille d'Armide, sicher nicht nur zu den schwersten, sondern auch zu den schönsten Damensolos des Barocks.



Tags: Tanz | Workshop | Barock

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Christian
Tanzworkshop und 2. Residenzball Dillenburg
29.10.2011 09:00:00

Am 29. Oktober 2011 veranstaltet die Projektgruppe Leben im 18. Jahrhundert des Museumsverein Dillenburg e.V. zusammen mit der Gesellschaft für Hessische Militär und Zivilgeschichte e.V. zum zweiten Mal einen Residenzball. Der erste Ball in diesem Jahr, zu dem wir leider nicht kommen konnten, war ein so großer Erfolg, dass gleich die Planung für einen zweiten Ball in Angriff genommen wurde. Wir sind nun diesmal mit dabei, was uns besonders freut, da wir neben dem historischen Tanzen, das wir schon länger betreiben, auch ins Reenactment einsteigen möchten. Bälle sind natürlich eine prima Gelegenheit für eine militärische Reenactmentgruppe, endlich auch die Frauen mit einzubeziehen und für eine Gruppe, die sich um die Zivildarstellung kümmert, ist das sicher ein Jahreshöhepunkt. Wir sind positiv überrascht, dass so viele junge Leute mit dabei sind und der Männer- und Frauenanteil bei diesem Event sehr ausgewogen ist. Aber erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen. Vor dem Ball beginnt es erst einmal in aller Frühe um 9 Uhr mit einem Tanzworkshop. Der Tanzmeister Frank Ditzel (AKA Freiherr vom Steinacker) vom Potsdamer Rokoko e.V. leitet durch den Tag, zeitweilig ist das für ihn sicherlich wie Flöhe hüten. Am Vormittag stehen drei Stunden mit Contratänzen französischen Ursprungs auf dem Programm, die überwiegend dem Recueil de Contredances (1706) entstammen wie „La bone Amitié“ und „La Matelote“. Neben dem Aufwärmen machen wir auch ein wenig Techniktraining (Menuett-, Bourrée- und Gavotteschritt). Nach einem Mittagsimbiss geht es noch einmal dreieinhalb Stunden weiter mit Englischen Tänzen, vornehmlich aus den Playford Bänden (1651-1728) wie „Mr. Beveridge's Maggot“, „Portsmouth“ und „Jacks Maggot“. Insgesamt hatte Frank 14 Tänze für den Ball vorgesehen, die wir aber nicht alle an diesem Tag lernen. Unter den gelernten Tänzen sind durchaus auch so komplizierte Dinge wie „Newcastle“ oder ein „Menuett Sabina“, dessen Grundschritt sicherlich für viele Einsteiger noch recht schwer ist. Für einige ist dieser Ball der Erst- oder Zweitkontakt mit historischem Tanz, dafür schlagen sich alle schon ganz wacker.

In der Umziehpause vor dem Ball dann für uns der große Schock – Carola hat ihre Poschen vergessen. Die liegen bei ihr Zuhause und warten darauf repariert zu werden, denn die Stäbe haben mittlerweile schon Löcher aus ihren Tunneln heraus gebohrt. Volkmar, der Organisator des Balls, versucht noch vergeblich kurzfristig ein paar Poschen zu besorgen, auch Kissen ziehen wir als Notersatz in Erwägung. Bei der Anprobe des Kostüms stellen wir dann fest: mit etwas hochstecken geht es zur Not auch und für uns ist der Abend gerettet. Sehr gespannt sind wir natürlich bei einer Reenactmentgruppe auch auf die anderen Kostüme. Die Herren sind ja dank ihrer Uniformen schon gut ausgestattet. Die Damenkostüme sind hingegen größtenteils ausgeliehen und durchaus noch entwicklungsfähig. Zugegeben, ein historischer Aufbau mit Chemise, Schnürbrust, Poschen (oder Taschen und Panier), Jupe, Robe, Stecker usw. ist recht aufwendig, sollte aber doch das Ziel bleiben. Nun gut, so bleiben die feschen Herren die Stars des Abends.

