Christian Griesbeck

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Christian
3. Rothenfelser Tanzsymposion „all’ungaresca – al español“
06.06.2012 18:30:00

Bereits auf dem Weg, der letzten Etappe mit dem Bus, treffe ich einen Teilnehmer – Rothenfels, das ist so etwas wie ein Familientreffen der historischen Tanzszene, meint er. Und tatsächlich, obwohl es nun 2012 es erst zum dritten Mal stattfindet, ist das Rothenfelser Tanzsymposion bereits eine international bedeutende Institution im Bereich historischer Tanz geworden. Die Teilnehmer kommen aus einer Vielzahl von Ländern, der Schwerpunkt ist Europa, aber sogar aus Australien und den USA sind jeweils zwei Personen angereist. Neben Deutsch ist die Hauptsprache des Symposiums Englisch, auf das meist sofort umgeschaltet wird, wenn jemand dabei ist, der kein Deutsch spricht; auch die Zusammenfassung (in der jeweils anderen Sprache) im zum Symposium bereits erhältlichen Tagungsband ist sicher sehr hilfreich. Nach den Deutschen kommt die zweitgrößte Gruppe diesmal aus Russland, wo sich zur Zeit eine sehr aktive Szene für historischen Tanz bildet. Ein wichtiges Zeichen ist sicherlich auch, dass diesmal einige Franzosen mit dabei sind; aber auch die Österreicher dürfen nicht vergessen werden. Insgesamt sind es rund einhundert Dozenten, Musiker, Organisatoren und einfache Teilnehmer, die sich in der kleinsten Stadt Frankens auf der abgegrenzten Burg Rothenfels zum Symposion zusammengefunden haben. Es ist eine bunte Mischung von interessierten Laien bis zu den alten Hasen aus dem „who’s who“ der historischen Tanzszene. Etwas ganz Besonderes ist hier sicherlich die sehr ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis.

Am Mittwoch ist, nachdem ich den Berg mit meinem schweren Gepäck erklommen habe, erst mal Check in. Ich habe viel Glück, ich hatte ein Bett im Mehrbettzimmer gebucht und nun bin ich alleine in einem Doppelzimmer. Die Burg Rothenfels ist eine Jugendherberge und ein Tagungshaus. Als, wenn auch größtenteils frisch renovierte, Jugendherberge ist alles natürlich entsprechend spartanisch – mit Duschen und WC auf dem Gang. Nachdem ich meine Tagungsunterlagen, und schon eine paar bekante Gesichter, gefunden habe gibt es erst einmal Abendessen. Das Essen ist typisches Jugendherbergs-Großküchenessen ohne jede Ambitionen. Aber die Burg hat ein besonderes Flair – hier sitzen alle auf den Bänken beim Essen (oder zum Abschluss des Abends im Burgkeller) zusammen und kommen miteinander ins Gespräch.

Los geht es am Mittwochabend, zunächst mit einem Kurzauftritt von Barbara Segal und William Tuck: „Courtly Dance meets Country Capers: speculations on the influence of traditional hornpipe on english noble dance“ – bei dem sich die noble Tänzerin und der wilde Hornpipe Tänzer vom Lande gegenseitig domestizieren. Im Anschluss teilen sich die Teilnehmer in zwei Gruppen für einen zweistündigen „Tanzabend“ – eigentlich ein Abendworkshop. Das Programm ist so organisiert, dass durch die Gruppeneinteilung jeder an allem teilnehmen kann. Für mich steht als erster Tanzabend im Rittersaal Alan Jones mit „Spanish Minuet Improvisation“ auf dem Programm. Der Rittersaal ist der berühmtberüchtigte Saal in Rothenfels mit einem unebenen Natursteinboden – mittlerweile zumindest mit einem Textilbelag etwas verbessert –  aber immer noch nicht wirklich tanzgeeignet. Von dem, was Alan Jones aus den spanischen Quellen gelesen hat, sind für mich die Variation der Arme (auch mit sehr hohen Armen, und Armen über zwei Menuettschritte verteilt) für das Menuett das interessanteste. Der eigentliche Improvisationsteil ist dann dröge – es tanzt eine gefühlte Stunde lang auf der Fläche immer nur jeweils ein Paar, das sich produziert. Immerhin, wir haben hier im Rittersaal das fünfköpfige Musikensemble des Symposiums, das für uns spielt. Der Abend klingt für mich im Burgkeller bei einem dunklen Bier und netter Unterhaltung aus.

Am Donnerstag beginnt nach dem Frühstück das volle Tagungsprogramm mit den Vorträgen. An den vier Vormittagen der Tagung gibt es insgesamt 13 überwiegend englischsprachige Vorträge. Eine meist erweiterte Form der Vorträge findet sich auch im Tagungsband, den ich mir natürlich gleich kaufe. Die Vortragenden sind zum Teil Doktoranden, die einen Ausschnitt aus ihrer Arbeit präsentieren, zum Teil international bekannte Tanzwissenschaftler und zum Teil ebenfalls international bekannte Praktiker und Künstler. Der Donnerstag hat den Fokus: Italien, Frankreich und Europa. Zur Eröffnung trägt Gerrit Berenike Heiter unter dem Titel: „Getanzte Vielfalt der Nationen, ihre Darstellung  und Funktion im französischen Hofballett (Ende 16. Jahrhundert-Mitte 17. Jahrhundert)“ einen Teil aus ihrer Doktorarbeit vor. Dabei hat sie für die Tagung einen guten Aufmacher, in dem sie die einzelnen Länder der Anwesenden durchgehen kann – nur die Slowenen finden sich nicht als Charakter im französischen Hofballett. Die Charaktere, mit denen die einzelnen Länder in Frankreich dargestellt werden, sind indes meist nicht sehr schmeichelhaft. Im Anschluss trägt Markus Lehner für den verhinderten Marko Motnik vor: „Die italienische Tanzkunst am Habsburger Hof und der Tractatus de arte saltandi von Evangelista Papazzone (um 1572–1575)“. Es wird eine neu entdeckte Quelle vorgestellt, die ein wichtiges Indiz für die Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte der italienischen Tanzkunst in Österreich ist. Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit dem Vortrag von Karin  Fenböck: „Wien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Hilverdings ‚danza parlante’ als Schmelzpunkt der Tanzkulturen?“ Neben der Situation von Tanz und Theater in Wien wird hier aufgezeigt, dass Noverre nicht der einzige Reformator hin zum Handlungsballett in seiner Zeit war, allerdings hat sich außerhalb von Wien für Hilverdings Neuerungen keiner interessiert – Noverre hat seine Ideen offensichtlich besser vermarktet. Den Abschluss macht der Vortrag von Guillaume Jablonka: “French-Italian dance technique on the European stage of the late eighteenth century,” in dem er Schritte und Passagen aus dem Ferrère Manuskript (1782) vorstellt und in Beziehung zu Magri (1779) setzt.