Der Ball wird dann gegen 19 Uhr vom Zeremonienmeister mit der Vorstellung der (historischen) Ballteilnehmer eröffnet. Da wir noch an keiner Rolle für das 18te Jahrhundert gearbeitet haben, sind wir erst einmal bei unserem bürgerlichen Namen geblieben. Und ohne Titel werden wir natürlich erst fast ganz zum Schluss aufgerufen. Ganz so streng historisch geht es an diesem Abend glücklicherweise noch nicht zu, das hätte auf unserer Seite auch noch etwas an Übung und Wissen erfordert – aber daran werden wir arbeiten. Der Zeremonienmeister leitet dann auch weiter zusammen mit dem Tanzmeister durch den Abend. Los geht es mit dem Tanzen zunächst mit einer Polonaise, dann kommt das Menuett und nach ein paar weiteren Tänzen ist es dann schon Zeit für das abendliche Büffet. Bei den diesmal nur rund 40 Teilnehmern ist es dann nicht ganz so üppig ausgefallen wie beim ersten Ball, die Wahl zwischen Fisch und Schnitzel ist für mich als Nichtfischesser einfach. Aber eine schöne umfangreiche Salatauswahl gibt es, und das ist ja fürs Tanzen eine gute Sache. In der Pause spielt sogar eine Harfenistin für uns. Weiter geht es mit dem Tanzen dann noch bis Mitternacht, wobei nicht alle bis zum Schluss dabei geblieben sind – es war ja auch ein langer Tag. Wir haben einen schönen Tag verbracht und nette Menschen kennen gelernt. Ich hoffe, die Dillenburger setzen ihre Bälle fort.



Tags: Reenactment | Barock | Ball | Workshop | Tanz | Playford

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Christian
Workshop - La Sarabande in Ludwigsburg
15.10.2011 09:30:00

Ein kleines Jubiläum: „La Sarabande oder Die Grundlagen des Barocktanzes“ vom 15. bis 16. Oktober 2011 in Ludwigsburg ist nun schon der zehnte Workshop, für den Sabine den schwedischen Tänzer und Tanzlehrer Kaj Sylegård eingeladen hat. Das Seminar ist laut Ausschreibung sowohl für Einsteiger als auch für Tänzer mit Barockerfahrung gedacht; und in der Tat, vom Anfänger bis zum Semiprofi, hat sich die ganze Brandbreite an Tanzerfahrung eingefunden. Nun ist es das Problem von Kaj, die alle unter einen Hut zu bekommen – aber jeder wird etwas von diesem Wochenende mitnehmen. Für die Fortgeschritteneren sind erst einmal Zurückhaltung und Reduktion angesagt, gründlich neu über die Bewegungen nachdenken, die sonst automatisiert ablaufen. Bei den Anfängern rauchen hingegen schnell die Köpfe, bei all dem Neuen, das auf sie einströmt. Was kann man an einem Wochenende über den Barocktanz lernen? Das ist für mich eine spannende Frage, mit der ich in diesen Workshop gegangen bin – vielleicht werde ich ja demnächst selber mal unterrichten. Die erhaltenen Sarabande-Choreographien zählen eher zu den schwereren Tänzen des Barock. Gerade die langsame Musik erfordert eine präzise Technik und den zwingenden Gebrauch der Arme, ohne die der Tanz nicht wirken würde. Zudem wird in der Sarabande oft eine große Bandbreite von Schritten verwendet. Für dieses Wochenende hat Kaj zwei paradigmatische Sarabande-Choreographien gekürzt und vereinfacht, wir machen allerdings nur die erste und einfachere von beiden, dafür dann auch mit Armen. Nach seinem kleinen theoretischen Vortrag mit Hintergrundinformationen, der zu jedem Workshop gehört, zeigt er uns dann – als einer der besten Barocktänzer weltweit – wie gut eine Sarabande live getanzt aussehen kann. Wieder ein Wochenende, das zu schnell zu Ende gegangen ist.



Tags: Tanz | Workshop | Barock

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Christian
Workshop - Lorin - Contredanses für Louis XIV
30.09.2011 10:00:00

Dies ist für mich bereits der zweite Kurs in Bad Rappenau zur Tanzpraxis des 17ten Jahrhunderts. In dem einmal jährlich von Nicoline Winkler veranstalteten Seminar geht es um die raren Fragmente, die uns vom Tanz dieser Zeit überliefert worden sind, bevor Feuillet 1700 mit seiner Choreographie einen echten Hit landete und für eine Fülle an überliefertem Material sorgte. Diesmal hat Nicoline den dänischen Musikwissenschaftler und Tanzforscher Jørgen Schou-Pedersen aus Kopenhagen eingeladen. Nachdem wir uns im letzten Jahr mit Faviers „Le Mariage de la Grosse Cathos“ (1688) beschäftigt haben, stehen in diesem Jahr vom 30.9. bis 3.10.2011 die beiden Lorin Manuskripte „Livre de contredance présenté au Roy“ (c. 1685) und „Livre de contredance du Roy“ (1688) auf dem Programm. Nachdem der englische Tanzmeister Isaac ein paar Jahre zuvor erstmals Country Dances am französischen Hof gezeigt hatte, war Lorin im Jahre 1685 nach England gereist und hat dort einige aktuelle Tänze gesammelt. André Lorin hat (wie auch Favier) ein eigenes Notationssystem für Tanz entwickelt und dies in einem günstigen Moment (anlässlich der plötzlichen Genesung des Königs) in die Waagschale um die Aufzeichnung von Tanz geworfen. Er nutzt dabei in seiner Notation die Kombination von Wortkürzeln für die Schrittsequenzen und einem graphischen Bodenplan für den Bewegungspfad im Raum. Wie die einzelnen verwendeten Schrittsequenzen (z. B. der Menuettschritt) dabei auszuführen sind, hat er uns leider nicht überliefert. Auch bei einigen anderen Elementen ist einiges Rätselraten angesagt. So ist Jørgens Interpretation der Tänze in manchen Punkten eine andere als die in dem 2008 veröffentlichten Buch „Dances for the Sun King“.

Der Kurs wird mit einer kurzen Ansprache des Oberbürgermeisters eröffnet. In der kleinen Kurstadt Bad Rappenau ist noch alles überschaubar, die Unterkunft in einer der vielen Ferienwohnungen ist sehr günstig und das lokale Wasserschloss, in dem der Kurs stattfindet, bietet ein nettes Ambiente. Der (allerdings moderne) Saal im Dachgeschoss verfügt über einen Parkettboden und ist für die 20 Teilnehmer gerade noch ausreichend, die größeren Personen müssen sich am Rand allerdings manchmal vor den Dachbalken in Acht nehmen. Es gibt nur ein kurzes Warm-up, das auch einige lustige Elemente wie „Waldtrolle“ oder „Marionetten“ enthält. Die jeweils für den nächsten Tanz benötigten Schrittsequenzen werden dann in einem Technikteil vorbereitet und später mit den Raumwegen verbunden. In den vier Tagen des Workshops lernen wir insgesamt acht der dreizehn Tänze aus Lorins „Livre de contredance“, darunter auch alle Tänze, die vermutlich seine eigenen Choreographien sind. Anders als die simplen Schritte, die heute oft bei Playfordtänzen verwendet werden, hat Lorin alle Tänze mit individuellem französischen Schrittmaterial versehen, das zum Teil recht anspruchsvoll ist. Das Highlight des Workshops war sicherlich sein „Contredance nouvelle figurée a huit pour Madame la Dauphine“. Zu unserer Überraschung ist das kein üblicher Gassentanz mit Progression, sondern ein Schautanz mit durchchoreographierten Anfangs- und Schlussreferenzen. Der eigentliche Tanz ist dabei ein Menuett für vier Paare in einer Squareaufstellung. Lorin hat diesen Tanz möglicherweise choreographiert um zu zeigen, dass sich seine Notation auch für Bühnentänze eignet. Da die überlieferten Tänze in Feuilletnotation fast ausschließlich Solotänze oder Tänze für ein Paar sind, ist das ein echtes Kleinod und eine Bereicherung für das Verständnis von Gruppentänzen der Zeit. Den Tanz „Les Cloches Ou Le Carillon“ tanzen wir in drei Variationen von Lorin, nach seinem ersten Buch (c. 1685), nach seinem zweiten Buch (1688) und in einer Variation im Stil von c. 1712-1721.  Jørgen hat sehr viel Material mitgebracht, das er verteilt; neben dem Faksimile des jeweiligen Tanzes gibt es ein Arrangement der Musik und zum Teil eine Transkription des Tanzes. Ergänzt wird alles durch eine Einführung in die Notation und den Ablauf vor und nach dem Tanz. Am Ende des Kurses erweist sich dann die Doppelprogression in „Irish Tege“ noch als sehr schwer, vielleicht nur weil schon Aufbruchstimmung herrscht und die Konzentration weg ist. Schade, dass es schon vorbei ist und wir nicht alle Tänze getanzt haben. Ich bin schon auf das Thema des nächsten Jahres gespannt.



Tags: Workshop | Tanz | Barock | Playford

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Christian
Workshop Barocktanz mit Bernd Niedecken
17.09.2011 10:00:00