Nach der Theorie und dem Mittagessen geht es weiter mit der Tanzpraxis in den Workshops. Wir sind in drei Gruppen aufgeteilt, die Dozenten unterrichten ihren anderthalbstündigen Workshop jeden Tag in einem anderen Raum, die Gruppen bleiben in ihrem Raum, so dass man nach und nach alle Workshops erlebt. Ich habe es mit dem Saal im Amtshaus gut getroffen, durch seinen Schwingboden ist er zum Tanzen der beste Raum von Burg Rothenfels. Als erstes gibt Nicoline Winkler einen Workshop zum „Repertoire der Pariser Opernbälle im frühen 18. Jahrhundert“. Da der Beitrag ursprünglich als Vortrag geplant war, gibt es erst einmal eine theoretische Einführung zu den Bällen in der Pariser Oper ab 1716 – die Contredanses hatten dort schon die alten Tanzformen verdrängt. Im praktischen Teil gibt es mit Livemusik drei Tänze aus der neu entdeckten Chorégraphie - Durlach 209/210 zu erlernen. Als zweiter Workshop steht Guillaume Jablonka mit „Trying to find Magri’s Pas Trusé” auf dem Programm. Der Pas Trusé aus Magri’s Buch (1779) ist ein aus vier Teilen zusammengesetzter Schritt und wir spielen verschiedene Möglichkeiten der Ausführung durch – ein eher experimenteller Workshop. Nach dem Abendessen gibt es einen Kurzauftritt von der frisch angereisten Ana Yepes mit „Dances of the Spanish Baroque“. Bei dem kastagnettenlastigen Auftritt würde ich natürlich gerne wissen, was von den Armen aus Quellen belegt ist und was eine modere Readaption ist, gut sieht es in jedem Fall aus. Und danach bin ich bei einem Tanzabend von Uwe Schlottermüller und Jørgen Schou-Pedersen „’Budapest, Kairo, Peking’ – unterwegs mit Dubreil und Delpêch“. Wir lernen einige witzige Contratänze, auch schon im Hinblick auf den Ball am Sonnabend.

Auch am Freitagvormittag gibt es wieder vier Vorträge; diesmal mit dem Fokus auf Deutschland und Polen. Hubert Hazebroucq beginnt den Reigen mit einem französisch-deutschen Kulturtransfer: „Six French dances in Germany: An Instruction by Johann Georg Pasch (1659)“. Paschs Text ist eine wichtige Quelle für den Tanz im 17ten Jahrhundert, leider nicht, weil er den Tanz gut beschreibt, sondern weil er eine der wenigen Quellen aus diesem Jahrhundert überhaupt ist – Hazebroucq macht aus den Tanzbeschreibungen recht stimmige Rekonstruktionsversuche. Im Anschluss präsentiert Alessandra Kajdanska ein neu gefundenes Manuskript aus der gleichen Zeit, eine Seite mit Tanzbeschreibungen die sich in einem Tagebuch gefunden hat: „Von Unterschiedlichen Täntzen. The Diary of Georg Schroeder and the tradition of dance culture in Gdansk in the second half of the 17th century.” Die Seite enthält verbale Beschreibungen und Raumskitzen für fünf Gesellschaftstänze – leider ohne Schrittmaterial und Musik. Carol Marshs Beitrag „The Elusive Baroque Polonaise“ wurde kurzfristig von einem Workshop zum Vortrag, so dass es der Text leider nicht mehr in den Tagungsband geschafft hat. Es geht um das Erscheinen der Polonaise in Traktaten im 18ten Jahrhundert und die Rekonstruktion der „Nev Figvrirte Polonoise“ aus Winterschmids: „Kurze und leichte Anweisung...“. Im Anschluss beschäftigt sich Hannelore Unfried mit einem ost-westlichen Kulturtransfer: „Der Cotillon: Die Mazurka wird ‚German’“ und geht dabei der Frage nach, wie und ob beide Tänze zusammenhängen. Am Nachmittag sind wieder die Tanzworkshops an der Reihe. Zunächst Barbara Segal mit: „French Noble Dance in England: a Delight in Complexity?“ Anders als die Tanzmeister in Frankreich, die von der Akademie reglementiert wurden, waren die Engländer freier was das Schrittmaterial und die rhythmische Struktur anbelangt – ein Beispiel hierfür ist die Hornpipe. Leider bekommen wir die Choreographien nicht als Handout, sondern sie werden an die Wand projiziert. Sieben Seiten Hornpipe in 90 Minuten und dabei zu versuchen mit Fernblick gleichzeitig die Choreographie zu entziffern, ist selbst für mich auf Dauer zu viel Complexity und zu wenig Delight, aber ich steige im Gegensatz zu den meisten immerhin erst kurz vor Schluss aus. Der zweite Workshop kommt von Hannelore Unfried „Cotillon: Gestampft, Geschlagen, Gewählt - Mazurka im frühen 19. Jahrhundert.“ Wir spielen verschiedene Cotillons durch, auch schon im Hinblick darauf, welche ballgeeignet sind. Nach dem Abendbrot gibt es wieder einen Kurzauftritt - Irene Ginger und Hubert Hazebroucq zeigen „einige Metamorphosen des Menuetts“ – schade, dass meine Kamera diesmal aus bleiben musste. Beim anschließenden Tanzabend unterrichtet Ingo Günther den „Figurenländler des 18. Jahrhunderts“ – ich kenne seine Choreographie bereits aus einem früheren Workshop mit ihm. Wie jeden Abend trinke ich noch im Burgkeller bei netter Unterhaltung ein dunkles Bier. Diesmal bewundere ich Carles Mas, der für unsere Musiker tanzt, Flöte spielt und gleichzeitig trommelt, fast als sei er dem Holzschnitt aus Arbeau entsprungen.

Der Samstag ist für mich ein spanischer Tag. Am Morgen gibt es drei Vorträge mit dem Fokus auf die mediterrane Sphäre. Christine Bayle, Carles Mas und Barbara Sparti bekommen den kompletten ersten 90 Minutenblock für ihren Gemeinschaftsvortrag: „A Hit Tune Becomes a Hit Dance: The Travels of a Pavane through Italy, the Iberian Peninsula, France and Germany.“ In der Tat, die Pavane ist im 16ten Jahrhundert schnell zu einem Hit geworden. Dass sie absolut nichts mit dem drögen „simple, simple, double“ zu tun haben muss, zeigt der Vortrag und auch ein Workshop am Nachmittag. Im zweiten Block gibt es wieder zwei Vorträge. Ana Yepes mit „From the Jácara to the Sarabande“ – beide Tänze sind eine Art Geschwister, die mit dem Schwerpunkt auf der Jácara dargestellt werden, Armbewegungen sind leider nicht erhalten. Unter dem Titel „In Search of the Fandango“ geht danach Alan Jones auf Spurensuche nach diesem Spanischen Tanz, wie er im 18ten Jahrhundert getanzt wurde. Eine komplette Choreographie ist leider nicht vorhanden, so dass Andeutungen zu einem Bild zusammengesetzt werden müssen. Die Workshops am Nachmittag beginnen mit „The Iberian Pavana by Jaque,” die Carles Mas lehrt. Juan Antonio Jaques „Libro de danzar“ ist eine wichtige Quelle des späten 17ten Jahrhunderts und als der Workshop vorbei ist, denkt man nur – davon möchte ich mehr können. Den letzten Workshop des Symposiums „La Escuela Bolera“ gibt Anna Karin Stahle. Dieser Tanz, der seine Wurzeln im späten 18ten Jahrhundert hat, blieb durch die zunächst nur mündliche Tradierung sicher nicht frei von jüngeren Einflüssen, Spaß macht er trotzdem. Am Abend ist dann der große Ball des Symposiums. Gewünscht wurde festliche Kleidung des 18ten Jahrhundert und viele erscheinen natürlich in ihren Kostümen – am besten gefallen haben mir die Kostüme der Russen. Die Musik kommt komplett live von unseren Musikern, getanzt wird vornehmlich, was zuvor an Gruppentänzen in den Workshops gelernt wurde. In der Pause gibt es kleine Häppchen, der Ball geht weit bis nach Mitternacht und viele bleiben auch nach dem offiziellen Schluss noch lange beisammen.

Nach einer, wie immer zu kurzen, Nacht geht es am Sonntag auch mit den Vorträgen in die letzte Runde und auf zu neuen Welten, denn bisher lag der Schwerpunkt des Symposiums ja auf Europa. Barbara Alge berichtet von ihren Forschungen von einem europäischen Kulturtransfer nach Afrika und Südamerika: „Die Mourisca aus Portugal und ihre Rolle als "Botschafterin"  seit dem 15. Jahrhundert“. Und als letzten Vortrag hören wir Tiziana Leucci mit “From Pietro della Valle to Gaetano Gioja : or the Curiosity for the “Others”. The Interest for Indian Dances and Oriental Customs (& Costumes) in Europe (1663-1821)“ Das Interesse in Europa für alles Exotische war natürlich groß. Der Kulturtransfer aus Indien fand in erster Linie allerdings durch Reiseberichte statt, so dass was in Europa zu sehen war sicherlich mehr Projektion als Import war.

Vielleicht war das Symposium zu heterogen, um bei der Schlussrunde ein Gesamtfazit zu ziehen; noch bevor es zum Lob der Vermischung der Kultur in Europa kommen kann, übernehmen die Hinweise auf weitere Veranstaltungen überhand. Und dann, bei der Frage ob es in vier Jahren ein viertes Rothenfelser Tanzsymposion geben wird, platzt eine kleine Bombe – diesmal war das Symposium durch zu wenig Teilnehmer defizitär, da es bislang nicht öffentlich gefördert wird, ist eine Fortsetzung fraglich, zudem lastet im Moment auch die Organisation auf zu wenig Schultern. Beides sind Dinge, die sich ändern lassen und ich biete spontan meine Hilfe an. Besonders ärgerlich ist dabei, dass einige Leute Probleme hatten sich bei Burg Rothenfels anzumelden, trotzdem die Veranstaltung nicht ausgebucht war. Eine Fortsetzung ist für die historische Tanzszene in Deutschland, und vielleicht sogar in Europa sehr wichtig, trägt es doch wesentlich zum Austausch, zur Professionalisierung und der Hebung des Gesamtniveaus bei. Ich denke, wir brauchen in Deutschland (wie z. B. in UK) für so etwas eine Trägerorganisation, die sich um den Historischen Tanz kümmert und die Standards hebt. Nach dem abschließenden letzten gemeinsamem Mittagessen ist es Zeit für den Nachhauseweg – ich habe Glück und werde bis zum Aschaffenburger Bahnhof mitgenommen – die Anbindung von Rothenfels mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ja leider besonders an Sonn- und Feiertragen schlecht. In den vier Tagen gab es dreizehn Vorträge, neun Workshops, einen Ball und viele nette Gespräche – das war ein volles Programm. Das Symposium wird noch lange nachwirken, der Tagungsband ist ja auch schon erschienen, so dass alle, die es verpasst haben, zumindest die Vorträge nachlesen können. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mich kurzfristig entschlossen hatte dabei zu sein. Rothenfels 2012 hatte eine einmalige, sehr bereichernde Atmosphäre, schade dass es nur alle vier Jahre stattfindet.



Tags: Ball | Biedermeier | Empire | Barock | Renaissance | Workshop | Tanz | Symposion

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Christian
1. Tanztag Rhein-Main 2012
12.05.2012 11:20:00

Der erste „Tanztag Rhein-Main“ bietet eine Menge verschiedener Möglichkeiten in Frankfurt und Umgebung tänzerisch in Bewegung zu kommen. Organisiert wird er von Tanzlabor_21, das sich eigentlich primär um den zeitgenössischen Tanz kümmert. Aber an diesem Tag gibt es nun einen bunten Mischmasch, einen kleinen Querschnitt durch die Tanzschulszene im Rhein-Main Gebiet – denn bereitgestellt werden all die kleinen Schnupperworkshops von den vielen lokalen Ballettschulen und einigen Tanzgruppen. So ist vom „Afrikanischen Tanz“ bis „Zumba®“ ein Großteil dessen vertreten, was aktuell in diesen Schulen unterrichtet wird. Hätte ich früh genug von dem Tanztag erfahren, hätte ich vermutlich sogar ganz unzeitgemäß mit einem Schnupperworkshop für „Barocktanz“ beigetragen, so bin ich dieses Jahr nur Teilnehmer.
 
Als erstes hat man die Qual der Wahl, was man denn machen möchte – und kann, denn das Angebot ist für mich quer über Frankfurt verteilt, und viel Zeit geht dabei verloren, von Location zu Location zu kommen. Besser wäre es natürlich, wenn ein Großteil der Veranstaltungen an einem zentralen Ort mit vielen Hallen, wie z. B. dem Zentrum für Hochschulsport gebündelt wäre. So habe ich zunächst den Plan gewälzt, versucht einen Zeitplan zu machen, und bin dann zu der Erkenntnis gelangt – am Besten ist, spontan zu schauen was sich verbinden lässt. Ich starte schon mal später als geplant, so fahre ich nicht nach Sachsenhausen zum Ballett, sondern ziehe erst einmal zur Musikhochschule – dort gibt es vom Masterstudiengang für Zeitgenössische Tanzpädagogik im 20 Minuten Rhythmus unter dem Titel „Shorter than Tanzsprint“ verschiedene Workshops. Der erste Workshop, den ich erwische heißt „Moving into Ballet“ – also doch noch etwas Ballett am Morgen. Der nächste Workshop, den ich noch aus der Reihe mitmache, heißt „Crawling up“ und ist auch zugleich für mich der anstrengendste des Tages. Gekrabbelt haben wir alle – es ist wirklich überraschend, wie viel Körpereinsatz dafür notwendig ist – gekrabbelt wird hier natürlich mit Bewegungskonzepten und nicht einfach so. Selbstverständlich wird die angesetzte Zeit überzogen, so dass ich auch meinen Zeitplan umschmeiße, was ist als nächstes zu erreichen? Mit etwas Pause kann ich zum „Zeitgenössischer Tanz“ gehen, am Südbahnhof. Aber die Dame schickt alle Interessierten wieder weg – offensichtlich nicht ihre Zielgruppe (keine kleinen Mädchen), und der Workshop fällt aus. Ich verliere durch sie jedenfalls eine Stunde, disponiere wieder um, als nächstes ist nun spontan „Flamenco“ am Zoo an der Reihe. Ich hätte sogar Flamencostiefel gehabt, wenn das eingeplant gewesen wäre, aber die hätte ich in dem Studio wegen dem Boden und den Nachbarn ohnehin nicht benutzen dürfen. Weiter geht es, nach einem Zwischenstop zu Hause, im Gallusviertel mit „Insight to Forsythe“ – ein paar Konzepte seiner Improvisationstechnik kenne ich ja bereits, so dass ich hier nicht viel Neues erfahre. Es ist jedenfalls von den Workshops, die ich heute besuche, der bestfrequentierteste – sogar einige Männer haben sich eingefunden. Eigentlich war es das schon für mich, mit dem was ich an Workshops zeitlich erreichen konnte. Der „Bauchtanz“ später ist diskriminierenderweise mal wieder nur für Frauen ausgeschrieben – Männer sind da ja offensichtlich eh nur Spanner. Aber jetzt im Anschluss ist noch „HipHop/Streetjazz“ hier im Studio, zu dem auch die Männer freundlich eingeladen werden. Ich mache also spontan noch etwas mit, aber nach rund hundert Sit-ups als Warm-up und zu vielen Seitwärtsbewegungen, die auf dem harten Boden voll auf die Knie gehen, breche ich auf – ausnahmsweise mal ein Tanz, der so nichts für mich ist.