Ich bin immer froh, wenn auch einmal ein Workshop für Historischen Tanz in der näheren Umgebung angeboten wird. Und am 17. und 18.9.2011 gibt es, organisiert vom „Hofstaat Schwetzingen“, einen Barockworkshop mit Bernd Niedecken. Allzu viel habe ich mir zunächst nach der Ausschreibung allerdings nicht versprochen. Laut dieser richtet sich der Workshop zwar an Tänzer mit Erfahrung, aber ein Tanz mit Menuettvariationen für 3 bis 4 Leute – da habe ich eher etwas einfaches „selbstgestricktes“ erwartet und es zumindest als eine Gelegenheit für ein gutes Training gesehen. Doch dann bin ich sofort positiv überrascht worden – zur Wahl, was wir nun tanzen, stehen u. a. einige Klassiker wie „La Bourgogne“ und „La Bourée d’Achille“. Letzterer ist dann der Tanz, den wir an diesem Wochenende lernen. Nach einem interessanten Aufwärmtraining und einem Technikteil gibt es auch eine sehr anschauliche Einführung in die Beauchamp–Feuillet Notation. Eine Papiertischdecke wird in eine überdimensionale Schreibunterlage umgewandelt und Bernd malt „in Lebensgröße“ die Notation auf den Boden, die er dann abschreiten kann. Auch wenn man die Notation auf die schnelle in allen Details weder erklären noch verstehen kann, haben, dank der greifbaren Darstellung, doch sicher alle das Grundprinzip verstanden. „La Bourée d’Achille“ mit allen Aspekten an einem Wochenende zu lernen ist schon ambitioniert, insbesondere wenn das für einige der Erstkontakt mit echtem barockem Solopaartanz ist. So rauchen am ersten Abend die Köpfe (und die Füße) bei einigen doch schon etwas. Die Arme bleiben dann doch mehr oder weniger dem Technikteil vorbehalten, und auch die verschiedenen Menuettschritte des Menuettteils werden durch den Standard „à deux movements“ Schritt ersetzt. Beides hätte den Zeitrahmen und die Aufnahmefähigkeit an diesem Wochenende vermutlich gesprengt. Bis Sonntagnachmittag sind wir dann mit einem kleinen Endspurt tatsächlich auf der elften und letzen Seite angelangt und tanzen den Tanz noch mehrmals durch. Fazit: Es war ein nettes Wochenende, von dem sicher jeder etwas mitgenommen hat. Der Tanz ist dank seiner Wiederholungen und des vergleichsweise einfachen Schrittmaterials als Erstkontakt noch durchaus machbar.



Tags: Tanz | Workshop | Barock

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Christian
Fashion Museum Bath
27.08.2011 11:16:00

Eine gute Adresse für Kostüminteressierte war das frühere Museum of Costume Bath, vor einigen Jahren haben sie allerdings ihr Konzept geändert und daraus ist nun das Fashion Museum Bath geworden. Wir waren schon etwas vorgewarnt gewesen, denn uns interessieren natürlich primär historische Kostüme und nicht irgendeine Modeausstellung eines zeitgenössischen Schneiders. Glücklicherweise gibt es zum Zeitpunkt unseres Besuchs zwei interessante Sonderausstellungen, wie wir vorher im Internet recherchiert haben. Zunächst gehen wir durch die „Dressing The Stars“ Ausstellung in den Assembly Rooms. Thema sind hier Filmkostüme von britischen Designern, die mit einem Oscar prämiert worden sind. Praktischerweise haben wir am letzen Tag in Cardiff noch „The Duchess“ im Fernsehen gesehen und können nun hier, am vorletzten Tag der Ausstellung, die Kostüme zum Greifen nahe betrachten. Als einziges Kostüm hinter Glas: Jack Sparrow aus „Pirates of the Caribbean“. Auch Kostüme aus vielen anderen Filmen gibt es zu sehen, manche sehr aufwendig, manche mit kleinen Tricks, die man auf der Leinwand nicht sieht. Die eigentliche Ausstellungsfläche des Museums ist im Keller der Assembly Rooms. Die nächste Sonderausstellung, die uns gleich im Eingangsbereich des Modemuseums erwartet, ist „What will she wear?“ eine für uns weniger interessante Ausstellung über Brautmode – eine kostümhistorisch ja eher jüngere Entwicklung.

Danach folgt die, man kann es nicht anders sagen, armselige Dauerausstellung historischer Kostüme. Einsam steht in einer Vitrine das älteste Kleid des Museums von 1660 – noch nicht einmal mit einem Spiegel, um die Rückenansicht zu sehen. In einer weiteren Vitrine fünf Damenkleider aus dem 18ten Jahrhundert, auch ohne Spiegel für die Rückenansicht. Das war’s mit der historischen Dauerausstellung – noch nicht einmal ein einziges Herrenkostüm. Der nächste Raum – Entertainment – hier kann man schon recht mitgenommene Korsetts und Reifröcke anprobieren. Just for Fun – mit Schnellverschlüssen und Expressschnürung, ohne Größenangaben, ohne auch nur den Hauch einer Idee der akkuraten historischen Vermittlung. Sicher merkt Frau schnell, dass die Dinger Wunder wirken – ein schnelles Foto und wieder an den Haken – oder in die Hand der nächsten Dame. Ein weiterer Teil der Dauerausstellung ist der Modeteil mit dem „Dress of the Year“ der für jedes Jahr seit 1963 ein ausgewähltes Kleid zeigt.