Am Abend ist als Abschluss noch ein großes Tanzfest in der Union Halle. Es gibt Tanzmusik, zu der alle die üblichen Freiformzappelbewegungen machen – klassischer Gesellschaftspaartanz kam in Frankfurt ja auch schon tagsüber nicht vor – schade eigentlich, dass diese Kulturtechnik wohl verloren geht. Zwischendurch gibt es an diesem Abend noch ein angeleitetes Potpourri verschiedener Tänze zum Mitmachen für alle – einen Moldawischen Diskotanz, einen Scottish Country Dance, Hiphop, einen Griechischen Tanz, einen Line-dance und Swing. Insgesamt eine schöne Veranstaltung, die hoffentlich wiederholt wird – schade halt, dass sie nicht an einem zentralen Ort stattgefunden hat.



Tags: Tanz | Workshop | Ballett | Gesellschaftstanz

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Christian
Barocktanzworkshop und Abschlussball in der Musikhochschule 2012
27.04.2012 14:30:00

Wie jedes Jahr gibt es auch diesmal vom 27.4.2012 bis 29.4.2012 wieder einen Barocktanzworkshop mit Niels Badenhop in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Da sich der Kurs vornehmlich an Anfänger richtet, kann ich natürlich hier nicht mehr viel lernen, aber es ist für mich ja fast schon eine Tradition, ihn zu besuchen. Es ist diesmal recht voll, weil die Vorlesungszeit schon im vollen Gange ist, und der Kurs muss deshalb in zwei Gruppen geteilt werden. Was mir diesmal auffällt – Niels ist im Laufe der Jahre didaktisch immer besser geworden. Vor vier Jahren, als ich zum ersten mal diesen Workshop besucht habe, waren die Tänze komplexer, nun legt er mehr Wert darauf, dass jeder mitkommt und erzählt auch einiges vom Hintergrund des Barocktanzes – diesmal gibt es sogar ein umfangreiches Handout dazu. An Musik hat Niels die Oper Montezuma von Carl Heinrich Graun ausgegraben. Beim traditionellen „Abschlussball“ am 30.4.2012, bei dem das Gelernte mit Livemusik vor Publikum gezeigt wird, war durch die Größe der Gruppe nicht so viel an verschiedenen Tänze zu sehen, dafür mehrmals die gleichen, aber die Zuschauer und die Tänzer hatten trotzdem ihren Spaß.



Tags: Tanz | Workshop | Auftritt | Barock

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Christian
Bachchor Mainz – Bach – Johannespassion
06.04.2012 19:30:00

In der Christuskirche bietet der Bachchor Mainz saisonbedingt zum Karfreitag die Johannespassion von Bach. Ursprünglich war geplant, sie in der seltener gespielten Schumannbearbeitung aufzuführen, aber nun gibt es sie in der heute üblichen Fassung. Ich finde, die Johannespassion von Bach klingt etwas spröder als seine Mathäuspassion, beides hat Charme. Klanglich hervor treten bei der Aufführung natürlich der Chor, der Evangelist, Pilatus und Christus; die (heute) mit Frauen besetzten Soli überzeugen mich nicht so ganz, das mag aber daran liegen, dass sie auf der von mir am weitest entfernten Stelle des Podiums platziert sind. Überrascht bin ich von dem jungen Publikum.



Tags: Konzert

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Christian
1. Frühlingsball in Bad Arolsen 2012
24.03.2012 14:30:00

Das Jahr beginnt in Sachen historischer Tanz und Reenactment so, wie das letzte Jahr zuende gegangen ist – mit einem Barock-/Rokokoball. Letztes Jahr in Dillenburg hatten wir Matthias kennen gelernt. Er ist Organisator der Reenactment Interessengemeinschaft „History Action“ und er hat uns gleich zum ersten großen Frühlingsball im Schloss von Bad Arolsen eingeladen. Der Ball war zwar schon ausgebucht, aber es wurden dann für uns noch Ballkarten frei, die wir gerne angenommen haben. Mit dem Umziehen hat alles problemlos geklappt und damit sind wir diesmal sehr früh dran. Zunächst begrüßen, aufgerufen durch den Zeremonienmeister, die Delegationen aus den einzelnen Ländern die Gastgeber und jede Dame bekommt als Gastgeschenk eine Rose überreicht. Als Ehrengast erscheint, von Fanfahren begrüßt, sogar der alte Fritz höchstpersönlich. Weiter geht es in drei Gruppen – für uns steht zunächst die Kaffeetafel auf dem Programm, andere flanieren oder sollen an einer Führung des Gastgebers durch sein Schloss teilnehmen. Die Führung fällt aber leider aus, weil das Schloss noch durch eine reguläre Führung blockiert ist. Nun, Kaffee und Kuchen sind jedenfalls lecker und wir sitzen doch tatsächlich mit Friedrich dem Großen am Tisch, der neben den leiblichen Genüssen auch dem Laster des Tabakgenusses frönt. Nach dem Kaffee bleibt das Flanieren, leider nur im Hof des Schlosses, weil sich kein Zugang zum Park findet, der irgendwo hinter dem Schloss sein muss. Aber als Abwechselung steht eine Kutsche bereit für eine kleine Fahrt durch die Stadt, ein sehr schönes Element! Die Passanten in der Stadt sind natürlich etwas verwundert über all die hohen Herrschaften, die da an ihnen vorbeirauschen. Auch das passend gekleidete Photographenpaar macht unermüdlich Bilder, die das Ereignis festhalten. Weiter geht es für die hundert Gäste mit einem gemeinsamen festlichen Mahl im großen Saal des Schlosses. Das Perlhuhn ist sehr lecker, dazu gibt es Livemusik. Die Tischgespräche sind, wie auch die Bekleidung von Bedienung und Musikensemble, nicht allzu authentisch – es geht wie meist um Kostüme, das nötige Zubehör für Reenactment und was man so macht. Dann muss der Saal geräumt werden – Umbau für den Ball. Eine kleine Fehde mit einer Fechtszene überbrückt draußen die Wartezeit.

Der Ball beginnt mit einem festlichen Einzug der Gäste in einer Polonaise. Getanzt wird aber erst einmal nicht, sondern es gibt ein Konzert mit Musik und Opernarien aus dem Barock. Danach gibt es noch einen kleinen Ausflug ins 19te Jahrhundert (vorher war der Spitzentanz noch nicht erfunden) mit einem putzigen Frühlingstanz. Das enttäuschendste an Barockbällen ist für Leute, die sich mit richtigem Barocktanz befasst haben scheinbar meist der Tanzanteil. Die Musik kommt auch hier wieder aus der Konserve, getanzt werden nur einfache Countrydances, auf barockes Schrittmaterial wird fast völlig verzichtet und die Tanzmeisterin war zeitweise etwas überfordert mit dem „Flöhe hüten“. Da sind die Bälle natürlich im Vorteil, die mit einem Workshop verbunden sind, oder das Ballprogramm vorher veröffentlichen. Aber ich bin auch vielleicht einfach viel zu verwöhnt von der Qualität, die in dieser Beziehung bei Scottish Country Dance Bällen erreicht wird. Die meisten Leute, die Barockreenactment machen, wissen halt wenig von Barocktanz – und die meisten Leute, die ernsthaft Barocktanz machen, betreiben kein Reenactment. Eine weitere kleine Reenactmentspielszene lockert die Pause auf, auch das gut ausgestattete Spielzimmer ist einen Besuch wert. Um Mitternacht gibt es dann ein Feuerwerk für die Ballgäste, womit der Ball aber lange noch nicht zuende ist. Es ist klar, dass beim ersten Mal nie alles so 100% klappt, wie man es geplant hat, in jedem Fall steckt viel Arbeit dahinter. Schade finde ich, dass nicht mehr vom Schloss zugänglich war. Aber vielleicht findet ja im nächsten Jahr wieder ein Frühlingsball statt.



Tags: Reenactment | Ball | Barock | Tanz

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Christian
Tutanchamun Ausstellung - Sein Grab und die Schätze
19.12.2011 14:30:00

Die Tutanchamun Ausstellung in Frankfurt mit dem Untertitel „Sein Grab und die Schätze“ klang schon von der Ankündigung sehr interessant und als ich dann einen „Zwei für Eins“-Gutschein hatte, war die Entscheidung schnell gefällt – reingehen. Die Idee, statt dem „Fetisch Original“, hochwertige Kopien auszustellen ist im Prinzip ein gutes Konzept, das allerdings mit der Qualität der Kopien steht und fällt. Kopien haben gegenüber dem Originalstück viele Vorteile – man spart sich den konservatorischen Aufwand, hat eine geringere Versicherungssumme und kann sie durch ihre Mehrfachverfügbarkeit in verschiedene Kontexte stellen. Das Konzept der Ausstellung nutzt das, indem zunächst die Kammern des Grabs so dargestellt werden, wie sie Howard Carter 1922/1923 vorgefunden hat und dann danach die wesentlichen Fundstücke noch einmal einzeln zu sehen sind. Ein kostenloser Audioguide führt durch die Ausstellung.

In der Ausstellung gibt es zunächst einen Raum über das historische Umfeld des Fundes, dann zwei Räume mit Filmen, die überleiten zu der Darstellung der Kammern zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung. Der Zustand der Kammern wurde aus den Grabungsfotos rekonstruiert – sie sind wild vollgestapelt mit den Grabbeigaben. Zunächst wird die Vorkammer beleuchtet, dann die Schatzkammer und zum Schluss als dramatischer Höhepunkt die Grabkammer bei der Bergung des Goldsargs. Die Grabkammer ist dann auch ein Zentralteil des folgenden Ausstellungsbereichs. Hier werden die einzelnen ineinander geschachtelten Sarkophage gezeigt, um sich die enge und die wirklichen Dimensionen der Grabkammer vorstellen zu können (die Textur der Reproduktionen finde ich allerdings am wenigsten gelungen). Schließlich wird der eigentliche massive Goldsarg präsentiert, dann die berühme Maske und die bei der Mumie gefundenen Schmuckteile. Dahinter findet sich eine thematisch sortierte Ausstellung der anderen Grabbeigaben. Es gibt dann noch einen Raum zu Howard Carter. Und am Ende der obligatorische Museumsshop mit allerlei Kitsch und Krimskrams, allerdings auch einer Reihe interessanter Bücher.

Ich finde, dass die museumsdidaktische Aufbereitung durchaus noch zu verbessern wäre, die Ausstellung ist da nicht auf der Höhe der Zeit. Für kleine Kinder ist die Ausstellung ganz klar ungeeignet, die werden schon nach einer Viertelstunde anfangen zu nörgeln – das ist nur etwas, wenn die Kinder echte Ägypten und Pharaonenfans sind. Der mehrsprachige Audioguide ist ok. Photographieren ohne Blitz ist erlaubt. Für den Besuch der Ausstellung sollte man rund drei Stunden einplanen.



Tags: Leben | Ausstellung

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Christian
Filmmusikkonzert Steven Spielberg und John Williams in der Alten Oper Frankfurt
16.12.2011 20:00:00

In der Alten Oper gibt es symphonische Filmmusik von John Williams zu hören, zweifellos einem der ganz großen Meister seines Faches. Einige seiner besten Werke sind in Zusammenarbeit mit einem anderen Meister seines Faches – dem Regisseur Steven Spielberg entstanden. Diesem Gespann ist der heutige Abend gewidmet. Multimedial sollte die Präsentation sein, mit Bildern und Ausschnitten aus den zur Musik gehörenden Filmen. Doch leider ist Herr Spielberg recht restriktiv bei der Vergabe von Rechten zur Aufführung von Ausschnitten aus manchen seiner Filme. So bekommt man an diesem Abend, selbst in der Schindler Stadt Frankfurt am Main, keine Ausschnitte aus Schindlers Liste zu sehen – hier musste die Lichtregie einspringen. Zumindest eine Diashow hätte ich mir an manchen Stellen gewünscht, und auch die Einblendung des jeweiligen Titels – wenn man schon mal eine Leinwand hat. Die Musik selber – viele absolute Filmmusikklassiker. Wie z.B. das Thema aus Jurassic Park (1993), das für mich im Vergleich mit der Originalfilmmusik allerdings im Liveorchester zu dumpf in den Streichern und zu blechlastig klang – hier hat natürlich die perfekte moderne Studioabmischung bei einem Spielfilm deutliche Vorteile gegenüber einem klassischen Symphonieorchester. Die älteren Stücke wie Jaws (1975) oder die Zugabestücke klingen da schon viel näher am Original, damals wurde der Orchesterklang offensichtlich direkter verwendet. Bei den drei Stücken aus Schindler’s List (1993) darf der Konzertmeister sein Bestes geben und John Williams setzt hier mal eine Kippa auf. Bei den Stücken aus Indiana Jones And The Kingdom Of The Crystal Skull (2008) hört man in der isolierten Musik des Abends bewusster als im Film mit den Dialogen und Soundeffekten, wie John Williams mit den Themen arbeitet. Nach der Pause geht es weiter mit Hook (1991) und allerlei Aliens; guten wie in Close Encounter Of The Third Kind (1977) und E.T. (1982), das den Abschuss bildet, oder bösen wie in War Of The Worlds (2005). Dazwischen gab es noch einen Ausflug in das Empire Of The Sun (1987) und an einen Flughafen in The Terminal (2004). Die drei Zugabestücke haben dann einige Besucher schon verpasst, die sofort bei Beginn des Schlussapplauses den Saal verlassen haben – genauso wie sie vermutlich schon beim ersten Anschein vom Beginn des Abspanns aus dem Kino rennen würden. Wer bleibt, hört dann noch Musik aus Spielbergs Munich (2005) sowie dem turbulenten 1941 (1979). Und zu guter Letzt gibt es dann noch John Williams’ vielleicht größten Hit – die Titelmusik aus Star Wars (1977) zu hören – da rockt natürlich der Saal, auch wenn es natürlich kein Spielberg Film ist. Ein Abend mit schöner Filmmusik, der sich wirklich gelohnt hat.