Aber es gibt noch zwei Sonderausstellungen, die wir anschauen. Ein Schaufenster mit „17th century gloves“ in dem Prachthandschuhe zu sehen sind, die meist ein besonders wertvolles Geschenk waren. Und die Ausstellung: „Behind the Scenes at the Fashion Museum“ – hier sieht man, was man leider nicht immer sieht – einen sehr schönen Blick auf das, was in den Archiven vor sich hin lagert, zusammen mit den dazugehörigen Kisten und Verpackungen. Die Ausstellung zeigt einen Schnitt durch alles, was das Museum an Kostümen des 19ten Jahrhunderts zu bieten hätte, wenn es noch ein Kostümmuseum und nicht ein Modemuseum wäre. Aber die Ausstellungszeit und Fläche ist beschränkt, so dass auch dieser Blick in die Archive bald wieder in den Archiven verschwinden wird. Für historisch Interessierte ist das Fashion Museum also leider nur mit Vorsicht zu genießen – falls es gute Sonderausstellungen gibt lohnt es sich, ansonsten kann man es sich leider sparen. Toll wäre es natürlich einmal, in die Study Rooms zu können und Originale in die Hand zu nehmen, gelegentlich wird so etwas für wenige Glückspilze angeboten.



Tags: Kostüme

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Christian
Miniurlaub in England 2011
26.08.2011 10:00:00

Nach unserem Barocktanzkurs nutzen wir die Rückfahrt noch als Minikurzurlaub um etwas von England zu sehen. Aus Cardiff sind wir schnell draußen, zu schnell, denn wir wollten eigentlich noch kurz einkaufen – nun gut, nächster Halt Cheddar. Aber so richtig hält uns nichts in Cheddar, sogar der Supermarkparkplatz ist hier „pay and display“. Wir fahren durch die Cheddar Gorge, das sind hier recht berühmte Schluchten. Auch große Höhlen soll es geben, allerdings mit saftigen Eintrittspreisen und etwas kitschig aufbereitet, nicht zu vergessen die Parkplatzgebühren – very British halt. Unser eigentliches Tagesziel ist Wells – dort gibt es eine berühmte Kathedrale. Wie überall in England, wo es etwas zu sehen gibt (und auch dort wo es eigentlich nichts zu sehen gibt) – wieder einmal pay and display Parken. Das Dumme ist, dass man sich immer vorher entscheiden muss, wie lange man parken möchte. Überschreitet man die Parkzeit, kommt ein netter Mensch vorbei und schraubt eine Klemme ans Rad – und dann parkt man länger als man eigentlich will und zahlt 50 Pfund, damit das Ding wieder abkommt. Wir entscheiden uns für drei Stunden, was sich für den Rundgang durch die Stadt und die Kathedrale als mehr als ausreichend erweist. Die kleinste Stadt Englands ist durchaus sehenswert, und die Kathedrale ist beeindruckend. Noch viel beeindruckender muss sie im Mittelalter in ihrem ursprünglichen Zustand gewesen sein – die Fassade war über und über bestückt mit lebensgroßen farbig bemalten Figuren, die in vergoldeten Nischen platziert waren. Während der Reformation wurden dann alle erreichbaren Figuren zerstört und die Fassade hat mittlerweile ihre Farbigkeit verloren. Auch für Menschen, die in einem Reihenhaus leben gibt es hier etwas zu sehen – die älteste erhaltene Reihenhaussiedung Europas aus dem 14ten Jahrhundert. Da es mittlerweile, very British, angefangen hat zu nieseln, zieht es uns früher als erwartet zurück ins Auto. Weil wir noch viel vom Tag übrig haben, fahren wir noch nach Glastonbury – die Esoterikhochburg Englands. Hier kann Schwingungen spüren, wer Schwingungen spüren kann – wir spüren leider nichts, finden aber immerhin einen Parkplatz, auf dem man zeitlich begrenzt stehen darf ohne pay, nur mit Display einer Parkscheibe. Durch die Stadt wandernd, bewundern wir die skurrilen Angebote. Auf den Besuch der malerischen Ruinen verzichten wir allerdings – „das Geheimnis im Zentrum der Stadt“ wird für uns ein hinter hohem Sichtschutz eingezäuntes Geheimnis bleiben – die Eintrittspreise für ein Paar verfallene Steine sind uns dann doch einfach zu unverschämt. Weiter geht es im Regen zu unserem Bed and Breakfast in Shepton Mallet, very British, wo unsere Zimmernachbarn einen Feueralarm auslösen, weil sie verbotenerweise auf dem Zimmer kochen „it’s just a small stove“ hören wir von Nebenan.