Tags: Zuschauer | Konzert | Film

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Christian
Barocker Hofball in Zabeltitz 2011
10.12.2011 10:00:00

Mein Barocktanzmarathon findet für mich in diesem Jahr mit dem Barocken Hofball in Zabeltitz seinen Abschluss. Den von Uwe Müller alias Graf Wackerbarth organisierten Hofball gibt es nun schon seit einigen Jahren, auch wenn er im letzten Jahr, aufgrund der unsicheren Situation rund um das Palais in Zabeltitz, ausfallen musste. Wir sind dieses Jahr am 10. Dezember 2011 zum ersten Mal mit dabei und freuen uns auch auf die Reenactmentelemente, die hier mit einfließen. Los geht es eigentlich schon am Freitagabend mit einem kleinen Tanzkurs und geselligem Beisammensein, aber durch einen Terminkonflikt können wir leider erst in der tiefen Nacht vor Ort ankommen. Zu allem Überfluss verfahren wir uns noch auf dem Weg, ein Straßenatlas von 1993 ist halt nicht mehr allzu aktuell. Nach einer langen Fahrt und einer zu kurzen Nacht gibt es im Gästehaus Zabeltitz ab 8 Uhr ein leckeres Frühstück – sogar mit Bacon and Eggs. Ab 10 Uhr morgens gibt es dann noch mal zwei Stunden Tanzkurs mit der Tanzmeisterin des Abends – Ilka Trotte – die auch schon seit Jahren beim Sonnenball die Tanzmeisterin gibt und nun auch Historische Kostüme anfertigt (die wir an dem Abend an ihr bewundern können). All zuviel verpasst haben wir am Freitagabend nicht, denn wir wiederholen die Tänze noch einmal – alles einfache Klassiker wie „Indian Queen“ aus der Sammlung Playford (1651) und „La Matelote“ aus Feuillets Recueil de Contredances (1706). Insgesamt werden dann sieben Tänze gelernt und am Abend kommen spontan noch ein paar weitere hinzu. Wer mag, kann sie mit den entsprechenden Barockschritten tanzen, Technik wird an dem Morgen aber nicht vermittelt. Die längere Pause bis zum Nachmittag nutzen wir dann, um noch etwas Schlaf nachzuholen.

Weiter geht es nach dem Umziehen mit dem Sektempfang im Palais ab 15 Uhr. Gut, dass wir im wenige Schritte entfernten Gästehaus untergekommen sind, ein Umkleiden vor Ort ist nicht vorgesehen. Für die kalte Witterung haben wir unsere Kostüme extra noch um Umhänge erweitert, die wir in der Woche davor schnell noch genäht haben. Vor dem Schloss hält ein Soldat Wache und kontrolliert unsere Einladung, wir dürfen eintreten. Der Zeremonienmeister stellt uns dann Graf Wackerbarth und den wartenden Gästen vor – offensichtlich sind wir die einzigen, die Uwes Angabe, dass die Gäste zwischen 15:00 und 15:30 Uhr nach und nach eintrudeln sollen, ernst genommen haben – denn wir kommen als letzte an und werden natürlich beäugt – wie peinlich. Aber der Zeremonienmeister entschuldigt unser spätes Eintreffen mit dem schändlichen Überfall unserer Kutsche (wir haben arabische Ölscheichs und deutsche Politiker im Verdacht) und der langen Fahrt durch die Nacht. Weiter geht es mit der Kaffeetafel. Der Zeremonienmeister ruft jedes Paar einzeln nach seinem Rang auf und dieses wird dann von einem Diener an der gemeinsamen Tafel platziert – je niedriger der Rang, desto weiter entfernt vom Gastgeber sitzt man natürlich. Um 17 Uhr wird dann die Kaffeetafel aufgelöst und die Gäste verteilen sich in die, nun von Kerzenlicht erleuchteten, oberen Räume des Palais. Im Kaminzimmer lodert bereits das Brennholz und wärmt den Raum. Dort ist auch Gelegenheit, Schach oder Karten zu spielen und sich mit den anderen Gästen zu unterhalten. Ein Paar nutzt die romantische Gelegenheit und verlobt sich hier. Weiter geht es mit einem kleinen Streichkonzert barocker Musik durch die Musikschule Meißen. Um 19 Uhr beginnt dann das Diner mit einem 3-Gänge-Menü, wir sitzen wieder alle zusammen an der Tafel und das Essen wird uns serviert. Hier gibt es auch ein paar Reenactment Spielszenen und Trinksprüche werden vorgetragen. Im Anschluss wird das Schokoladenbüfett präsentiert. Die schlecht Luft durch die Wunderkerzen geben dabei leider Carola für den Moment den Rest, ihr ist schon das Hauptgericht nicht gut bekommen, so dass sie raus an die frische Luft muss – erst einmal keine Schokolade, die so sehnsüchtig erwartet wurde.

Ab 21:30 geht es dann mit dem eigentlichen Ball los. Ilka hat schon an der Tafel nicht ganz glücklich ausgesehen, jetzt wird klar – ihr geht es nicht besonders – die Stimme ist fast weg und sie wird die Ansagen am Abend reduzieren müssen. All zu viel tanzen werden wir persönlich an dem Abend dann aber nicht, nach zwei oder drei Tänzen muss Carola raus – das Hauptgericht meldet sich wieder. Später werden wir dann bei ein paar Tänzen mitmachen und etwas Menuett tanzen. Der offizielle Ballteil wird um 23:30 Uhr beendet, wir bleiben noch bis kurz vor eins und verabschieden uns dann.

Für den Sonntagmorgen ist dann als Reenactmentelement noch ein kleines Bläserkonzert vorgesehen und ein Kirchgang. Die meisten haben für diese weitere Gelegenheit, ein Kostüm zu tragen, gleich noch ein passendes zweites mit dabei. Die Kostüme der Teilnehmer am Ball waren ja ohnehin schon bereits deutlich überdurchschnittlich, aber hier zeigt sich der echte Hardcore Reenactor – ein passendes Kostüm der Zeit für jede Gelegenheit. Nun ja – Kirche, die Menschen waren in der Tat in dieser Zeit sehr gläubig, aber ein Besuch in einem normalen modernen Gottesdienst im Kostüm ist dann doch schon eher grenzwertig. Es sollten nur die in die Kirche gehen, die wirklich daran glauben und die Liturgie kennen – alles andere ist respektlos gegenüber den Gläubigen, die das ganze ja doch noch ernst nehmen. Wie sagte das Gothic-Paar, das beim Ball dabei war, beim Frühstück doch so schön: „Wenn wir in die Kirche gehen, zischt es immer so“.

Der Ball wurde mit viel Liebe zum Detail organisiert. So wurden z. B. die modernen Lampen im Palais mit Stoff verhängt und das Gebäude dann komplett mit Kerzenlicht erhellt. Dem Fotografen, der den ganzen Abend schöne Bilder schoss, bereitete das offensichtlich keine Probleme. Auch wurden Getränke in Karaffen umgefüllt und die Tische mit Obst dekoriert – Details an denen man sieht: hier ist jemand aufmerksam. Für die Gäste stand den ganzen Abend der königliche Schuhputzer Rudolf van der Meer zur Verfügung, der sich liebevoll um die Schuhe kümmerte. Das Palais ist allerdings von innen nicht allzu bezaubernd – moderne schmucklose weiße Wände und Säulen, dafür aber eine nette Treppe und ein paar Gemälde an den Wänden. Der Parkettboden ist etwas zu glatt zum Tanzen, so dass nicht allzu viel an Barocktechnik einsetzbar ist. Mit etwas über 30 Teilnehmern war es ein kleiner, fast intimer Ball, bei dem man fast mit allen im Laufe des Abends ins Gespräch kam. Insgesamt war es ein schöner Abend, auch wenn Carolas verdorbener Magen für uns das ganze etwas einschränkte – man sollte halt nichts essen was man nicht verträgt. Nächstes Jahr wird es voraussichtlich wieder einen Hofball in Zabeltitz geben, dann zu Graf Wackerbarths 350stem Geburtstag.



Tags: Playford | Tanz | Reenactment | Barock | Ball | Workshop

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Christian
Workshop: Edelmann und Harlekin - Der elegante und der groteske Stil im Barocktanz
26.11.2011 10:00:00

Alljährlich, kurz nach Eröffnung des Dortmunder Weihnachtsmarkts, organisiert Helga von der Gruppe La Riverenza, ein Barocktanzwochenende mit Philippa Waite. Ich bin nun schon zum dritten Mal dort mit dabei und diesmal ausnahmsweise nicht erkältet, auch wenn ich am ersten Tag schon wieder das Gefühl einer aufkommen Erkältung habe. An der Gymnastikhalle des Stadt-Gymnasiums hat der Zahn der Zeit nun schon ganz deutlich genagt, nächstes Jahr soll sie wohl renoviert werden. Aber zumindest bietet sie genug Raum für das Dutzend unermüdlicher Tänzer, das sich dort eingefunden hat, auch wenn man diesmal vergessen hatte für uns die Heizung anzuschalten. Neu ist in Dortmund, dass das Wochenende unter einem klaren Thema steht – diesmal: „Edelmann und Harlekin“. Der Workshop richtet sich nun nicht mehr als Training an alle Levels, sondern setzt nach der Ausschreibung klar Barocktanzkenntnisse voraus. Eine wirklich gute Sache, denn wenn man versucht es allen Recht zu machen, wird man niemanden gerecht. Nach dem üblichen Aufwärmen und einem Techniktraining im eleganten Stil lernen wir Schritte für den grotesken Stil. Ganz so grotesk wie ich mir das vorgestellt hatte, ist das dann allerdings doch nicht; es ist eher der Charakterstil, den ich auch schon von anderen Tänzen kenne. Warum sich Feuillet in seiner Choreographie seitenweise über die falschen (d.h. einwärts gedrehten oder parallelen) Fußpositionen ausgelassen hat, ist schon mysteriös. Selbst in den erhaltenen Harlekintänzen spielen diese keine große Rolle. Es ist natürlich möglich, dass er das einfach als ein Highlight seiner Notation präsentieren wollte, um zu zeigen wie präzise und leistungsstark diese ist. Wir lernen an diesem Wochenende allerdings keinen der erhaltenen Tänze, sondern einen von Philippa neu choreographierten kleinen rund einminütigen Charaktertanz. Sie hat dazu als Musik das „Allegro“ aus Guillaume Dumanoirs „Suite du Ballet de Stockholm“ verwendet und den Tanz aus grotesken Elementen verschiedener erhaltener Tänze zusammengesetzt. Als zweiten Tanz, nun zum Kontrast im eleganten Stil, lernen wir eine von ihr choreographierte Sarabande zu „Secresie“ aus Purcells „Fairy Queen“. Am Abend geht es dann noch zu einem guten „All you can eat“-Chinalokal – das wäre doch mal was tolles für Matt – falls der mal mit nach Deutschland kommt. Da ich angesichts des am Samstag in Dortmund stattfindenden Fußballspiels kein bezahlbares Zimmer mehr in der Nähe gefunden hatte, schlafe ich, zusammen mit vier etwas chaotischen Fußballfans, in einem Sechsbettzimmer eines neuen A&O Hostels. Das ist zumindest in der Nähe, und wenn man in dessen Hotelbereich ein echtes Zimmer bekommt, sicher besser und günstiger als die Jugendherberge. Glücklicherweise gehen die Fußballfans abends noch „auf die Piste“ und ich habe ein paar Stunden Ruhe. Am Morgen von Tag Zwei bin ich dann entsprechend etwas unausgeschlafen, aber wir vertiefen nur noch den kleinen Harlekintanz und stellen die Sarabande fertig.



Tags: Workshop | Tanz | Barock

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Christian
Barocker Maskenball 2011 in Schloss Engers
19.11.2011 18:30:00

Ein weiterer lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung. Der Barocke Maskenball in Schloss Engers war in den Vorjahren eigentlich immer sofort nach dem Event bereits schon wieder für das Folgejahr ausverkauft. Als es im Dezember letzten Jahres dann doch noch überraschend Karten gab, haben wir uns gesagt – der Preis für die Eintrittskarte ist zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber zumindest einmal müssen wir das mitmachen. Außerdem wird ja offensichtlich einiges für das Geld geboten. Die Tanzleiter der vergangenen Jahre – Jutta Voss und Niels Badenhop kennen und schätzen wir, auch die Organisatorin Ulrike Dittrich haben wir bei einem Barocktanzworkshop 2008 kennen gelernt. Von den Bildern her zu schließen, war die Qualität der Kostüme weit über dem durchschnittlichen Niveau – bei dem Preis bleiben aber zumindest die Faschingskostümverirrungen und weissen Plastikperücken ohnehin fast zwangsläufig aus. Ein Hotelzimmer im Schloss oder dem Gästehaus hatten wir bei der Anmeldung allerdings schon nicht mehr bekommen, so dass wir uns entschlossen haben, direkt nach dem Ball in der tiefen Nacht noch anderthalb Stunden zurückzufahren. Ärgerlich – später wurden dann offensichtlich immer mal wieder Zimmer frei von Leuten, die abgesagt haben, aber ohne Warteliste gab es dazu natürlich keine Informationen. Im Laufe des Jahres wurde der Ball dann immer mysteriöser. So habe ich bei meinen diversen Barocktanzworkshops eine Reihe von Leuten kennen gelernt, die entweder endlich Karten ergattern konnten und erstmalig zum Ball gehen, und andere Leute, die ein paar mal dabei waren und nun nicht mehr zum Ball gehen. Die verschiedensten Gerüchte kamen auf, wer denn nun Tanzleiter(in) sein wird, und um Veränderungen bei der Organisation – die Webseite und das Facebook-Account wurden ja offensichtlich lange nicht mehr aktualisiert. Die letzten positiven Gerüchte sollten sich dann bewahrheiten – die Organisatorin ist nach wie vor die alte, und Lieven Baert ist Tanzmeister.