Am zweiten Tag steht Bath auf dem Programm, und nach einem englischen Frühstück noch in unserem B&B, das von der Zimmerzahl fast schon ein kleines Hotel ist, geht es in die Jane Austen Stadt. Hauptattraktion der Stadt ist natürlich die Stadt selbst – große zusammenhängende Teile wurden in einem engen historischen Zeitraum gebaut und ergeben ein einzigartiges Bild. Toll wäre es jetzt natürlich, in Empirekleidung in der Stadt lustwandeln zu gehen und sich so in die Zeit Anfang des 19ten Jahrhunderts zurück zu versetzen. Wenn da nicht die vielen Touristen und die Autos wären. Nun, mein Empirekostüm ist ohnehin noch nicht fertig. Wir laufen also nur in moderner Kleidung durch die Stadt. Auf dem Weg klappern wir die vielen kleineren Attraktionen ab wie die Pulteney Bridge, die Assembly Rooms, die Ringstraße The Circus und die Bogenstraße The Royal Crescent. Wir schauen kurz in das Jane Austen Centre, besuchen aber nicht die Ausstellung (uns wurde abgeraten – nicht so interessant) und kaufen einen berühmten Sally Lunn Bun (wer schon mal einen nackten Hefekuchen gegessen hat, kann sich den sparen – das „Geheimrezept“ schmeckt genau so.) In der Bath Abbey hören wir eine Chorprobe – die Kirche ist auch durchaus sehenswert, und wir schauen uns „The Pump Room“ an. Zwei Attraktionen, die wir besuchen wollen, sind natürlich das Fashion Museum Bath (das wir am Anfang des Tages besichtigt haben und über das ich einen separaten Blogeintrag schreibe), sowie die im 19ten Jahrhundert wieder ausgegrabenen römischen Thermalbäder, die den Abschluss unserer Tagestour bilden. Die Eintrittskarte für „The Roman Baths“ haben wir schon als günstiges Kombiticket gekauft, was eine gute Entscheidung war, denn die Schlangen am Eingang sind recht lang. Innen gibt es wieder einen Audio Guide, auch in deutscher Sprache, der sehr gut durch die Ausstellung führt. Für mich ist diese Ausstellung die Hauptattraktion der Stadt, für die es sich wirklich lohnt den Eintritt zu bezahlen. Hier ist alles auf dem neusten Stand der Forschung und Museumspädagogik aufgebaut. Die Funde werden spannend vermittelt und man sollte mindestens zwei Stunden für den Besuch einplanen, wenn man den Audio Guide benutzt. Untergekommen sind wir in der Jugendherberge in Bath, das Zimmer ist klein und teuer – nicht empfehlenswert. Aber es ist ja nur für eine Nacht und auf der Straße gegenüber der Einfahrt konnte man immerhin kostenlos parken – in Bath selber sind die Parkgebühren selbstverständlich horrend.

Der dritte Tag ist für mich schon der Abflugtag. Auf dem Weg nach Heathrow nehmen wir noch einen Ausflug in die Stadt Windsor mit. Hier war ich schon mal als Jugendlicher im Rahmen einer Klassenfahrt, damals konnte man noch in den Schlosshof, ohne etwas zu bezahlen. Aber erst einmal suchen wir uns wieder einen Parkplatz – Pay and Display – wir sind in England. Als wir das Schloss erreicht haben die Enttäuschung – innen nur mit Eintritt – die Königin braucht Geld. Die Warteschlange ist aber länger als unsere gebuchte Parkzeit erlaubt. Also bleibt ein Spaziergang durch Windsor und Eton, sowie eine hübsche Fernansicht des Windsor Castle. Nach einer langen Fahrt durch das endlose Labyrinth von Heathrow Airport finden wir endlich einen Kurzzeitparkplatz für Autos, für den wir nur rund 10 Pfund bezahlen. Dann fahren wir mit der U-Bahn zum richtigen Terminal und zurück geht es für mich nach Frankfurt.



Tags: Leben

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Christian
20th Annual Summer School Baroque Dance Studies Cardiff 2011
19.08.2011 20:30:00

Für uns ist es erst der zweite Barock-Sommerkurs in Cardiff, doch für Philippa und einige wenige Veteranen ist es nun bereits der Zwanzigste seiner Art. Im Kurs gibt es dann aus diesem Anlass ein Gläschen Sekt und einen kleinen Rückblick darauf, wie damals alles angefangen hat. Das Rubicon sah noch anders aus und der Kurs endete mit einer großen Aufführung, in der die vielen neu gelernten Tänze den anderen Teilnehmern gezeigt wurden. Heute geht es im Kurs viel mehr um das Erlernen einer sauberen Technik. In den 6 Tagen der ersten zwei Module, die wir dieses Jahr gebucht haben, steht für uns in Teil „SIC Steps in Context“ (Rekonstruktion eines Barocktanzes aus der Beauchamp-Feuillet-Notation und Erlernen der Schritte dazu) nur ein einziger Tanz auf dem Programm: „La Babeth“. Er stammt aus dem „Recueil de danses de bal pour l'année 1705“ und ist nicht nur hübsch, sondern auch schon recht anspruchsvoll – fünf Seiten Notation, eine Minute Musik und recht viel Gehüpfe. Im Technikteil finde ich mich dieses Jahr bereits bei den Fortgeschrittenen (3) wieder, auch wenn ich mich noch nicht wirklich so ganz fortgeschritten fühle, auch nach den 26 Tagen in Barocktanzworkshops im letzten Jahr habe ich noch viele Defizite. Aber ja, die Füße können das alles schon ausführen, die Arme werden noch ihre Zeit brauchen, bis sie wirklich stabil werden und auch bis ich jeden Schritt sofort auf Ansage abrufen kann, wird es noch etwas dauern. Dadurch, dass ich nun bei den Fortgeschrittenen bin, habe ich außer beim Warmup keinen Unterricht mehr bei Judy – schade, sie macht einen guten Anfängerunterricht und bemüht sich für die Leute, die noch mit Englisch als Fremdsprache zu kämpfen haben immer darum, alles klar und langsam auszusprechen. Aber nur bei den Fortgeschrittenen kann ich nun wirklich noch voran kommen.

Um noch etwas mehr Tänze zu lernen mache ich im ersten Modul zusätzlich auch beim „SIC“ der Anfänger mit. Die lernen in drei Tagen ein Menuett – die ersten vier Seiten von „La Baviere“ aus dem „Recueil de danses de bal pour l'année 1706“. Ein hübscher kleiner Tanz von Pécour, der schon eine schöne Bandbreite der Menuettschritte enthält, dabei aber immer für Anfänger auch machbar bleibt. Im zweiten Modul ist dann Diana wieder mit an Bord, in ihrem Teil „R/P Reconstruction and Presentation“ werden drei Country Dances erarbeitet. Als erster Tanz steht „The Parson’s Cap“ aus der Sammlung von Thomas Bray (1699), die sie herausgegeben hat, auf dem Programm. Als weitere Tänze folgen „Bella di Notte“ und „Ceciliana“ aus Jean Claude de la Fond’s „L’Art de Dancer“. De la Fond ist ein (vermutlich französischer) Tanzmeister, den es im 18ten Jahrhundert an eine Universität in Italien verschlagen hat. Das interessante bei der Sammlung ist, dass es zwei unterschiedliche erhaltene zeitgenössische Manuskripte gibt (eins in Parma und ein anderes in Chicago) und dass er für die graphische Notation im Stil von Feuillets „Recueil de contredanses“ zwei unterschiedliche Farben für die Damen- und Herrenseite verwendet hat. Das Manuskript erklärt am Anfang dabei auch, welche Schritte zum Tanzen gewöhnlich verwendet werden können. Das Abendprogramm mit Workshops zu unterschiedlichen Themen entsprach in etwa dem letzten Jahr. In der Costumed Performance zeigte das Lehrerteam Philippa, Judy und Matt zusammen mit dem „bar man“ Jeremy eine Reihe von Barocktänzen. Schön, aber auch so aufreibend, dass Philippa dann am nächsten Tag leider gleich wieder ihre alten Knieprobleme zurückbekommen hatte, eigentlich sollte sie sich schonen.

Auch bei unserer Unterkunft gab es diesmal ein Upgrade, nach dem etwas spartanischen „Etap“ Hotel vom letzten Jahr sind wir diesmal mit einem „Special Deal“ im „Premier Inn“ immer noch günstig untergekommen – dort gab es dann im Vergleich ein richtiges Bad, sogar mit einer Badewanne und ein deutlich besseres Bett. Für die Verpflegung während des Sommerkurses sorgten, wie auch im letzten Jahr, Angela mit ihren Salatvariationen zum Lunch und Phil mit seinem abendlichen Drei-Gänge-Menu. Wie Phil das jeden Abend in der winzigen Küche hinbekommt, fragte ihn Wieslawa einmal – die Antwort: „it’s madness, pure madness!“ Auf besonderen Wunsch hatte er für uns sogar an unserem letzten Abend „Apple Crumble“ gemacht. Beim dritten Modul waren wir dieses Jahr nicht dabei, so haben wir vermutlich das fantastischste Abschlussbüffet der letzten 20 Jahre verpasst.