Wir sind eine halbe Stunde später als ursprünglich geplant in Engers angekommen. Da wir uns erst vor Ort umziehen, kommen wir uns zunächst etwas Underdressed vor, als wir das Schloss, im Gegensatz zu den anderen Gästen, noch in Zivil betreten. Schnurstracks gehen wir ins Umkleidezimmer – das nehmen in der Tat nur wenige Gäste in Anspruch, die meisten haben wohl ein Zimmer im Ort. Nach einer Stunde Umziehen sind wir in unsere Rokokokostüme gekleidet und fühlen uns nicht mehr ganz so aschenputtelmäßig. Der Einlass ist laut Einladung ab 18 Uhr, wir sind gerade rechzeitig zur Begrüßungsveranstaltung um 18:30 Uhr fertig mit dem Umziehen. Wir schließen uns direkt der Menschenmasse an, die in den Dianasaal strömt – dieser ist dann auch recht überfüllt. Nach der Begrüßung eröffnet dort Lieven Baert mit zwei Tänzerinnen und einem Musiker in einer fulminanten Mischung aus Barocktanz und Komödie das Abendprogramm. Später wird es mit Tanz für alle weitergehen, aber zunächst zieht die Karawane zurück ins Erdgeschoss, um sich dort in verschiedenen kleinere Räumen an Tischen für das Essen zu verteilen. Rund 25 Gänge stehen auf dem Programm des Blitzmenüs. Doch leider müssen wir feststellen, dass wir schon rund die Hälfte der Köstlichkeiten verpasst haben – die wurden zwischen 18 und 18:30 Uhr als Häppchen gereicht, als wir uns noch umgezogen haben – dumm gelaufen, dass stand so leider nicht auf dem Programm. Das Essen in kleinen Portionen ist wirklich lecker, allerdings zieht es sich hin und überschneidet sich dann mitten in der Speisenfolge mit dem Tanz für alle.

Auf zum Tanz – doch der Tanzsaal ist so hoffnungslos überfüllt, dass wir auf die erste Stunde mit Tanz für alle unter dem Tanzmeister Lieven Baert verzichten müssen – so haben wir uns einen Ball eigentlich nicht vorgestellt. Nun, es gibt ja noch zwei weitere Gelegenheiten dafür und es werden ohnehin nur einfache Playfordtänze ohne eine dezidierte Barocktechnik getanzt. So ziehen wir weiter zum amourösen Kabinett, das mehr oder weniger zeitgleich stattfindet – aber auch das ist so überfüllt, dass wir keinen Platz mehr finden. Also zurück an unseren Sitzplatz, wo wir dann immerhin im Gegensatz zu den meisten anderen den nächsten Gang der Speisenfolge „Schweinelende“ ergattern. Auf den Folgegang „Lamm“ müssen wir dann allerdings verzichten, um den zweiten Teil der Aufführung von Lieven Baert und seinen Mitstreiterinnen zu bewundern. Verwundert sind wir allerdings, dass jetzt bei der zweiten Vorführung der Saal fast leer ist – die meisten Gäste sind nun wohl mit Essen beschäftigt. Auch wir essen nach der Show schnell, damit wir bei der zweiten Runde Tanz so rechtzeitig im Saal sind, um mittanzen zu können – denn dafür sind wir ja schließlich gekommen. Nun können wir uns Plätze ergattern, aber nach zwei Tänzen müssen wir leider abbrechen, weil Carola im stickigen Saal keine Luft mehr bekommt – seltsam, dabei ist sie heute gar nicht so eng geschnürt. Im ersten Stock lauschen wir dann Niels an seiner Harfe, während sich ihre Atmung wieder normalisiert. Auch die zweite Runde des amourösen Kabinetts verpassen wir, aber auch das war überfüllt. So geht es zum üppigen Dessert. Bei der letzten Runde Tanz des Abends sind wir dann endlich voll dabei. Als Tanzmeister leitet Lieven Baert die Tänze wirklich gut an, bei etwas schwereren englischen Tänzen dann auch mit Durchläufen aus beiden Positionen, wie sich das gehört. Der Tanz beschließt den offiziellen Teil des Abends, es bleibt das Umziehen und für uns der Nachhauseweg in der tiefen Nacht.

Fazit: Es ist schon ein Event, das man als Barockinteressierter einmal mitgemacht haben sollte, allerdings nur, wenn man über den Eintrittspreis nicht zweimal nachdenken muss. Die meisten Kostüme sind wirklich überdurchschnittlich gut, wenige Ausfälle bestätigen die Regel. Die echten klassischen barocken Masken – die Bauta für die Herren und die Moretta für die Damen – trägt hier allerdings keiner. Die stattdessen verwendeten prunkvoll verzierten modernen Columbina Modelle sind natürlich viel bequemer und eindruckvoller, ein Teil verzichtet auch ganz auf Masken. Das Ambiente stimmt – das Schloss bietet phantastische Räumlichkeiten, die zum Teil sogar mit Kerzenlicht erhellt werden und auch die Bedienungen tragen passende Kostüme, so bleibt alles stilgerecht. Ärgerlich ist, dass alles parallel läuft und man zwangsläufig an dem Abend irgendwas verpasst. Die kleinen Essensportionen, auf die man zum Teil lange wartet, sind zwar sehr lecker, aber z. B. eine kleine Hähnchenkeule nur mit einer Gabel zu essen, ist eher schwierig. Und auch hier verpasst man durch die Parallelität von Essen und anderen Events zwangsläufig etwas. Die Tanzaufführungen waren natürlich gut. Der Tanz für alle – gelaufene Playfords ohne jede Barocktechnik, dazu an diesem Abend mit Musikkonserven ist nichts, für das man als Barocktanzinteressierter so viel Geld ausgeben sollte. Für den Eintritt kann man auch ersatzweise auf einen mehrtägigen Workshop gehen. Gut, was will man auf so einem Ball heutzutage als Tanz für alle sonst machen? – Dass die Leute Barocktanz beherrschen, kann man ja nicht voraussetzen. Aber zumindest Livemusik hätte ich hier für den Preis erwartet – eine Minicombo mit drei Musikern hätte es ja schon getan. Am ärgerlichsten – viel zu viele Menschen für den Ballsaal, und das ist für einen Ball dieser Art fatal. Durch die Kostüme hat man ohnehin einen anderen Raumbedarf, mit halb so vielen Leuten hätte man auch richtig tanzen können. Aber man darf halt nicht vergessen, es ist ein kommerzielles Event, das zwangsläufig darauf ausgerichtet ist, mindestens eine schwarze Zahl zu erzielen. Klar ich würde mir bei „Barockbällen“ den gleichen hohen Standard wünschen, den z.B. die Bälle im SCD haben – mit einem vorher veröffentlichten Tanzprogramm, mit Tänzern, die eine gute Technik haben und die Tänze beherrschen, mit einem gut durchstrukturierten Ablauf. Einen echten Barockball, wie er wirklich früher durchgeführt wurde, würde sicherlich heute allerdings eher kaum einer ertragen; genauso wenig, wie die hygienischen Umstände und den Gestank der damaligen Zeit – so sind wir heute auf derartige Surrogate angewiesen. Auch bei ein paar Kritikpunkten bleibt es natürlich ein tolles Event, das in seiner Kategorie sicherlich einen der ganz oberen Plätze einnimmt.



Tags: Reenactment | Ball | Barock | Playford | Tanz

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