Tags: Tanz | Workshop | Barock

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Christian
Royal Pavilion - Dress for Excess Costumes
19.08.2011 09:50:00

Zufällig waren wir im Internet auf diese Ausstellung gestoßen: „Dress for Excess“ – eine Kostümausstellung im Royal Pavilion, rund um George IV – Herrn „Prince Regency“ höchstpersönlich. Ich arbeite ja im Moment an meiner Empire Kleidung und könnte Anschauungsmaterial gebrauchen. Für uns war Brighton ein möglicher kurzer Abstecher auf dem Weg nach Cardiff, aber war die Ausstellung auch eine Reise wert? Allzu viele Informationen konnten wir dazu jenseits der offiziellen Seite des Royal Pavilion nicht finden – die Ausstellung schien keiner der „üblichen Verdächtigen“ Kostümblogschreiber bisher besucht zu haben. Wir dachten uns: Wenn es gut ist und wir verpassen die Ausstellung, ärgern wir uns – und wenn sie schlecht ist, sehen wir immerhin den Royal Pavilion – auch der ist eine Reise wert – also haben wir den Abstecher gemacht. In der Tat, der Royal Pavilion ist eine Reise wert, aber wenn man nur wegen der Kostüme dort hin fährt, ist die Ausstellung zu dünn. Verteilt auf einige Räume des Pavilions stehen vielleicht ein Dutzend (Männer- und Frauen-) Kostüme aus der gesamten Lebenszeit des Prinzregenten (also nicht nur Empirekleidung). Dabei sind leider noch nicht einmal alle Kostüme zu sehen, mit denen der Katalog und die Webseite wirbt. In einem gesonderten Raum findet sich dann immerhin sein Krönungsmantel und eine seiner monströsen Hosen. Daneben sind Bilder und Karikaturen zu sehen, die George IV zum Thema haben und ein Rekonstruktionsversuch eines Bauchgürtels („body-belt“ – ein Herrenkorsett), mit dem sich der „Wonneproppen“ versuchte, in Form zu halten – Umfang: 127cm. Die Ausstellung ist also eher nur ein Bonus für Besucher des Royal Pavilions. Für diesen erhält man übrigens am Eingang einen guten im Eintrittspreis enthalten Audio-Guide (auch in deutscher Sprache), der einen durch die Ausstellung führt. Der Königliche Pavillon in Brighton ist ansonsten ein recht ungewöhnliches Gebilde. Von außen ist er ein Palast, gebaut in einem maurisch orientalischen Märchenstil. Innen entfaltet sich zunächst überwiegend eine Chinafantasie, dann modernere auf den damaligen neuesten Stand der Technik eingerichtete Funktionsräume und ein Wohnbereich. Der Royal Pavilion ist also so etwas Ähnliches wie ein Britisches Neuschwanstein – ein prunkvolles Phantasiegebilde gebaut mit den neusten technischen Kniffen. Aber im Gegensatz zu Ludwigs abgeschiedener Privatbühne stand der Royal Pavilion mitten in Brighton, und er war regelmäßig Schauplatz opulenter Feste.



Tags: Kostüme | Empire

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Christian
Sommerballett-Tanzwoche 2011 im Hochschulsport
25.07.2011 15:00:00

Getreu dem Motto „Unverhofft kommt oft“ erreichte mich am 14.7. eine eMail von Malda Denana, dass vom 25.7. bis 29.7.2011 eine extra Sommerferien-Trainingswoche der Ballettklassen in Hochschulsport der Uni-Frankfurt angeboten wird. Genau genommen waren es zwei eMails denn die Zeiten hatten sich noch mal geändert, da es in der gleichen Woche auch einen Modern Dance Workshop im Hochschulsport gab. Im Gegensatz zu dem Modern Dance Workshop war das Balletttraining aber für die Ticketinhaber im regulären Hochschulsport kostenlos – fünf Tage à fünf Stunden Extraunterricht – da kann man nicht meckern. Gut, ich war dann der einzige, der so verrückt, äh fleißig, war alle Klassen an allen Tagen zu besuchen. Außer mir nahmen auch etwa 35 andere Leute aus den Ballettklassen die Gelegenheit zum Training wahr. Manche hatten nur an einem Tag Zeit, mache kamen nur zu einer bestimmten Klasse. Und eine hatte die eMail nicht so genau gelesen und kam erst ab Mittwoch – freute sich aber trotzdem über die Restwoche. Am besten besucht war natürlich die Anfänger bis Mittelstufe Klasse – dort sind die meisten Student(inn)en, die auch mal spontan Zeit haben – in den anderen Klassen sind auch viele Berufstätige. Und an den letzten beiden Tagen war aus der Anfängerklasse sogar noch ein zweiter Mann mit dabei. Wie üblich in den Ferien gab es auch eine Mittelstufe bis Fortgeschrittenen Klasse und eine Klasse für Modernes Ballett. In der letztgenannten Klasse wiederholten wir noch einmal die Übungen von vor zwei Jahren – was man sich so alles merkt – es funktionierte auf Anhieb so halbwegs, es war noch in meinem Körper drin. Ein schönes Angebot für die Ferien, so etwas könnte es öfters geben. Für das Ballett ist jede Pause schlecht, der Körper braucht immer lange, bis er wieder so weit ist wie er einmal war, so sollte am Besten auch in den Ferien ein regelmäßiger Unterricht stattfinden.



Tags: Tanz | Workshop | Ballett

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